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  >>> Gefunden, Funkfeuer Nr. 41, Sommer 2001
   
  Gästebücher aus der "Goldenen Rose"
  Von Filmstars, Kaisersöhnen und dem Blauen Band
  Die Gäste der Hoteliersfamilie Fortunat
   
 

Auch unter den Hotels gibt es Legenden. Häuser, nicht einfach nur Übernachtungsbetriebe, die von einem nur sehr schwer erklärbaren Charme umfangen sind, so dass man sie, weilt man in der Stadt, mindestens besucht haben muß, wenn man schon nicht dort übernachten kann. Denn Legenden sind etwas reizendes, aber gewöhnlich auch teuer. Das "Waldorf-Astoria" in New York ist so ein Ort, ebenso wie das "Ritz" in Paris, das "Adlon" in Berlin oder der "Bayerische Hof" in München. Häuser, in denen man sich nicht einfach ein Zimmer nimmt, sondern absteigt. Man übernachtet dort nicht, es wird logiert.
Eine - zugegeben - etwas ungewöhnliche Einleitung für einen Artikel über ein Dinkelsbühler Hotel, wenn auch nach eigenen Angaben das älteste in Deutschland. Aber die Stimmung, die aus den beiden erhaltenen Gästebüchern der "Goldenen Rose" am Dinkelsbühler Marktplatz spricht, legt nahe, dass das Haus in seiner besten Zeit einen Hauch des Charmes dieser Hotel-Mythen in die Mauern unserer kleinen Stadt getragen hat. Freilich, was Größe und Architektur angeht, wird man die "Rose" nie neben das "Ritz" stellen dürfen. Auch ein Gong, wie ihn Lorenz Adlon schlagen ließ, wenn eine Berühmtheit seine Berliner Hotelhalle betrat, damit die zur Teestunde versammelten Herrschaften darauf aufmerksam wurden, wäre in Dinkelsbühl nur begrenzt sinnreich gewesen, da einerseits die Teestunde in unserer Stadt schon jeher nur wenige Anhänger findet und man andererseits auf den Besuch von Fremden, noch dazu wenn ihnen der Ruf von Berühmtheit voraneilt, nicht extra aufmerksam zu machen braucht. An der nicht vorhandenen Hotelhalle, wie sie zu jedem guten Hotel gehört, hat die Gong-Losigkeit vielleicht gelegen. Die "Rose" hat keine Lobby für die Auffahrten und den Einzug ihrer Gäste. Oder doch ? Welches Hotel-Vestibül ließe sich wohl mit dem unserer "Goldenen Rose" vergleichen: Begrenzt von der Südfassade der Georgskirche und dem Gustav-Adolf-Haus, in der Mitte Christoph-von-Schmid, von seinem Granitsockel mild lächelnd herabgrüßend ?
An der geringen Anzahl bekannter Persönlichkeiten hat es sicher nicht gelegen, denn über mangelnden prominenten Besuch konnte sich die Hoteliersfamilie Fortunat, die das Haus lange Jahre führte, nicht beklagen. Gekrönte Häupter, der höhere und nicht ganz so hohe Adel, Politker, Diplomaten, Offiziere nebst Ordonanz, Schauspieler, Künstler und manch´ andere Rarität haben in der "Rose" genächtigt und sich in den Gästebüchern der Fortunats verewigt. Bedauerlicherweise ist das älteste der drei Bücher, jenes vom Beginn des 20. Jahrhunderts, nicht mehr aufzufinden. Glaubhaft berichtet wird aber, dass dort auch Ihre Majestät Victoria, Königin des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland, Kaiserin von Indien, allzeit Bewahrerin des Glaubens, etc., etc. mit einer Unterschrift Eingang fand, als sie nach einem Besuch bei den Verwandten des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha in Dinkelsbühl Station machte. Die alte Dame mit ihren bezeugten 1,48m Körpergröße bei fast zwei Zentnern Gewicht (der Herzog von Coburg hatte für sie extra einen Aufzug in sein Schloß einbauen lassen) beherrschte seinerzeit immerhin ein gutes Drittel des Erdballes. Angesichts der baulichen Verhältnisse in der "Goldenen Rose" darf man davon ausgehen, dass Majestät in Dinkelsbühl ebenerdig untergebracht war.

Vom Major an aufwärts

Auf der ersten Seite des zweiten, noch erhaltenen, Gästebuches steht in ebenmäßiger Schrift "Begonnen im September 1930". Ab diesem Zeitpunkt lässt sich eine illustere Gästeschar belegen, die mit einem "Prof. Dr. h.c. Hugo Vogel und Frau" beginnt. Eine Ausnahme - Akademiker oder Wissenschaftler auf Bildungsreise in Franken verzeichnen die Bücher kaum. Wenig später haben sich einige Manöverteilnehmer eingetragen. Gerade in diesem Buch der Jahre 1930-39 findet sich eine ganze Reihe an hochrangigen Offizieren, die in der "Rose" während eines Manövers oder aus anderem Anlaß zu Gast waren. Unter ihnen Generalmajor Kurt Freiherr von Hammerstein-Equort,1930-34 Chef der Heeresleitung der Reichswehr, Gast am 10. und 11. Juli 1932, der sich in den 40er Jahren dem Widerstand gegen Hitler anschloß. Oder Generaloberst Werner von Blomberg, von 1933-35 Hitlers Reichswehrminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht (1935-38), der am 02. August 1934, nach dem Tod Reichspräsident von Hindenburgs, den Befehl gegeben hatte, die Truppen auf die Person Hitlers anstatt auf die Verfassung zu vereidigen. Am 15. August übernachtete er in Dinkelsbühl. Manch´ anderer hochrangiger Offizier der dreißiger Jahre stieg am Marktplatz in Dinkelsbühl ab. Unter dem Rang eines Majors niemand.
Erwähnenswert ist ein Gast, der am 31. September 1934 im Gästebuch verzeichnet ist: Dr. Heinrich Sahm, seit 1931 Oberbürgermeister der Reichhauptstadt Berlin, der im Dezember 1935 wegen Gängelung durch die Nazis sein Amt quittiert und Gesandter in Norwegen wird. Sein Nürnberger Amtskollege Wilhelm Liebel (amtierte 1933-1945), trägt sich 1938 als "Oberbürgermeister der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg" in eben dieses Buch ein.
Einen besonderen Eintrag stellt der des Prinzen August-Wilhelm von Preußen dar, der kurz vor Blomberg, am 21. Juli 1934, zu Gast war. Er setzte bereits 1934 über seinen Namen ein deutliches "Heil Hitler !" gegen das sich das ebenfalls hinzugesetzte "Prinz v. Preußen" fast verschämt ausnimmt und das immerhin beim viertältesten Sohn Kaiser Wilhelms II. ! Doch das braucht nicht zu wundern, August-Wilhelm, von den Verwandten bald nur noch Au-Wi gerufen, hatte sich bereits in den 20er Jahren der Nazi-Bewegung angeschlossen und bekleidete als hochadliger Vorzeige-Nazi schnell einen hohen SA-Rang.

Adel auf der Durchreise

Zwei Jahre später kam seine Schwägerin in die "Goldene Rose". In zierlicher Schrift steht im Gästebuch "Cecilie, Kronprinzessin von Preußen, 29. August 1936". Cecilie von Mecklenburg-Schwerin hatte 1905 den ältesten Kaiser-Sohn, ebenfalls mit Namen Wilhelm, geheiratet. Die Revolution von 1918 raubte ihr aber die Chance, hinter ihren Namen statt der "Kronprinzessin" die "deutsche Kaiserin" zu setzen.
1918 Abschied von Amt und Würden hatte auch ein anderer Rosen-Gast nehmen müssen, der im Mai 1938 zu Besuch war: "Hilda, Großherzogin von Baden", begleitet von "E. Freifrau Göler von Ravensburg, geb. v. Bohlen und Halbach", ein Sproß aus der Essener Krupp-Dynastie.
Adel auf der Durchreise, das ist das Motiv, das zahlreiche Seiten dieses Bandes der Gästebücher prägt. Freiherrn, Grafen, Herzöge und Fürsten füllen die Seiten. Dazwischen fallen zunehmend Nazi-Größen ins Gewicht, so unter anderem der "Gauleiter der Kurmark", der am 01. September 1934 Eintrag fand, wohl auf dem Weg zum "NSDAP-Reichsparteitag", der vom 05.-10. September 1934 in Nürnberg stattfand. Ebenfalls Reichsparteitagsbesucher waren die Mitglieder des "Diplomatischen Corps". Botschafter, Gesandte und Geschäftsträger aus Jugoslawien, Österreich, Kuba, Luxemburg, der Tschechoslowakei, Rumänien, Guatemala, Lettland, Ungarn, Uruguay, Bolivien, Panama und den Niederlanden (in der Reihenfolge der Einträge), die während des sogenannten "Reichsparteitages der Arbeit" vom 06.-13. September 1937 in Nürnberg in der "Goldenen Rose" in unserer Stadt übernachteten.
Doch bevor der Eindruck entsteht, in jenen Tagen hätten nur epaulettengeschmückte Offiziere, Adlige und Nazis die "Rose" aufgesucht, sei an andere Gäste erinnert. So zum Beispiel an sieben Gäste aus dem September 1936, die möglicherweise nach dem Besuch der Olympiade in Berlin noch ein wenig Deutschland bereisten und die als Heimatorte Los Angeles, Hollywood (4x), Beverly Hills oder New York City angeben. Darunter auch in deutlicher Schrift ein "Cat van Cleve". Oder an Luis Trenker und seinen Schauspieler-Kollegen Paul Verhoeven, deren Unterschriften sich unter dem Datum 27. März 1936 finden. Etwa zu jener Zeit also, in der sich beide als Mitglieder der Filmcrew des Films "Kaiser von Kalifornien" auch im Gästebuch des "Deutschen Hauses" eingetragen haben (vgl. Funkfeuer Nummer 40). Kurz nach den beiden kam am 09. Juli 1936 der legendäre Rennfahrer Bernd Rosemeyer nach Dinkelsbühl, der noch im selben Monat die tollkühne Pilotin Elly Beinhorn vor den Traualtar führte. Der Rennfahrer auf Auto-Union und die Frau, die Brücken unterflog, waren eines der Traumpaare der 30er Jahre. Am 28. Januar 1938 verunglückte Rosemeyer bei einem Weltrekordversuch auf der Autobahn A5 bei Frankfurt tödlich (Elly Beinhorn-Rosemeyer lebt heute 93-jährig in der Nähe von München).
Die damals bekannte Schauspielerin Trude Hesterberg hielt sich 1937 mit dem Satz in Erinnerung "Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den führt er auch zur "Rose" nach Dinkelsbühl !". Versteckt zwischen anderen Namen überliest man im Jahre 1938 leicht "Heli Finkenzeller, Berlin".

Das Blaue Band

Mit wesentlich deutlicheren Lettern sticht am 03. Juli des gleichen Jahres "A. Ahrens, Kapitän der Bremen" hervor, der kommandierende Offizier jenes Passagierschiffes (950 Mann Besatzung), das ein Jahr nach seinem Stapellauf (16. August 1928) am 22. Juli 1929 das legendäre Blaue Band für die schnellste Atlantiküberquerung gewann. Die "Bremen" brauchte für die Strecke Cherbourg-New York vier Tage, zwölf Stunden und 17 Minuten, acht Stunden weniger als der bisherige Träger der Trophäe.
Doch nicht nur die Objekte der bereits existierenden "Illustrierten Zeitungen" bevölkerten die "Goldene Rose" der 30er Jahre. Vielmehr findet sich auch "Hans Dornbach, Maler" oder "Elisabeth-Charlotte Alpers, geb. Wittmanik". "A.O. Herlißius" aus Lüdenscheid, Architekt seines Zeichens, der unter einer Bleistiftzeichnung von Spital und Rothenburger Torturm den denkwürdigen Satz hinterlassen hat "Hier in Dinkelsbühl hat es mir so sehr gefallen, dass ich nicht wieder fort gehen möchte. Wie beneide ich doch den Stadtbaumeister dieser schönen deutschen Stadt !", war mehrfach Gast. Ein Kollege schreibt 1937 "Ein Architektenherz wird trunken - in dem wunderbaren Dinkelsbühl". "Gudrun Canzler" dedizierte am 07. Mai 1937 folgene Zeilen: "Im Frankenland zur Maienzeit / wo könnt´ es schöner sein ? / Das helle Grün lacht weit und breit / im schönsten Sonnenschein ! / In Dinkelsbühl zur "Rose" / wir hielten frohe Rast / und waren wohlgeborgen / nach langer Tage Hast." Ein Zeichner (Nestleinsberggasse mit Segringer Tor) wird da pathetischer: "Mondschein auf Giebel und Dächer in einer alten Stadt / ich weiß nicht, warum mich der Anblick stets so ergriffen hat."
Neben diesen und anderen "normalen Gästen" internationalisieren sich die Einträge im Laufe der Jahre. Amerikaner, Briten und - auffallend - zahlreiche Franzosen kommen in die "Rose".

Keine weiteren Einträge

Aber trotzdem macht die Politik nicht halt vor den Toren Dinkelsbühls. Während die deutsche "Legion Condor", eine Sonderabteilung der neuen deutschen Luftwaffe, im Spanischen Bürgerkrieg u.a. den Ort Guernica auslöscht, dichtet ein "Doppelkopf" am 19. September 1937 harmlos: "Wir sind jtzo und morgen / Der Sorgen bar + lose / Im Dinkelsbühl der Rose: / der Hermann [gemeint ist der sog. "Reichsluftfahrtminister" und spätere "Reichsmarschall" Hermann Göring, Anm. d. Red.] hat die Sorgen !"
Am 27. Juni 1939 hat sich ein einfaches Ehepaar zuletzt in den zweiten Band der Gästebücher der "Goldenen Rose" eingetragen, kaum daß die Mitte des Buches erreicht war. Vor den beiden ist ein vielsagender Gast verzeichnet: "General der Flakartellerie und Präsident der Reichsluftschutzbunker". Auf der folgen Seite steht nur ein Wort, mit Kugelschreiber in ungelenker Schrift quer über die Seite geschrieben: "Krieg". Danach: keine weiteren Einträge.

1949: Amerikaner

Der dritte und letzte Band der Gästebücher der "Goldenen Rose", er ist wie der zweite erhalten geblieben, beginnt am 01. August 1949 konsquenterweise mit einem ranghohen Gast aus den Reihen der amerikanischen Besatzungsmacht: "Murray D. van Wagoner, Land Director of Bavaria". Wagoner war Chef der amerikanischen Militärverwaltung des wiederhergestellten Freistaates Bayern unter dem jeweiligen Miltiärgouverneur. Es folgen Angehörige der Besatzungsmächte, so der amerikanische Vize-Konsul in Frankfurt, "Daniel W. Montenegro". Hauptsächlich Personen amerikanischer Herkunft tragen sich ein. Eine amerikanische Touristin erkundigt sich beim Gästebuch "Wo sind here die Alpen ?". Nach Gründung der Bundesrepublik und der damit verbundenen endgültigen Beseitigung der Reisebarrieren zwischen den Besatzungszonen bevölkern zunehmend auch deutsche Namen die Gästeliste. Man lobt "Dinkelsbühl und Rothenburg als 2 Perlen in der Kette der Kultur unserer schönen deutschen Heimat". Man fühlte sich offensichtlich wohl in Dinkelsbühl. Welches Zimmer allerdings dieser Gast zu bewohnen hatte, ist nicht bekannt: "Ich war es nicht, der hier gelogen, / Daß darob sich die Balken bogen." Inwieweit das festgestellte Faktum mit dem Besuch von Königin Victoria in Zusammenhang gebracht werden darf, war nicht herauszufinden. Die Familien Röttger und Warlich aus Kassel halten ihren "Familientag" im April 1950 mit 18 Teilnehmern in der "Rose" ab. Zwei der deutschen Italienreisenden, die in den 50ern zu Tausenden auf allem, was Räder hatte, über den Brenner gen Süden fuhren, kommen zum Vorschein. Eine erste Gruppe amerikanischer Pauschal-Touristen des Reisebüros Ruoff stellte ein. Weitere Eintragungen in der "Auch wir waren hier" Manier folgen. Das ändert sich 1952.

There is no business …

Die prominenten Gäste erobern sich "ihre" "Goldene Rose" zurück. Nacheinander stehen Hans Richter, Kurt Reimann, Rudolf Platte und Sonja Ziemann, diese "mit herzlichem Dank", auf einer Doppelseite des Gästebuches. Weitere Leinwandstars lassen nicht lange auf sich warten: Im Juni 1953 prangt in voller Seitenbreite das Autogramm von Zarah Leander, jenes schwedischen UfA-Stars aus den 30er Jahren mit dem legendären rollenden R im Buch. Das Filmteam des Films "Der Liebe Augustin" trägt sich ein mit dem Hinweis "teilweise gedreht in Dinkelsbühl, Oktober 1959" und dem aussagestarken Zweizeiler: "Oh, Du lieber Augustin, / Die Diäten sind hin ! (Aber gelohnt hat sich´s trotzdem)". Lukas Ammann (Gast am 19. Oktober 1968), der Filmgraf der 60er schlechthin, hinterließ den Satz "Ein Wiedersehen nach 50 Jahren und alle sind wir noch gleich jung." Die beigefügte Autogrammkarte lässt nach diesem Satz auf eine harte Jugend schließen. Wolfgang Völz kommt 1975 und die große Ruth Leuwerik, Star der Filme "Ein Herz spielt falsch" (1953) und "Königliche Hoheit" (1953) und mancher anderen deutschen Produktion der 50er, 60er und 70er Jahre, schließt am 25. August 1976 den Reigen der Schauspieler in der "Rose".
Das Fernsehen macht sich bemerkbar, einige seiner ersten Stars kommen nach Dinkelsbühl. Am 26. Juni 1975 fabuliert einer von ihnen: "Ich schlief hier gut - 2 Nächte lang und dafür sag´ ich vielen Dank !". Derjenige, der hier leicht holpernd reimte, war der unvergessene ZDF-Showmaster Hans "Hänschen" Rosenthal. Zum Reimen angeregt fühlte sich im Mai 1979 ganz offensichtlich auch der damalige Nürnberger Oberstaatsanwalt Hans Sachs (nicht jener Schuhmacher und Poet aus der gleichen Stadt !), der Herr mit der akkuraten Fliege und dem wohl gepflegten Schnauzbart aus Robert Lembke´s "Was bin ich ?": "Schönen Dank ! Weil es mir gut gefallen hat / Mit dem Blick auf die Kirche, den Platz + die Stadt / In der "Goldenen Rose" aus meinem Gemach / ich fühlte mich wohl unter ihrem Dach !"
Doch nicht nur die Leute aus der Film- und Fernsehbranche stellten sich nach dem Kriege ein. Alte Bekannte kamen wieder. Adlige, nun hauptsächlich der unteren Chargen, entdeckten die "Rose" erneut. So "Friedrich-Christian-Georg zu Sachsen, Markgraf v. Meißen", der nebst "Mathilde, Herzogin zu Sachsen" im September 1962 in höchst kunstvollen Schriftzügen "In der Stadt der Staufer, meiner Vorfahren (...) große Freude" empfand. Empfinden freudigstes Mitgefühl ! Die Familien derer zu Waldeck und derer zu Waldeck-Pyrmont haben sich mehrfach stets mit umfangreicher Nachkommenschar im Buch verewigt. Herzog Carl von Württemberg kam in Begleitung des Erzherzoges Rudhart von Habsburg-Lothringen. Allesamt sehr bedacht auf einen vollständigen Namenszug in diesen republikanischen Zeiten.
Ebenfalls aus vergangenen Tagen ragt ein anderer Gast der "Rose" vom 21. / 22. Oktober 1963 in die Nachkriegszeit. Franz Halder, Generaloberst in Hitlers Wehrmacht und 1938-42 Generalstabschef des Heeres, nach dem 20. Juli 1944 wegen Verbindungen zum Widerstand bis Kriegsende im KZ, kommt nahezu dreißig Jahre nach seinen Amtsvorgängern und Vorgesetzten Blomberg und Hammerstein-Equort in dieses Haus.

Der schöne Erich

Doch auch höchst zeitgemäße Persönlichkeiten bevölkerten die Zimmer der "Rose". In den ersten Jahren gaben sich zahlreiche hohe Repräsentanten der jungen Bundesrepublik ein Stelldichein. Am 02. Mai 1957 machte Prof. Dr. Josef Wintrich den Anfang, damals immerhin Oberster Richter des Landes, nämlich Präsident des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe. Im folgte am 19. und 20. Juli 1958 Franz Etzel, Adenauers langjähriger Bundesfinanzminister. Das Erhard´sche Bundeswirtschaftsministerium quartierte am 29. Juni 1962 Gäste aus Australien, der Schweiz, Portugal, den Niederlanden, Pakistan, Ceylon, Korea und Norwegen anlässlich einer Konferenz in der "Goldenen Rose" ein. Der genaue Grund dieses Kongresses dieser höchst eigenwillig zusammengestellten Ländervertreter ist nicht bekannt (Die "Rose" war in jenen Tagen häufiger Ort von Tagungen, so z.B. 1953 der "Schäfertag", 1959 die "Tagung des Göthe-Instituts München" [in genau dieser Schreibweise !, Anm. d. Red.] oder eine "C.S.U. Tagung" 1963 mit Rudolf Eberhard, damals Stellvertreter von Ministerpräsident Goppel). Hans-Christoph Seebohm, Bundesverkehrsminister aller Kabinette Adenauer und seit 1959 Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, war am 14. Oktober 1962 Gast der Fortunats. Der ranghöchste Gast schließlich bildet den Abschluß der namhaften Politiker in der "Goldenen Rose". Am 27. September 1966 gab sich Erich Mende, der schöne Erich, Vize-Kanzler und Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen sowie F.D.P.-Vorsitzender (damals noch mit Pünktchen) die Ehre. Genau einen Monat später, am 27. Oktober 1966, ziehen sich die F.D.P.-Minister, an deren Spitze Mende, aus der Regierung Erhard zurück. Am 01. Dezember wird die Große Koalition unter Kurt-Georg Kiesinger und Willy Brandt vereidigt.

Zum Abschluß

Einen großen, der sich in keine der Gruppen einreihen lässt, wollen wir nicht vergessen: Paul Hindemith. Der wegweisende und umstrittene Komponist von Opern wie "Cardillac" oder "Mathis der Maler" kam im Februar 1954 an die Wörnitz. Er trug sich ins Gästebuch allein mit seinem schlichten Namenszug ein.
Den Abschluß soll ein Eintrag bilden, den ein Carl Seidel am 23. Oktober 1966 tätigte. Es ist dies nicht der letzte Eintrag im dritten Gästebuch, dieser wird erst am 19. Mai 1979 folgen, kurz bevor Familie Fortunat ihr Hotel verkauft, aber Seidel formuliert in einem unprätentiösen Satz die Leistung dieser Hoteliersfamilie. Er bezeichnet sich darin als Nachfahre jener Seidels, die "vor ca. 150 Jahren hier noch Wirte waren" und stellt fest "Sehr froh, dass durch Jahrhunderté / Des Hauses altes Renomeé / Nicht ward verschlimmert noch verdorben / zieh´n wir zurück nach Deutschlands Norden." Die schiere Anzahl an illusteren Namen unterstreicht das Renomee der "Goldenen Rose", das aus den erhaltenen Gästebüchern spricht. Wir sind daher im Zweifel, ob die Einleitung dieses Artikels nicht vielleicht doch ein wenig zu gewöhnlich geraten ist ...

   
   
   
 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 
 
 
 
Dinkelsbühler Gästebuch
Texte aus vier Jahrhunderten
 
Herausgegeben von Ernst-Otto Erhard
 
Reiseberichte,
amtl. Darstellungen,
Beiträge aus Zeitungen,
Artikel aus Zeitschriften,
Lexikonartikel,
Gedichte,
 
mit besonderem Blick auf Dinkelsbühl und seine Geschichte
 
Ergänzend zahlreiche Bilder, einige nahezu unbekannt
 
€ 12, 80
 
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