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  >>> Getestet, Funkfeuer Nr. 41, Sommer 2001
   
  Landhaus Lebert in Windelsbach
  Kitzliges für den Gaumen
   
 

Wieder einmal führte uns die Suche nach einer kulinarischen Besonderheit in den weiteren Umkreis, diesmal in das rund 8 km von Rothenburg entfernte, mitten im Naturpark Frankenhöhe gelegene Windelsbach. Nur 250 Einwohner hat der eigentliche Ortskern, aber mit dem "Landhaus Lebert' eine Adresse, die in dieser ländlichen Umgebung kaum zu erwarten war.
Das um 1835 entstandene bäuerliche Anwesen ist in seiner Struktur noch gut zu erkennen; es wurde ab 1970 als Dorfwirtshaus betrieben, bis die junge Familie Lebert 1987 die Hofstelle kaufte und umgestaltete, so daß heute ein Restaurant und im Haupthaus und in der ehemaligen Scheune zusätzlich noch 10 Doppelzimmer (80 120 DM) angeboten werden.
Das Konzept des aus dem Bereich Schwäbisch Hall stammenden Gastronomen, der auf der Meisterschule in Heidelberg lernte und dann im "Eisenhut" in Rothenburg arbeitete, war, den Gästen eine gehobene Küche anzubieten, die auf einen weiteren Umkreis angelegt ist. Das erforderte Mut, einen "Sprung ins kalte Wasser", wie Frau Lebert es heute rückblickend formuliert. Die Anfangsjahre waren schwierig, doch Energie, Augenmaß und die auch heute noch spürbare Begeisterung für den Beruf führten schließlich zum Erfolg: Viele Stammgäste von außerhalb, aber auch ortsansässige Besucher, die kommen, um sich etwas Besonderes zu gönnen, bestätigen Manfred und Gabriele Lebert, daß der eingeschlagene Weg der richtige war.
Auch uns veranlaßte eine Empfehlung zum Besuch, und wir waren erwartungsvoll gestimmt, nicht zuletzt auch durch die lobenden Presseerwähnungen und verschiedenen Ehrungen, die wir in einem Schaukasten im Eingangsbereich nachlesen konnten. Beim Betreten des Lokals waren wir dann allerdings überrascht, vielleicht auch etwas enttäuscht: Ein schlichter, übersichtlich dörflich fränkisch möblierter Gastraum, bescheiden und ohne Raffinesse gestaltet, aber dennoch wohnlich, präsentiert sich uns. Ca. 40 50 Gäste finden hier Platz, ein kleiner Vorraum mit Theke und schöner, original alter Holzdecke führt (Vorsicht Stufe!) in das eigentliche Gastzimmer. Die Tische, gepflegt und sauber mit rosa Damast eingedeckt, lassen den kultivierten Anspruch erkennen, die übrige Raumausstattung ist Geschmackssache. Blickfang ist zweifelsohne der sehr dominante, wuchtige, dunkle Buffetschrank von kolossalem Ausmaß mit Spiegelaufsatz, hübsch mit verschiedenen Karaffen und geschmackvollen Flaschen dekoriert. Nicht so recht passen will uns allerdings der dazugruppierte und zur "Hausbar" umfunktionierte alte Küchenherd mit Ofenrohransatz, auch die sehr konventionelle Anordnung der Grünpflanzen (ein Blumentopf in der Mitte jeder Fensterbank) und die Nelken in den Tischvasen wirken wenig schmückend ein solitär in der Raummitte stehender wunderschöner Blumenstrauß zieht das Auge da schon eher an, und besonders interessant wird es, wenn man einen Blick in die Speisekarte wirft.
Überschaubar in der Auswahl, läßt sie rasch zwei Schwerpunkte erkennen: Einmal bilden Fisch, Wild und Lamm einen besonderen Anreiz, zum anderen wird das regionale Prinzip deutlich, z.B. mit einer fränkischen Wachtel oder einem schwäbischen Zwiebelrostbraten. Neben den Gerichten der Standardkarte und einem 5 gängigen Schlemmermenü offeriert der Gastgeber außerdem wechselnd einige aktuelle Speisen sowie ein Tagesmenü, dessen Gänge angenehmerweise alle auch als Einzelgerichte zu haben sind.
Nach dem Genuß einer kleinen Kräutersülze mit Quark, als leichte und appetitanregende Eröffnung vom Haus serviert, wählen wir zunächst die Kräuterrahmsuppe mit Spargel (10, DM), sehr gut, mit ausgeprägtem, frühlingsfrischem Gartenkräutergeschmack und reichlich zartweichen Spargelstücken (und köpfen) und die Currysahnesuppe mit Riesengarnelen (15, DM) mit kräftigem, aber nicht übertrieben dominantem Currygeschmack, nicht zu rahmlastig und mit reichlich saftigen Garnelenstücken wohlschmeckend ergänzt.
Bei den Hauptgerichten zeigte bereits der fränkische Stangenspargel mit Kräuterkartoffeln und Sauce Hollandaise (25, DM), daß gerade im Einfachen oft die Meisterschaft deutlich wird: Eine wirkliche "Pfunds Portion", genau richtig, die Kräuter frisch, die Sauce hausgemacht. Weiter reizte uns der Fisch: Wolfsbarsch aus dem Backofen (35,- DM), im ganzen in Butter gebraten und mit ansprechenden Gemüsebeilagen versehen, erwies sich als eine gute Wahl, an der es nichts auszusetzen gab, der ansprechende Geschmack des Fisches kam voll zur Geltung. Die Fischvariationen an zwei Saucen (35, DM), fünf verschiedene Fischsorten phantasievoll angeordnet und von bester Qualität. Dazu wunderbares safrangelbes Risotto mit dezenter Käsenote, eine milde Kräutersauce und schmackhafter Blattspinat als gelungene Beilagen. Auch Wildliebhaber kamen auf ihre Kosten: Der feine Rehbraten mit Spargelsalat und Butterspätzle (28, DM) schmeckte vorzüglich, die süß säuerliche Sauce wurde zwar als etwas ungewöhnlich empfunden, minderte den Genuß der reichlichen Portion zarten Fleisches und der Spätzle wie aus Omas Küche aber nicht, der sehr frische Salat mit noch warmen Spargelstücken stellte eine gelungene Ergänzung dar. Die Rehmedaillons mit Preiselbeersauce (36, DM) waren ebenfalls zu loben das ausgezeichnete Fleisch mit nur ganz zartem Wildgeschmack und kurz gebraten ließ keinen Wunsch offen und harmonierte mit der milden Preiselbeersauce und den leckeren Beilagen: al dente zubereitete Stücke von Karotten und Spargel sowie Blattspinat, dazu leichte, lockere und außen knusprige Kroketten solche, die auch zur Perlhuhnbrust mit Shi Takepilzen (31,- DM) gereicht wurden. Das kross gebratene, aber dennoch saftige Geflügelfleisch wurde zudem noch durch einen hervorragenden Jus, die aromatischen Pilze und sorgfältig gegartes Gemüse zu einem empfehlenswerten Gericht. Die Portionsgröße ausreichend, zudem alles für das Auge sehr ansprechend auf großen vorgewärmten Tellern angerichtet und serviert, und auch die Wahl des passenden Getränks fiel (trotz der ungewöhnlich umfangreichen und weitgefächerten Weinkarte) nicht schwer: Sowohl die 0,25 l des trocken kräftigen 1998er Shiraz aus dem Norden Australiens (13, DM) als auch des Nordheimer Kreuzberg Silvaner trocken (7,50 DM) und des Sulzfelder Cyriakusberg Portugieser trocken (9,20 DM) wurden für gut befunden, genauso wie das Glas Sekt mit Pfirsichlikör (12, DM). Die angebotenen Biersorten dreier fränkischen Brauereien kamen richtig temperiert und gepflegt auf den Tisch. Endlich beim Dessert angekommen, fanden sich auf der Karte wohltuende Abweichungen vom üblichen Angebot. Ein frisches Erdbeersorbet mit Pfefferminze und Sekt (10, DM) mundete sehr, ebenso die Früchteterrine mit Baumkuchenparfait (15, DM) und das Tiramisu an Erdbeeren (14, DM). Fast schwärmen könnte man allerdings von den gebackenen Erdbeeren auf Rhabarberschaum (15, DM). Ganze Früchte in zart knusprigem Teigmantel mit Zimtgeschmack ausgebacken, malerisch drapiert um eine Rhabarber Schlagsahne Mischung und von einer Vanilleeiskugel gekrönt - das muß man versucht haben!! Doch auch wer "nur" den Espresso mit Traminergrappa vom Weingut Hetzel (12, DM) als Abschluß nahm, war gut beraten: die ideale Ergänzung zu den kleinen, lockeren und noch ofenwarmen köstlichen Rührkuchenstücken mit Früchten, die nochmals als Gruß des Hauses offeriert wurden, eine nette Geste, passend zur kundigen, freundlichen und sehr aufmerksamen Bedienung. Schließlich wären noch die verschiedenen Edelbrände aus eigener Produktion zu erwähnen, sie sind auch käuflich zu erwerben (10, DM pro Flasche). Das können wir genauso empfehlen wie einen Besuch bei den Leberts. Qualität, die ihren Preis wert ist, gehoben, aber nicht abgehoben.

Landhaus Lebert, Schloßstr. 8, 91635 Windelsbach, Tel. 098679570, Fax 09867 9567

   
   
 
   
 
   
   
   
 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 
 
 
 
Dinkelsbühler Gästebuch
Texte aus vier Jahrhunderten
 
Herausgegeben von Ernst-Otto Erhard
 
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Lexikonartikel,
Gedichte,
 
mit besonderem Blick auf Dinkelsbühl und seine Geschichte
 
Ergänzend zahlreiche Bilder, einige nahezu unbekannt
 
€ 12, 80
 
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