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Ein kulinarischer Hinweis auf eine gute Adresse im Raum Ellwangen kam uns gerade recht: konnten wir doch so dem neuen Trend folgen und uns grenzüberschreitend im vielbeschworenen „Magischen Dreieck” umsehen. Man muß ja nicht mehr mit der Postkutsche reisen und erreicht das 4 km von Ellwangen gelegene Espachweiler in einer guten halben Stunde Autofahrt (in Ellwangen Richtung Aalen und nach dem Ortsende rechts nach Schrezheim abbiegen). Der Seegasthof Espachweiler liegt, nur durch die Straße getrennt, wie es der Name vermuten läßt, direkt am idyllischen See und ist nicht zu verfehlen. Die einladend große Terrasse, natürlich mit Blick aufs Wasser, ist für sommerliche Ausflüge sicher sehr attraktiv, wir jedoch besuchten den Gasthof an einem noch kühlen Frühlingsabend und genossen daher nur die nicht minder angenehmen inneren Räumlichkeiten. Das schmucke Anwesen, 1968 gegründet und seitdem in Familienbesitz, wurde vor 10 Jahren von der Gastwirtsfamilie Bolz zur heutigen Größe um- und ausgebaut. Man entschloß sich damals nach reiflicher Überlegung, etwas Besonderes zu wagen, und beauftragte einen Inneneinrichter aus dem Raum Kitzbühel, dessen geschmacks-sichere, alpenländisch angehauchte Hand-schrift unschwer zu erkennen ist. Drei verschieden gestaltete Raumbereiche – alle im gehobenen Landhausstil gehalten – bieten dem Gast eine abwechslungsreiche Umgebung: die gemütliche Jägerstube mit prachtvollem Kachelofen gleich im Eingangsbereich, das intime Restaurant mit hübschen Ecksitzgruppen oder die größere Seestube mit einer imposanten Lichtkuppel in der Raummitte und den Panoramafenstern zur Seeseite. Warmes Naturholz in verschiedenen Ausführungen an den Wänden, eine elegante Bestuhlung, hochwertige Gardinen, alles farblich passend aufeinander abgestimmt, frische Blumensträuße auf den hell eingedeckten Tischen – dieses ansprechende Ambiente gefiel uns sofort.
Ein Blick auf die reichhaltige (und täglich wechselnde) Speisekarte machte neugierig und die Entscheidung schwer. Neben einer großen Auswahl von regional-schwäbischen Spezialitäten werden auch Fisch- und Wildgerichte in nicht geringer Zahl angeboten, die hauseigene Forellenzucht lie-fert dazu frische Produkte und auch für das Wildbret wird selbst gesorgt, denn Franz Bolz sen. und einer der Söhne sind Jäger. Ebenso ist Vegetarisches zu finden, man legt Wert auf heimische, biologisch angebaute Erzeugnisse und bevorzugt eine leichte Küche. Dazu kommen noch die saisonalen Besonderheiten, wie zum Zeitpunkt unseres Testessens zum Beispiel das Thema Bärlauch. Doch zunächst ließen wir uns zu einem fruchtigen Aperitif verführen. Der „Karibiktraum“ (ohne Alkohol, 0,2l für 3,50 €), erfrischend und hübsch mit Obststücken am Glasrand garniert, eine Mischung aus Bananen-, Passionsfrucht- und Orangensaft, schmeckte aller-dings vorwiegend nach letzterem. Das Glas Prosecco mit Rhabarberstückchen (3,90 €), das zwar nicht auf der Karte angeboten, uns aber empfohlen wurde, erwies sich als guter Start mit pikant fein-herber Geschmacksnote.
Doch nun zum eigentlichen Essen: Von den Vorspeisen wählten wir verschiedene Suppen – die zum Spezialitätenthema passende aufgeschlagene Bärlauchrahmsuppe mit Lachsschaumklößchen (4,40 €) überzeugte durch einen feinen, unaufdringlichen Bärlauchgeschmack, der das Aroma der samtig-weichen Klößchen nicht übertönte, die sehr würzige schwäbische Hochzeitssuppe (4,00 €) mit vielerlei Einlagen (diverse Klößchen, Brätspätzle,Gemüsejuliennes) und die Kräuterflädlesuppe (3,70 €) mit reichlich feingeschnittenen Pfannkuchen- und Gemüsestreifen, alle im großen Teller serviert, waren ihren Preis wert. Auch der Feldsalat mit Balsamico und Kürbisöl, Parmesan, Brotcroutons (4,00 €) war ein gelungener Auftakt: der knackige Salat und die knusprigen Croutons bildeten eine für den Biß angenehme Kombination, als geschmacksbestimmend bewährte sich in hervorragender Weise das In- und Miteinander der gewählten Varianten von Essig, Öl und Käse. Eine weitere Köstlichkeit mit Salat aßen wir dann, obwohl bei den Vorspeisen zu finden, als Hauptgericht: Räucherlachs-Frischkäse-Rouladen an bunten Blattsalaten und Brot (8,80 €), ein sehr gut angemachter Salat und eine in die Fischscheiben eingerollte Käsecreme zu ofenwarmen Brotscheibchen, gerade das Richtige, wenn man sich „für danach“ noch etwas Raum lassen möchte. Genauso zu empfehlen ist zu diesem Zweck der Vitalsalat mit Sprossen, gerösteten Kürbiskernen, Putenstreifen und Brot (9,70 €), ein appetitlich angerichteter bunt gemischter Berg frischer Zutaten mit reichlich gutem Joghurt-Dressing und einer ordentlichen Menge von saftig gebratenen Putenfleischstücken. Fein und leicht war auch das gewählte Fischgericht: die irische Wildlachsschnitte an Rieslingsauce, zweierlei Reis und Blattsalate (14,90 €), eine gute Portion, dazu noch etwas Spinat und Brokkoli, der noch zusätzlich gereichte Reis war eigentlich nur nötig, um keinen Rest der delikaten Sauce übrig zu lassen. Auch vom Wild sollte es etwas sein, wir probierten es mit dem Rehgulasch Wildschütz mit Semmelknödel und Blattsalaten (10,10 €). Der Wildschütz wurde zwar zum Namenspatron dieser Speise gewählt, aber „gewildelt” hat sie, das muß man zu ihrem Lobe sagen, gar nicht. Eine angenehm, nur leicht säuerliche Soße ließ das Fleisch und die locker-leichten Knödel in sehr guter Verbindung genießen.
Der Bärlauchliebhaber unter uns bestellte sodann noch die Bär-lauchmaultaschen mit Champignons und Käse überbacken und Salatteller (9,20 €). Schon optisch ein Genuß in der Garnierung mit feinen Gemüsestreifen, durch das Überbacken der zwei großen Teigtaschen mit Käse sehr sättigend. Auch hier der Bärlauchgeschmack nur zart, die Hackfleisch- oder Brätfüllung könnte aber etwas saftiger sein.
Zu den Getränken: An Bieren bietet der Seegasthof ausschließlich die Produkte der nahen Ladenburger Brauerei, diese aber in der ganzen Bandbreite ihrer zahlreichen Varianten. Das von uns bestellte helle Hefeweizen vom Faß war ebenso süffig wie das Pils. Die reichhaltige Weinkarte legt einen deutlichen Schwerpunkt auf württembergische Erzeugnisse, wir allerdings nahmen einen italienischen Merlot, trocken und rund, wie man ihn sich wünscht.
Die von Zeit zu Zeit an uns vorbeigetragenen prächtig aus-sehenden Nachtischteller machten uns schließlich auf die Dessertkarte gespannt. Da fanden sich dann vielversprechende, vorwiegend „eishaltige“ Versuchungen. Unser Favorit, das Haselnußeis mit Rotweinzwetschgen (4,70 €) war ein wahrer Augen- und Gaumenschmaus, genauso wie das Kokosparfait im Schokoladengitter mit Sauerkirschen umlegt (4,90 €) und die Varia-tionen vom Sorbet (5,00 €), dessen verschiedene Sorten uns von der kompetenten und aufmerksamen Bedienung liebevoll erklärt wurden. Der abschließende Cappuccino/Espresso wurde zu unserer Überraschung dann noch mit kleinen Stückchen hausgemachten Kuchens serviert, so daß wirklich kein Wunsch mehr offen blieb. Franz Bolz jun., der für uns kochte (er lernte u.a. im „Greifen” in Feuchtwangen), hatte uns völlig über-zeugt, und wir können den Seegasthof daher nur empfehlen, jedoch nicht ohne den Rat, vor allem am Wochenende den Tisch vorher zu reservieren. Man ist natürlich auch für größere Anlässe, wie Familienfeiern, Geschäftsessen oder Reisegruppen gerüstet. Acht komfortable Gästezimmer, fast alle mit Seeblick und der Möglichkeit, eine ruhige Dachterrasse mit schöner Aussicht zu nutzen, stehen zur Verfügung und auch die Umgebung bietet sich zur Erholung an: für schöne Wanderungen, Radtouren oder einfach nur ein Bad im See.
Seegasthof Espachweiler, Familie Franz Bolz, Bussardweg 1, 73479 Ellwangen-Espachweiler.Tel.07961/7760, Fax 07961/53846, www.seegasthof-bolz.de , e-mail: seegasthof@t-online.de
Geöffnet durchgehend, Freitag Ruhetag, Betriebsurlaub im Januar.Warme Küche von 11Uhr 30 – 14Uhr und 17 Uhr 30 –21 Uhr 45.
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