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  >>> Getestet, Funkfeuer Nr. 45, Sommer 2002
   
  Überraschung auf dem Hohenloher Land
  Feuchters´ Essen und Kultur in Bovenzenweiler
   
 

Idee für einen Ausflug am Wochenende gesucht? Gute Küche, besonderes Ambiente, Biergarten und vielleicht auch ein Unterhaltungsprogramm erwünscht? Keine Scheu vor der Beschäftigung mit Landkarten? Falls Sie, liebe Leser sich durch diese Fragen angesprochen fühlen, hätten wir hier einen Tip für Sie. Zugegeben, ein bisschen Geographie sollte man schon betreiben, denn kaum jemand wird auf Anhieb wissen, wo Bovenzenweiler liegt. Aber auch dieser Platz ist zu finden: Auf der B 25 in Richtung Rothenburg biegt man in Lohr links ab nach Bettenfeld und gelangt dann auf einsamen Wegen und landschaftlich schöner Strecke über Leuzendorf zum Ziel. Wer breitere Straßen schätzt, kann auch über Crailsheim und Schrozberg fahren, in jedem Fall sind es gute 50 km bis zu dem nur einige Häuser umfassenden Ort. Dort ist das Gasthaus dann nicht zu verfehlen. Ein großes Hinweisschild am Straßenrand weist den Weg zu einer ehemaligen Scheune, der man das Entstehungsjahr 1832 allerdings nicht mehr ansieht, denn die neuen Eigentümer, Familie Feuchter, haben aus dem Gebäude ein Haus mit besonderer Atmosphäre gemacht.Dabei war ihnen weder die Architektur noch die Gastronomie in die Wiege gelegt. Herr Feuchter, hauptamtlich als Studiendirektor für Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde tätig, träumte aber schon lange davon, seine Liebe zum Kochen, zum Wein und zur Kultur irgendwie in einem gastronomischen Vorhaben umzusetzen. Man überlegte lange, testete das Konzept privat mit Freunden, und nachdem sich einer der Söhne dann auch noch entschloß, den Beruf des Kochs zu erlernen und ein geplantes Projekt einmal zu übernehmen, erwarb man die aufgelassene Hofstelle und baute um. Vor fast genau einem Jahr eröffnete Familie Feuchter dann ihr Lokal, das wegen der beruflichen Doppelbelastung allerdings vorerst nur an den Wochenenden bewirtschaftet wird. Doch da betreiben die Feuchters ihr Hobby dann wirklich professionell und sind ganz für den Gast da, er in der Küche und sie im Service in einem großzügigen, schmucken und lichten Gastraum, der die einstigen Scheunenelemente nicht versteckt, aber trotzdem eine fast private Wohnzimmeratmosphäre erhalten hat. 40 Gäste finden an alten Holztischen und- besonders hübsch- in einer gemütlichen Sofaecke mit einem großen wärmenden Kachelofen Platz, über eine Wendeltreppe erreicht man eine Galerie, auf der noch einmal 25 Personen sitzen können. Die Wände hell, dezent mit schlichten Wandlampen ausgeleuchtet und nicht übermäßig dekoriert, so kommt die alte tragende Stützbalkenkonstruktion des Raumes gut zur Geltung, eine schöne bogenförmig gerundete Theke mit Barhockern als Blickfang im rückwärtigen Teil sowie ein geschmackvoller Holzboden tun ein übriges um sofort einen " Wohlfühleffekt" herzustellen. Originell der Blumenschmuck: nicht wie üblich auf den Tischen verteilt, sondern in Reagenzgläsern fast unsichtbar aufgehängt scheinen die Blüten im Raum zu schweben, auch zur obligaten Kerzenbeleuchtung hat man sich eine Variante einfallen lassen und formschöne Öllampen gewählt. Ein Ausgang zur Gartenseite führt in den Biergarten, der nicht nur durch seine stilechte Bestuhlung besticht, sondern auch durch einen weiten Blick über Felder und Wiesen noch jenseits der zum Grundstück gehörenden 3000 qm.Vorbeikommende Radler und Ausflügler finden hier sicher etwas nach ihrem Geschmack, denn die kleine Standardspeisekarte ist so abgestimmt, daß kalte Brotzeiten und Salate fast in gleicher Auswahl wie warme Hauptgerichte angeboten werden. Wir versuchen den italienischen Vesperteller ( 6 € ), eine respektable Portion, bestehend aus Parmaschinken und drei verschiedenen Sorten italienischer Salami, garniert mit grünen Oliven, eingelegten Kapernäpfeln und Peperoni, dazu frisches Baguette. Eine Empfehlung, besonders wenn man dazu noch den ökologisch angebauten offenen Chianti ( 0,25 l € 2,50 ) oder den nicht ganz billigen, aber wirklich exzellenten Nebbiolo d´ Alba (0,75l €16,50 ) trinkt. Die Wirtsleute kaufen ihn , wie auch andere Sorten, persönlich im Piemont ein, die Qualität verrät den Weinkenner. Aber auch ein zünftiges Bier wird offeriert: Frankenbräu aus Riedbach/Hohenlohe, ein naturtrübes, weil ungefiltertes Kellerbier, und süffiges Selbstgebrautes aus der Brauerei Unbehauen im benachbarten Spielbach munden vorzüglich zum Beispiel zum Schnitzel , paniert mit Kartoffel- und Blattsalaten ( 7,50 € ).Das Fleisch knusprig und dünn, in der Pfanne gebraten, dazu ein gut gewürzter Salat. Für Liebhaber der "schwäbischen Variante" wird dazu extra Bratensoße gereicht. Auch das Gemüseratatouille im Kräuterpfannkuchen mit Salat ( 7 € ) schmeckte uns gut, eine Vielfalt an Gemüsen, al dente und in leichter Sahnesoße , umhüllt von einem duftigen Omelett. Offensichtlich war alles frisch, auch der Salat, der freilich geschmacklich nicht besonders hervorstach, nach altdeutscher Hausfrauenart mit einem etwas leeren Essig-Öl-Dressing zubereitet. Mit 9 € das teuerste Gericht auf der Karte, erfüllte auch das Schweinefilet an pfiffiger Soße mit Salat und Rosmarinkartoffeln die Erwartungen. Die beiden Fleischstücke von normaler Größe waren ordentlich gebraten und durch eine raffinierte, sämige Soße ergänzt, deren Geheimnis in der Verarbeitung von Mandarinen bestand, wie wir später erfuhren. Dazu frisch gedünstetes Gemüse und ein opulenter Beilagensalat mit der schon beschriebenen nicht ganz geglückten Soße, die den einzigen Minuspunkt dieses ansonsten wunderbaren Gerichtes bildete.Da unser Besuch auf einen Freitag fiel, konnten wir das sicherlich interessante Zusatzangebot eines 3-gängigen Menüs am Samstagabend leider nicht testen. Da gibt es dann auch einen Nachtisch, den wir etwas vermißten. Wir wählten statt dessen einen Holunderschnaps, interessant, weil selten, aber ohne viel Fruchtgeschmack , wird er eigens für das Haus gebrannt. Das besondere Samstagsessen soll übrigens im Internet abzufragen sein, kostet ca 15 € und wechselt jede Woche, Voranmeldungen dazu sind erwünscht, unerläßlich sind sie sogar beim Brunch, der jeden 1., 3. und 5. Sonntag im Monat stattfindet. Ein "Renner", wie man uns sagt, und schon wochenlang vorher ausgebucht, ist diese Kombination von Frühstück und Mittagessen von 10 Uhr 30 bis 14 Uhr für 14 €, eine zum Studium überlassene Karte der angebotenen Gerichte lässt tatsächlich auf eine üppige und vielfältige Auswahl kalter und warmer Speisen schließen. Aber nicht nur gut essen kann man bei den Feuchters, sondern auch, wie es ja der Name schon andeutet, Kultur genießen. Vorerst auf die winterlichen Monate Oktober bis Mai beschränkt, umfaßt das Programm, das übrigens auch gerne zugeschickt wird, die verschiedensten Sparten: Musik, Tanz, Kabarett, Kleinkunst, Rezitationen- was sich bewährt soll vertieft werden. Die Wirtsleute haben sich noch viel vorgenommen, richten auch gerne Familien- oder Betriebsfeiern aus, führen gerne ein freundliches Gespräch mit dem Gast , der sich wirklich persönlich bedient fühlt. Rundum also eine urige und nette Abwechslung im üblichen Gasthauseinerlei und trotz ( oder gerade wegen ) der etwas verschlungenen Anreise durchaus zu empfehlen.

Feuchters`, Bovenzenweiler 6, 74575 Schrozberg, Tel.07939-8025, Fax -8027, e-mail: Fam-Feuchter@t-online.de, www.FeuchtersEssenundKultur.de, Öffnungszeiten: Fr. ab 18 Uhr, Sa ab 15 Uhr, So ab 10 Uhr 30 bis 20 Uhr. An einigen wenigen Wochenenden in den Pfingst- und Sommerferien geschlossen, Termine werden auf Anfrage gerne mitgeteilt.

   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 
 
 
 
Dinkelsbühler Gästebuch
Texte aus vier Jahrhunderten
 
Herausgegeben von Ernst-Otto Erhard
 
Reiseberichte,
amtl. Darstellungen,
Beiträge aus Zeitungen,
Artikel aus Zeitschriften,
Lexikonartikel,
Gedichte,
 
mit besonderem Blick auf Dinkelsbühl und seine Geschichte
 
Ergänzend zahlreiche Bilder, einige nahezu unbekannt
 
€ 12, 80
 
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