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>>> Ansichtssache
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PISA und kein Ende ?
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von Reinhardt Gruß |
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Gelesen hat sie kaum einer,
jene internationale Vergleichsstudie, in der Deutschlands
Schulen nur ein mäßiger Platz im letzten
Drittel zugewiesen wurde. Die allgemeine Bestürzung
war groß und gelegentlich mit einer kräftigen
Portion Schadenfreude unterfüttert. Seitdem reißen
die Katastrophenmeldungen nicht ab. Und die Presse -
man darf getrost annehmen, daß die Zahl der Journalisten,
die als Schüler Musterknaben waren, vernachlässigbar
gering ist - macht sich gelegentlich einen Spaß
daraus, Kübel von Häme über unsere Bildungsinstitutionen
auszugießen.
Wer selbst im Lehrberuf arbeitet, wird nur schwer den
Verdacht entkräften können, er sehe den ganzen
Vorgang durch eine höchst subjektiv gefärbte
Brille. Aber vielleicht läßt sich doch wenigstens
ein Konsens über bestimmte Grundtatsachen erreichen.
Natürlich eignet sich kaum ein Beruf so gut dazu,
ein Negativimage aufzubauen, wie der des Lehrers. Jeder
kann sich an einen Lehrer erinnern, der miesepetrig
und brummig war, ungerechte Noten hergab, sich skurril
bis zur Exzentrik verhielt, keinerlei pädagogische
Fähigkeiten besaß, ständig unbeherrscht
herumschrie. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.
Eltern haben auch wenig Verständnis dafür,
wenn dem hoffnungsvollem Sprößling attestiert
wird, daß die Leistungen in Mathematik nur schwach
ausreichend sind. |
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Wenn dies auch noch derselbe
Bursche tut, der nachmittags mit aufreizender Langsamkeit
seinen Rasen mäht, was Büromenschen, Handwerker
und Geschäftleute am frühen Abend erledigen
müssen, und dann vielleicht noch mit Sporttasche
sich Richtung Tennisplatz in Bewegung setzt, dann steht
das Urteil fest. Der deutsche Lehrer ist überbezahlt
und unterbeschäftigt. Und alle Klischees feiern
ein munteres Stelldichein. "Vormittags hat er recht,
nachmittags hat er frei."
Tatsächlich ist es den meisten Zeitgenossen unbekannt,
daß Lehrer - wenn auch in unterschiedlichem Umfang
- auch am Nachmittag unterrichten.Logischerweise sind
Lehrer, die nachmittags oder abends korrigieren und
ihren Unterricht vorbereiten nicht besonders auffällig,
und ihr Nachrichtenwert ist gering. Auch kann nur der
Streß und Belastung des Lehrberufs ermessen, der
einmal eine Doppelstunde lang sich mit 32 munteren und
aufgeweckten Fünftklässlern befaßt hat.
Selbstverständlich ist Kritik an der Schule berechtigt
und notwendig. Und sicher gibt es schlecht vorbereitete,
nicht immer kompetente Lehrer. Wo Lehrer ihre Machtposition
ausnützen und Schüler verletzen, sind Beschwerden
notwendig. Allerdings sollte man in einem Rahmen, wo
viele Menschen auf engem Raum miteinander auskommen
müssen, nicht jedes Wort auf die Goldwaagschale
legen und jede Entgleisung dramatisieren.
Es wirkt aber sicher kontraproduktiv, wenn ein Berufsstand
permanent als Watschenbaum mißbraucht wird. Auch
Gerhard Schröder hat der Versuchung, ein wenig
dumpfen Populismus zu betreiben, nicht widerstehen können
und in einem Gespräch mit Redakteuren von Schülerzeitungen
die Lehrer pauschal als "faule Säcke"
abqualifiziert. Immerhin ist auffällig, daß
in nahezu allen Ländern, die in der PISA-Studie
besonders gut abgeschnitten haben, der Lehrberuf sich
eines besonders hohen Ansehens erfreut. Wo dies der
Fall ist, wird auch die Einstellung zu Arbeit und Leistung
entsprechend positiv sein.
Über PISA ließe sich lange streiten. Einige
Problemkreise seien wenigstens angerissen.
Nicht jeder Lernstoff kann als Abenteuerspielplatz eingerichtet
werden, nicht jeder Lerninhalt als lustvolle Entdeckungsreise
dargeboten werde. Schule muß auch ein Ort sein,
an dem die Schüler lernen konzentriert zu arbeiten.
Wer meint, er könne sich den Wortschatz einer Fremdsprache
nur spielerisch ohne Lernaufwand beibringen, der lügt
sich in die eigene Tasche.
Viele Eltern leisten heute nicht mehr das Minimum. Abendliches
Vorlesen oder Geschichten- Erzählen ist vielen
Eltern zu mühsam geworden. Manchmal reicht die
Zeit nicht mal mehr für ein Pausenbrot. Wer selbst
vor der Glotze sitzt, kann von den Kindern nicht erwarten,
daß sie zum Buch greifen. Die Schule kann Defizite
des Elternhauses nur sehr begrenzt ersetzen. Die auf
Erziehungsfragen spezialisierte Hamburger Journalistin
Susanne Gaschke hat vor ungefähr zwei Jahren ein
Buch mit dem beziehungsreichen Titel "Die Elternkatastrophe"
veröffentlicht.
Vielen auf der Fun-und-Event-Welle mit surfenden Eltern
ist das Geschäft des Erziehens zu mühsam geworden.
Sie beschränken sich darauf, das oft schon stattlich
entwickelte Selbstbewußtsein ihrer Kinder zu fördern
und stellen dann ihre Erziehungsversuche ein. Das Ergebnis
sind oft begabte Selbstdarsteller, die sich ungern quälen
und massive Probleme haben, sich in eine Gemeinschaft
einzufügen.
Fast alle gut plazierten Länder der Studie verfügen
über besonders sorgfältig durchdachte und
hervorragend ausgestattete Vorschuleinrichtungen mit
qualifiziertem Personal. Auch wenn man unsere Kindergärten
nicht zu Lernfabriken umfunktionieren will, gibt es
sicher Möglichkeiten, das Alter, in dem Kinder
neugierig und lernwillig sind, besser zu nützen.
Begriffe wie "Kuschelpädagogik" sind
plakativ und nicht immer gerecht, doch es ist unbestritten,
daß vor allem die Grundschulzeit, was Wissen und
Lehrstoff anlangt, sehr stark entlastet wurde. Auch
hier fragt man sich, ob man die auf dieser Altersstufe
zweifellos vorhandene Lernbereitschaft der Kinder nicht
intensiver nutzen sollte, ohne daß dies gleich
in sture Paukerei ausarten muß.
Offensichtlich sind fast alle Länder darin besser,
fremdsprachige Minderheiten, Kinder von Migranten etc.
in ihr Schulsystem einzugliedern. Wenn allerdings Politiker
die Weichen dafür stellen, dass Hunderttausende
von Volksdeutschen aus Russland zu uns übersiedeln,
gleichzeitig aber die Mittel für die äußerst
notwendigen Sprachkurse vor allem der Kinder und Jugendlichen
ständig zurückgefahren werden, fragt man sich
ernstlich, wie es um die geistige Gesundheit unserer
Entscheidungsträger steht. Und wenn es schon um
Geld geht, selbstverständlich führen vermehrte
Ausgaben nicht automatisch zu besseren Schulen, doch
es ist schon bemerkenswert, daß Deutschland auch
in Punkto Bildungsinvestitionen zu den Schlußlichtern
zumindest in Europa zählt.
Viele Fragen, reichlich Vorschläge, doch den Stein
der Weisen hat keiner. Dennoch ist einiges angestoßen
worden, Eltern engagieren sich mehr als noch vor fünf
Jahren, es wird wieder über den Stellenwert von
Erziehung und Schule diskutiert. Immerhin ist es ein
Verdienst der Studie, daß sie ein Problem, über
das sich Erzieher seit Jahren die Köpfe heiß
reden, ins öffentliche Bewußtsein gehoben
hat.
In der deutschen Literatur kann man von "Professor
Unrat" über die "Feuerzangenbowle"
bis zu Heimerans "Lehrer, die wir hatten"
eine lange Reihe von meist karikaturhaft überzeichneten
Lehrergestalten Revue passieren lassen. Seltsamerweise
stammen sie meist aus einer Zeit, als die Schulen eher
preußischen Kadettenanstalten glichen - und dennoch
Weltruf genossen -, als niemand von Lehrern Verständnis
für Schülerprobleme erwartete und eine Lehrergestalt
aus einer Erzählung programmatisch "Gott Kupfer"
hieß. Heute fühlen sich die Lehrer eher als
Buhmänner der Nation, leiden am Burnout-Syndrom,
jammern viel und tun sich manchmal auch ein wenig zu
sehr leid. Hin und wieder sollten sie daran denken,
daß es zumindest in kleinstädtisch und ländlich
strukturierten Gebieten noch viele positiv eingestellte
und engagierte Eltern und erfreulich zahlreiche motivierbare
Schüler gibt. Und außerdem haben sie ja bekanntermaßen
nachmittags frei. |
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Es war einmal in Dinkelsbühl
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|
von Patricia Lee Gauch
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Bilder von Tomie de Paola
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Das besondere Buch zur Kinderzeche !
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Erhältlich bei der Buchhandlung Bauer in Dinkelsbühl
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€ 15,00
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