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  >>> Getestet, Funkfeuer Nr. 44, Frühjahr 2002
   
  Historie zum Genießen
  Gasthaus "Krone" in Diebach
   
 

Wieder auf kulinarischer Entdeckungsreise, fuhren wir, einer Empfehlung folgend, diesmal nach Diebach. Sicher wenigen bekannt, liegt der 500-Seelen-Ort etwas in der Nähe der B 25 in Richtung Rothenburg und ist in einer guten halben Stunde schnell erreicht, wenn man in Höhe von Insingen dem Wegweiser nach rechts folgt. Das Gasthaus "Krone" ist dann gut zu finden: leicht erhöht liegt das mächtige Fachwerkgebäude mit den rot eingefärbten Holzbalken gleich an der Straße. Eine breite, aus alten Steinquadern gebaute Treppe führt einladend zu Biergartenterrasse und Eingang des 1724 erbauten Hauses. Ein separater Vorraum, den man zunächst betritt, verbreitet sogleich eine wohnliche Atmosphäre: einige alte Möbelstücke, helle Wände, dezente Beleuchtung. Eine Vitrine zeigt das "Herzstück" des Hauses, Abschriften alter Kochbücher - das älteste gedruckte seiner Art stammt übrigens schon aus dem Jahr 1474 - denn gerade diese Bücher waren es, die die jungen Wirtsleute Jo Prümen und Marcus Paweletz aus Wanne-Eickel und Essen zu ihrem Beruf, ihrem Konzept und schließlich auch zu diesem Gasthaus brachten. Völlig ungewöhnlich ist ihr Werdegang: Der studierte Geschichts- und Literaturwissenschaftler und die Malerin und Kunsthistorikerin entschlossen sich aus ihrem Interesse an alten Kochbüchern und Rezeptsammlungen heraus, die Berufsvorstellung zu wechseln und eine Ausbildung zum Koch zu absolvieren. Wie oft bei Spätberufenen taten sie dies mit besonderer Freude und viel Engagement, verbanden ihre Vorkenntnisse mit dem neuen Beruf und gründeten einen mobilen Partyservice mit dem Schwerpunkt der Ausrichtung historischer Feste. Die Idee bewährte sich so gut, daß der Gedanke, dies auch einmal in festen Räumlichkeiten anzubieten, reifte.Die Suche nach einem geeigneten Haus führte sie dann eher zufällig nach Diebach, wo sie das verwaiste Gasthaus fanden und pachten konnten. Seit der Eröffnung im November vergangenen Jahres versucht das kochende Ehepaar nun die Gäste mit Gerichten nach historischen Vorlagen zu verwöhnen, alte Rezepte, neu umgesetzt, dazu passend ein Ambiente, das ebenfalls die Verbindung zur Geschichte betont. Der eigentliche Gastraum, den man durch den schon erwähnten Vorraum betritt, besticht nach einer behutsamen Renovierung durch ein geschlossenes, geschmackvolles Bild. Naturbelassene Weichholztische aus altem Bestand, sehr hübsch eingedeckt mit Bauernleinen, Kerzen und farblich fein abgestimmten Naturblumensträußchen, dazu die passenden Stühle und eine rundumlaufende halbhohe Wandvertäfelung im gleichen Holzton, deren Kassetten rot umrandet wurden - ein Rot, das sich im ganzen Haus, auch an den Türen, immer wieder findet. Ansonsten helle Wände, sparsam mit alten Bildern geschmückt, auf den Fensterbänken ein paar schlanke Flaschen, schlichte weiße Gardinenschals und über allem eine erstaunliche Holzbalkendecke. Das eigentliche "Prunkstück" des Raumes, ein wunderschöner Ofen, der in seiner Art wohl einmalig ist, drängt sich nicht auf, da er etwas zurückgesetzt seitlich angeordnet ist.So viel positive Eindrücke machten uns nun neugierig auf die Speisekarte. Sie ist nicht zu umfangreich, dafür gibt es öfter einen Themenwechsel, wie uns versichert wird. Wir aßen, zur Jahreszeit passend, nach dem Motto: Fit durch den Winter nach Pfarrer Kneipp. Schon beim Studium der zur Wahl stehenden Gerichte mit kurzer Beschreibung der Zubereitungsart fiel auf, daß hier Bodenständiges, aber durchaus nicht Alltägliches angeboten wird, die Vor- und Nachspeisen wohltuend aus dem üblichen Rahmen herausfallen und bei den Hauptgerichten Abwechslung groß geschrieben wird: Ente, Rind, Fisch, Schwein, Huhn und Vegetarisches, dazu angenehmerweise gleich die passende Getränkeempfehlung, sowie zwei Menüvorschläge. Nach Einstimmung mit dem vorzüglichen Hausaperitif ( Sekt mit Holundersirup 3,70 €) probierten wir zu Beginn die Rote-Rübensuppe ( 2,75 €), ein Gericht, das sich selten, genau genommen eigentlich nie, auf unseren heimischen Speisekarten findet. Schon farblich äußerst anregend ,kam der Geschmack der in (etwas zu große) Würfel geschnittenen roten Beete gut zur Geltung. Auch die Weißkrautsuppe (2,85 €) fand Anklang: mit Kümmel, gebratenen Speckwürfelchen, Kartoffelstücken und Sauerrahm deftig gewürzt. Die gut abgeschmeckte Königinpastete (7,35 €) mit einer üppigen Salatbeilage mit feinem Dressing war ebenfalls zu loben, aber als Vorspeise fast zu reichlich.Bei den Hauptgerichten stellten wir dann die Küche wahrhaft auf die Probe, denn wir bestellten sechs (von den sieben zur Wahl stehenden) Speisen; eine Herausforderung, die, um es schon vorweg zu nehmen, mit Bravour gemeistert wurde! Nach nicht zu langer Wartezeit wurde uns allen gleichzeitig auf vorgewärmten Tellern folgendes serviert: Rind mit saurem Rahm (9,30 €), eine gewaltige Portion mit 2 großen Scheiben Rindfleisch, 3 (!!) herzhaften Klößen und einem Salatteller mit leichtem und bekömmlichem, nicht zu dominantem Dressing. Dem Fleisch merkte man das Kochen in echtem Sud mit allerlei leckeren Zutaten an. Es war in der Konsistenz exakt und geschmacklich angenehm, gereicht mit einer milden, raffinierten Soße, die den Höhepunkt des Gerichtes darstellte. Auch die Ente mit Äpfeln (mit 11,80 € schon das teuerste Gericht) begeisterte den Esser: das Brustfleisch rösch gebraten, mit hauchdünner Kruste und saftig. Die auf der Karte angegebenen Beilagen ließen im einzelnen nichts Außergewöhnliches ahnen. Aber dann erweist sich schon das Kartoffelpüree, echte Handarbeit aus der Küche, mit kleinen Speckwürfelchen durchsetzt, als eine Delikatesse, mit der sich keines der Fertigprodukte gleichen Namens messen läßt. Ähnliches läßt sich von der köstlichen Apfelweinsoße und dem Apfelkompott sagen, alles in Gourmetqualität. Das harmonische Zusammenspiel aller Ingredienzien vermittelt in Geschmack und Konsistenz eine Gaumenlust, die kaum zu übertreffen ist. Genauso überzeugte auch das gebeizte Schweinelendchen (10,20 €), mit Rotwein marinierte, gebratene Medaillons, dazu Estragonsoße, Bratkartoffeln und Weißkohlsalat. Das Fleisch zart und sehr gut, selbstgemachte Bratkartoffelscheiben, wie sie besser nicht sein können, dazu reichlich von der köstlichen sämig-würzigen Sauce, der Salat bißfest und mit Kümmel und wenig Essig angemacht, gerade richtig. Eine echte Überraschung war dann die Forelle mit Sauerrahm gebacken (9,70 €): In einer ovalen Auflaufform liegt der Fisch auf einer (leider etwas zu trockenen, aber geschmacklich passenden) Kartoffel-Kräuter-Zwiebel-Mischung, übergossen und überkrustet mit Sauerrahm, saftig und mit wenig Gräten, die verschiedenen Kräuter ergänzen das Ganze hervorragend. Auch Freunde vegetarischer Küche werden gut bedient. Die Niedernauer Kartoffel-Champignon-Pfanne (8,60 €), eine mit Petersilie und Zwiebeln gebratene Kartoffel-Pilzmischung, mit Sauerrahm abgeschmeckt, ansprechend im gußeisernen Tiegel serviert, sollte man sich für den großen Appetit aufheben, genauso wie den Spinat in Omletten (8,80 €), wohlschmeckende Pfannkuchen mit Sahne und Parmesan überbacken. Die vorgeschlagenen Getränkeempfehlungen erwiesen sich, soweit wir ihnen folgten, als gelungene Ergänzung. Der 1999er Spätburgunder (0,25 l für 3,35 €) paßte vorzüglich zur Ente, ein dunkles gepflegtes und süffiges Bier (0,3 l: 1,50 €) zum Rindfleisch. Die Wirtsleute haben sich dabei für das Angebot der Brauerei Landwehrbräu entschieden, sicher eine gute Wahl. Im übrigen zeigt die Getränkekarte nicht nur eine reiche Auswahl an deutschen Weinen (aus Franken- und der Mosel-Saar-Ruwer-Region), sondern auch für die Liebhaber italienischer und französischer Tropfen gibt es einige Besonderheiten. Hervorzuheben ist auch das phantasievolle Angebot an nichtalkoholischen Getränken (allein 6 verschiedene Johannisbeersäfte!) Zum Abschluß verführten uns dann noch die ungewöhnlichen Dessertvorschläge. Den frisch gebackenen Grießstrudel (6,20 €)mit Vanilleeis sollte man nur mit "Reserve" im Magen bestellen, sehr gut, aber auch sättigend! Etwas leichter das Schlehenparfait mit der frisch aufgeschlagenen Portweinsabaione (6,50 €), ein fruchtig-herber Genuß. Auch die zur Abrundung versuchten Schnäpse (Birne und Zwetschge je 0,2 cl für 1,80 €) aus der Brennerei Rummel enttäuschten nicht.Alles in allem also ein großes Lob dem Kronenwirt, den wir auf diese Weise nur zu gerne weiterempfehlen möchten, nicht zuletzt auch für das sehr gute Preis-Leistungsverhältnis. Ein Lob auch für die Bedienung, die freundlich, aufmerksam und sachkundig unseren Wünschen nachkam. Anzufügen wäre noch, daß auch für größere Feste sehr schöne Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, Kochkurse angeboten werden, Gästezimmer in einem eigenen Haus zu mieten sind und die Fahrt nach Diebach sich auch für einen Sonntagnachmittag lohnt, denn da gibt es selbstgebackenen Kuchen.

Gasthaus Krone, Restaurant für historische Küche, Untere Straße 3, 91583 Diebach, Tel. 09868/933693, Fax 09869/959963. www.restaurant-krone.com, info@restaurant-krone.com. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag ab 18Uhr, Sonntag Mittagstisch 11-14 Uhr, Kaffee und Kuchen 14 - 17 Uhr und ab 18 Uhr Abendessen.

   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 
 
 
 
Dinkelsbühler Gästebuch
Texte aus vier Jahrhunderten
 
Herausgegeben von Ernst-Otto Erhard
 
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Lexikonartikel,
Gedichte,
 
mit besonderem Blick auf Dinkelsbühl und seine Geschichte
 
Ergänzend zahlreiche Bilder, einige nahezu unbekannt
 
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