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Das „Sudhaus an der Kunsthalle Würth“ in Schwäbisch Hall

   
 

Natürlich wissen Sie längst, daß wir bereit sind, auch größere und durchaus nicht ungefährliche Strapazen auf uns zu nehmen, um unseren Lesern aus eigener Anschauung und für sie in die Rolle der Versuchskaninchen schlüpfend über kulinarische Neuheiten aus der näheren und manchmal auch etwas weiteren Umgebung zu berichten. Als wir unseren Besuch in Schwäbisch Hall planten, ahnten wir allerdings nicht, daß wir uns ausgerechnet den ersten ernstzunehmenden Wintertag des Jahres ausgesucht hatten. So gestalteten sich An- und noch mehr Abreise durchaus langwierig, und es wurde auch bei kleiner Besetzung unseres Testerteams eine der zeitaufwendigsten Testfahrten in der Funkfeuer-Geschichte. Dennoch fanden es alle Beteiligten – um dies vorwegzunehmen – ausgesprochen lohnenswert. Und zwar unter mehreren Aspekten.

Unser Ziel war das „Sudhaus an der Kunsthalle Würth“ im ehemaligen Brauereigebäude der Haller Löwenbräu, das 1903 errichtet worden war, aber vor 20 Jahren von der Brauerei aufgegeben wurde, dann einige Zeit leer stand und später für einige Zeit von der alternativen Szene unterschiedlich genutzt wurde. Zur Diskussion stand ein Abriß und die Nutzung der Fläche für städtische Zwecke, doch mit dem Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen nach dem Eigentümerwechsel bei der sattsam bekannten Bausparkasse fehlte es am nötigen Geld. Es folgte der Kauf durch Reinhold Würth, der sich neben seiner Kunsthalle einen repräsentativen Restaurantbetrieb mit kleinen Konferenz- und Gesellschaftsräumen wünschte.
Entstanden ist eine gelungene Sanierung des Industriedenkmals „Sudhaus“, dessen „behutsame Durchdringung mit modernen Elementen eine faszinierende Rauminszenierung“ geschaffen hat, wie der Hausprospekt es beschreibt. Uns jedenfalls hat diese Raumwirkung durchaus angesprochen, und daß man nicht unbedingt sparen mußte, ist bei der Raumausstattung deutlich zu sehen. Kronleuchter und Garderobe in der Brasserie sind, wie der Ober beiläufig anmerkte, „nicht von IKEA“. Alles andere wohl auch nicht. Reinhold Würth übrigens – so erfuhren wir – ist im Sudhaus immer wieder „in Person vorhanden“ und „legt Wert darauf, daß man auch im Restaurant (das im Gault-Millau mit 15 von 20 Punkten bewertet wird, Anm. d. Red.) Rostbraten oder Linsen mit Spätzle essen kann“.

Wir mußten auf das Restaurant verzichten, denn es war geschlossen und hätte auch den bescheidenen Funkfeuer-Testessen-Etat gesprengt (wir kommen darauf noch zurück), und so begnügten wir uns mit der Brasserie, die „die ideale Atmosphäre für unkomplizierte Zusammenkünfte“ bildet, so wieder der Hausprospekt, und täglich von 10 bis 24 Uhr geöffnet ist.
Beim Studium der übersichtlichen, aber nicht eingeschränkt wirkenden Karte fiel uns zunächst die Wochenkarte ins Auge, die für unsere Besuchswoche von Montag bis Samstag für jeden Tag ein anderes Gericht „inklusive einem Softgetränk 0,2l“ zum Preis von 7,50 € anbot: Schweinerahmschnitzel mit Spätzle und Karotten, Hähnchenschenkel auf Zucchini und Kartoffelschnee, Brezelknödel mit Waldpilzen à la crème und Salatgarnitur bis hin zu Pichelsteiner Eintopf mit Debreziner.
Für den Vormittag werden zudem fünf Frühstücksvariationen zwischen 4,50€ und 24,-€ (das allerdings dann für 2 Personen) angeboten. Unter den Gerichten der Standardkarte wählten wir zwei Suppen, drei Fleisch- bzw. Fischgerichte und ein vegetarisches Essen. Zu einem Dessert konnte sich keiner unserer Testesser aufraffen; wir waren alle satt.
Die Petersilienrahmsuppe mit Saibling (4,50€) enthielt ein großes Stück geräuchertes Saiblingsfilet, hatte gerade die richtige Konsistenz, also ohne zu viel Sahne, und wurde schlicht für sehr gut befunden. Auch die rustikale Gerstengraupensuppe (4,00€) wurde mit dem Prädikat „wie aus Omas Suppentopf“ hoch gelobt, da die Graupen al dente und die Suppe gut abgeschmeckt waren.
Der gebackene Tomatenreis auf Ratatouille (6,50€) nach der Suppe bildete, obwohl ohne Fleisch, eine vollständige Mahlzeit. Zu dem sehr würzigen Ratatouille paßte der als Nocken in Fett ausgebackene Tomatenreis sehr gut.
Das Wallerfilet auf Rahmsauerkraut und Speckkartoffeln (14,50€) bestand aus zwei großen Fischstücken mit reichlich angenehm festen Kartoffeln (die in zwei Portionen serviert auch heiß waren) und einem sehr fein mit Rahm abgeschmeckten, nur leicht säuerlichen, zarten, dünn gehobelten Kraut. Als Standardgericht der sogenannten bürgerlichen Küche bedarf die Entenkeule mit Rotkohl und Kartoffelknödeln (14,00€) keiner besonderen Raffinessen; es muß einfach nur alles stimmen, und das traf zu: Die zwei Entenkeulen waren zart und wirklich knusprig, das Blaukraut leicht und angenehm säuerlich. Die – etwas kompakten – Kartoffelklöße schmeckten nicht nach Fertigprodukt. Auf Nachfrage erfuhren wir, daß sie tatsächlich in der eigenen Küche hergestellt werden. Davon darf man auch bei den Spätzle ausgehen, die zum Hirschkalbsragout mit Champignons und Apfelspalten (12,50€) gereicht wurden. Die gut ausgelösten, weitgehend flechsenfreien und zarten Fleischstücke waren umgeben von einer würzigen Wildsauce, die wohl mit Rotwein abgeschmeckt war. Die Champignons bildeten die traditionelle, die Apfelspalten die ungewohnte, aber interessante Zutat.
Dazu tranken wir zunächst das im Haus gebraute, leicht trübe, ungefilterte Bier „Sudhaus hell“ (0,5 l 3,00€), das sehr frisch und süffig schmeckte. Später folgte der Verrenberger Verrenberg (0,25 l 5,50€), ein einwandfreier trockener Qualitätswein aus der Fürst zu Hohenlohe-Öhringen`schen Schloßkellerei (allerdings ohne Jahrgangsangabe). Als etwas preiswerte-re, aber vollwertige Alternative erwies sich der Michelfelder Himmelberg Weißburgunder trocken (4,50€) vom Weingut Reichsgraf zu Hoensbroech, ebenfalls ohne Jahr.
Angesichts der zu erwartenden Straßenverhältnisse verzichteten wir auf eine Kostprobe von der gut sortierten Spirituosenkarte (allein zwölf Whisky-Varianten, darunter neben acht Single Malt auch ein schwäbischer) und ließen uns stattdessen vom sehr freundlichen Ober, der den eigentlichen Geschäftsführer in Zeiten seiner Abwesenheit kompetent vertritt, die übrigen Räumlichkeiten zeigen.
Das Restaurant (geöffnet donnerstags bis montags von 12 bis 14 und von 18 bis 24 Uhr) bietet 35 Gästen Platz und will im Angebot eine „bunte Mischung“ darstellen, die Schwellenangst verhindern soll, aber gleichzeitig „ein bißchen feiner und kreativer sein.“ Ein paar Auszüge aus der Speisekarte belegen das: als Vorspeise gibt es z.B. Carpaccio von Seeteufel und Saibling mit Miesmuscheln und Safranschaum für 12,50€ oder Variation von der Blutwurst mit karamellisierten Äpfeln für 11,50€; die Feldsalatschaumsuppe mit Gänseleberravioli kostet 7,50€; als Zwischengang gibt es beispielsweise geschmorte Ochsenbacken mit zweierlei Lauch und Trüffel für 12,50€, und die rosa gebratene Rehkeule mit glasierten Rosenkohlblättern und Maronengnocchis als Hauptgericht liegt bei 22,00€; den Abschluß könnte z.B. eine Passionsfruchttarte mit weißem Schokoladensorbet für 7,50€ bilden. Wie oben bereits erwähnt, legt man aber durchaus auch Wert auf regionale Spezialitäten: die Linsen mit hausgemachten Spätzle und Saitenwürstle kosten 10,50€ und der Schwäbische Zwiebelrostbraten auf Sauerkraut mit Bratkartoffeln und Maultaschen ist für 17,50€ zu haben.
Die Konferenzräume, die auch für private Feiern oder Empfänge zur Verfügung stehen, tragen beziehungsreiche Bezeichnungen wie „Malzlager“, „Hopfengarten“ oder „Gerstenspeicher“ und befinden sich in den oberen Stockwerken des „Sudhauses“. Den wortwörtlichen Höhepunkt erreicht man dann bequem über den Aufzug: eine Dachterrasse mit Platz für etwa fünfzig Gäste, die bei schönem Wetter täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet ist. Ein herrlicher Blick über die Altstadt von Schwäbisch Hall ist hier im Preis inbegriffen. Bei unserer Besichtigung waren beide, Altstadt und Dachterrasse, schneebedeckt, was dem Ganzen einen zusätzlichen romantischen Aspekt gab. Und schließlich bleibt noch der dem Sudhaus vorgelagerte Biergarten zu erwähnen, der mit wechselnden zeitgenössischen Skulpturengruppen den Bogen zur benachbarten Kunsthalle Würth schlägt.
Auch ein kleines, aber feines Veranstaltungsprogramm leistet sich das „Sudhaus“. An jedem ersten Sonntag im Monat gibt es bei freiem Eintritt „Jazz am Mittag“ von 11 bis 14 Uhr und nach der „Happy Hour“ am Montag von 19 bis 20 Uhr, während der alle Getränke zum halben Preis zu haben sind, wird – bei ebenfalls freiem Eintritt – im „Monday’s Club“ eine „acoustic candle light session“ geboten.

 


   
 

Für Reservierungen hier die nötigen technischen Daten: Sudhaus an der Kunsthalle Würth,

74523 Schwäbisch Hall,Lange Straße 35/I,

Tel. 0791/94672-70, Fax 0791/94672-75,

sudhaus@wuerth.com

   
 
 
 
 
   
 
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