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War an dieser Stelle noch im letzten Jahr von "Kasse
statt Krise" die Rede und wurde der Geldmaschine
in Hollywood angesichts der Erfolge von "Harry
Potter" und "Herr der Ringe" attestiert,
sie steuere auf Erfolgskurs, dümpelt der Riesenkreuzer
dieses Jahr reichlich lustlos vor sich hin. Allerorten
jammern die Kinobetreiber, nichts will so recht laufen,
keine "Titanic" ist in Sicht und auch der
"Schuh des Manitou" hat keinen Nachfolger
gefunden. Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung
macht sich ein Kritiker über "Hollywoods
falsche Strategien" Gedanken.
Verwunderlich ist es nicht, daß selbst hochkarätig
besetzte, tricktechnisch aufwendig produzierte und
mit Millionen beworbene Filme floppen bzw. die in
sie gesetzten Erwartungen bei weitem nicht erfüllen.
Gigantische Stargagen, teuere Tricktechnik und riesige
Werbekampagnen haben die Kosten für einen großen
Spielfilm in schwindelerregende Höhen getrieben.
Gleichzeitig hat sich der Zeitraum enorm verkürzt,
in dem die Kosten hereingespielt werden müssen
und die so notwendigen Gewinne gemacht werden können.
Also muß die Werbestrategie darauf zugeschnitten
sein, jeden größeren Kinostart zum "Event"
hochzujubeln, den man nicht versäumen darf. Drei
bis vier Wochen läßt sich der Event-Charakter
eines Films aufrecht erhalten. Dann ist er schon fast
Schnee von gestern.
Weil möglichst viele Zuschauer in möglichst
kurzer Zeit in die Kinos geschaufelt werden müssen,
werden die potenziellen Erfolgsfilme in riesiger Stückzahl
in die Kinos gedrückt und lassen kleinen Filmen
mit geringem Werbeetat kaum Luft zum Atmen.
Nebenbei bemerkt hat sich inzwischen deutlich erwiesen,
was Kritiker schon vor Jahren prophezeit haben: Die
großen Multiplex-Kinos mit neun oder zwölf
Leinwänden mögen Konsumtempel und Treffpunkt
trendiger Teenies sein, zur Kinovielfalt leisten sie
keinerlei Beitrag. Wenn in einem Haus mit 10 Sälen
gleichzeitig in 4 Kinos "Terminator 3" läuft
und in zwei weiteren "Tombraider 2", kann
man sich in etwa vorstellen, welcher Platz dort kleinen
Filmen für ein echtes Kinopublikum eingeräumt
wird.
Angesichts der beschriebenen Rahmenbedingungen haben
die großen Studios Angst vor dem finanziellen
Absturz. Was tut man? Man setzt auf Altbewährtes.
Und so hat sich der hier schon vor Jahren beklagte
Trend zu Fortsetzungen inzwischen zu einer wahren
Seuche ausgeweitet. Von "X-Men 2" über
"Final Destination 2", "2 Fast and
2 Furious ", "Das Dschungelbuch 2"
bis hin zu "Drei Engel für Charlie 2",
ein wenig mußs man an einen Aufmarsch der "Untoten"
denken. Ein Ende ist nicht abzusehen. Schon droht
der dritte Teil von "American Pie". Selbst
der deutsche Film hat mit "Anatomie 2" versucht,
an den Erfolg des ersten Filmes anzuknüpfen.
Erfreulicherweise war dieses Sequel flott und professionell
gemacht und hatte mit dem Vorgängerfilm nahezu
nichts zu tun.
Doch zum Schrecken Hollywoods weigert sich das Publikum
zusehends, dieses Spiel mitzuspielen. Fast alle genannten
Filme blieben bei den Einspielergebnissen weit hinter
den Erwartungen zurück. Hollywood wird sich etwas
einfallen lassen müssen. Weg von der Gigantomanie
und mehr Mut zum Risiko. Die unlängst vom Branchenblatt
"Variety" als Titel verwendete Warnung "Is
brainy a box-office turn-off" - auf Deutsch etwa
"Schrecken intelligente Filme die Zuschauer ab?"
- ist möglicherweise ein gefährlicher Trugschluß.
"About Schmidt", ein unaufwendiger, intelligent
gemachter Film über einen Rentner, dem der Lebenssinn
abhanden gekommen ist, war mit Jack Nicholsen in der
Hauptrolle auch ein kommerzieller Erfolg. Der kürzlich
angelaufene Film "Nicht auflegen" verspricht
einen rasanten Thriller ohne permanente Ballerei.
Immerhin zwei Filme ragten aus der endlosen Reihe
von Sequels heraus. "Matrix Reloaded" konnte
wenigstens einen Achtungserfolg verbuchen. Der erste
Film war die Sensation des Jahres 1999, ein Streifen,
der brillante Action-Sequenzen gekonnt mit philosophischen
Exkursen über die Natur der Realität verband.
Als Mittelteil einer Trilogie mußte "Matrix
Reloaded" manche Fragen offen lassen. Eine Enttäuschung
war er sicher nicht.
Anfang August stellte sich allen Fans die Frage, ob
es Arnold Schwarzenegger nochmals gelingen würde,
wenn nicht die Welt, dann wenigstens Hollywood vor
dem finanziellen Untergang zu retten. Auch wenn "Terminator
3" nicht der durchschlagende Erfolg war, den
alle erhofft hatten, er war ein gediegener Actionfilm,
der ordentlich Kasse machte und ein paar drängende
Fragen beantwortete. Auch mit 56 und sogar in unbekleidetem
Zustand ist Arnie immer noch ein knackiger Bursche
mit festen Pobacken. Er kommt immer noch mit wenig
Mimik und fast noch weniger Worten aus. Als Auslaufmodell
T-800 war er zwar seinem weiblichem Gegenstück,
der Terminatrix T-X hoffnungslos unterlegen, verfügte
aber über den eindeutig höheren Sympathiefaktor,
der umso mehr stieg, je heftiger er im Laufe des Films
demoliert wurde. Sein kantiges Kinn wird sich auf
den Plakaten im Wahlkampf um den Gouverneursposten
in Kalifornien gut machen. Wenn er den Schuldenberg
dort so energisch attackiert wie seine diversen Gegner
im Film, können sich Kaliforniens Wähler
jetzt schon freuen. Sollte er dieses Problem wider
Erwarten nicht sofort lösen, kann er zum Schulden-
abtragen jederzeit "Terminator 4" in Angriff
nehmen.
Zum Abschluß eine Bemerkung zum deutschen Film.
Auch wenn der ganz große finanzielle Erfolg
ausblieb, "Good Bye, Lenin" war ein anrührender,
witzig gemachter, brillant besetzter, unterhaltsamer
Spielfilm, gleichzeitig eine Geschichtsstunde über
die untergegangene DDR und die Wende auf hohem Niveau
und hat zu Recht viele Filmpreise bekommen. Er zeigt
wieder einmal die Möglichkeiten, die im deutschen
Film stecken. Würde sich das Publikum gerade
angesichts der oft lieblos heruntergedrehten Dutzendware
aus Hollywood etwas mehr dem deutschen Kino zuwenden,
wäre dies für alle ein Gewinn.
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