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Wieder auf kulinarischer Entdeckungsreise, fuhren
wir, einer Empfehlung folgend, diesmal nach Diebach.
Sicher wenigen bekannt, liegt der 500-Seelen-Ort etwas
in der Nähe der B 25 in Richtung Rothenburg und
ist in einer guten halben Stunde schnell erreicht,
wenn man in Höhe von Insingen dem Wegweiser nach
rechts folgt. Das Gasthaus "Krone" ist dann
gut zu finden: leicht erhöht liegt das mächtige
Fachwerkgebäude mit den rot eingefärbten
Holzbalken gleich an der Straße. Eine breite,
aus alten Steinquadern gebaute Treppe führt einladend
zu Biergartenterrasse und Eingang des 1724 erbauten
Hauses. Ein separater Vorraum, den man zunächst
betritt, verbreitet sogleich eine wohnliche Atmosphäre:
einige alte Möbelstücke, helle Wände,
dezente Beleuchtung. Eine Vitrine zeigt das "Herzstück"
des Hauses, Abschriften alter Kochbücher - das
älteste gedruckte seiner Art stammt übrigens
schon aus dem Jahr 1474 - denn gerade diese Bücher
waren es, die die jungen Wirtsleute Jo Prümen
und Marcus Paweletz aus Wanne-Eickel und Essen zu
ihrem Beruf, ihrem Konzept und schließlich auch
zu diesem Gasthaus brachten. Völlig ungewöhnlich
ist ihr Werdegang: Der studierte Geschichts- und Literaturwissenschaftler
und die Malerin und Kunsthistorikerin entschlossen
sich aus ihrem Interesse an alten Kochbüchern
und Rezeptsammlungen heraus, die Berufsvorstellung
zu wechseln und eine Ausbildung zum Koch zu absolvieren.
Wie oft bei Spätberufenen taten sie dies mit
besonderer Freude und viel Engagement, verbanden ihre
Vorkenntnisse mit dem neuen Beruf und gründeten
einen mobilen Partyservice mit dem Schwerpunkt der
Ausrichtung historischer Feste. Die Idee bewährte
sich so gut, daß der Gedanke, dies auch einmal
in festen Räumlichkeiten anzubieten, reifte.Die
Suche nach einem geeigneten Haus führte sie dann
eher zufällig nach Diebach, wo sie das verwaiste
Gasthaus fanden und pachten konnten. Seit der Eröffnung
im November vergangenen Jahres versucht das kochende
Ehepaar nun die Gäste mit Gerichten nach historischen
Vorlagen zu verwöhnen, alte Rezepte, neu umgesetzt,
dazu passend ein Ambiente, das ebenfalls die Verbindung
zur Geschichte betont. Der eigentliche Gastraum, den
man durch den schon erwähnten Vorraum betritt,
besticht nach einer behutsamen Renovierung durch ein
geschlossenes, geschmackvolles Bild. Naturbelassene
Weichholztische aus altem Bestand, sehr hübsch
eingedeckt mit Bauernleinen, Kerzen und farblich fein
abgestimmten Naturblumensträußchen, dazu
die passenden Stühle und eine rundumlaufende
halbhohe Wandvertäfelung im gleichen Holzton,
deren Kassetten rot umrandet wurden - ein Rot, das
sich im ganzen Haus, auch an den Türen, immer
wieder findet. Ansonsten helle Wände, sparsam
mit alten Bildern geschmückt, auf den Fensterbänken
ein paar schlanke Flaschen, schlichte weiße
Gardinenschals und über allem eine erstaunliche
Holzbalkendecke. Das eigentliche "Prunkstück"
des Raumes, ein wunderschöner Ofen, der in seiner
Art wohl einmalig ist, drängt sich nicht auf,
da er etwas zurückgesetzt seitlich angeordnet
ist.So viel positive Eindrücke machten uns nun
neugierig auf die Speisekarte. Sie ist nicht zu umfangreich,
dafür gibt es öfter einen Themenwechsel,
wie uns versichert wird. Wir aßen, zur Jahreszeit
passend, nach dem Motto: Fit durch den Winter nach
Pfarrer Kneipp. Schon beim Studium der zur Wahl stehenden
Gerichte mit kurzer Beschreibung der Zubereitungsart
fiel auf, daß hier Bodenständiges, aber
durchaus nicht Alltägliches angeboten wird, die
Vor- und Nachspeisen wohltuend aus dem üblichen
Rahmen herausfallen und bei den Hauptgerichten Abwechslung
groß geschrieben wird: Ente, Rind, Fisch, Schwein,
Huhn und Vegetarisches, dazu angenehmerweise gleich
die passende Getränkeempfehlung, sowie zwei Menüvorschläge.
Nach Einstimmung mit dem vorzüglichen Hausaperitif
( Sekt mit Holundersirup 3,70 €) probierten wir
zu Beginn die Rote-Rübensuppe ( 2,75 €),
ein Gericht, das sich selten, genau genommen eigentlich
nie, auf unseren heimischen Speisekarten findet. Schon
farblich äußerst anregend ,kam der Geschmack
der in (etwas zu große) Würfel geschnittenen
roten Beete gut zur Geltung. Auch die Weißkrautsuppe
(2,85 €) fand Anklang: mit Kümmel, gebratenen
Speckwürfelchen, Kartoffelstücken und Sauerrahm
deftig gewürzt. Die gut abgeschmeckte Königinpastete
(7,35 €) mit einer üppigen Salatbeilage
mit feinem Dressing war ebenfalls zu loben, aber als
Vorspeise fast zu reichlich.Bei den Hauptgerichten
stellten wir dann die Küche wahrhaft auf die
Probe, denn wir bestellten sechs (von den sieben zur
Wahl stehenden) Speisen; eine Herausforderung, die,
um es schon vorweg zu nehmen, mit Bravour gemeistert
wurde! Nach nicht zu langer Wartezeit wurde uns allen
gleichzeitig auf vorgewärmten Tellern folgendes
serviert: Rind mit saurem Rahm (9,30 €), eine
gewaltige Portion mit 2 großen Scheiben Rindfleisch,
3 (!!) herzhaften Klößen und einem Salatteller
mit leichtem und bekömmlichem, nicht zu dominantem
Dressing. Dem Fleisch merkte man das Kochen in echtem
Sud mit allerlei leckeren Zutaten an. Es war in der
Konsistenz exakt und geschmacklich angenehm, gereicht
mit einer milden, raffinierten Soße, die den
Höhepunkt des Gerichtes darstellte. Auch die
Ente mit Äpfeln (mit 11,80 € schon das teuerste
Gericht) begeisterte den Esser: das Brustfleisch rösch
gebraten, mit hauchdünner Kruste und saftig.
Die auf der Karte angegebenen Beilagen ließen
im einzelnen nichts Außergewöhnliches ahnen.
Aber dann erweist sich schon das Kartoffelpüree,
echte Handarbeit aus der Küche, mit kleinen Speckwürfelchen
durchsetzt, als eine Delikatesse, mit der sich keines
der Fertigprodukte gleichen Namens messen läßt.
Ähnliches läßt sich von der köstlichen
Apfelweinsoße und dem Apfelkompott sagen, alles
in Gourmetqualität. Das harmonische Zusammenspiel
aller Ingredienzien vermittelt in Geschmack und Konsistenz
eine Gaumenlust, die kaum zu übertreffen ist.
Genauso überzeugte auch das gebeizte Schweinelendchen
(10,20 €), mit Rotwein marinierte, gebratene
Medaillons, dazu Estragonsoße, Bratkartoffeln
und Weißkohlsalat. Das Fleisch zart und sehr
gut, selbstgemachte Bratkartoffelscheiben, wie sie
besser nicht sein können, dazu reichlich von
der köstlichen sämig-würzigen Sauce,
der Salat bißfest und mit Kümmel und wenig
Essig angemacht, gerade richtig. Eine echte Überraschung
war dann die Forelle mit Sauerrahm gebacken (9,70
€): In einer ovalen Auflaufform liegt der Fisch
auf einer (leider etwas zu trockenen, aber geschmacklich
passenden) Kartoffel-Kräuter-Zwiebel-Mischung,
übergossen und überkrustet mit Sauerrahm,
saftig und mit wenig Gräten, die verschiedenen
Kräuter ergänzen das Ganze hervorragend.
Auch Freunde vegetarischer Küche werden gut bedient.
Die Niedernauer Kartoffel-Champignon-Pfanne (8,60
€), eine mit Petersilie und Zwiebeln gebratene
Kartoffel-Pilzmischung, mit Sauerrahm abgeschmeckt,
ansprechend im gußeisernen Tiegel serviert,
sollte man sich für den großen Appetit
aufheben, genauso wie den Spinat in Omletten (8,80
€), wohlschmeckende Pfannkuchen mit Sahne und
Parmesan überbacken. Die vorgeschlagenen Getränkeempfehlungen
erwiesen sich, soweit wir ihnen folgten, als gelungene
Ergänzung. Der 1999er Spätburgunder (0,25
l für 3,35 €) paßte vorzüglich
zur Ente, ein dunkles gepflegtes und süffiges
Bier (0,3 l: 1,50 €) zum Rindfleisch. Die Wirtsleute
haben sich dabei für das Angebot der Brauerei
Landwehrbräu entschieden, sicher eine gute Wahl.
Im übrigen zeigt die Getränkekarte nicht
nur eine reiche Auswahl an deutschen Weinen (aus Franken-
und der Mosel-Saar-Ruwer-Region), sondern auch für
die Liebhaber italienischer und französischer
Tropfen gibt es einige Besonderheiten. Hervorzuheben
ist auch das phantasievolle Angebot an nichtalkoholischen
Getränken (allein 6 verschiedene Johannisbeersäfte!)
Zum Abschluß verführten uns dann noch die
ungewöhnlichen Dessertvorschläge. Den frisch
gebackenen Grießstrudel (6,20 €)mit Vanilleeis
sollte man nur mit "Reserve" im Magen bestellen,
sehr gut, aber auch sättigend! Etwas leichter
das Schlehenparfait mit der frisch aufgeschlagenen
Portweinsabaione (6,50 €), ein fruchtig-herber
Genuß. Auch die zur Abrundung versuchten Schnäpse
(Birne und Zwetschge je 0,2 cl für 1,80 €)
aus der Brennerei Rummel enttäuschten nicht.Alles
in allem also ein großes Lob dem Kronenwirt,
den wir auf diese Weise nur zu gerne weiterempfehlen
möchten, nicht zuletzt auch für das sehr
gute Preis-Leistungsverhältnis. Ein Lob auch
für die Bedienung, die freundlich, aufmerksam
und sachkundig unseren Wünschen nachkam. Anzufügen
wäre noch, daß auch für größere
Feste sehr schöne Räumlichkeiten zur Verfügung
stehen, Kochkurse angeboten werden, Gästezimmer
in einem eigenen Haus zu mieten sind und die Fahrt
nach Diebach sich auch für einen Sonntagnachmittag
lohnt, denn da gibt es selbstgebackenen Kuchen.
Gasthaus Krone, Restaurant für historische
Küche, Untere Straße 3, 91583 Diebach,
Tel. 09868/933693, Fax 09869/959963. www.restaurant-krone.com,
info@restaurant-krone.com. Öffnungszeiten: Mittwoch
bis Samstag ab 18Uhr, Sonntag Mittagstisch 11-14 Uhr,
Kaffee und Kuchen 14 - 17 Uhr und ab 18 Uhr Abendessen.
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