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Wieder einmal führte uns die Suche nach einer
kulinarischen Besonderheit in den weiteren Umkreis,
diesmal in das rund 8 km von Rothenburg entfernte,
mitten im Naturpark Frankenhöhe gelegene Windelsbach.
Nur 250 Einwohner hat der eigentliche Ortskern, aber
mit dem "Landhaus Lebert' eine Adresse, die in
dieser ländlichen Umgebung kaum zu erwarten war.
Das um 1835 entstandene bäuerliche Anwesen ist
in seiner Struktur noch gut zu erkennen; es wurde
ab 1970 als Dorfwirtshaus betrieben, bis die junge
Familie Lebert 1987 die Hofstelle kaufte und umgestaltete,
so daß heute ein Restaurant und im Haupthaus
und in der ehemaligen Scheune zusätzlich noch
10 Doppelzimmer (80 120 DM) angeboten werden.
Das Konzept des aus dem Bereich Schwäbisch Hall
stammenden Gastronomen, der auf der Meisterschule
in Heidelberg lernte und dann im "Eisenhut"
in Rothenburg arbeitete, war, den Gästen eine
gehobene Küche anzubieten, die auf einen weiteren
Umkreis angelegt ist. Das erforderte Mut, einen "Sprung
ins kalte Wasser", wie Frau Lebert es heute rückblickend
formuliert. Die Anfangsjahre waren schwierig, doch
Energie, Augenmaß und die auch heute noch spürbare
Begeisterung für den Beruf führten schließlich
zum Erfolg: Viele Stammgäste von außerhalb,
aber auch ortsansässige Besucher, die kommen,
um sich etwas Besonderes zu gönnen, bestätigen
Manfred und Gabriele Lebert, daß der eingeschlagene
Weg der richtige war.
Auch uns veranlaßte eine Empfehlung zum Besuch,
und wir waren erwartungsvoll gestimmt, nicht zuletzt
auch durch die lobenden Presseerwähnungen und
verschiedenen Ehrungen, die wir in einem Schaukasten
im Eingangsbereich nachlesen konnten. Beim Betreten
des Lokals waren wir dann allerdings überrascht,
vielleicht auch etwas enttäuscht: Ein schlichter,
übersichtlich dörflich fränkisch möblierter
Gastraum, bescheiden und ohne Raffinesse gestaltet,
aber dennoch wohnlich, präsentiert sich uns.
Ca. 40 50 Gäste finden hier Platz, ein kleiner
Vorraum mit Theke und schöner, original alter
Holzdecke führt (Vorsicht Stufe!) in das eigentliche
Gastzimmer. Die Tische, gepflegt und sauber mit rosa
Damast eingedeckt, lassen den kultivierten Anspruch
erkennen, die übrige Raumausstattung ist Geschmackssache.
Blickfang ist zweifelsohne der sehr dominante, wuchtige,
dunkle Buffetschrank von kolossalem Ausmaß mit
Spiegelaufsatz, hübsch mit verschiedenen Karaffen
und geschmackvollen Flaschen dekoriert. Nicht so recht
passen will uns allerdings der dazugruppierte und
zur "Hausbar" umfunktionierte alte Küchenherd
mit Ofenrohransatz, auch die sehr konventionelle Anordnung
der Grünpflanzen (ein Blumentopf in der Mitte
jeder Fensterbank) und die Nelken in den Tischvasen
wirken wenig schmückend ein solitär in der
Raummitte stehender wunderschöner Blumenstrauß
zieht das Auge da schon eher an, und besonders interessant
wird es, wenn man einen Blick in die Speisekarte wirft.
Überschaubar in der Auswahl, läßt
sie rasch zwei Schwerpunkte erkennen: Einmal bilden
Fisch, Wild und Lamm einen besonderen Anreiz, zum
anderen wird das regionale Prinzip deutlich, z.B.
mit einer fränkischen Wachtel oder einem schwäbischen
Zwiebelrostbraten. Neben den Gerichten der Standardkarte
und einem 5 gängigen Schlemmermenü offeriert
der Gastgeber außerdem wechselnd einige aktuelle
Speisen sowie ein Tagesmenü, dessen Gänge
angenehmerweise alle auch als Einzelgerichte zu haben
sind.
Nach dem Genuß einer kleinen Kräutersülze
mit Quark, als leichte und appetitanregende Eröffnung
vom Haus serviert, wählen wir zunächst die
Kräuterrahmsuppe mit Spargel (10, DM), sehr gut,
mit ausgeprägtem, frühlingsfrischem Gartenkräutergeschmack
und reichlich zartweichen Spargelstücken (und
köpfen) und die Currysahnesuppe mit Riesengarnelen
(15, DM) mit kräftigem, aber nicht übertrieben
dominantem Currygeschmack, nicht zu rahmlastig und
mit reichlich saftigen Garnelenstücken wohlschmeckend
ergänzt.
Bei den Hauptgerichten zeigte bereits der fränkische
Stangenspargel mit Kräuterkartoffeln und Sauce
Hollandaise (25, DM), daß gerade im Einfachen
oft die Meisterschaft deutlich wird: Eine wirkliche
"Pfunds Portion", genau richtig, die Kräuter
frisch, die Sauce hausgemacht. Weiter reizte uns der
Fisch: Wolfsbarsch aus dem Backofen (35,- DM), im
ganzen in Butter gebraten und mit ansprechenden Gemüsebeilagen
versehen, erwies sich als eine gute Wahl, an der es
nichts auszusetzen gab, der ansprechende Geschmack
des Fisches kam voll zur Geltung. Die Fischvariationen
an zwei Saucen (35, DM), fünf verschiedene Fischsorten
phantasievoll angeordnet und von bester Qualität.
Dazu wunderbares safrangelbes Risotto mit dezenter
Käsenote, eine milde Kräutersauce und schmackhafter
Blattspinat als gelungene Beilagen. Auch Wildliebhaber
kamen auf ihre Kosten: Der feine Rehbraten mit Spargelsalat
und Butterspätzle (28, DM) schmeckte vorzüglich,
die süß säuerliche Sauce wurde zwar
als etwas ungewöhnlich empfunden, minderte den
Genuß der reichlichen Portion zarten Fleisches
und der Spätzle wie aus Omas Küche aber
nicht, der sehr frische Salat mit noch warmen Spargelstücken
stellte eine gelungene Ergänzung dar. Die Rehmedaillons
mit Preiselbeersauce (36, DM) waren ebenfalls zu loben
das ausgezeichnete Fleisch mit nur ganz zartem Wildgeschmack
und kurz gebraten ließ keinen Wunsch offen und
harmonierte mit der milden Preiselbeersauce und den
leckeren Beilagen: al dente zubereitete Stücke
von Karotten und Spargel sowie Blattspinat, dazu leichte,
lockere und außen knusprige Kroketten solche,
die auch zur Perlhuhnbrust mit Shi Takepilzen (31,-
DM) gereicht wurden. Das kross gebratene, aber dennoch
saftige Geflügelfleisch wurde zudem noch durch
einen hervorragenden Jus, die aromatischen Pilze und
sorgfältig gegartes Gemüse zu einem empfehlenswerten
Gericht. Die Portionsgröße ausreichend,
zudem alles für das Auge sehr ansprechend auf
großen vorgewärmten Tellern angerichtet
und serviert, und auch die Wahl des passenden Getränks
fiel (trotz der ungewöhnlich umfangreichen und
weitgefächerten Weinkarte) nicht schwer: Sowohl
die 0,25 l des trocken kräftigen 1998er Shiraz
aus dem Norden Australiens (13, DM) als auch des Nordheimer
Kreuzberg Silvaner trocken (7,50 DM) und des Sulzfelder
Cyriakusberg Portugieser trocken (9,20 DM) wurden
für gut befunden, genauso wie das Glas Sekt mit
Pfirsichlikör (12, DM). Die angebotenen Biersorten
dreier fränkischen Brauereien kamen richtig temperiert
und gepflegt auf den Tisch. Endlich beim Dessert angekommen,
fanden sich auf der Karte wohltuende Abweichungen
vom üblichen Angebot. Ein frisches Erdbeersorbet
mit Pfefferminze und Sekt (10, DM) mundete sehr, ebenso
die Früchteterrine mit Baumkuchenparfait (15,
DM) und das Tiramisu an Erdbeeren (14, DM). Fast schwärmen
könnte man allerdings von den gebackenen Erdbeeren
auf Rhabarberschaum (15, DM). Ganze Früchte in
zart knusprigem Teigmantel mit Zimtgeschmack ausgebacken,
malerisch drapiert um eine Rhabarber Schlagsahne Mischung
und von einer Vanilleeiskugel gekrönt - das muß
man versucht haben!! Doch auch wer "nur"
den Espresso mit Traminergrappa vom Weingut Hetzel
(12, DM) als Abschluß nahm, war gut beraten:
die ideale Ergänzung zu den kleinen, lockeren
und noch ofenwarmen köstlichen Rührkuchenstücken
mit Früchten, die nochmals als Gruß des
Hauses offeriert wurden, eine nette Geste, passend
zur kundigen, freundlichen und sehr aufmerksamen Bedienung.
Schließlich wären noch die verschiedenen
Edelbrände aus eigener Produktion zu erwähnen,
sie sind auch käuflich zu erwerben (10, DM pro
Flasche). Das können wir genauso empfehlen wie
einen Besuch bei den Leberts. Qualität, die ihren
Preis wert ist, gehoben, aber nicht abgehoben.
Landhaus Lebert, Schloßstr. 8, 91635 Windelsbach,
Tel. 098679570, Fax 09867 9567
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