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Alte Tradition und neue Ideen
Land-Gast-Hof "TREFF-Punkt Walkmühle" in Feuchtwangen

   
 
   
  Über die Walk oder Rudgers Mul liest man in einer Urkunde von 1444: "Rudigersmule bey Aygenzelle an der Sulzach, die öde und wust und pawlos etwemanik jare verdorbentlich gestanden und nyemands darauf gehaben mochte". So schlimm sah es nicht aus, als im Jahre 1999 Thomas Hüner das Anwesen Walkmühle kaufte, eine Gaststätte, die immerhin ein Jahr leergestanden und ihre besten Zeiten hinter sich hatte. Was er daraus machte, zeugt von Ideenreichtum, Elan und Mut.
Der Röschenhof, zu dem die Walkmühle gehörte, war viel älter als seine erste urkundliche Erwähnung 1327, ein Wehrhof in strategisch günstiger Lage, später ein "Bollwerk zwischen den verschiedenen Städten" wie es der Wirt formulierte in Anspielung auf ein nicht auszurottendes Feindbild zwischen Feuchtwangen und Dinkelsbühl. Damit hat Thomas Hüner, in Bielefeld geboren und in der nördlichen Oberpfalz aufgewachsen, freilich nichts zu tun; nur seine Frau stammt aus der Gegend, aus Thann, wo ihr Vater als engagierter Heimatfreund die bekannte "Thanner Kirchweih" entwarf, und die Walkmühle kannte Hüner von Familienfeiern. Als sie zum Verkauf stand, hatte er gerade "die Nase voll" vom Hotel-Management, zuletzt im thüringischen Oberhof, wo er 500 Zimmer zu verwalten hatte. Gelernt hat er als Koch und Hotelfachmann und in vielen Hotels sich die nötige Praxis erworben. In sieben Wochen wurde die Walkmühle renoviert, wurden 22 Fremdenzimmer neu eingerichtet, die "Kleine Stube" hell und freundlich gestaltet und das "Mühlenrestaurant" als teilbarer größerer Saal neu hinzugefügt. Hauptaugenmerk gilt, der Feuchtwanger gastronomischen Situation angepaßt, der Belegung der Zimmer, die von 2000 in zuletzt 4000 Zimmerbelegungen gesteigert werden konnte. Die in Feuchtwangen angesiedelten Firmen und Schulungszentren machen das möglich, aber auch gelegentliche Seminare und vor allem eine große Zahl von Feriengästen, besonders Familien, die ein Haus finden "umgeben von riesigen alten Eichen, Akazien und Pappeln (...) am Ende einer Sackgasse, fernab jeder täglichen Hektik", so die Beschreibung auf der Rückseite der Getränkekarte. Zu verdanken ist das unter anderem der Sperrung der ursprünglichen Fahrstraße über die hauseigene Sulzachbrücke, die in früherer Zeit (1896 war es) schon einmal der Stadt als Ausweichstrecke gegen Gebühr angeboten wurde; Hüner hätte das gerne wiederholt, erzählt er schmunzelnd, als vor kurzem die neue Sulzachbrücke gebaut wurde. Daß auch der Restaurantbetrieb gegen den Trend heuer 12 % zulegen kann, erwähnt Hüner stolz und führt das auch auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zurück. Vergleichsdaten aus der Nachbarstadt, z.B. für Getränke, liefern ihm seine Gäste.

Gäste als Freunde

"Einmalig anders und von Herzen" freundlich will das Walkmühle-Team seine Gäste empfangen und bewirten. Wir bezogen es zunächst auf ländlichen Charme, als die junge Bedienung fragte: "Willst d u noch ein Bier?" Der davon geschmeichelte End-Jugendliche war schnell enttäuscht, als der Senior der Truppe ebenfalls hören durfte:
"Noch ein Bier, d u da hinten in der Ecke?" Oder später bei der Bestellung eines Café de Banana (mit einer Banane, Vanille- und Amarettosirup, € 3,50): "Wenn d i r das schmeckt, dann sagst's mers!" Des Rätsels Lösung wollen wir weitergeben, um Fehldeutungen vorzubeugen: In der "Walkmühlen-Philosophie" lasen wir später: "Wir empfangen alle unsere Gäste wie gute Freunde und sagen gerne 'Du' zueinander. Das gleiche erwarten wir von unseren Gästen." Dem zu entsprechen wagten wir, des Brauches unkundig, nicht, aber freundlich waren wir auch. Was uns im wunder-schönen, schattigen Biergarten an einem warmen Sommerabend nicht schwer fiel. Wir saßen dort beim "Mampfplatz" an einem der fürs Essen angenehm breiten Biertische auf Bierbänken mit rückenfreundlicher Lehne und wären auch im Garten geblieben, wenn es geregnet hätte; denn ein Teil des Biergartens ist überdacht. Wer dem auf großen Schiefertafeln angezeigten aktuellen Speiseangebot folgte, war in den meisten Fällen gut bedient. Da gab es Frische Pfifferlinge mit Wollknödel (€ 11,80), wobei der Wollknödel, eine Kreation des Kochs Andreas Ebert aus Spätzle-Teig und gerösteten Semmelwürfeln, uns ganz neu war. Wer wollte, konnte das noch ergänzen durch Schweinefilet (dann € 14,80), knackig und herzhaft, vielleicht eine Spur zu lang gebratenes Fleisch in dezent gewürzter Soße, mit der der Knödel von Konsistenz und Saugfähigkeit bestens harmonierte. Dann stand auf der Biergarten-Tafel noch ein "Bürgermeister-Eckhardt-Toast" (Schweinemedaillons auf Toast in Pfifferlingsoße mit Salatbeilage, € 11,80), eine, wie unser Tester meinte, "bemerkenswerte Form lokalen Personenkults", und so konnte seine Beurteilung nicht objektiv ausfallen, ein mehr politisches Problem. Beim Salat allerdings mußte er das "zurückhaltende Dressing" loben. Daß die Salatbeigaben in unserem Kreis sehr unterschiedlich befunden wurden, muß dann wohl mehr an unseren verschiedenen Erwartungen liegen. Das gilt auch für die mehr oder weniger auffällige Geschmacks -dominanz verschiedener Aromen, z.B. Knoblauch in der "Taucher-Lieblingssuppe", dem "feinen Knoblauchsüppchen mit Rahm" (€ 2,80): das "fein" sollte man als ehrliche Angabe auf der Karte verstehen, im übrigen eine sehr sämige Suppe mit feingeschnittenem Gemüse und Croutons, als Vorspeise sehr üppig.

Reichhaltige Speisen- und Getränkekarten

Die in zusammenklappbare Holztafeln eingeheftete Speisekarte macht einem die Wahl nicht leicht. Das variationsreiche Angebot wechselt vier- bis fünfmal jährlich, den Jahreszeiten entsprechend. Von den "Mühlen-Traditionen" fand das "Walkmühlschnitzel" Interesse, "ein gebackenes Schweineschnitzel mit Schinken und Käse überbacken, dazu ein paar Champignons und Preiselbeeren, Pommes frites und Salatteller" zu € 8,80 - solch genau informierende Angaben auf der Speisekarte verhindern eine verfehlte Wahl, so auch bei unserem Tester, dem eine deftige Mahlzeit mit einem recht zarten, vielleicht etwas trockenen Schnitzel serviert wurde.
"Kein Wunsch blieb übrig" dem, der das Hähnchenschnitzel "Mariana" unter der Tomaten-Mozarella-Kruste, dazu Basilikum-Nudeln (€ 9,80) gewählt hatte: hervorragendes Fleisch, alles gut aufeinander abgestimmt, die Nudeln al dente.
Aus der Rubrik "Frische Pasta" (jeweils mit Salatteller vorweg) fanden die "Lana-Nudeln" (wieder ein lokaler Bezug, diesmal zur Feuchtwanger Partnerstadt in Südtirol) Gefallen: geschmacklich gut, sehr üppig und deftig. Angeboten waren sie als "frische weiße Bandnudeln mit Steinchampignons, luftgetrocknetem Schinken und frisch geriebenem Parmesan". So kam es auch auf den Tisch, dekoriert mit getrockneten Blütenblättern.
Einhellige Zustimmung fand, was wir als Dessert aussuchten. Der "Mandeltraum" war für € 3,00 wirklich ein Traum: Mandeleis mit Amarettokrönchen und Sahne. Auch "Peters Lieblingseis" kann nicht nur für unseren Peter als süße Versuchung zum Menu-Abschluß ausdrücklich empfohlen werden: Vanille-Eis-Kugeln in warmer Schokola-densoße. Ebenso "Wilde Orange", eine Panna cotta-Orangen-Komposition mit einer Kugel Stracciatella auf Obstsalat mit Sahne. Der, wie oben erwähnt, von der Bedienung mit Zurückhaltung empfohlene Café de Banana, eine der 18 auf einer Extrakarte angebotenen Kaffee-Zubereitungen ist eine interessante, exotische Mischung aus Bananenstückchen, Vanille- und Amarettosirup und Sahne - naturgemäß recht süß - und macht neugierig darauf, die anderen Kreationen zu probieren.

Im Biergarten schmeckt vor allem das Bier

Sehr süffiges Bier gibt es von Fischer aus Wieseth und Forstpils aus Dentlein vom Faß, außerdem naturtrübes von Fischer, Dentleiner Schwarzbier und Forstweizen in der Flasche, 0,5 l jeweils für € 2,30. Bier dieser Provenienz ist für Dinkelsbühler eine willkommene Abwechslung. Der Preis für Mineralwasser liegt, wie es sich gehört unter dem für Bier. Die Weine kommen ausnahmslos aus Franken; den Mainstockheimer Riesling Kabinett und den Homburger Silvaner, trockene Weine, 0,25 l für jeweils € 4,20 fanden wir nicht billig, aber sehr ordentlich. Wenig Eigen-Charakter entdeckten wir bei den von uns ausgesuchten "Hochprozentigen", aber der "Mühlentropfen", ein Kräuterlikör, der uns zum Abschluß eines reichlichen Essens serviert wurde ("Ihr seht so aus, als ob ihr es brauchen könnt."), tat uns gut.
Daß sowohl bei den Speisen wie auch bei den Getränken die Herkunft oder die Lieferanten auf den diversen Karten genannt werden, spricht für ehrliches Bemühen um die Gäste und läßt sich wohl auch aus der Mitarbeit des Wirtes bei "ALLES" ("Artenreiches Land und lebenswerte Stadt") erklären. Vorsicht also bei Vermutungen daß manches Detail doch nicht so ganz aus regionaler Frische kommen könnte, was aber bei dem großen Zulauf des freundlichen "Treffpunkts" auch verständlich wäre.
Diesen hatten wir bei unserem Besuch nur im Biergarten kennengelernt. Thomas Hüner war an diesem Abend nicht anwesend, sondern, was die Abwesenheit mehr als entschuldigte und was wir ganz toll fanden, als Feuchtwanger Gastronom im Dinkelsbühler Freilicht-Theater. Überhaupt schickt er seine Hausgäste gern in die Nachbarstadt und arbeitet mit dem Dinkelsbühler Touristik-Service gut zusammen.

Innovationen ergänzen die Tradition

Es war also ein eigener Gesprächstermin mit Hüner zu vereinbaren, und da trafen wir ihn im neu entstehenden kleinen Biergarten, wo er eine Bahn für Boule-Spiel, Boccia, Kegeln und - auch im Sommer - Eisstockschießen herrichtet. Er zeigte dann noch den Kinderspielplatz, die ruhige und schattige Liegewiese für die Hausgäste auf der kleinen Insel zwischen Sulzach und dem von ihr abgeleiteten Mühlbach und verriet die Pläne für einen neuen Streichelzoo. Die Kleinigkeiten der Ausstattung im Außengelände machen erkennbar, was in der "Mühlenphilosophie" versprochen wird, freundliches Bemühen um die Gäste.
Noch immer hatten wir das ehemalige Mühlengebäude nicht betreten, die Tür unter dem Familienwappen der Besitzer in früheren Jahrhunderten nicht durchschritten. Die "Kleine Stube" (immerhin rund 40 Plätze in dem durch Bogendurchbrüche unterteilten Raum) strahlt pure Gemütlichkeit aus: braune Holztische vor umlaufenden Sitzbänken mit grüner Polsterung, eine dunkle Holzdecke und trotzdem helles Licht durch die mit dezent-bunten Vorhängen eingerahmten Fenster, ein Kachelofen und eine uralte Theke unter einem neuen, mächtigen, kupfernen Zapfbalken. Unaufdringlich schmücken alte Feuchtwangen-Fotos die Wände, und überall kleine Schiefertafeln mit den Angeboten des Restaurants; man möchte auch in der kühleren Jahreszeit hier wieder einkehren. Das große, von Hüner erst eingerichtete Mühlen-Restaurant auf der anderen Seite des Eingangs ist eher zweckmäßig gestaltet; zum Zeitpunkt unseres Rundgangs fand dort gerade ein Seminar eines Unternehmens statt, zu dem, wie die vielen auswärtigen Autonummern im Hof erkennen ließen, Teilnehmer aus ganz Deutschland erschienen waren. .
Die Walkmühle bietet in ihrer "Postille" im voraus eine Reihe von attraktiven Projekten an und hat das ganze Jahr über keinen Ruhetag, allerdings je nach der Zeit vor und nach der Mooswiese (vgl. in Dinkelsbühl vor und nach der Kinderzeche) verschiedene Öffnungszeiten, vor der Mooswiese täglich von 11 - 23 Uhr, danach Montag bis Freitag mit Mittagspause von 14 - 17 Uhr, am Samstag nur nachmittags und am Sonntag nur vormittags. Leicht zu merken?

   
 
TREFF-PUNKT "Walkmühle", Walkmühle 1, 91555 Feuchtwangen,
Tel 09852-6 79 99-0; Fax 09852-6 79 99-67;
e-mail: walkmuehle-feuchtwangen@t-online. de
   
 
 
 
 
   
 
Von der Geschichte leben ?
 
Das Beispiel Dinkelsbühl
 
 
von Ernst-Otto Erhard
   
 
"Eine ebenso liebevolle wie kritische Diagnose" (Charivari)
   
 
€ 11,80
   
 
Erhältlich in allen Buchhandlungen Dinkelsbühls und beim Funkfeuer-Verlag, Am Anger 5, 91550 Dinkelsbühl, Tel.: 09851 / 5703112
   
 
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