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Frischer Wind in alten Mauern
Waldgaststätte " Alte Bürg"
bei Nördlingen
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Für viele Riesbewohner ist sie ein
bekanntes Ausflugs- und Wanderziel, umgeben von Wiesen
und Wäldern, sie hat eine interessante und lange
Geschichte, einen wunderschönen Biergarten, einen
exzellenten Koch und ist in unseren Gefilden wohl eher
unbekannt - Gründe genug, dachten wir, die "Alte
Bürg" hier einmal vorzustellen. Wenn man sich
dem 6 km von Nördlingen in Richtung Heidenheim
gelegenen stattlichen Anwesen nähert ( an der Zufahrtsstraße
erleichtert ein großes Hinweisschild die Suche
), fallen drei Gebäude auf, die die Tallage bestimmen:
Hauptgebäude, Holzhaus und Scheune, alles umgeben
von einem ausgedehnten Biergarten, der seinen Namen
wirklich verdient . Heutzutage wird dieser Begriff für
so manch plastikbestuhlten und betonversiegelten Platz
im Freien mißbraucht , doch hier bestechen schon
auf den ersten Blick eine natürlich gewachsene
grüne Umgebung mit altem Baumbestand, solide gebaute
Holzbänke ( mit bequemer Lehne ) und breite Tische,
die sofort zum Verweilen einladen. Zusätzlich empfangen
den Gast ein kleiner Wasserlauf unter einer uralten
Weide, ein alter Pumpbrunnen und ein Spielplatz, auf
dem, wie wir später erfuhren, sich im Sommer sogar
eine professionelle Aufsicht in Gestalt einer Kindergartenpraktikantin
um die Kleinen kümmert. Die Geschichte der "Alten
Bürg", die der interessierte Gast in der Speisekarte
auf einer eigenen Seite oder auch auf einer Tafel in
der Wirtsstube nachlesen kann, wird geprägt durch
die Begriffe Burg, Kapelle und Hofgut. Die Wurzeln reichen
zurück bis ins 12. Jahrhundert, die erste urkundliche
Erwähnung erfolgte 1274. Besitzer waren die Stadt
Nördlingen, das Haus Oettingen mit der Nutzung
als Jagdhaus und seit 1926 die Vereinigte Wohltätigkeits-stifung
in Nördlingen. Diese sanierte vor gut 8 Jahren
das Anwesen für damals rund 1, 6 Millionen DM grundlegend
und erweckte damit die traditionelle Wirtschaft, die
zur Gemeinde Riesbürg im Ostalbkreis gehört,
wieder zum Leben. Dies gelang bis in die späten
neunziger Jahre, doch dann war sie vor der Neuverpachtung
an den jetzigen Betreiber längere Zeit geschlossen
und mußte 1999 wieder neu in Betrieb genommen
werden, eine Heraus-forderung, der sich Koch und Restaurantfachmann
Stefan Hartmann, der unter 27 Bewerbern ausgewählt
wurde, gerne und mit viel Engagement stellte. Dabei
fühlte er sich damals in seiner Stelle im Deutschen
Haus in Dinkelsbühl sehr wohl und dachte nicht
unbedingt an eine Veränderung. Nach Jahren beruflicher
Wanderschaft, in denen er vom 4 Sterne Hotel bis zur
Autobahnrasstätte viele Erfahrungen in Küche
und Service sammeln konnte - so unter anderem im Hotel
4 Jahreszeiten und dem Hilton in München, bei Martin
Scharff im Eisenkrug, der Glocke in Rothenburg - zog
es ihn aber dann als gebürtigen Nördlinger
doch wieder in heimische Gefilde, und er hat diesen
Schritt nicht bereut. Wir betreten die optisch in zwei
Bereiche geteilte Wirtsstube und sind angetan: die Renovierung
von Gasträumen in einem alten Gebäude - wegen
der Anforderungen moderner Technik und günstiger
Raumaufteilung oft genug problematisch - ist gelungen.
Eine angenehme Atmosphäre umgibt den Gast, man
fühlt sich wohl an seinem Platz. Cottoboden , gut
gestaltete Sitzmöbel und Tische, die generelle
Anordnung von Bänken an allen Außenwänden,
der Blick auf die starken Außenmauern mit den
einfachen Fenstern in tiefen Nischen, zurückhaltend
dekoriert mit Ährenbündeln und Sonnenblumen.
Das zarte Blau der Polster und Tischdecken und die sparsam
geschmückten weißen Wände, blendfreies
Licht aus flachen Hängelampen mit Milchglasschirm,
dunkle alte Deckenbalken in einem Teil des Raumes sichtbar-
das alles wirkt harmonisch und brauchte vielleicht gar
keinen zusätzlichen Schmuck, wie die großen,
frei "schwebenden" künstlichen Zweige
und Schmetterlinge und einige an einer Wand aufgehängte
hölzerne Weinkisten. Sehr hübsch die echten
Rosen im Glas auf jedem Tisch, anheimelnd der moderne
Kaminofen. Ein Blick in die übersichtliche Speisekarte
zeigt uns schon das, was Stefan Hartmann uns als sein
Konzept vorstellt: Bodenständiges und Anspruchsvolles
möchte er anbieten, einfach kochen auf gehobenem
Niveau. So findet sich natürlich - aber nicht nur
für die Bewirtung im Garten - eine zünftige
Auswahl von verschiedenen Vespern. Wir versuchen es
mit dem Vesperteller nach Art des Hauses für 7
€, einer sehr gut bestückten Brotzeitplatte.
Diverser Aufschnitt in dünnen Scheiben angerichtet,
gut gewürzter Presssack, vor allem eine bemerkenswerte
Landleberwurst und ein sehr kräftiges mageres Rauchfleisch.
Unter der Rubrik "Vorspeisen und kleine Gerichte"
wählten wir die sehr guten Allgäuer Kässpätzle
( € 6,80 ) aus, handgeschabt, mit milder Käseschicht
überzogen und auch mit den verwendeten Fertigröstzwiebeln
recht schmackhaft, genauso wie der dazu gereichte Salat
mit mild säuerlicher Sauce. Allerdings wegen des
hohen Sättigungsgrades weder als " vorneweg"
noch mit nur kleinem Hunger zu empfehlen! Als echte
Vorspeisen wären da eher die Tafelspitzbrühe
mit Kräuterflädle ( € 2,50 ) angeraten
( alles hausgemacht und ein Genuß) oder das aufgeschlagene
Spargelcremesüppchen mit Brotwürfeln für
3 € , schön sämig, der Spargelgeschmack
wunderbar, nicht zu intensiv, aber ausgeprägt genug,
um den Gaumen zu kitzeln. Auch die so bezeichneten "deftigen
Wirtshausgerichte" enttäuschten uns nicht.
Gekochter Tafelspitz in Meerrettichsoße mit Kartoffeln
und Gemüse ( € 10.--) entsprach voll den Erwartungen:
2 große Scheiben Fleisch, die nach Struktur und
Geschmack von Qualität zeugten, eine große
Portion Salzkartoffeln mit Biß und nicht wässrig,
eine eher mild abgestimmte Soße, die andere Geschmacksanteile
nicht zu intensiv überdeckte. Warum das Schweinerückensteak
( € 10,50 ) so ausnehmend gut mundete, bedürfte
genauerer Recherchen: das Fleisch selbst, die Art zu
braten, die Würze? Es wurde in Champignonsoße
gereicht mit Salat und den schon gelobten selbstgemachten,
kernigen Spätzle, alles ausgezeichnet. Ebenso hervorragend
fanden wir das Rumpsteak vom bayerischen Weiderind unter
der Senf-Zwiebelkruste mit Spätzle und Blattsalaten
( € 12,80 ). Ein schönes Stück Fleisch,
für den mittleren Appetit gut gewählt, vielleicht
eine Idee zu sehr durch, aber das fiel wirklich nicht
ins Gewicht. Die Senfkruste war sehr gut abgestimmt,
sie verlieh dem Filet seinen besonderen Akzent, ohne
den Geschmack zu dominieren, die Soße ein Gedicht
. Vegetarisches war auch im Angebot: Hausgemachte Semmelknödel
mit frischen Waldpilzen und Salat ( € 8,50 ), sehr
zu empfehlen, locker und die Pilzmischung in reichlich
guter Soße. Dazu ein dunkles Bier vom Anker-Bräu
oder Rieser Weißbier vom Faß, die Pilsfreunde
müssen allerdings mit Flaschenbier vorlieb nehmen.
Ein Tresterbrand, 5 Jahre im Eichenfaß gereift,
was ihm zu seiner anziehenden goldenen Farbe verhilft,
stellte einen guten Abschluß dar. Die Speisekarte
wechselt alle 2 Wochen, saisonbedingt werden die Gäste
also immer etwas Neues finden. Auch für größere
Feiern ist man im "Sommerhaus", das Platz
für 80 Personen bietet, gerüstet, weiterer
Ausbau ist noch geplant. Die Kinderfreundlichkeit erwähnten
wir schon, eine nette Idee für drinnen sind außerdem
eine Malschublade und ein Spielschrank und auch an vierbeinige
"Gäste" hat man gedacht, findet sich
doch draußen vor dem Eingang eine Hundebar! Falls
sie jetzt nicht nur Appetit bekommen haben, sondern
auch historisch interessiert sind und / oder die Bewegung
schätzen, dann hier noch ein abschließender
Tip: ganz in der Nähe liegt die Ofnet-Höhle,
in der eine steinzeitliche Kopfbestattung in zwei Nestern
mit insgesamt 33 Schädeln und verschiedenen Beigaben
gefunden wurde und am Fuße unterhalb der aufgemauerte
Grundriß eines Gutshofes aus der Römerzeit,
und der markierte Pfad zum Ohrengipfel ( 634m ) direkt
vom Biergarten aus ist nur eine der zahlreichen Wandermöglichkeiten
in der landschaftlich reizvollen Umgebung. |
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Waldgaststätte "Alte
Bürg", Stefan Hartmann, Alte Bürg 1,
73469 Riesbürg-Utzmemmingen Tel.09081 6044-14,
Fax 6044-15, www.
alte-buerg.de
Öffnungszeiten: April bis Oktober täglich
von 11.30 -22 Uhr, Dienstag Ruhetag, November bis
März täglich von 11.30 - 22 Uhr, Montag
und Dienstag Ruhetag, Betriebsferien im Januar.
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Von der Geschichte leben ?
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Das Beispiel Dinkelsbühl
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von Ernst-Otto Erhard
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"Eine ebenso liebevolle wie kritische
Diagnose" (Charivari)
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€ 11,80
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Erhältlich in allen Buchhandlungen Dinkelsbühls
und beim Funkfeuer-Verlag, Am Anger 5, 91550 Dinkelsbühl,
Tel.: 09851 / 5703112
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