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Wieder einmal haben wir Stellen aus unterschiedlichen
Texten zusammengetragen, in denen aus oft unerklärlichen
Gründen der Name Dinkelsbühl ge- oder mißbraucht
wird. Über das Rezept zu "Dinkelsbühler
Klößchen in Tomatensauce" freuen wir
uns. Frau Paula Schwarz aus Wilburgstetten fand es
in "ÖKO-TEST", dem "Magazin für
Umwelt und Gesundheit" in der Rubrik "Kulinarisch"
und sandte es uns zu. Einleitend heißt es dort:
"Aufs Korn genommen. Schlechte kulinarische Erfahrungen
haben dazu geführt, daß die Vorbehalte
gegenüber 'Körnerkost' hartnäckig bleiben.
Die liebevoll entwickelten Getreide-Rezepturen von
ÖKO-TEST werden Sie auf den Geschmack bringen
- Ährenwort. (...)ÖKO-TEST-Koch Hans Scholl
hat in den Rezepten insbesondere die weniger bekannten
- oder in Vergessenheit geratenen - Getreidesorten
eingesetzt. Ganze Körner kommen bei ihm gar nicht
in den Kochtopf. Schrot, natürlich als vollkörnige
Variante, bildet die Grundlage von Gerstenpudding
mit Spinat, Grünkern- Kroketten oder Dinkelsbühler
Klößchen in Tomatensauce."
destination europe
Nicht ganz billig wird es für jemanden, der
im CD-Rom-Angebot der englischen Bildagentur "Corbis
Royality-Free" ein Dinkelsbühl-Foto (oder
mehrere?) in würdiger europäischer Umgebung
erstehen will. 878 DM kostet vol. 117 "destination
europe" mit 100 Bildern, 32 MB. Mit dem im Werbeprospekt
gezeigten Dinkelsbühl-Foto werden nostalgische
Gefühle geweckt. Das Klenk-Haus ist im ruinösen
alten Zustand zu sehen, und daneben bietet noch der
Gubi- Supermarkt seine Waren an.
Ein empörender Vergleich Döbeln - Dinkelsbühl
Die "Freie Presse Zwickau" veröffentlichte
am 20.04.2001 unter der Rubrik "Glück auf"
folgende Glosse mit einer Herabwürdigung Dinkelsbühls
fast so schlimm wie die - dort freilich mehrfach wiederholte
- in Thomas Bernhards "Minetti"-Drama (vgl.
Funkfeuer Hefte 18 und 31). Der Stadtrat wäre
also aufgerufen, sich wieder einmal zu empören.
"Großstadt oder Provinznest? Im Fall Zwickau
ist diese Frage umstritten. Wir stolzen Muldenstädter
verweisen beharrlich auf den Metropolenstatus, wenn
auch die Einwohnerzahl nur knapp über 100.000
liegt. Dagegen halten viele Auswärtige 'Zwicke'
für ein Kaff wie Döbeln oder Dinkelsbühl.
Die Deutsche Bahn sorgte in der Statusfrage endlich
mal für Klarheit. Kürzlich hielt ein Personenzug
aus Dresden kurz nach Glauchau mitten auf der Strecke.
Wer aus dem Abteilfenster schaute, erblickte Felder,
kleine Häuser und viele Kühe. Plötzlich
meldete der Schaffner über die Lautsprecher:
'Der Zug hält außerplanmäßig.
Dies ist noch nicht Zwickau-Hauptbahnhof. Bitte nicht
aussteigen!' Jetzt wissen wenigstens die Kunden der
Bahn: Zwickau ist eben doch kein Kuhdorf. (adl)"
Dinkelsbühl könnte das mangels Bahn nicht
passieren, und solche Qualitätsbeweise braucht
es schon gar nicht: Zwickau wäre froh, wenn es
ein halbwegs so geschlossenes Stadtbild vorweisen
könnte wie Dinkelsbühl. Daß aber 11
Jahre nach der Wende dort noch immer ausgerechnet
Döbeln mit Dinkelsbühl auf eine Ebene gestellt
wird, ist schon empörend und spricht nicht gerade
für die Weltoffenheit des Journalisten adl.
Der bessere Vergleich Providence - Dinkelsbühl
- San Gimignano
In einem Atemzug nennt Alfred Andersch diese drei
Städte in seiner Erzählung "Mein Verschwinden
in Providence" aus dem gleichnamigen Erzählband:
"Nach unserer Rückkehr aus Cape Cod gehe
ich häufig in der schönen Oberstadt von
Providence spazieren, die in ihrer Art ja ebenso geschlossen,
ebenso bedeutend ist wie Dinkelsbühl oder San
Gimignano." Alfred Andersch: Mein Verschwinden
in Providence; Neun Erzählungen; Diogenes, Zürich
1979, DM 8,80
Ich weiß, daß ich nichts weiß
Ausgerechnet in Dinkelsbühl fühlt sich
der renommierte Kabarettist Jess Jochimsen in diese
Erkenntnis versetzt, die "irgendsoein Grieche"
wohl grammatikalisch ganz anders formuliert und gemeint
hat. In seinem "ersten echten Buch" nach
Kabarett- Auftritten und einer regelmäßig
er- scheinenden Zeitungskolumne "ver- dichten
sich" - so der Klappentext - die 40 Stories "zu
einem irrwitzigen Roman des Erwachsenwerdens".
Das Buch heißt "Das Dosenmilch-Trauma"
und schildert die "Bekenntnisse eines 68er-Kindes"
(1970 in München geboren), erschienen bei dtv
(Nr. 20370) in 3. Auflage 2001. In Dinkelsbühl
also erkennt Jess Jochimsen die Defizite seiner Allgemeinbildung.
Trotzdem verwechselt er unserer Meinung nach FAZ und
FLZ, und die Fotos, die er aus Dinkelsbühl seinem
ohnehin merkwürdig illustrierten Buch beisteuert,
sollen offensichtlich beweisen, daß Allgemeinbildung
zeitlebens förderungswürdig ist. Kann sich
übrigens jemand an einen kabarettistischen Auftritt
Jochimsens in Dinkelsbühl, der nach seiner Einschätzung
"verdrängenswerten Kleinstadt" erinnern,
und welcher Journalist fühlt sich in Jochimsens
"Story" karikiert?"
Gefährliches Halbwissen
Wer keine Ahnung hat und den- noch blöd daherredet,
jobbt in einer Kneipe, heißt es, oder wird Komiker.
Während die Vorzüge des Wirtslebens nun
eher im Bereich des Freibiers liegen, halte ich es
doch für ein angemessenes Lebensziel, stets auf
der richtigen Seite des Tresens zu stehen. Und siehe:
An einem tristen Tag im März war ich kurz mal
Star. Ich sollte nämlich zwei Interviews an einem
Abend geben, so richtig mit Termin, einer-nach-dem-
anderen, Redezeitbegrenzung - ein bisschen berühmt
halt. Ich spielte mein Kabarett-Programm zwar nur
auf der Wirtshausbühne einer ver- drängenswerten
Kleinstadt, trotzdem begehrten im Anschluss an die
Aufführung gleich zwei Zeitungsmänner, mit
mir zu sprechen. Hui, das war jetzt nicht die Hall
of Farne, aber etwas stolz machte es mich schon. Der
Erste im Bunde, ein dicklicher, mittelalter Provinzschreiberling,
wollte eigentlich gar nichts von mir wissen. Er machte
ein Foto und fragte, was sie alle fragen: Ob ich das
alles wirklich erlebt hätte, was ich da auf der
Bühne erzähle? Ob man davon leben könne?
Was ich denn tagsüber mache? Es wurde ein sehr
kurzes Gespräch. Ich sagte 'Ja' und noch mal
'Ja' und 'Das geht Sie gar nichts an' und: 'Wenn Sie
mich jetzt entschuldigen würden', schließlich
hatte ich noch ein weiteres Interview zu geben. Und
was für eines, denn mein zweiter Gesprächspartner
war von der FAZ und hatte Soziologie studiert. Das
sah man: Rollkragenpulli in Dinkelsbühl! Er konfrontierte
mich mit einer Statistik und betonte, dass 'meine
Generation die bestinformierteste ever, zugleich aber
auch die schlechtestgebildetste aller Zeiten' sei.
Was ich denn dazu meine? Ich meinte, dass er der miesest
sprechendste Journalist dieses Tages wäre, aber
das sagte ich nicht. Genau genommen sagte ich erst
mal überhaupt nichts, weil er gar nicht so falsch
lag. Mit meiner Allgemeinbildung ist es nämlich
tatsächlich nicht so weit her, obwohl ich mir
immer wieder adäquate Literatur zu Gemüte
führte. (Habe ich erwähnt, dass ich als
Kind viel lesen musste? Bestimmt.) Gleich das allererste
Buch, welches ich als Achtjähriger - mehrfach!
- las, war Sie bauten eine Kathedrale. Bis auf den
heutigen Tag weiß ich ganz genau, wie man eine
Kathedrale baut, aber ich befürchte, dass mir
dies Wissen nicht wirklich nützen wird. Streng
genommen beschränkt sich meine Bildung neben
der fundierten Kenntnis im Kathedralenbau auf den
lückenhaft memorierten Inhalt der Was-ist-Was-Bücher.
Mit lückenhaft meine ich, dass ich, wenn es um
die Tier- und Pflanzenwelt der heimischen Fauna geht,
ein kompletter Versager bin. Mein Lieblings-Was-ist-
Was-Band war halt der über die Dinosaurier. Auf
Anhieb erkenne ich den Unterschied zwischen einem
Bronto- und einem Stegosaurus, aber wann braucht man
das schon mal. Manchmal bringt mich mein Unwissen
in richtig peinliche Situationen, speziell zurzeit,
denn unsere Katze Moneypenny ist mittlerweile zu einer
stattlichen Jägerin herangereift, Schon zweimal
hat sie - sagen wir - Lebewesen erlegt. 'Was ist'n
das für ein Tier, das die Moneypenny da im Maul
hat?', wollte meine Angetraute unlängst wissen.
Ich antwortete: 'Ah, also, ein Vogel ist es nicht,'
Es sah zugegebenermaßen ein bisschen aus wie
eine Maus, aber ich war mir nicht sicher, Hätte
auch eine Ratte sein können. Oder ein Maulwurf,
Meine Süße war echt sauer, und ich dachte
grollend: 'Warte nur, bis Moneypenny einen Archäopteryx
anschleppt, dann wirst du schon sehen,' All das erzählte
ich dem FAZ-Mann, er zuckte mit den Schultern und
zog schweigend von dannen. Das nächste Mal interviewt
er wahrscheinlich lieber den Wirt,"
Führt die Spur nach Mönchsroth? Lena
Christ auf der Suche nach ihrem Vater
Lena Christ (1881 - 1920), die als bayerische Volksschriftstellerin
oft in einer Reihe mit Marieluise Fleisser und Oskar
Maria Graf genannt wird, wurde als uneheliches Kind
der Magdalena Pichler in Glonn bei München geboren.
Auf den Namen ihrer Mutter wurde sie auch getauft.
Über ihre Abstammung väterlicherseits ist
sich die Wissenschaft bis heute nicht sicher, aber
es gibt eine Menge Spekulationen, in denen neben anderen
Indizien vor allem größere Geldbeträge
eine Rolle spielen. Günter Goepfert schreibt
dazu in seiner biographischen Arbeit "Das Schicksal
der Lena Christ" (Süddeutscher Verlag, München
1971): .Laut Mitteilung des Amtsgerichtes Ebersberg
vom 7. Dezember 1881 hat sich 'der ledige großjährige
Be- diente Carl Christ von Mönchsrodt Bez.-amt
Dingelsbühl z.Z. bedienstet bei Rittmeister Horing
(richtig Ewald Hornig; er war der Bruder des im Zusammenhang
mit König Ludwig 11. oft erwähnten Stallmeisters
Richard Hornig) in München als Vater des neben
bezeichneten, von der Maurerstochter Magdalena Pichler
geborenen Kindes bekannt.'" "Der Ordnung
halber", gibt Goepfert zu bedenken, "muß
hier vermerkt werden, daß die Vaterschaftserklärung
im standes- amtlichen Geburtsregister erst im Jahre
1939 nachgetragen wurde. Während man noch selbst
nach Lena Christs Tod geneigt schien, diese Vaterschaft
des Kar! Christ als unumstößliche Tatsache
anzuerkennnen - in Glonn bestand zu keiner Zeit ein
Zweifel daran -, wurden später in zunehmendem
Maße Bedenken dagegen laut. (...) Als Lena Christs
Mutter 'nach zweijährigem schweren Krankenlager',
wie die Todesanzeige mit- teilte, am 2. August 1928
starb und im Münchner Westfriedhof beerdigt wurde,
hat sie ihr Wissen um die Herkunft ihres vorehelichen
Kindes mit ins Grab genommen." Mit der Suche
nach ihrem Vater befaßt sich Lena Christ - im
Text er- scheint der Name Krafft - auch selbst in
ihren "Lausdirndlgeschichten", erschienen
bei Ehrenwirth, München 1981 : Es war alles umsonst.
Ich habe ihn doch nicht gefunden. Meinen andern Vater,
der wo eigentlich ertrunken ist. Jetzt glaube ich
es selber, daß er nicht mehr kommt. Aber es
war doch ganz gen au sein Name, und alles hätte
gestimmt. Und da bin ich hin. Gärtnerplatz drei,
im zweiten Stock. Karl Krafft, Ordonanzfeldwebel a.D.
Ich habe mich furchtbar fein angezogen, damit ich
ihm gleich recht gefalle. Und im Gehen habe ich es
mir aus- gemalt, wie ich ihn begrüße und
so. Aber wie ich angeläutet habe, ist mir auf
einmal schlecht geworden. Und ich habe schnell geschaut,
ob ich nicht noch geschwind abschieben kann. Es ist
aber schon jemand dahergekommen und hat aufgemacht.
Aber es war eine ganz alte Frau. Da habe ich etwas
gedacht, und dann habe ich gesagt: "Grüß
Gott, Großmutter!" Und ich habe sie um
den Hals genommen. Aber sie hat gesagt: "Naa,
Fräulein, Sie täuschn Eahna! I bin koa Großmuatta
net!" Da habe ich gedacht, herrschaft, am End
ist das gar die Frau von meinem Vater! Aber sie war
doch schon fruchtbar alt! Derweil ist jemand aus einem
Zimmer gekommen und hat gesagt: "Ja Frauli, was
isch denn? Werisch denn 'komme?!" Ich bin so
erschrocken, wie ich ihn gesehen habe, daß ich
ganz verdattert gesagt habe: "Bloß i, d'
Leni." Denn er war noch älter wie sie. Vielleicht
schon sechzig Jahr. Da hat die Frau zu ihm gesagt:
"I woaß aa net, Alter, wer's is!"
Und dann hat sie zu mir gesagt: "Geh, gengan
S' a bißI rei'" Ich bin hinein und hab
furchtbar geschluckt, damit ich nicht weinen muß.
Und ich habe gesagt, daß ich meinen Vater suche.
Und er heißt Karl Krafft und ist aus Dinkelsbühl,
sagt die Mutter. Da ist die Frau auf ihn zu und hat
ganz gspaßig gesagt: "Du! - Alter! - Hast
am End... ?" Aber er hat ganz fein gelacht und
hat bloß gesagt: "Aber Frauli!" Und
er hat gemeint, ich soll mich doch setzen und e Schäleie
Kaffee mit ihnen trinken. Und die Frau hat gesagt,
jawohl, dann dischkriert es sich leichter. Aber sie
hat mich immer so angeschaut und dann wieder ihren
Mann. Dann hat sie einen Kaffee gekocht. Aber er hat
mich gleich ausgefragt, wer ich bin, und was ich denn
von ihnen will. Da habe ich gesagt, meinen wirklichen
Vater. Und ich bin die Christleni. Und ich habe gedacht,
weil er auch Krafft heißt, ist er es. Aber jetzt
glaube ich es nicht mehr. Und ich habe gesagt, vielleicht
haben Sie noch einen Sohn, der wo auch so heißt.
Aber sie haben keinen gehabt. Das ist schade. Weil
sie mir so gefallen haben. Und sie sind so nett. Und
sie haben ein Sach wie meine Großmutter. Und
ich habe ihnen auch so gut gefallen, und der alte
Mann hat gesagt, ein so frätzigs Mädle möchte
er schon by Gott habe zum e Töchterle! Das freut
mich furchtbar. Und sie haben mir eine goldene Tasse
gegeben, wo draufsteht: Sei glücklich. Und das
Frauli hat mir die Hand gegeben und hat gesagt, daß
sie leidergott ganz alleinig sind; und ich soll bald
wiederkommen. Und sie haben jetzt bald die goldene
Hochzeit und leidergott gar kein Kind und kein Kegel.
Das tut mir furchtbar leid. Und ich habe gesagt, ich
möchte gleich dableiben und ihre Tochter sein.
Aber es geht nicht, weil ich jetzt noch suchen muß
um meinen Vater. Und wenn es nichts hilft, dann gehe
ich leider ins Kloster. Das war ihnen gar nicht recht.
Und sie haben mir erzählt, daß sie noch
einen Verwandten haben in Dinkelsbühl, der wo
ein Schäfer ist. Aber sie wissen nichts von ihm,
weil er nicht schreiben und nicht lesen kann. Und
sie haben ihn schon seit ihrer Hochzeit nicht mehr
gesehen. Er heißt Gottlieb Krafft. Da habe ich
gedacht, vielleicht ist dieser mein Großvater.
Und sie haben gesagt. daß der Pfarrer alles
im Kirchenbuch hat, und ich soll ihm schreiben. Dann
bin ich wieder fort. Und dann habe ich dem Pfarrer
geschrieben, daß er mir hilft, weil ich meinen
Vater suche. Da hat er es dem alten Schäfer gesagt,
und dann hat mir die Frau Schäferin einen Brief
geschrieben: Liebes Freilin. Indem das es nicht stimt
und wir haben leider nur einen Sohn gehabt und ist
aber nur fünf Monat auf Erden gewandelt. Und
wir haben noch eine Dochter, aber die ist es nicht.
Und wir 5ind schon alte Leute und wissen es nicht
Es grißt Eich Johanna Krafft. Jas ist sehr traurig.
Adje, du schöne Welt! Jetzt geh ich doch ins
Kloster."
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