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Auch unter den Hotels gibt es Legenden. Häuser,
nicht einfach nur Übernachtungsbetriebe, die
von einem nur sehr schwer erklärbaren Charme
umfangen sind, so dass man sie, weilt man in der Stadt,
mindestens besucht haben muß, wenn man schon
nicht dort übernachten kann. Denn Legenden sind
etwas reizendes, aber gewöhnlich auch teuer.
Das "Waldorf-Astoria" in New York ist so
ein Ort, ebenso wie das "Ritz" in Paris,
das "Adlon" in Berlin oder der "Bayerische
Hof" in München. Häuser, in denen man
sich nicht einfach ein Zimmer nimmt, sondern absteigt.
Man übernachtet dort nicht, es wird logiert.
Eine - zugegeben - etwas ungewöhnliche Einleitung
für einen Artikel über ein Dinkelsbühler
Hotel, wenn auch nach eigenen Angaben das älteste
in Deutschland. Aber die Stimmung, die aus den beiden
erhaltenen Gästebüchern der "Goldenen
Rose" am Dinkelsbühler Marktplatz spricht,
legt nahe, dass das Haus in seiner besten Zeit einen
Hauch des Charmes dieser Hotel-Mythen in die Mauern
unserer kleinen Stadt getragen hat. Freilich, was
Größe und Architektur angeht, wird man
die "Rose" nie neben das "Ritz"
stellen dürfen. Auch ein Gong, wie ihn Lorenz
Adlon schlagen ließ, wenn eine Berühmtheit
seine Berliner Hotelhalle betrat, damit die zur Teestunde
versammelten Herrschaften darauf aufmerksam wurden,
wäre in Dinkelsbühl nur begrenzt sinnreich
gewesen, da einerseits die Teestunde in unserer Stadt
schon jeher nur wenige Anhänger findet und man
andererseits auf den Besuch von Fremden, noch dazu
wenn ihnen der Ruf von Berühmtheit voraneilt,
nicht extra aufmerksam zu machen braucht. An der nicht
vorhandenen Hotelhalle, wie sie zu jedem guten Hotel
gehört, hat die Gong-Losigkeit vielleicht gelegen.
Die "Rose" hat keine Lobby für die
Auffahrten und den Einzug ihrer Gäste. Oder doch
? Welches Hotel-Vestibül ließe sich wohl
mit dem unserer "Goldenen Rose" vergleichen:
Begrenzt von der Südfassade der Georgskirche
und dem Gustav-Adolf-Haus, in der Mitte Christoph-von-Schmid,
von seinem Granitsockel mild lächelnd herabgrüßend
?
An der geringen Anzahl bekannter Persönlichkeiten
hat es sicher nicht gelegen, denn über mangelnden
prominenten Besuch konnte sich die Hoteliersfamilie
Fortunat, die das Haus lange Jahre führte, nicht
beklagen. Gekrönte Häupter, der höhere
und nicht ganz so hohe Adel, Politker, Diplomaten,
Offiziere nebst Ordonanz, Schauspieler, Künstler
und manch´ andere Rarität haben in der
"Rose" genächtigt und sich in den Gästebüchern
der Fortunats verewigt. Bedauerlicherweise ist das
älteste der drei Bücher, jenes vom Beginn
des 20. Jahrhunderts, nicht mehr aufzufinden. Glaubhaft
berichtet wird aber, dass dort auch Ihre Majestät
Victoria, Königin des Vereinigten Königreiches
von Großbritannien und Irland, Kaiserin von
Indien, allzeit Bewahrerin des Glaubens, etc., etc.
mit einer Unterschrift Eingang fand, als sie nach
einem Besuch bei den Verwandten des Hauses Sachsen-Coburg
und Gotha in Dinkelsbühl Station machte. Die
alte Dame mit ihren bezeugten 1,48m Körpergröße
bei fast zwei Zentnern Gewicht (der Herzog von Coburg
hatte für sie extra einen Aufzug in sein Schloß
einbauen lassen) beherrschte seinerzeit immerhin ein
gutes Drittel des Erdballes. Angesichts der baulichen
Verhältnisse in der "Goldenen Rose"
darf man davon ausgehen, dass Majestät in Dinkelsbühl
ebenerdig untergebracht war.
Vom Major an aufwärts
Auf der ersten Seite des zweiten, noch erhaltenen,
Gästebuches steht in ebenmäßiger Schrift
"Begonnen im September 1930". Ab diesem
Zeitpunkt lässt sich eine illustere Gästeschar
belegen, die mit einem "Prof. Dr. h.c. Hugo Vogel
und Frau" beginnt. Eine Ausnahme - Akademiker
oder Wissenschaftler auf Bildungsreise in Franken
verzeichnen die Bücher kaum. Wenig später
haben sich einige Manöverteilnehmer eingetragen.
Gerade in diesem Buch der Jahre 1930-39 findet sich
eine ganze Reihe an hochrangigen Offizieren, die in
der "Rose" während eines Manövers
oder aus anderem Anlaß zu Gast waren. Unter
ihnen Generalmajor Kurt Freiherr von Hammerstein-Equort,1930-34
Chef der Heeresleitung der Reichswehr, Gast am 10.
und 11. Juli 1932, der sich in den 40er Jahren dem
Widerstand gegen Hitler anschloß. Oder Generaloberst
Werner von Blomberg, von 1933-35 Hitlers Reichswehrminister
und Oberbefehlshaber der Wehrmacht (1935-38), der
am 02. August 1934, nach dem Tod Reichspräsident
von Hindenburgs, den Befehl gegeben hatte, die Truppen
auf die Person Hitlers anstatt auf die Verfassung
zu vereidigen. Am 15. August übernachtete er
in Dinkelsbühl. Manch´ anderer hochrangiger
Offizier der dreißiger Jahre stieg am Marktplatz
in Dinkelsbühl ab. Unter dem Rang eines Majors
niemand.
Erwähnenswert ist ein Gast, der am 31. September
1934 im Gästebuch verzeichnet ist: Dr. Heinrich
Sahm, seit 1931 Oberbürgermeister der Reichhauptstadt
Berlin, der im Dezember 1935 wegen Gängelung
durch die Nazis sein Amt quittiert und Gesandter in
Norwegen wird. Sein Nürnberger Amtskollege Wilhelm
Liebel (amtierte 1933-1945), trägt sich 1938
als "Oberbürgermeister der Stadt der Reichsparteitage
Nürnberg" in eben dieses Buch ein.
Einen besonderen Eintrag stellt der des Prinzen August-Wilhelm
von Preußen dar, der kurz vor Blomberg, am 21.
Juli 1934, zu Gast war. Er setzte bereits 1934 über
seinen Namen ein deutliches "Heil Hitler !"
gegen das sich das ebenfalls hinzugesetzte "Prinz
v. Preußen" fast verschämt ausnimmt
und das immerhin beim viertältesten Sohn Kaiser
Wilhelms II. ! Doch das braucht nicht zu wundern,
August-Wilhelm, von den Verwandten bald nur noch Au-Wi
gerufen, hatte sich bereits in den 20er Jahren der
Nazi-Bewegung angeschlossen und bekleidete als hochadliger
Vorzeige-Nazi schnell einen hohen SA-Rang.
Adel auf der Durchreise
Zwei Jahre später kam seine Schwägerin
in die "Goldene Rose". In zierlicher Schrift
steht im Gästebuch "Cecilie, Kronprinzessin
von Preußen, 29. August 1936". Cecilie
von Mecklenburg-Schwerin hatte 1905 den ältesten
Kaiser-Sohn, ebenfalls mit Namen Wilhelm, geheiratet.
Die Revolution von 1918 raubte ihr aber die Chance,
hinter ihren Namen statt der "Kronprinzessin"
die "deutsche Kaiserin" zu setzen.
1918 Abschied von Amt und Würden hatte auch ein
anderer Rosen-Gast nehmen müssen, der im Mai
1938 zu Besuch war: "Hilda, Großherzogin
von Baden", begleitet von "E. Freifrau Göler
von Ravensburg, geb. v. Bohlen und Halbach",
ein Sproß aus der Essener Krupp-Dynastie.
Adel auf der Durchreise, das ist das Motiv, das zahlreiche
Seiten dieses Bandes der Gästebücher prägt.
Freiherrn, Grafen, Herzöge und Fürsten füllen
die Seiten. Dazwischen fallen zunehmend Nazi-Größen
ins Gewicht, so unter anderem der "Gauleiter
der Kurmark", der am 01. September 1934 Eintrag
fand, wohl auf dem Weg zum "NSDAP-Reichsparteitag",
der vom 05.-10. September 1934 in Nürnberg stattfand.
Ebenfalls Reichsparteitagsbesucher waren die Mitglieder
des "Diplomatischen Corps". Botschafter,
Gesandte und Geschäftsträger aus Jugoslawien,
Österreich, Kuba, Luxemburg, der Tschechoslowakei,
Rumänien, Guatemala, Lettland, Ungarn, Uruguay,
Bolivien, Panama und den Niederlanden (in der Reihenfolge
der Einträge), die während des sogenannten
"Reichsparteitages der Arbeit" vom 06.-13.
September 1937 in Nürnberg in der "Goldenen
Rose" in unserer Stadt übernachteten.
Doch bevor der Eindruck entsteht, in jenen Tagen hätten
nur epaulettengeschmückte Offiziere, Adlige und
Nazis die "Rose" aufgesucht, sei an andere
Gäste erinnert. So zum Beispiel an sieben Gäste
aus dem September 1936, die möglicherweise nach
dem Besuch der Olympiade in Berlin noch ein wenig
Deutschland bereisten und die als Heimatorte Los Angeles,
Hollywood (4x), Beverly Hills oder New York City angeben.
Darunter auch in deutlicher Schrift ein "Cat
van Cleve". Oder an Luis Trenker und seinen Schauspieler-Kollegen
Paul Verhoeven, deren Unterschriften sich unter dem
Datum 27. März 1936 finden. Etwa zu jener Zeit
also, in der sich beide als Mitglieder der Filmcrew
des Films "Kaiser von Kalifornien" auch
im Gästebuch des "Deutschen Hauses"
eingetragen haben (vgl. Funkfeuer Nummer 40). Kurz
nach den beiden kam am 09. Juli 1936 der legendäre
Rennfahrer Bernd Rosemeyer nach Dinkelsbühl,
der noch im selben Monat die tollkühne Pilotin
Elly Beinhorn vor den Traualtar führte. Der Rennfahrer
auf Auto-Union und die Frau, die Brücken unterflog,
waren eines der Traumpaare der 30er Jahre. Am 28.
Januar 1938 verunglückte Rosemeyer bei einem
Weltrekordversuch auf der Autobahn A5 bei Frankfurt
tödlich (Elly Beinhorn-Rosemeyer lebt heute 93-jährig
in der Nähe von München).
Die damals bekannte Schauspielerin Trude Hesterberg
hielt sich 1937 mit dem Satz in Erinnerung "Wem
Gott will rechte Gunst erweisen, den führt er
auch zur "Rose" nach Dinkelsbühl !".
Versteckt zwischen anderen Namen überliest man
im Jahre 1938 leicht "Heli Finkenzeller, Berlin".
Das Blaue Band
Mit wesentlich deutlicheren Lettern sticht am 03.
Juli des gleichen Jahres "A. Ahrens, Kapitän
der Bremen" hervor, der kommandierende Offizier
jenes Passagierschiffes (950 Mann Besatzung), das
ein Jahr nach seinem Stapellauf (16. August 1928)
am 22. Juli 1929 das legendäre Blaue Band für
die schnellste Atlantiküberquerung gewann. Die
"Bremen" brauchte für die Strecke Cherbourg-New
York vier Tage, zwölf Stunden und 17 Minuten,
acht Stunden weniger als der bisherige Träger
der Trophäe.
Doch nicht nur die Objekte der bereits existierenden
"Illustrierten Zeitungen" bevölkerten
die "Goldene Rose" der 30er Jahre. Vielmehr
findet sich auch "Hans Dornbach, Maler"
oder "Elisabeth-Charlotte Alpers, geb. Wittmanik".
"A.O. Herlißius" aus Lüdenscheid,
Architekt seines Zeichens, der unter einer Bleistiftzeichnung
von Spital und Rothenburger Torturm den denkwürdigen
Satz hinterlassen hat "Hier in Dinkelsbühl
hat es mir so sehr gefallen, dass ich nicht wieder
fort gehen möchte. Wie beneide ich doch den Stadtbaumeister
dieser schönen deutschen Stadt !", war mehrfach
Gast. Ein Kollege schreibt 1937 "Ein Architektenherz
wird trunken - in dem wunderbaren Dinkelsbühl".
"Gudrun Canzler" dedizierte am 07. Mai 1937
folgene Zeilen: "Im Frankenland zur Maienzeit
/ wo könnt´ es schöner sein ? / Das
helle Grün lacht weit und breit / im schönsten
Sonnenschein ! / In Dinkelsbühl zur "Rose"
/ wir hielten frohe Rast / und waren wohlgeborgen
/ nach langer Tage Hast." Ein Zeichner (Nestleinsberggasse
mit Segringer Tor) wird da pathetischer: "Mondschein
auf Giebel und Dächer in einer alten Stadt /
ich weiß nicht, warum mich der Anblick stets
so ergriffen hat."
Neben diesen und anderen "normalen Gästen"
internationalisieren sich die Einträge im Laufe
der Jahre. Amerikaner, Briten und - auffallend - zahlreiche
Franzosen kommen in die "Rose".
Keine weiteren Einträge
Aber trotzdem macht die Politik nicht halt vor den
Toren Dinkelsbühls. Während die deutsche
"Legion Condor", eine Sonderabteilung der
neuen deutschen Luftwaffe, im Spanischen Bürgerkrieg
u.a. den Ort Guernica auslöscht, dichtet ein
"Doppelkopf" am 19. September 1937 harmlos:
"Wir sind jtzo und morgen / Der Sorgen bar +
lose / Im Dinkelsbühl der Rose: / der Hermann
[gemeint ist der sog. "Reichsluftfahrtminister"
und spätere "Reichsmarschall" Hermann
Göring, Anm. d. Red.] hat die Sorgen !"
Am 27. Juni 1939 hat sich ein einfaches Ehepaar zuletzt
in den zweiten Band der Gästebücher der
"Goldenen Rose" eingetragen, kaum daß
die Mitte des Buches erreicht war. Vor den beiden
ist ein vielsagender Gast verzeichnet: "General
der Flakartellerie und Präsident der Reichsluftschutzbunker".
Auf der folgen Seite steht nur ein Wort, mit Kugelschreiber
in ungelenker Schrift quer über die Seite geschrieben:
"Krieg". Danach: keine weiteren Einträge.
1949: Amerikaner
Der dritte und letzte Band der Gästebücher
der "Goldenen Rose", er ist wie der zweite
erhalten geblieben, beginnt am 01. August 1949 konsquenterweise
mit einem ranghohen Gast aus den Reihen der amerikanischen
Besatzungsmacht: "Murray D. van Wagoner, Land
Director of Bavaria". Wagoner war Chef der amerikanischen
Militärverwaltung des wiederhergestellten Freistaates
Bayern unter dem jeweiligen Miltiärgouverneur.
Es folgen Angehörige der Besatzungsmächte,
so der amerikanische Vize-Konsul in Frankfurt, "Daniel
W. Montenegro". Hauptsächlich Personen amerikanischer
Herkunft tragen sich ein. Eine amerikanische Touristin
erkundigt sich beim Gästebuch "Wo sind here
die Alpen ?". Nach Gründung der Bundesrepublik
und der damit verbundenen endgültigen Beseitigung
der Reisebarrieren zwischen den Besatzungszonen bevölkern
zunehmend auch deutsche Namen die Gästeliste.
Man lobt "Dinkelsbühl und Rothenburg als
2 Perlen in der Kette der Kultur unserer schönen
deutschen Heimat". Man fühlte sich offensichtlich
wohl in Dinkelsbühl. Welches Zimmer allerdings
dieser Gast zu bewohnen hatte, ist nicht bekannt:
"Ich war es nicht, der hier gelogen, / Daß
darob sich die Balken bogen." Inwieweit das festgestellte
Faktum mit dem Besuch von Königin Victoria in
Zusammenhang gebracht werden darf, war nicht herauszufinden.
Die Familien Röttger und Warlich aus Kassel halten
ihren "Familientag" im April 1950 mit 18
Teilnehmern in der "Rose" ab. Zwei der deutschen
Italienreisenden, die in den 50ern zu Tausenden auf
allem, was Räder hatte, über den Brenner
gen Süden fuhren, kommen zum Vorschein. Eine
erste Gruppe amerikanischer Pauschal-Touristen des
Reisebüros Ruoff stellte ein. Weitere Eintragungen
in der "Auch wir waren hier" Manier folgen.
Das ändert sich 1952.
There is no business
Die prominenten Gäste erobern sich "ihre"
"Goldene Rose" zurück. Nacheinander
stehen Hans Richter, Kurt Reimann, Rudolf Platte und
Sonja Ziemann, diese "mit herzlichem Dank",
auf einer Doppelseite des Gästebuches. Weitere
Leinwandstars lassen nicht lange auf sich warten:
Im Juni 1953 prangt in voller Seitenbreite das Autogramm
von Zarah Leander, jenes schwedischen UfA-Stars aus
den 30er Jahren mit dem legendären rollenden
R im Buch. Das Filmteam des Films "Der Liebe
Augustin" trägt sich ein mit dem Hinweis
"teilweise gedreht in Dinkelsbühl, Oktober
1959" und dem aussagestarken Zweizeiler: "Oh,
Du lieber Augustin, / Die Diäten sind hin ! (Aber
gelohnt hat sich´s trotzdem)". Lukas Ammann
(Gast am 19. Oktober 1968), der Filmgraf der 60er
schlechthin, hinterließ den Satz "Ein Wiedersehen
nach 50 Jahren und alle sind wir noch gleich jung."
Die beigefügte Autogrammkarte lässt nach
diesem Satz auf eine harte Jugend schließen.
Wolfgang Völz kommt 1975 und die große
Ruth Leuwerik, Star der Filme "Ein Herz spielt
falsch" (1953) und "Königliche Hoheit"
(1953) und mancher anderen deutschen Produktion der
50er, 60er und 70er Jahre, schließt am 25. August
1976 den Reigen der Schauspieler in der "Rose".
Das Fernsehen macht sich bemerkbar, einige seiner
ersten Stars kommen nach Dinkelsbühl. Am 26.
Juni 1975 fabuliert einer von ihnen: "Ich schlief
hier gut - 2 Nächte lang und dafür sag´
ich vielen Dank !". Derjenige, der hier leicht
holpernd reimte, war der unvergessene ZDF-Showmaster
Hans "Hänschen" Rosenthal. Zum Reimen
angeregt fühlte sich im Mai 1979 ganz offensichtlich
auch der damalige Nürnberger Oberstaatsanwalt
Hans Sachs (nicht jener Schuhmacher und Poet aus der
gleichen Stadt !), der Herr mit der akkuraten Fliege
und dem wohl gepflegten Schnauzbart aus Robert Lembke´s
"Was bin ich ?": "Schönen Dank
! Weil es mir gut gefallen hat / Mit dem Blick auf
die Kirche, den Platz + die Stadt / In der "Goldenen
Rose" aus meinem Gemach / ich fühlte mich
wohl unter ihrem Dach !"
Doch nicht nur die Leute aus der Film- und Fernsehbranche
stellten sich nach dem Kriege ein. Alte Bekannte kamen
wieder. Adlige, nun hauptsächlich der unteren
Chargen, entdeckten die "Rose" erneut. So
"Friedrich-Christian-Georg zu Sachsen, Markgraf
v. Meißen", der nebst "Mathilde, Herzogin
zu Sachsen" im September 1962 in höchst
kunstvollen Schriftzügen "In der Stadt der
Staufer, meiner Vorfahren (...) große Freude"
empfand. Empfinden freudigstes Mitgefühl ! Die
Familien derer zu Waldeck und derer zu Waldeck-Pyrmont
haben sich mehrfach stets mit umfangreicher Nachkommenschar
im Buch verewigt. Herzog Carl von Württemberg
kam in Begleitung des Erzherzoges Rudhart von Habsburg-Lothringen.
Allesamt sehr bedacht auf einen vollständigen
Namenszug in diesen republikanischen Zeiten.
Ebenfalls aus vergangenen Tagen ragt ein anderer Gast
der "Rose" vom 21. / 22. Oktober 1963 in
die Nachkriegszeit. Franz Halder, Generaloberst in
Hitlers Wehrmacht und 1938-42 Generalstabschef des
Heeres, nach dem 20. Juli 1944 wegen Verbindungen
zum Widerstand bis Kriegsende im KZ, kommt nahezu
dreißig Jahre nach seinen Amtsvorgängern
und Vorgesetzten Blomberg und Hammerstein-Equort in
dieses Haus.
Der schöne Erich
Doch auch höchst zeitgemäße Persönlichkeiten
bevölkerten die Zimmer der "Rose".
In den ersten Jahren gaben sich zahlreiche hohe Repräsentanten
der jungen Bundesrepublik ein Stelldichein. Am 02.
Mai 1957 machte Prof. Dr. Josef Wintrich den Anfang,
damals immerhin Oberster Richter des Landes, nämlich
Präsident des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe.
Im folgte am 19. und 20. Juli 1958 Franz Etzel, Adenauers
langjähriger Bundesfinanzminister. Das Erhard´sche
Bundeswirtschaftsministerium quartierte am 29. Juni
1962 Gäste aus Australien, der Schweiz, Portugal,
den Niederlanden, Pakistan, Ceylon, Korea und Norwegen
anlässlich einer Konferenz in der "Goldenen
Rose" ein. Der genaue Grund dieses Kongresses
dieser höchst eigenwillig zusammengestellten
Ländervertreter ist nicht bekannt (Die "Rose"
war in jenen Tagen häufiger Ort von Tagungen,
so z.B. 1953 der "Schäfertag", 1959
die "Tagung des Göthe-Instituts München"
[in genau dieser Schreibweise !, Anm. d. Red.] oder
eine "C.S.U. Tagung" 1963 mit Rudolf Eberhard,
damals Stellvertreter von Ministerpräsident Goppel).
Hans-Christoph Seebohm, Bundesverkehrsminister aller
Kabinette Adenauer und seit 1959 Sprecher der Sudetendeutschen
Landsmannschaft, war am 14. Oktober 1962 Gast der
Fortunats. Der ranghöchste Gast schließlich
bildet den Abschluß der namhaften Politiker
in der "Goldenen Rose". Am 27. September
1966 gab sich Erich Mende, der schöne Erich,
Vize-Kanzler und Bundesminister für Gesamtdeutsche
Fragen sowie F.D.P.-Vorsitzender (damals noch mit
Pünktchen) die Ehre. Genau einen Monat später,
am 27. Oktober 1966, ziehen sich die F.D.P.-Minister,
an deren Spitze Mende, aus der Regierung Erhard zurück.
Am 01. Dezember wird die Große Koalition unter
Kurt-Georg Kiesinger und Willy Brandt vereidigt.
Zum Abschluß
Einen großen, der sich in keine der Gruppen
einreihen lässt, wollen wir nicht vergessen:
Paul Hindemith. Der wegweisende und umstrittene Komponist
von Opern wie "Cardillac" oder "Mathis
der Maler" kam im Februar 1954 an die Wörnitz.
Er trug sich ins Gästebuch allein mit seinem
schlichten Namenszug ein.
Den Abschluß soll ein Eintrag bilden, den ein
Carl Seidel am 23. Oktober 1966 tätigte. Es ist
dies nicht der letzte Eintrag im dritten Gästebuch,
dieser wird erst am 19. Mai 1979 folgen, kurz bevor
Familie Fortunat ihr Hotel verkauft, aber Seidel formuliert
in einem unprätentiösen Satz die Leistung
dieser Hoteliersfamilie. Er bezeichnet sich darin
als Nachfahre jener Seidels, die "vor ca. 150
Jahren hier noch Wirte waren" und stellt fest
"Sehr froh, dass durch Jahrhunderté /
Des Hauses altes Renomeé / Nicht ward verschlimmert
noch verdorben / zieh´n wir zurück nach
Deutschlands Norden." Die schiere Anzahl an illusteren
Namen unterstreicht das Renomee der "Goldenen
Rose", das aus den erhaltenen Gästebüchern
spricht. Wir sind daher im Zweifel, ob die Einleitung
dieses Artikels nicht vielleicht doch ein wenig zu
gewöhnlich geraten ist ...
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