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  >>> Getestet, Funkfeuer Nr. 42, Herbst 2001
   
  Landgasthaus im Stadtbereich
  Regionales und Hausgemachtes gut bürgerlich gekocht
   
 

Gerade ein Besuch in einem Wirtshaus auf dem Land kann mit angenehmen Überraschungen verbunden sein. Dies zumindest erhofften wir uns von unserem aktuellen Test und wurden - um es vorweg zu nehmen - nicht enttäuscht. Im Ortsteil Weidelbach, seit dem 1.5.1978 mit damals 255 Einwohnern in die Stadt Dinkelsbühl eingemeindet, bietet sich in einem Gebäude mit einem massiven Untergeschoß aus dem 18. und An- und Umbauten aus dem 19. Jahrhundert eine Einkehrmöglichkeit an. Die geräumige Hoffläche kann heute als Parkplatz genutzt werden, in einem Nebengebäude stehen zwei moderne Kegelbahnen zur Verfügung, von der Terrasse aus kann man einen Blick auf den Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert werfen und über der Eingangstüre entdeckt der Gast - wie bei vielen Gebäuden des Ortes - das schwarze Kreuz des Deutschen Ordens. Ein fast turmartig anmutender Bauteil erinnert daran, daß hier bis vor rund 80 Jahren eine Braustätte eingerichtet war. Am 1. Oktober 1980 hat der heute 52jährige Peter Geppert den Gasthof "Schwarzer Adler" vom Ehepaar Keitel übernommen. Vorher war der gelernte Koch und Feinkostkaufmann in Esslingen Besitzer mehrerer Lebensmittelgeschäfte, die aber dem Druck der großen Ketten - so seine Einschätzung - nicht mehr lange würden standhalten können. Zudem zog es den gebürtigen Heilsbronner wieder ins heimische Mittelfranken und vor allem aufs Land. Ein Freund gab ihm den Tip, in Landwirtschaftszeitungen nach geeigneten Objekten zu suchen, und so fand er den "Schwarzen Adler". Daß er und seine Familie sich auf dem Dorf gut eingelebt haben, zeigt nicht nur der Umstand, daß Peter Geppert einige Jahre Weidelbacher Ortssprecher war, sondern auch der eifrige Besuch der Kegelbahnen und des Billardraumes im ersten Stock durch die Jugend und die Junggebliebenen. Wer sich in der gemütlich wirkenden Gaststube niedergelassen hat, sollte sich beim Studieren der Speisen- und Getränkekarte Zeit lassen, denn die ist überraschend umfangreich, aber auch übersichtlich gegliedert. Gleich auf der ersten Seite hat der Wirt einen Text beigesteuert, der Grundsätzliches aussagt: Produkte aus der Region stehen im Mittelpunkt, gute Qualität der Rohstoffe und Zutaten ist gefragt, was im Hause hergestellt wird, hat Vorrang. Gerade beim Einkauf von Fleisch und Gemüse kommt Peter Geppert nach eigener Aussage seine Ausbildung als Feinkostkaufmann immer wieder zugute. So werden auch eine Reihe von Bezugsquellen genannt und vorgestellt, um den viel strapazierten Spruch von der "gut bürgerlichen Küche" mit Inhalt zu füllen. Folglich kann der Gast unter einer Reihe von Spezialitäten aus Franken und Schwaben wählen und z.B. Maultaschen, Spätzle oder Lamm- und Sauerbraten bestellen. Für die Werktage gibt es günstige Dauerangebote, z.B. am Mittwoch Steak vom Angus-Rind, am Donnerstag Schnitzel und am Freitag Pizza (9 bis 11 DM). Natürlich gibt es eine eigene Kinderkarte; nicht ganz so selbstverständlich ist, daß praktisch alle Gerichte auch als Seniorenportionen angeboten werden. Auch die Freunde von Toast-Gerichten kommen auf ihre Kosten, und wer eine Vesper bevorzugt, findet auf einer ganzen Seite Angebote im Preisrahmen von 8 bis 12 Mark. Daß trotz des erstaunlichen Umfangs des Speisenangebotes die Methode 08/15 oder hopphopp im "Schwarzen Adler" keine Chance hat, ist eine erfreuliche Feststellung. Eine Besonderheit ergab sich noch dadurch, daß alle Preisangaben bereits in Euro erfolgen und die Beträge in DM auf den Pfennig genau umgerechnet erschienen, ohne Rundungen nach oben. Doch nun zu den einzelnen Gerichten: Voraus eine ausgezeichnete hausgemachte Maultaschensuppe (DM 5,98). Dann der Zander in Mandelbutter mit Petersilienkartoffeln (DM 23,91/Euro 12,20): er bestand aus drei großen Filetstücken, die sehr schmackhaft waren; allerdings hätte man sich ein paar mehr Mandeln gewünscht. Der dazugehörige Salatteller war der Saison entsprechend abwechslungsreich und schön frisch, eine interessante Variante der Krautsalat mit Curry gewürzt, und der leckere Kartoffelsalat ließ die Herstellung im eigenen Haus vermuten. Der Zwiebelrostbraten (DM 21,95) erwies sich als sehr zart und war mit reichlich Zwiebeln versehen, ebenso gelobt wurde die Fleischqualität beim Jägerschnitzel (DM 15,88), dem Schweinefilet (DM 20,78) und dem Rindersteak (DM 20,97). Eine Seniorenportion Rehbraten aus heimischem Jagdrevier für DM 18,62 war für den "normalen Hunger" durchaus genügend; die hausgemachten Spätzle mit Biß, eine nicht vorschmeckende, gut abgestimmte Sauce und ein für Auge und Gaumen ansprechend gerichteter Salatteller ergaben ein gelungenes Angebot. Wer es etwas rustikaler mochte, fand Gefallen an den Käsespätzle mit gekochtem Schinken und gutem Käse in richtiger Mischung, natürlich sehr gehaltvoll, aber durchaus richtig portioniert (DM 12,54), oder am panierten Schnitzel mit Pommes frites und gemischtem Salat (DM 14,90), zwei saftige Fleischstücke von sättigender Größe in knuspriger, sich nicht lösender Panade. Die Jahreszeit ermöglichte Steinpilze in Rahmsauce mit Semmelknödel und gemischtem Salat, wobei die Semmelknödel etwas weicher (oder hauseigener?) hätten geraten dürfen (DM 26,80). Als gelungene Abrundung des Menüs wurde u.a. der Eierlikörbecher empfunden (DM 9,80). Den Espresso gab es erfreulicherweise für DM 2,50. Die Biere von drei bayerischen Brauereien (alle 0,5 l zu DM 3,92) kamen gut gepflegt auf den Tisch, eine besondere Spezialität ist ein dunkles Roggenbier, das sicher seine Liebhaber finden wird. Schoppenweine aus Franken und Württemberg bis zu einem Preis von DM 5,88 stehen zur Auswahl, wobei sie überwiegend in 1/4l-Fläschchen serviert werden. Die Erklärung: Wein wird im "Schwarzen Adler" relativ wenig verlangt; so soll auf diese Weise verhindert werden, daß es zu einem Geschmacksverlust bei längere Zeit offen stehenden Literflaschen kommt. Abschließend probierten wir noch die Edelbrände der Brennerei Frank in Pfedelbach und fanden insbesondere den Pflaumenbrand für DM 3,14 und den Schwarzen Johannisbeerbrand für DM 3,72 erfreulich mild und ausdrucksstark. In diesem Bereich erwies sich der Hausherr und Chefkoch als freundlicher und kenntnisreicher Kommentator von Feinheiten der Herkunft und Herstellungsverfahren. Als Fazit kann ein Abstecher nach Weidelbach in den "Schwarzen Adler" in jeder Hinsicht empfohlen werden.

Landgasthof "Schwarzer Adler", Inh. Peter Geppert, Weidelbach 14, 91550 Dinkelsbühl, Tel. 09857-506

   
   
   
 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 
 
 
 
Dinkelsbühler Gästebuch
Texte aus vier Jahrhunderten
 
Herausgegeben von Ernst-Otto Erhard
 
Reiseberichte,
amtl. Darstellungen,
Beiträge aus Zeitungen,
Artikel aus Zeitschriften,
Lexikonartikel,
Gedichte,
 
mit besonderem Blick auf Dinkelsbühl und seine Geschichte
 
Ergänzend zahlreiche Bilder, einige nahezu unbekannt
 
€ 12, 80
 
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