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Wer liest schon Bücher –

   
 

Geschichte im Kino

   
 

Sie war eine der Lichtgestalten der jüngeren deutschen Geschichte. Mit fast traumwandlerischer Sicherheit und gegen den Willen ihres federführenden Bruders beteiligte sie sich an Aktionen, deren tödliche Gefahr ihr sehr bewusst waren. Ihre moralische Integrität, ihre Konsequenz und ihr Mut waren beispiellos. Ihre Haltung im Schauprozess, den Blutrichter Freisler inszenierte, muss wohl auch ihre Gegner beeindruckt haben. Ihre Gefasstheit im Angesicht des Todes verdient Bewunderung. Historisch bezeugt sind ihre Worte „Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die daraus erwachsen, auf mich nehmen.“
Was hier über Sophie Scholl gesagt wird, gilt natürlich uneingeschränkt für alle Mitglieder der „Weißen Rose“, die eindrucksvoll belegen, dass das deutsche Volk nicht nur aus blinden Fanatikern, Mitläufern und Duckmäusern bestand. Marc Rothemunds Film „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ ist ein Glücksfall für den deutschen Film. Besonders eindrucksvoll ist die sensible Gestaltung der Hauptfigur durch die Jungschauspielerin Julia Jentsch, die mit Sensibilität und viel Einfühlungsvermögen auch die Augenblicke der Ohnmacht und Verzweiflung darstellt.
Seine Persönlichkeit ist nicht so klar konturiert wie die von Sophie Scholl. Als Berufsoffizier begrüßte er sicher die Aufrüstungspolitik Hitlers und den neuen Stellenwert der Streitkräfte. Schriftliche Äußerungen deuten an, dass er nicht ganz unbeeinflusst von der Rassenideologie der Nazis geblieben war. Doch als er sich einmal zum Widerstand gegen Hitler entschlossen hatte, ging er seinen Weg, der vor einem standgerichtlichen Erschießungskommando im Bendlerblock am Abend des 20. Juli 1944 enden sollte, mit imponierender Geradlinigkeit. Einmal bemerkte Claus Schenk von Stauffenberg: „Es ist Zeit, dass jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen.“
Es hat eine unnötige und teils fast hysterische Diskussion über die Frage gegeben, ob Scientology-Mitglied Tom Cruise eine solche Rolle übernehmen dürfe. Das einzige Kriterium hierfür können die schauspielerische Leistung und das Gesamtergebnis des Films sein. Beides kann sich sehen lassen, und für ein Hollywoodprodukt hält sich der Film meist erstaunlich genau an die historischen Vorgaben und ist bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzt.
Er war eine der finstersten Gestalten in der Geschichte der noch jungen BRD. Selbstverliebt, ohne jegliche moralische Skrupel und offensichtlich mit einem gewissen Charisma ausgestattet gelang es ihm, den Staat gewaltig zu verunsichern. Andreas Baader und die RAF haben eine Blutspur hinterlassen. Sogar ihren Selbstmord in Stammheim haben die führenden Mitglieder der 1.Generation in Stammheim so inszeniert, dass verblendete Anhänger bis heute von einer Exekution durch den Geheimdienst faseln. Uli Edel hat daraus einen durchaus spannenden Film gemacht, der sich auch um historische Authentizität bemüht und es immerhin zu einer Oscarnominierung (bester ausländischer Film) gebracht hat.

Menschen brauchen Bilder

Man mag es bedauern, dass junge Menschen – und nicht nur die - kaum je ein Buch in die Hand nehmen, um sich über die jungen Mitglieder der „Weißen Rose“ und deren Schicksal zu informieren. Auch die Regale füllende Literatur zum 20. Juli bleibt einem erwachsenen Minoritätenpublikum vorbehalten. Menschen brauchen Bilder, wollen Gesichter sehen, benötigen die dramatische Zuspitzung, den Konflikt, den Höhepunkt. Und das Fernsehen ist längst dabei. Überall, wo man hinsieht, verfilmte Geschichte. Die „Gustloff“ muss noch einmal untergehen, deutsche Städte versinken – nun in Farbe – unter dem Bombenhagel der Alliierten in Schutt und Asche, die Flucht aus Ostpreußen wird vor laufenden Kameras wiederholt, Schleyer wird fürs Fernsehen entführt, Brandt tritt im Spielfilm nochmals zurück. Manchen Zuschauern mag der geschichtliche Hintergrund gar nicht mehr gegenwärtig sein. Geschichte und Fiktion verschmelzen miteinander.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht greift ja der ein oder andere nach dem Film doch zu einem Buch, z. B. zu Stefan Austs umfangreichem Werk über den Baader-Meinhof-Komplex, und stößt dabei auf ein verstörendes und faszinierendes Stück Zeitgeschichte. Tom Cruise soll übrigens, als er sich über den historischen Hintergrund seines Films informierte, gesagt haben: „Das Beste an der Geschichte finde ich, dass sie tatsächlich passiert ist.“


   
   
 
 
 
 
   
 
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