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  >>> Getestet, Funkfeuer-Nummer 46, Herbst 2002
   
  Feine Küche auf dem Land
  Landgasthaus Förster in Mosbach
   
 

Wer in Mosbach, einer kleinen Gemeinde bei Feuchtwangen nach einem Gasthaus dieses Namens sucht, wird dies zunächst vergeblich tun. Ausgeschildert und das einzige Wirtshaus am Ort ist nämlich nur das "Rote Roß" im gleichfarbigen Gebäude direkt neben der Kirche. Doch die Namensänderung hat sich in Kennerkreisen schon herumgesprochen, ging sie doch einher mit einem Generationenwechsel und Neuerungen in Führung und Konzept des Hauses. Bernd Förster, gerade mal 27 Jahre jung, gibt seit einem guten halben Jahr im elterlichen Gasthaus den Ton an. Er hat, wie sein Vater, der es lange Jahre als Familienbetrieb führte, zunächst den Beruf des Metzgers erlernt, bildete sich dann aber schnell und erfolgreich weiter, wurde Küchenmeister und Koch mit Lehrzeiten bei besten Adressen wie dem Sternekoch Martin Scharff aus Dinkelsbühl und der in Gourmetkreisen geschätzten "Traube" in Tonbach .Mit dem in der Spitzengastronomie üblichen Tempo arbeitete er dann in weiteren ersten Häusern in Berlin, Hamburg und Wien, um dann ins heimische Mosbach zurückzukehren. Nach einem ersten Umbau( Erweiterungen in einem Saal und in der Küche sind das nächste Vorhaben) geht er nun mit Ehrgeiz, aber auch einer wohltuenden Bescheidenheit daran, sein vorwiegend einheimisches Publikum gut zu bedienen, ihm sein Können unter Beweis zu stellen ohne es aber durch gastronomische Extravaganzen zu verschrecken. Mit der Mama, einer Spülfrau und bald einem Lehrling steht er in der Küche, sprüht vor Ideen und freut sich über den guten Zuspruch, den er ganz ohne Werbung ("die schieß ich lieber auf die Teller") schon jetzt erfährt. Auch wir hatten von dieser vielversprechenden Adresse nur gehört und waren natürlich entsprechend neugierig, wie dieser Spagat zwischen Tradition und Gourmetniveau wohl gemeistert würde.Der einladend in halber Höhe mit dunklem Holz ausgekleidete Gastraum mit Platz für 45 Personen war schon fast besetzt, als wir kamen, und das mitten in der Woche. Schöne, angeneh beleuchtete große Tische mit hellen Platten, ansprechend mit zwar künstlichen, aber geschmackvollen, kleinen Blumensträußen dekoriert, taubenblaue Vorhänge mit farblich abgestimmten und - eine nette Idee- in einem Regal zur Verfügung gehaltenen Sitzkissen, ausgesuchte Grünpflanzen in formschönen, weißen Übertöpfen in den Fenstern, ein Kachelofen, neben dem man sich zum Stammtisch niederlassen kann, eine offene Theke: das alles machte einen wohnlichen, aber nicht überladenen Eindruck, bestätigte das Konzept, Traditionelles mit etwas "Pfiff" zu verbinden. Genau dieser Linie folgt auch die Speisekarte, die wir erwartungsvoll studierten, denn hier findet sich das Schnitzel und auch das anspruchsvolle Fischgericht, die Schweinskopfsülze und auch der besondere Salat, die bodenständige Brotzeit und das glanzvolle Dessert. Wir meinen freilich, wer Bernd Försters Können und Ideen richtig einschätzen will, sollte sich bei ihm nicht auf eher konventionell zubereitete Gerichte beschränken. Die Themen wechseln wöchentlich, was die nicht zu große Auswahl sicher immer wieder interessant werden läßt. Wir versuchten zunächst als Vorspeise ein Tomatenconsommé mit Spinatravioli ( 2,90 € ). Eine wunderbar klare leicht säuerlich schmeckende Kraftbrühe mit geschälten Tomatenstückchen und zwei feinen Teigtaschen. Auch die Tomate-Mozarella mit Balsamico, Basilikum und Ciabatta ( 4,90 € ) fiel aus dem üblichen Rahmen und war sehr schön angerichtet. Bei den Hauptgerichten reizte uns das Wallerfilet im Röstikleid auf Kräuterschmand und gemischtem Salat ( 8 € ), und wir waren begeistert von Präsentation und Geschmack. Auf einem dreieckigen Teller wurde ein wunderbar zartes, wirklich völlig grätenfreies und von knusprigen Kartoffelraspeln umwickeltes Filetstück serviert, zu dem die dicke Kräutercreme und der reichliche sehr schmackhafte Salat aus vielerlei Sorten hervorragend paßte .Ein Genuß nicht nur für den Gaumen, sondern, wie auch alle anderen Gerichte, für die Augen, die Schule der "Haute Cuisine" war deutlich zu bemerken. Auch das gebratene Doradenfilet auf Steinpilzrisotto mit Parmesan und Blattsalat ( 14,20 € ) überzeugte durch 3 große und saftige Fischstücke und einen ausgezeichnet zubereiteten Reis, alles geschmacklich sehr gut aufeinander abgestimmt und phantasievoll dekoriert. Auch Vegetarisches fand unsere volle Anerkennung: der hausgemachte Pilzstrudel mit gemischtem Gemüse, Kartoffel-Quark-Taschen und Rahmsoße ( 7,80 € )schmeckte vorzüglich. Die knusprigen Strudelstücke waren äußerst beeindruckend auf dem Teller präsentiert, die üppige Pilzfüllung, das frische Gemüse und die panierten Teigtaschen -eine uneingeschränkte Gaumenfreude! Der ganz "normale" Zwiebelrostbraten vom Angusrind mit Pommes Frites und gemischtem Salat ( 11,80 € )erfüllte die Erwartungen allerdings nicht ganz. Das Fleisch war zwar reichlich, zart und, wie gewünscht, medium gebraten, aber die Zwiebeln, die am Anfang knusprig daherkamen, wurden leider mit der Zeit und der Soße eher matschig, waren also wohl gefriergetrocknet und die Pommes etwas lasch frittiert . (Vgl. dazu unsere einschränkende Anmerkung oben!)Der sizilianische Merlot für immerhin 3,30 € pro 1/4 l war sein Geld durchaus wert, samtig und vollmundig paßte er sehr gut zum Rindfleisch. Auch der Orvieto classico war empfehlenswert, ebenso der sehr rassige Williamsschnaps für 1 € / 2 cl. Danach konnten wir noch die " Dessertvariation aus unserer Patisserie für 2 Personen"( 7 € ) genießen, eine Kombination fast aller angebotenen Nachspeisen, die durch Aufmachung und geschmackliche Vielfalt zeigte, daß der Chefkoch auch noch das Konditorhandwerk meisterlich erlernt hat. Eine frische und noch warme gebrannte Vanillecreme, leichte Joghurt- und dunkle Schokoladenmousse vom Feinsten, Vanille- und Erdbeereis, frische Früchte, Schlagsahne, und alles gekrönt von einem raffinierten, eßbaren Karamelgitter , einfach zum Schwärmen! Man sollte sich diesen Traum von einem Nachtisch nicht entgehen lassen, wenn die "Kapazitäten" noch nicht gesprengt sind, denn alle Gerichte zeichneten sich durch ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis aus.Bedient wurden wir aufmerksam und freundlich und erfuhren auch noch einiges von den weiteren Aktivitäten des dynamischen Küchenchefs. Das sogenannte "Catering", also die Lieferung von Essen außer Haus, wie Buffets zu Festveranstaltungen, sind ein zweites Standbein in der nicht ganz einfachen Branche. Außerdem ist im Saal des 1. Stocks Raum für Familienfeste und Hochzeiten, für die Bernd Förster auf Wunsch auch wunderschöne Hochzeitstorten herstellen kann, ein uns vorgelegter Katalog mit fotografierten Beispielen ließ uns staunen. Ein Traum für die Zukunft wäre noch ein kleines Restaurant am Ort; die Überlegung, den kleinen hübschen Gastgarten vor dem Haus ( mit direktem Blick auf ein gut besuchtes Storchennest ) zu erweitern, ist auch noch im Raum. Aber auch jetzt schon ist der Landgasthof Förster eine wirkliche Empfehlung, und falls Sie ihn am Wochenende besuchen wollen, vergessen Sie nicht, vorher einen Platz zu reservieren!

Landgasthaus Förster, Mosbach 33, 91555 Feuchtwangen, Tel. 09852 9719, Fax 09852 9835, E-mail info@Landgasthaus-foerster.de, Internet www.Landgasthaus -foerster.de, Montag Ruhetag

   
 
   
   
   
   
   
 
   
 
   
   
   
 
 
 
 
Dinkelsbühler Gästebuch
Texte aus vier Jahrhunderten
 
Herausgegeben von Ernst-Otto Erhard
 
Reiseberichte,
amtl. Darstellungen,
Beiträge aus Zeitungen,
Artikel aus Zeitschriften,
Lexikonartikel,
Gedichte,
 
mit besonderem Blick auf Dinkelsbühl und seine Geschichte
 
Ergänzend zahlreiche Bilder, einige nahezu unbekannt
 
€ 12, 80
 
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