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Man muß leider zunächst einmal über
das liebe Geld reden. Bestimmte Sorgen hatte der aufrechte
kleine Gallier, der sich mit seinem dicken, kräftigen
Freund Obelix schon vor vielen Jahrhunderten aufmachte,
um Britannien einen Besuch abzustatten und dabei den
oben zitierten Ausspruch tat, natürlicherweise
noch nicht. Aber selbst der größte Pessimist
unter den ungezählten Londonliebhabern hätte
sich vor 20 Jahren noch kaum vorstellen können,
in welch ungeahnte Höhen die Preise für
fast alles in und um London klettern würden.
Wer sich als historisch interessierter Mensch den
Tower ansehen möchte, ist als Erwachsener mit
11.30 Pfund dabei. Das sind nach augenblicklichem
Umrechenkurs über 37 Mark. Und dafür wird
der Tourist, bevor er die Kronjuwelen zu sehen bekommt,
auf ein Förderband gestellt, damit die Verweildauer
berechenbar bleibt und die Augen sich nicht zu lange
an den königlichen Klunkern festsaugen. Und wer
sich tatsächlich die ollen Wachsfiguren in Madame
Tussaud's anschauen will, dem muss dies über
38 Mark wert sein. Die Liste ließe sich endlos
fortsetzen. Dennoch, der Tourismus boomt weiter ungehemmt.
Kaum eine Stadt der Welt bietet auf ein paar Quadratkilometern
eine solch hochkarätige Ansammlung von bedeutenden
Museen, fantastischen Gemäldegalerien, weltberühmten
Theatern, architektonisch bedeutsamen Gebäuden
und Touristenattraktionen ohne Ende. Und man kann
durchaus sparen. Erstaunlicherweise sind einige der
großartigsten Museen und Galerien völlig
umsonst. Dazu gehört das British Museum, das
älteste und vielleicht schönste Museum der
Welt mit seiner Ehrfurcht gebietenden Sammlung, von
der allein die ägyptische Abteilung einen stundenlang
in Bann schlagen kann. Mit freiem Eintritt verblüffen
die British Library, die Tate Gallery, die National
Gallery und die National Portrait Gallery und bieten
Kunstinteressierten Stunden ungetrübten Genusses.
Aber wer London erleben will, muss hinaus auf die
Straßen und Plätze der Stadt, und es ist
keine schlechte Idee, sich zumindest einen Teil der
Stadt als Spaziergänger zu erschließen.
Man muss die Hopses of Parlament mit der Westminster
Hall wenigstens teilweise zu Fuß umrundet haben,
um ein Gefühl für die Dimensionen dieser
Gebäude zu gewinnen. Man sollte dabei unbedingt
einen Blick in die südlich am Parlamentsgebäude
anschließen- den Victoria Tower Garens werfen,
wo sich ein Abguss der weltberühmten ,Die Bürger
von Calais'-Plastik von Rodin befindet. Wer dann nach
einem Blick auf die eindrucksvolle Fassade der Westminster
Abbey die Whitehall entlangschlendert, läuft
durch das Machtzentrum Großbritanniens, das
neben dem Wohn- und Regierungssitz Blairs alle wichtigen
Ministerien beherbergt. Jedes Gebäude atmet Geschichte,
und viele Denkmäler legen Zeugnis ab von der
imperialen Vergangenheit Englands. Die Whitehall führt
direkt zum Trafalgar Square. einem der schönsten
und am großzügigsten gestalteten Plätze
Londons. Wer gut zu Fuß ist, kann die Strand
und Fleet Street entlang schlendern, das ehemalige
Pressezentrum der Hauptstadt. Merkwürdiges kann
einem bei solchen Spaziergängen widerfahren.
So erregt eine große Menschenmenge mit vielen
Journalisten und TV-Kameraleuten vor dem großen
Gerichtsgebäude am Strand die Aufmerksamkeit
der Vorbeigehenden. Wie man erfährt, wird gerade
die Höhe der Unterhaltszahlungen, die ein gewisser
Ex-Tennis-Profi einer gewissen Dame zahlen muss, neu
verhandelt. Am nächsten Tag kann man der Zeitung
entnehmen, daß Boris es vorgezogen hatte, nicht
im Gerichtssaal zu erscheinen, aber die als "Samenräuberin"
von der Presse nicht eben sehr fein behandelte Dame
wäre live zu besichtigen gewesen. Auch bei bester
Kondition muss der Londontourist auf die U-Bahn zurückgreifen.
Von Londonern, der Presse, Stückeschreibern und
Kabarettisten oft kritisiert, geschmäht, veralbert
und mit Spott überschüttet, in Stoßzeiten
heillos überfüllt, ist sie doch ein unverzichtbares
Transportmittel für alle, die größere
Strecken flott zurücklegen wollen. Auch da kann
einem Seltsames passieren. In einem der größten
Bahnhöfe, in King's Cross, fordert eine sehr
amtlich klingende Stimme alle Fahrgäste auf,
den Bahnhof sofort zu verlassen. Binnen 10 Minuten
ist einer der belebtesten U-Bahn-Knotenpunkte Londons
menschenleer. Auf den Vorfall am nächsten Tag
angesprochen, zuckt ein U-Bahn-Angestellter die Achseln
und meint, das sei sicher ein falscher Alarm gewesen.
Man vergißt die Sache, bis ein paar Wochen später
in einer anderen U-Bahn-Station eine Bombe hochgeht.
Wahrscheinlich eine Nachfolgeorganisation der IRA.
So friedlich und idyllisch ist London nun doch wieder
nicht. Auch Neonazis lassen schon mal auf einem Markt
in einem Viertel mit hohem Anteil an Farbigen eine
mit Nägeln gefüllte Bombe explodieren. Die
Aussichtsplattform des Canary Wharf Tower, des mit
244 Metern höchsten Londoner Gebäudes in
den spektakulär sanierten Docklands, ist immer
noch für Besucher gesperrt, seit die IRA dort
vor etwa zwei Jahren die letzte Demonstration ihrer
Zerstörungswut gab. Die Kneipen in London sind
schon fast eine Reise wert. Sie garantieren meist
eine urige Stimmung, schnelle Kontakte mit den Einheimischen
- so vorhanden - und eine stilvolle und nicht künstlich
auf alt gemachte Inneneinrichtung. Und noch immer
ertönt um Viertel vor Elf das gewohnte "Last
orders, please!" Aber die Preise. Parks sind
Oasen der Ruhe und Entspannung, Fluchtpunkte aus dem
hektischen Treiben der Millionenstadt und bieten auch
sonst einiges. Vor allem verfügt jeder Park,
ob Hyde Park, Green Park oder Regent's Park, über
einen ganz eigenen unverwechselbaren Charakter. Als
ein englischer König im 19. Jahrhundert, als
längst alle Parks der Öffentlichkeit zugänglich
gemacht worden waren, seinen Premierminister ernsthaft
fragte, was es kosten würde, die Parks mit entsprechenden
Mauern oder Zäunen zu umgeben, um das Volk wieder
auszuschließen, erwiderte jener, es werde ihn
wohl drei Kronen kosten. Als Majestät ihre Überraschung
über die niedrigen Kosten zum Ausdruck brachte,
eine Krone entsprach früher einem viertel Pfund,
bemerkte der Premierminister trocken zum etwas begriffsstutzigen
Monarchen: "Es wird Sie die Kronen von England,
Schottland und Wales kosten." Wen Geschichten
dieser Art interessieren, der ist gut beraten, wenn
er sich einem der zahlreichen "Guided Walks"
anschließt. Für einen akzeptablen Betrag
wird er von hervorragenden Führern je nach Thema
in Westminster, Kensington oder anderswo Geschichte
und Geschichten, Interessantes und Skandalöses
hören, darf aber immer davon ausgehen, daß
er weit weg von den ausgetretenen Touristenpfaden
ist. Wer etwa an der Führung "Jack the Ripper"
teilnimmt, erfährt nicht nur die gruseligen Details
der bis heute ungeklärten Prostituierten morde
um die Jahrhundertwende, es entsteht ein faszinierendes
Stück Sozialgeschichte des Glasscherbenviertels
East End mit seinen vielen Minderheiten und Problemen.
Man hört von Elendsprostitution und verbreitetem
Alkoholismus in Ginkneipen, die mit dem Wahlspruch
"Drunk for a penny, dead drunk for twuppence"
warben. Für zwei Pence kann man sich wahrlich
keinen Mordsrausch mehr antrinken. Doch das braucht
es auch nicht. Die quirlige, vor Vitalität schier
berstende und im Wortsinn farbige Metropole Englands
benebelt einem auch ohne Alkohol die Sinne. Womit
wir bei der eingangs gestellten Frage wären.
Natürlich wäre es schön, wenn ein günstiger
Wechselkurs oder der längst überfällige
Anschluß des Pfund an den Euro den Geldbeutel
der Touristen etwas schonen würde. Auch bei der
Preisgestaltung, besonders was attraktive Tourismusziele
anlangt, wünscht man sich etwas mehr Zurückhaltung.
Dennoch, London wird immer eine Reise wert sein. Und
man wird immer mit dem Gefühl zurückkommen,
nur an der Oberfläche dieser Stadt ein wenig
gekratzt zu haben.
P.S.: Nach der Sommerhitze ist der Herbst für
London eine besonders empfehlenswerte Reisezeit. Viele
Reiseinformationen, kompetente Beratung und zahlreiche
schriftliche Infos und Tips (einschließlich
Stadtplan) gibt es ganz umsonst bei der British Tourist
Authority, Westendstraße 16-22, 60325 Frankfurt.
Dazu das übliche überangebot an Informationen
unter www.visitbritain.com im Internet.
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