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Das setzt Oettingen die Krone auf!

Nicht nur ein Restaurant

Funkfeuer besucht „Die Krone von Oettingen“

   
 

Redaktionsintern waren wir uns schnell einig: unser Restaurant-Tip sollte diesmal wieder unseren Nachbarlandkreis Donau-Ries berücksichtigen, allerdings auch für einen abendlichen Ausflug nicht zu weit entfernt sein. So fiel das Stichwort Oettingen, und einer wußte, daß es dort im Zentrum das alte Gasthaus „Krone“ gibt.
Das ist im vollen Sinne wörtlich zu nehmen: der vordere Teil der „Krone von Oettingen“ – so der heutige Name – ist ein etwa 600 Jahre alter Fachwerkbau, dessen Gewölbekeller aus dem 13./14. Jahrhundert noch original gemauert erhalten sind, wie wir bei einem Hausrundgang erfuhren. Doch davon später.
Zunächst ging es uns ja um das Essen. Von der mehrseitigen Speisekarte mit eingelegter Tageskarte wählten wir zwei Suppen als Vorspeisen: die „Bayerische Hochzeitssuppe“ (Rinderkraftbrühe mit Leber-, Brät- und Grießnocken sowie gedünsteten Gemüsestreifen) zu 2,90 € und „Omi’s Kartoffelsuppe“ (mit feinem Gemüse, frischem Rahm und Kräutern sowie angebratenem Bauernspeck) zu 3,- €. Beide hielten, was sie versprachen, und waren hinsichtlich ihrer festen Bestandteile sehr reichlich, so daß wir mit Rücksicht auf den Hauptgang auf einen Teil der Gemüseeinlage verzichteten. Etwas mehr Suppe und etwas weniger Einlage wären durchaus auch akzeptabel gewesen,
An Hauptspeisen testeten wir drei Fleischgerichte zwischen 11,50€ und 12,99€, einen Nudelteller (4,99€) und ein vegetarisches Essen (7,20 €).
Die gegrillten Schweinemedaillons „Strindberg“ (überbacken mit einer Senf-Zwiebelkruste) erwiesen sich als zart, aber herzhaft im Geschmack. Dazu gab es Speckbohnen und Kartoffelkrusteln in einer sehr würzigen dunklen Soße. Mit zwei auf einem Extratellerchen gereichten hausgemachten Rösti ist man so gut gesättigt, daß bei normalem Appetit eine Vorspeise nicht nötig ist.
Das „Schwabentöpfle“ enthielt gegrillte Rinder-, Schweine- und Putenmedaillons auf frischen Champignon-Rahmspätzle mit Sc. Hollandaise. Dazu gab es feines Buttergemüse, Zwiebelsoße, Röstzwiebeln und Kartoffelkrusteln. Auch hier war das Fleisch überwiegend zart und saftig, mit Ausnahme des Rindermedaillons, das sich –obwohl nicht ganz durchgebraten– etwas zäh ausnahm. Überzeugend die hausgemachten Spätzle in einer feinen, gut abgeschmeckten Soße. Die zusätzliche Zwiebelsoße in einer separaten Sauciere läßt individuellen Geschmackswünschen Raum. Eine Besonderheit sind die bereits erwähnten Kartoffelkrusteln, panierte Bällchen, die – wie wir auf Nachfrage erfuhren – zu einem Drittel aus Brandteig und zu zwei Dritteln aus Kartoffelmasse bestehen. Geschmacklich hatte man den Eindruck, daß es sich um ein Käse-Kartoffelgemisch handeln könnte.
Der „Schwäbische Zwie-belrostbraten“ war in jeder Hinsicht zufriedenstellend: das reichliche Rindfleisch zart und saftig, die goldgelben Röstzwiebeln knusprig und – ebenso wie die röschen Bratkartoffeln – keineswegs in Soße ertränkt, das Buttergemüse (bunt gemischt) fein gewürzt und recht knackig zubereitet.
Ebenfalls rundum zufrieden waren wir mit dem „vegetarischen Klassiker“ (so die Speisekarte). Die „Schweizer Freude“ erwies sich als eine solche: bißfest gegartes und fein gewürztes Mischge-müse aus Bohnen, Blumenkohlröschen, Mais und Karotten mit Sc. Hollandaise und mildem Käse überbacken, angerichtet auf Kartoffelrösti und ansprechend dekoriert mit je einem kleinen Klacks Kräuterquark und Preiselbeeren. Es schmeckte sehr gut und die Portion war für den etwas bescheideneren Appetit vollkommen ausreichend.
Die „Rigatoni Champignon & Brie“ schließlich empfanden wir als eine geschmacklich sehr gelungene kulinari-sche Komposition. Die al dente zubereite-ten Broccoli (in Sahnesoße, abgeschmeckt mit etwas Knoblauch, Schalotten und Meerrettich) und die frischen Kräuter (darunter Schnittlauchröllchen) kontrastierten im Biß angenehm mit der Weichheit der Nudeln. Dazu gab es gegrillte Tomatenecken.
Die angemessene Wartezeit verkürzte uns ein kleiner „Gruß aus der Küche“. Erfreulich auch, daß trotz reduzierter Besetzung (an einem „normalen“ Dienstag in der Hauptferienzeit) der Service gut funktionierte und die Hauptgerichte praktisch zeitgleich auf den Tisch kamen.
Passend zum Nudelgericht erschien uns der „Merlot rosso IGI (Dolomiti)“, der in der Karte zutreffend als „weich, geschmeidig, feinherb“ charakterisiert wird (0,2l/3,60€). Der österreichische Zweigelt war trocken und fruchtig (0,2l/3,30€). Erfrischend schmeckte das naturtrübe Oettinger Bier „Oettiator“ (0,4l/2,20€). Als eine nette Geste empfanden wir das „Damenweißbier“: es enthält nur 0,3l (1,90€). Für 0,4l Mineralwasser zahlt man übliche 2,-€. Der (große) Espresso nach dem Essen kostete 1,90€. Eigens anfordern, weil nicht auf der Karte, mußten wir die Obstbrände, die von der Brennerei Lantenhammer in Schliersee stammen: sowohl Quitte wie Mirabelle empfanden wir als sehr mild, rund und aromatisch (2cl/3,30).

Vorläufiges Fazit

So lautete unser vorläufiges Fazit begreiflicherweise: ein empfehlenswertes Speise-lokal der gehobenen, aber nicht abgehobenen Art mit ebensolchen Preisen. Insgesamt ein stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis.
Doch die eigentliche Über-raschung des Abends sollte erst noch kommen!
Wie immer baten wir nach dem Essen den Chef des Hauses an unseren Tisch, um uns vorzustellen und ihn mit dem Zweck unseres Besuches zu konfrontieren. Das gestaltete sich in diesem Fall allerdings als ausgesprochen schwierig, da Herr Harald Seebauer, der Besitzer der „Krone“, sich mit seiner Familie bei der Geburtstagsfeier seines Vaters in Wemding aufhielt. Mit Bedauern nahmen wir dies zu Kenntnis und fanden uns damit ab, für heute unseren Besuch zu beenden und zwecks Einholung weiterer Informationen in den nächsten Tagen noch einmal nach Oettingen fahren zu müssen. Gerade wollten wir die Rechnung kommen lassen, als ein Herr an unseren Tisch trat und sich als der Wirt vorstellte: man hatte ihn telefonisch informiert, und er war sofort nach Oettingen geeilt. Beeindruckt von so viel Einsatzfreude, ließen wir uns zunächst den Werdegang unseres Gastgebers schildern. Aus dem Sporthotel Seebauer in Wemding stammend, hatte er Koch gelernt, seine Ausbildung über Stationen in England, Belgien, der Schweiz und den USA verfeinert, schließlich in Heidelberg Betriebswirtschaftslehre studiert und diese Kenntnisse bei der Messegesellschaft Nürnberg praktisch erprobt.
Da im elterlichen Betrieb weiterhin der Vater das Sagen hatte, sah sich Herr Seebauer nach einem eigenen Standbein um und wurde zunächst in Pappenheim fündig. Als der Oettinger Stadtrat 1999 nach einem neuen Pächter für die im Besitz der Stadt befindliche, hoch defizitäre „Krone“ suchte, wurde man auf den jungen Seebauer aufmerksam, der in Pappenheim mit neuen Ideen, z.B. den „Original-Ritter-Essen“, Furore gemacht hatte. Nach zähen Verhandlungen war man sich schließlich einig, einen dreijährigen Pachtvertrag mit nachfolgender Kaufoption abzuschließen. Seit 2002 befindet sich das Anwesen im Besitz der Familie Seebauer.

Beeindruckende Hausführung

Eine nahezu einstündige Führung durch das aus drei Häusern aus unterschiedlichen Epochen bestehende Gebäude schloß sich an.
Im historischen Altbau und dem neueren Erweiterungsbau befinden sich im 1. und 2. Stock insgesamt 23 Doppelzimmer, darunter ein Hochzeits-zimmer und eine Wellness-Suite; daran anschließend folgt ein Saalbau, der der Stadt Oettingen früher als Stadthalle diente und jetzt für Tanzveranstaltungen, aber auch für Betriebsausflüge, Seminare u.ä. genutzt wird. Den Abschluß bildet eine angrenzende Galerie, die für kleinere geschlossene Veranstaltungen und auch als VIP-Bereich für den großen Silvesterball dient. Von dort gelangt man in einen großzügigen Biergarten, der auch von der Straße her erreichbar ist und über einen direkten Zugang zum angrenzenden Oettinger Schloßpark verfügt. Dabei passiert man eine fahrbare Bar, die im Rahmen eines von Herrn Seebauer betriebenen Party-Service zum Einsatz kommt und sich bei näherem Hinsehen als der ehemalige Pappenheimer Leichenwagen entpuppt (s. Foto).
Den Clou im umfassenden Bewirtungsangebot des Hauses bilden jedoch die bereits in Pappenheim begründeten, hier in Oettingen aber weiterentwickelten Ritteressen. Ab 15 Personen kann man dieses Erlebnis buchen: im historischen Gewölbekeller gibt es unterschiedliche Menüs wie den „Bauernfraß“, die „Bürger-“ oder die „Fürstentafel“. Auf Wunsch tritt auch Ritter Hatz von Hatzenstein (alias Dr. Benno Polita) in mittelalterlicher Rüstung auf.
Sichtlich beeindruckt von dem unternehmerischen Elan des Herrn Seebauer und den überraschenden Einblicken in die Oettinger Gastlichkeit trat das Funkfeuer-Team die Heimfahrt an.

   
 
„Die Krone von Oettingen“
Tel. 09082/959930
Fax 09082/9599399
ganzjährig geöffnet
Ruhetag 24. Dezember
   
 
 
 
 
   
 
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