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Gerade ein Besuch in einem Wirtshaus auf dem Land
kann mit angenehmen Überraschungen verbunden
sein. Dies zumindest erhofften wir uns von unserem
aktuellen Test und wurden - um es vorweg zu nehmen
- nicht enttäuscht. Im Ortsteil Weidelbach, seit
dem 1.5.1978 mit damals 255 Einwohnern in die Stadt
Dinkelsbühl eingemeindet, bietet sich in einem
Gebäude mit einem massiven Untergeschoß
aus dem 18. und An- und Umbauten aus dem 19. Jahrhundert
eine Einkehrmöglichkeit an. Die geräumige
Hoffläche kann heute als Parkplatz genutzt werden,
in einem Nebengebäude stehen zwei moderne Kegelbahnen
zur Verfügung, von der Terrasse aus kann man
einen Blick auf den Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert
werfen und über der Eingangstüre entdeckt
der Gast - wie bei vielen Gebäuden des Ortes
- das schwarze Kreuz des Deutschen Ordens. Ein fast
turmartig anmutender Bauteil erinnert daran, daß
hier bis vor rund 80 Jahren eine Braustätte eingerichtet
war. Am 1. Oktober 1980 hat der heute 52jährige
Peter Geppert den Gasthof "Schwarzer Adler"
vom Ehepaar Keitel übernommen. Vorher war der
gelernte Koch und Feinkostkaufmann in Esslingen Besitzer
mehrerer Lebensmittelgeschäfte, die aber dem
Druck der großen Ketten - so seine Einschätzung
- nicht mehr lange würden standhalten können.
Zudem zog es den gebürtigen Heilsbronner wieder
ins heimische Mittelfranken und vor allem aufs Land.
Ein Freund gab ihm den Tip, in Landwirtschaftszeitungen
nach geeigneten Objekten zu suchen, und so fand er
den "Schwarzen Adler". Daß er und
seine Familie sich auf dem Dorf gut eingelebt haben,
zeigt nicht nur der Umstand, daß Peter Geppert
einige Jahre Weidelbacher Ortssprecher war, sondern
auch der eifrige Besuch der Kegelbahnen und des Billardraumes
im ersten Stock durch die Jugend und die Junggebliebenen.
Wer sich in der gemütlich wirkenden Gaststube
niedergelassen hat, sollte sich beim Studieren der
Speisen- und Getränkekarte Zeit lassen, denn
die ist überraschend umfangreich, aber auch übersichtlich
gegliedert. Gleich auf der ersten Seite hat der Wirt
einen Text beigesteuert, der Grundsätzliches
aussagt: Produkte aus der Region stehen im Mittelpunkt,
gute Qualität der Rohstoffe und Zutaten ist gefragt,
was im Hause hergestellt wird, hat Vorrang. Gerade
beim Einkauf von Fleisch und Gemüse kommt Peter
Geppert nach eigener Aussage seine Ausbildung als
Feinkostkaufmann immer wieder zugute. So werden auch
eine Reihe von Bezugsquellen genannt und vorgestellt,
um den viel strapazierten Spruch von der "gut
bürgerlichen Küche" mit Inhalt zu füllen.
Folglich kann der Gast unter einer Reihe von Spezialitäten
aus Franken und Schwaben wählen und z.B. Maultaschen,
Spätzle oder Lamm- und Sauerbraten bestellen.
Für die Werktage gibt es günstige Dauerangebote,
z.B. am Mittwoch Steak vom Angus-Rind, am Donnerstag
Schnitzel und am Freitag Pizza (9 bis 11 DM). Natürlich
gibt es eine eigene Kinderkarte; nicht ganz so selbstverständlich
ist, daß praktisch alle Gerichte auch als Seniorenportionen
angeboten werden. Auch die Freunde von Toast-Gerichten
kommen auf ihre Kosten, und wer eine Vesper bevorzugt,
findet auf einer ganzen Seite Angebote im Preisrahmen
von 8 bis 12 Mark. Daß trotz des erstaunlichen
Umfangs des Speisenangebotes die Methode 08/15 oder
hopphopp im "Schwarzen Adler" keine Chance
hat, ist eine erfreuliche Feststellung. Eine Besonderheit
ergab sich noch dadurch, daß alle Preisangaben
bereits in Euro erfolgen und die Beträge in DM
auf den Pfennig genau umgerechnet erschienen, ohne
Rundungen nach oben. Doch nun zu den einzelnen Gerichten:
Voraus eine ausgezeichnete hausgemachte Maultaschensuppe
(DM 5,98). Dann der Zander in Mandelbutter mit Petersilienkartoffeln
(DM 23,91/Euro 12,20): er bestand aus drei großen
Filetstücken, die sehr schmackhaft waren; allerdings
hätte man sich ein paar mehr Mandeln gewünscht.
Der dazugehörige Salatteller war der Saison entsprechend
abwechslungsreich und schön frisch, eine interessante
Variante der Krautsalat mit Curry gewürzt, und
der leckere Kartoffelsalat ließ die Herstellung
im eigenen Haus vermuten. Der Zwiebelrostbraten (DM
21,95) erwies sich als sehr zart und war mit reichlich
Zwiebeln versehen, ebenso gelobt wurde die Fleischqualität
beim Jägerschnitzel (DM 15,88), dem Schweinefilet
(DM 20,78) und dem Rindersteak (DM 20,97). Eine Seniorenportion
Rehbraten aus heimischem Jagdrevier für DM 18,62
war für den "normalen Hunger" durchaus
genügend; die hausgemachten Spätzle mit
Biß, eine nicht vorschmeckende, gut abgestimmte
Sauce und ein für Auge und Gaumen ansprechend
gerichteter Salatteller ergaben ein gelungenes Angebot.
Wer es etwas rustikaler mochte, fand Gefallen an den
Käsespätzle mit gekochtem Schinken und gutem
Käse in richtiger Mischung, natürlich sehr
gehaltvoll, aber durchaus richtig portioniert (DM
12,54), oder am panierten Schnitzel mit Pommes frites
und gemischtem Salat (DM 14,90), zwei saftige Fleischstücke
von sättigender Größe in knuspriger,
sich nicht lösender Panade. Die Jahreszeit ermöglichte
Steinpilze in Rahmsauce mit Semmelknödel und
gemischtem Salat, wobei die Semmelknödel etwas
weicher (oder hauseigener?) hätten geraten dürfen
(DM 26,80). Als gelungene Abrundung des Menüs
wurde u.a. der Eierlikörbecher empfunden (DM
9,80). Den Espresso gab es erfreulicherweise für
DM 2,50. Die Biere von drei bayerischen Brauereien
(alle 0,5 l zu DM 3,92) kamen gut gepflegt auf den
Tisch, eine besondere Spezialität ist ein dunkles
Roggenbier, das sicher seine Liebhaber finden wird.
Schoppenweine aus Franken und Württemberg bis
zu einem Preis von DM 5,88 stehen zur Auswahl, wobei
sie überwiegend in 1/4l-Fläschchen serviert
werden. Die Erklärung: Wein wird im "Schwarzen
Adler" relativ wenig verlangt; so soll auf diese
Weise verhindert werden, daß es zu einem Geschmacksverlust
bei längere Zeit offen stehenden Literflaschen
kommt. Abschließend probierten wir noch die
Edelbrände der Brennerei Frank in Pfedelbach
und fanden insbesondere den Pflaumenbrand für
DM 3,14 und den Schwarzen Johannisbeerbrand für
DM 3,72 erfreulich mild und ausdrucksstark. In diesem
Bereich erwies sich der Hausherr und Chefkoch als
freundlicher und kenntnisreicher Kommentator von Feinheiten
der Herkunft und Herstellungsverfahren. Als Fazit
kann ein Abstecher nach Weidelbach in den "Schwarzen
Adler" in jeder Hinsicht empfohlen werden.
Landgasthof "Schwarzer Adler", Inh.
Peter Geppert, Weidelbach 14, 91550 Dinkelsbühl,
Tel. 09857-506
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