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Wein und mehr...
  ...im Hotel Haus Appelberg
   
 

Wer in den letzten Jahren öfter durch die Nördlinger Straße ging, konnte auf dem Anwesen Nr. 40 die allmähliche Verwandlung eines maroden Bauernhofes, dessen Ursprünge bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, in ein schmuckes Haus mitverfolgen. Der Bauherr Arthur Appelberg, - seit der Eröffnung seines Gästehauses Dinkelsbühler Kunst-Stuben in der Segringer Straße am Ort kein Unbekannter mehr - hatte sich Zeit gelassen, außerdem waren, sehr zu seinem Leidwesen, etliche Meinungsverschiedenheiten mit der Stadt und dem Denkmalsschutz auszufechten. Mehr öffentliche Unterstützung für Investitionsbereitschaft und Sanierungswillen hätte er sich gewünscht, aber schließlich konnte nach 2 Jahren Umbauzeit an Silvester 2001 ein neues Hotel Haus Appelberg seine Pforten öffnen, das - und dies machte uns besonders neugierig - auch eine Weinstube unter seinem Dach beherbergt. Ein neues gastronomisches Angebot in der Altstadt, das gewissermaßen eine " Marktlücke" trifft, denn die Auswahl an Örtlichkeiten, an denen man sich (vor allem wenn man über 30 ist !) in ruhiger Atmosphäre einfach einmal gemütlich zusammensetzen und bei einem Getränk unterhalten kann, ohne sich zu größerem Verzehr genötigt zu fühlen, ist bisher wahrlich nicht zu groß gewesen. Dieser Mangel und vor allem auch die Nachfrage eigener Gäste brachte Familie Appelberg (Frau und Tochter arbeiten engagiert im Service mit) auf die Idee, im Haus eine kleine Gaststätte einzurichten mit einem ausgesuchten Weinangebot und ergänzenden Speisen. "Wir sind kein Restaurant", auf diese Feststellung legt man Wert, wohl aber ist man stolz darauf, demnächst in die bei Weinkennern geschätzten Weinatlanten aufgenommen und damit bei einem breiteren fachkundigen Publikum bekannt zu werden. Ein "Wohnzimmer für Gäste" sollte es werden, und mit eigenen Ideen ging man daran, den Innenausbau nach diesem Konzept zu betreiben. Es ist gelungen, um es vorwegzunehmen, denn man wird sich nach Eintreten in den Hauptraum auf der linken Seite des Einganges gleich wohlfühlen. Eine anheimelnde dunkle Holzverkleidung bis über die halbe Wandhöhe, auf deren abschließenden Regalen ebenso wie auf den tiefen Fensterbänken viel Kunstgewerbliches dekoriert wurde, strahlt Wärme aus, offene Holzbalkenkonstruktionen unterteilen den langen Raum geschickt, jeder der hellen und hübsch mit taubenblauen Sets eingedeckten Tische mit den insgesamt 35 Plätzen steht so etwas separat, nicht zu dicht am Nachbarn. Angenehme Beleuchtung durch große Hängelampen mit opaken Glasschirmen, eine mit Bildern von großen Bergerlebnissen des Hausherrn und alpiner Literatur geschmückte Stammtischecke, dies alles wirkt wohnlich, nicht überladen, im besten Sinne des Wortes gemütlich. Ein weiterer Raum auf der rechten Seite des Hauses mit ca. 15 Plätzen ist ähnlich originell gestaltet, hauptsächlich als Frühstücksraum für die Hausgäste gedacht, wird er jedoch bei größerem Andrang auch für die Weinstube geöffnet. Besonders interessant ist das dort integrierte kleine Graphikmuseum, das historische, handbetriebene Graphik- und Buchdruckpressen zeigt.

   
 
Zum Hotel Haus Appelberg gehört auch ein intimes kleines Altstadtgärtchen
   
 

Zu Geschichte und Verwendung gibt Herr Appelberg gerne fachmännische Auskunft, denn neben dem ursprünglich erlernten Beruf des Maschinenbauingenieurs hat er auch noch ein Kunst-und Graphikstudium abgeschlossen. Die Liebe zum Detail, die das besondere Flair der Räume schafft, zeigt sich dann auch bei einem Blick in die Getränkekarte: von etlichen der immerhin 130 durchnumerierten Weine finden sich dort die Originaletiketten, schön fürs Auge und vielleicht auch hilfreich bei der nicht ganz leichten Wahl. Schwerpunkt des Angebots ist unverkennbar der Frankenwein, doch hier - wie auch bei allen anderen Provenienzen - hat man ganz bewußt nur die Produkte einiger renommierter Weingüter, die alle persönlich aufgesucht wurden, in die Auswahl genommen. Bürgerspital Würzburg, Weingut Wirsching Iphofen, Schloss Sommerhausen, sie alle aufzuzählen würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, nur so viel sei gesagt: Der Kenner wird sich freuen, besonders über die Tatsache, daß die meisten Sorten auch als Schoppen gereicht werden. Aber auch Württemberg, beispielsweise mit einem leichten Trollinger von Graf Adelmann ( 0,25l / 3,95 € ), Baden (der 99er Spätburgunder zu 4,50 € /0,25l war fruchtig-samtig, wie man es sich wünscht) und das Elsaß sind gut vertreten, ausgewählte Weine aus Burgund sollen folgen. Italien ist u. a. mit einem ausgezeichneten und milden 2000er Merlot Colli Euganei (0,25 l / 3 € ) repräsentiert, auch ein Kalifornier findet sich . Aber auch wer keinen Wein trinken möchte, ist willkommen, eine übliche Auswahl von alkoholfreien Getränken, einige Biersorten von Hauf und Warsteiner und auch Hochprozentiges sind im Angebot. Falls die netterweise auf jedem Tisch bereitgestellten Knabberstangen als Bei- oder Unterlage nicht reichen, kann man auch an vier Tagen der Woche, wenn die Küche besetzt ist, eine der in der Karte (mit Bild) offerierten kleinen Speisen genießen: wir versuchten den fein-würzigen Käsesalat (5€), das gut mit frischen Kräutern abgeschmeckte Schweizer Pfännchen (4,50 €), zwei dekorativ angerichtete Toastscheiben mit frischem Schinken, Ananas und Käse überbacken, garniert mit Tomaten- und Gurkenstückchen, Quiche Lorraine auf Wildpreiselbeeren (5 €) und das Schmalzbrot (1,50 €) allesamt schmackhafte und ordentliche Portionen, das großzügig dazugereichte dunkle Brot frisch und sehr zu empfehlen. Außerdem gibt es noch eine öfter wechselnde kleine Tageskarte, zum Teil mit jahreszeitlichem Bezug. Der dort ausgesuchte Salat mit Putenbruststreifen (6 €) war frisch, auch ein "Obazda" für 2,90 € durfte nicht fehlen. Zudem bot man uns außerhalb der Karte noch eine Winzerterrine, ein französisches Produkt, an, wahlweise in verschiedenen Geschmacksrichtungen, etwa Schweineleber oder Hirsch (6 €), eine deftige und sättigende Brotzeit. Bedient wurden wir sehr freundlich und persönlich, Sonderwünsche wurden gerne erfüllt. So teilte man uns den Schoppen kulanterweise in zwei "autofreundliche" Portionen und servierte auf Nachfrage auch noch einen leckeren Nachtisch. Und noch etwas fiel uns sehr positiv auf: der insgesamt erfreulich niedrige Geräuschpegel (obwohl fast alle Tische besetzt waren) und eine gute Belüftung, beides für entspannte Stunden sehr förderlich! Eine pfiffige Variante für die Sommerzeit sei auch noch erwähnt: Ein kleiner, teilweise überdachter Innenhof bietet ein paar lauschige und sehr stimmungsvolle Plätzchen, vorwiegend an Zweiertischen, eine Oase der Ruhe mitten in der Stadt. Also: hingehen und ausprobieren!

Weinstube Hotel Haus Appelberg, Nördlinger Str. 40, 91550 Dinkelsbühl
Tel.09851/6750, Fax 09851/553527,
Geöffnet täglich, außer So. und Mo. von 19-24 Uhr

   
 
Das Hotel Haus Appelberg
   
 
   
 
   
   
   
 
 
 
   
   
   
   
 
 
 
 
Es war einmal in Dinkelsbühl
 
von Patricia Lee Gauch
Bilder von Tomie de Paola
 
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Erhältlich bei der Buchhandlung Bauer Dinkelsbühl
 
€ 15,00
 
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