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Mundpropaganda ist oft die beste Reklame, und so
scheuten wir die gut 40 km lange Autofahrt bis Colmberg
nicht, um dem Hinweis eines treuen Lesers zu folgen,
daß sich ein Essen im dortigen Burgrestaurant
lohne. Wie recht er hatte, fanden wir bald heraus,
denn selten waren wir "Testesser" uns so
schnell einig, daß hier alles stimmte. Die Hohenzollernburg
in Colmberg, das man über Dombühl und Leutershausen
(oder nicht viel schneller über die Autobahn)
gut erreicht, liegt aussichtsreich auf einer Anhöhe
und ist daher schon von weitem sichtbar- sogar bei
Dunkelheit, weil stimmungsvoll angestrahlt. Den schönen
Fernblick ins fränkische Land (und auf den hauseigenen
Golfplatz) und das Kaffeevergnügen im romantischen
Burghof konnten wir an einem kalten Oktoberabend zwar
nicht genießen, dafür empfing uns aber
ein prasselndes Kaminfeuer in der beeindruckenden
Eingangshalle. Von hier verzweigt sich der Weg zu
den verschiedenen Räumlichkeiten: Burgstuben,
Restaurant "Zur Remise", Rittersaal, Markgrafenstube;
gleichzeitig dient sie auch als Rezeption für
das 50-Betten-Hotel, dessen Zimmer sich in den oberen
Stockwerken befinden. Das Ambiente auch nur annähernd
genau zu beschreiben, würde den Rahmen dieses
Berichtes sprengen; viel Liebe zum Detail ist sichtbar
und naturbelassenes Mauerwerk, Holzbalkendecken, altes
und rustikales Mobiliar, rundgebogene tiefe Fensternischen,
viel Jagdliches und Schmiedeeisernes als Wanddekoration
der hohen Räume lassen eine herrschaftliche,
aber doch behagliche Atmosphäre entstehen. Der
genaue Betrachter wird überall auf Spuren der
wechselvollen Burggeschichte stoßen, die bis
ins Jahr Tausend zurückreicht. Alle Kriege und
Verwüstungen seither hat die Burg überstanden,
ohne jemals eingenommen zu werden. Seit 1880 ist sie
in Privatbesitz, und 1964 erwarb die Colmberger Bauunternehmerfamilie
Unbehauen das mittlerweile ziemlich heruntergekommene
Anwesen. Die Sanierung war eine große Aufgabe,
die nach und nach erfüllt wurde. Sohn und Schwiegertochter
als Koch und Hotelfachfrau in der zweiten Generation
bauten dann einen Gastbetrieb auf, der, wie uns Frau
Unbehauen erzählte, nicht nur vom Restaurant
lebt, sondern vor allem auch von diversen Großveranstaltungen,
für die Burg Colmberg die passenden Räume
und den gewünschten Stil bereithält. Als
Beispiel erwähnt sei hier nur die Möglichkeit,
eine komplette Hochzeit unter einem Dach zu feiern:
Standesamt, Trauung (und eventuell auch eine Taufe)
in der hauseigenen Kapelle, Bankett im Festsaal für
bis zu 150 Personen, Übernachtung in der Hochzeitssuite
und sogar ein Oldtimer als Hochzeitslimousine (in
der Kaminhalle zu besichtigen) werden bereitgestellt.
Aber wir waren ja eigentlich nur zum Essen gekommen,
nahmen in einer gemütlichen Sitzecke an schön
mit rosa Leinen eingedeckten Tischen in den Burgstuben
Platz und studierten erwartungsvoll die Speisekarte.
Diese ist wohltuend klar gegliedert, nicht überfrachtet
und mit saisonalen Spezialitäten, z.B. Wildgerichten,
angereichert. Als Aperitif wurde uns ein Glas Schlehenwein,
mit Sekt aufgegossen, (3,30 € für 0,1l)
empfohlen, eine gute Kombination, ein nicht zu süßes,
frisch-fruchtiges Getränk, schön kühl
gereicht. Zur Vorspeise versuchten wir verschiedene
Suppen: die Fränkische Hochzeitssuppe (2,80 €),
schmackhaft, mit hausgemachten Flädle, Leber-
und Butterklößchen und angenehmerweise
ohne die vielfach zugegebenen Backerbsen, die fein-milde,
sehr cremige Fränkische Käse-Wein-Suppe
(3,30 €) mit selbstgemachten Croutons, die auch
sehr gut zur Knoblauchcremesuppe (3,30 €) paßten,
deren Knoblauchanteil gerade noch zu schmecken und
daher sozial kompatibel war, jedenfalls hat sich keiner
der Autoinsassen hinterher darüber beklagt! Auch
die hausgemachte Wildpastete an Sc. Cumberland mit
ofenfrischem Baguette (7,90 €) war ein Genuß,
die Soße gut abgestimmt, sehr dekorativ präsentiert
und schon etwas für den größeren Appetit.
Auch mit den Hauptgerichten waren wir hochzufrieden:
ob Wild, Rind, Fisch oder Vegetarisches - fünf
verschiedene Gerichte wurden nach angenehm kurzer
Wartezeit gleichzeitig (!), perfekt und auf den Punkt
zubereitet serviert, und das obwohl die Küche
mit einer parallel laufenden größeren Veranstaltung
mit Sicherheit gefordert war. Der "Burgherrnspieß"
(13,70 €) überzeugte mit außergewöhnlich
saftigen Rind- und Schweinefiletstücken und einer
ausgezeichneten Soße, und auch das Rindersteak
an bunter Pfeffersahne (13,70 €) mundete bestens.
Ein großes Stück Fleisch, genau richtig
medium gebraten, reichlich mit gut gewürzter
Pfefferkörnersoße bedeckt, dazu 7 (!) knusprige
Kroketten und feines, noch leicht bißfestes
Gemüse, wie auch alle übrigen Gerichte eine
wirklich reichhaltige Portion. Die gebratenen Seeteufelmedaillons
(15,10 €), an sich schon verlockend, werden auf
Gemüsenudeln mit Pestosoße serviert, dabei
lassen die sehr fein geschnittenen Gemüsestreifen
die Beilage ausgesprochen kernig wirken. Von den in
größerer Anzahl zur Auswahl stehenden Wildgerichten
probierten wir den Wildaufbruch süß-sauer
(8,60 €). Es handelt sich dabei um Innereien,
sicher nicht jedermanns Sache, aber für den Liebhaber
hier zu empfehlen, weil ebenfalls sehr gut zubereitet.
Die geschmacksbestimmende Soße passte genau
zu den unterschiedlichen Fleischstückchen, zwei
Semmelknödel dazu bildeten die ideale Ergänzung.
Auch Freunde vegetarischer Kost bekommen etwas geboten:
wir wählten die gebackenen Kartoffeltaschen mit
Frischkäsefüllung und dazu Blattsalate (7,90
€), sie waren schön kroß gebraten,
bestanden aus gehobelten Kartoffeln und einer Käse-Kräutermischung,
wurden mit einem leichten Sahnesößchen
und einem knackigen, mild süß-sauer abgeschmeckten
Salatbouquet sehr ansprechend garniert und schmeckten
wirklich köstlich.
Aus dem gut sortierten Weinangebot wählten wir
den Klingenberger Schlossberg, einen guten, leichten
und trockenen Roten und den hervorragenden trockenen
Riesling vom Bürgerspital in Würzburg (jeweils
0,2 l für 4 bzw. 4,10 €). Vom alkoholfreien
Bier aus dem Rangau versprach man sich der regionalen
Herkunft wegen allerdings unwillkürlich mehr,
sicher schmeckt es auch erträglicher, wenn es
gut gekühlt serviert wird. Reichlich gesättigt,
konnten wir von den Desserts - hauptsächlich
verschiedene Eisbecher - kaum noch naschen, doch der
bestellte Ritterbecher (4,60 €), ein gemischtes
Eis mit Kirschlikör und reichlich Schlagsahne,
war, wie alles, seinen Preis wert. Eine gediegene
und feine Küche, alles von bester Qualität,
fast schade, daß wir nicht noch mehr Gerichte
vorstellen können, aber vielleicht ist so ein
bißchen Neugier geweckt worden.
Bedient wurden wir gewandt, freundlich und kompetent.
Anzufügen wäre noch, daß man im Hause
Unbehauen auch an die Kinder gedacht hat, denn etliche
preiswerte Gerichte für die kleinen Gäste
stehen zur Auswahl, und um den Burgfried ist ein Spielplatz
angelegt.
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