| |
Wer hat nicht schon auf der Bundesstraße 13 zwischen Uffenheim und Ochsenfurt die Säule, die dort die Straße teilt, zwar mit vermindertem Tempo umfahren, sich dann aber doch nicht die Zeit genommen anzuhalten, um Näheres über dieses Denkmal zu erkunden. In der von Heinz Hillermeier herausgegebenen Sammlung zur „Geschichte einer alten fränkischen Stadt und ihres Hinterlands“, dem umfangreichen Band „Uffenheim Stadt und Land - Streifzüge durch die Geschichte unserer fränkischen Heimat“ fanden wir Aufschluß. Das Werk erschien 2003 aus Anlaß des 900-jährigen Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung von Uffenheim im Verlag Seehars (Uffenheim). Es enthält eine Fülle von Beiträgen verschiedener Autoren, die sich mit ihrer Heimat aus persönlichen und fachlichen Gründen verbunden fühlen, und erweckt damit den Wunsch, daß Ähnliches auch zu anderen Städten und ihrem Umland zusammengestellt werden möge.
In Hillermeiers Vorwort heißt es, die Geschichte einer solchen Stadt und ihres Hinterlands sei vielfältig und reizvoll: „Will man sie erkunden und sich mit ihr auseinandersetzen, so erfordert dies nicht unbedingt eine systematische Darstellung, aber doch fundierte Darstellungen von wichtigen Abschnitten und Aspekten des Werdegangs einer Region im Laufe vieler Jahrhunderte.“ Einen dieser Aspekte beleuchtet Helmut Schwarz in seinem Aufsatz „Die Straße des Markgrafen - Die Bundesstraße 13“. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags dürfen wir daraus zitieren: „Die Bundesstraße 13 verbindet Würzburg mit Bad Tölz bis zur Landesgrenze am Achensee. Ein historisches Stück dieser Straße ist die Strecke von der Residenzstadt der Markgrafen von Ansbach-Bayreuth bis zur Grenze des Hochstiftes Würzburg. Der Landes-herr, Markgraf Christian Friedrich Carl Alexander, hat diese Straße, die in den alten Akten als ‘Frankenstraße’ bezeich-net wird, ab 1766 ausführen lassen. 1773 war dieser Teil Straßenbau vollendet.“ Der Markgraf wollte sich damit eine Art Denkmal setzen, auch mit Denkmälern, die zum Teil an diesem Straßenabschnitt heute noch zu finden sind, am Schlußpunkt die „Pyramide“, genannt Zollsäule, und der Alexanderbrunnen bei Pfaffenhofen. „Trotz der stolzen Behauptung des Fürsten, die Straße aus eigener Tasche (Propria pecunia steht auf der Pyramide) finanziert zu haben, wurden die anlie-genden Untertanen zur Stellung von Fronfuhren zum Transport der Baustoffe verpflichtet, was selbst von der Regierung als schwere Belastung anerkannt wurde, zumal in manchen Landesteilen keinerlei Entschädigung für die jahrelangen Steinfuhren gezahlt wurde. Der Staat fühlte sich schon dadurch berechtigt, dies zu fordern, da er ausdrücklich auf eine Extrasteuer verzichtete, wie auch auf der Pyramide zu lesen ist: ‘non tributo subditorum’ (nicht mit den Steuern der Untertanen). ... Allerdings mussten viele Untertanen als Leihsoldaten ab 1777 in den Krieg England-Amerika ziehen. Die englischen Subsidiengelder finanzierten unter anderem auch diesen Straßenbau. ...
Jedem Autofahrer wird an dieser Strecke schon mitten auf der Fahrbahn der Obelisk, dieses Verkehrshindernis der besonderen Art, aufgefallen sein.
Dieses Denkmal setzte sich der letz-te Markgraf von Ansbach. In aller ‘Bescheidenheit’ soll daran erinnert werden, dass er den Bau der Straße aus eigener Tasche bezahlte. Wie ehrenwert, wird man denken - doch wer hat die Taschen des Markgrafen gefüllt - doch wohl in der Hauptsache der Untertan und die vielen hundert Soldaten, die Seine Hochfürstliche Durchlaucht an das Vereinigte Königreich, England, vermietete.
1766 - 1783 wurde die Straße - früher sagte man : Chaussee - gebaut. Kurz danach, am 2. Dezember 1791, trat der Markgraf, nachdem er das Land verlassen hatte, durch einen Vertrag in Bordeaux seine beiden Fürstentümer an König Friedrich Wilhelm II. von Preußen (genannt der ‘Alte Fritz’) ab. Gegen eine Jahresrente von 300000 Gulden. Am 5. Februar 1806 starb Ansbachs letzter Herrscher siebzigjährig in England.
Zur Erinnerung an seine große Tat, den Straßenbau, ist dies Denkmal gesetzt. auf einem viereckigen Unterbau kann man folgende erklärende Inschrift lesen: MONUMENTUM IN VIAS HASCE REGIAS AB OPTIMO PRINCIPE ET DOMINO CHRISTIANO FRIDERICO CAROLO ALEXANDRO MARCHIONE BRANDENBURGICO NON TRIBUTO SUBDITORUM SED PROPRIA PECUNIA EXSTRUCTAS ANNO MDCCLXVI USQUE AD ANNUM MDCCLXXIII
(= Denkmal für die hier vom besten Fürsten Christian Fr. Carl Alexander nicht mit dem Geld der Untertanen, sondern mit eigenen Mitteln errichtete königliche Straße 1766 - 1773.). Auf diesem Inschriftsockel erhebt sich der weithin sichtbare Obelisk, abgeschlossen mit einer Kugel, hoch oben auf der Spitze. Wie man älteren Stichen entnehmen kann, war einst auf dieser Kugel ein brandenburgischer Adler, das Wappentier des Hauses Hohenzollern. ... Auf Befehl des Landrichters Boveri in Uffenheim wurde 1810 dieser Adler ent-fernt, denn der neue Landesherr, der König von Bayern, Nachfolger des ‘Alten Fritz’ in Franken, sollte dieses ‘fremdländische Hoheitszeichen’ nicht sehen müssen*). ... Die Grenze zwischen der Markgrafschaft und Würzburg wird von diesem Denkmal markiert. ... Dieses Denkmal ist ungefähr das Grenzzeichen zwischen Mittel- und Unterfranken. Vor Jahren hat man die Entfernung dieses Verkehrshindernisses diskutiert, die Bevölkerung wollte ihre ‘Pyramide’ erhalten“. *) bei Günther Schuhmann (in: Die Markgrafen von Brandenburg Ansbach; Selbstverlag des historischen Vereins für Mittelfranken, Ansbach 1980) liest sich das härter: „Der brandenburgische Adler und das Wappen fehlen heute. Sie wurden von einem übereifrigen Landrichter entfernt, als der Besuch König Ludwigs I. von Bayern in Aussicht stand.“
|