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In der Goldenen Kanne
 


Traditionshaus neu belebt

Frischer Wind in der Goldenen Kanne

Warum in die Ferne schweifen....,das fragten wir uns diesmal auf der Suche nach einer gastronomischen Empfehlung, waren wir doch in letzter Zeit immer ins mehr oder weniger abgelegene Umland gefahren, um unseren Lesern einen (hoffentlich) neuen Tip geben zu können. Sollte es nicht auch einmal in Dinkelsbühl selbst etwas Neues geben, das eine Vorstellung lohnt? Seit dem Frühjahr dieses Jahres steht das Hotel Goldene Kanne unter neuer Leitung, ein Haus mit alter Tradition und wechselvoller Geschichte, Grund genug neugierig zu werden, was sich dort getan hat.
1690 erbaut, war es als erstes Haus am Ort schon damals als Herberge und Gasthaus konzipiert, original und komplett erhalten ist aus dieser Zeit allerdings nur noch der kunstvolle und dekorative Ausleger. Denn 1906 wurde das Anwesen bei einem Großbrand, der auch etliche benachbarte Häuser erfaßte, zerstört, anschließend aber neu aufgebaut. Die Goldene Kanne genoß schon damals eine sehr gute Reputation. 1938 kaufte die Metzgerfamilie Meyer das Haus und führte es bis in die frühen 60er Jahre – eine Ära, an die sich viele Einheimische noch erinnern werden, war doch die Kanne in dieser Zeit die erste Adresse am Ort für Hochzeiten und Familienfeste und beliebter Treffpunkt der Dinkelsbühler. Später verlor dann das Haus an Rang, häufiger Pächterwechsel war für das Renommee auch nicht förderlich. Obwohl die Gaststube Anfang der 90er Jahre so schön renoviert wurde, wie sie heute noch zu sehen ist, konnte der frühere Stellenwert nicht mehr erreicht werden.

Klare Zielsetzung

Seit 10 Jahren in Besitz einer Familie aus Lohr bei Rothenburg, wurde es im März 2005 neu verpachtet: an den Hotelfachmann Volker Brunk. Er ist jung, ambitioniert und hat eine klare Zielsetzung vor Augen: er möchte an die alte Tradition wieder anknüpfen und das 3-Sterne-Haus vor allem auch wieder für das einstige Stammpublikum, die Dinkelsbühler, attraktiv machen. Der gebürtige Düsseldorfer hat das Hotelfach in all seinen Sparten gelernt, nach der Ausbildung in Amerika war er 10 Jahre weltweit im Ausland tätig und erwarb sich bei renommierten Hotelketten auch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht das nötige Know-how, um schließlich den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Ruhig und überlegt erläutert er uns seine Philosophie: Im Hotelbereich bemüht er sich vor allem um den Individual- und Geschäftsreisenden sowie Kleingruppen, die nicht den Rahmen der Restaurantplätze sprengen und den übrigen Gästen noch genug Ruhe lassen sollen. Langfristig möchte er ein Stammpublikum aufbauen und hat dementsprechend bereits investiert. Alle Zimmer wurden komfortabel renoviert und modernisiert, erhielten neue Sanitäranlagen, Matratzen sowie alle Einrichtungen, die für die drahtlose Internetnutzung nötig sind – letzteres ist bisher einmalig in Dinkelsbühl. „Wir geben uns Zeit“, so Volker Brunk, doch auch im Restaurantbereich hat er eine klare Strategie. Ein Blick in die Karte zeigt zunächst viel Italienisches (wen wundert`s, der Küchenchef ist Italiener und arbeitet seit 10 Jahren in Dinkelsbühl), neben einer reichen Auswahl an Salat- und Nudelgerichten sowie Pizzen finden sich aber auch diverse klassische und auch deutsche Fleisch- und Fischgerichte im Angebot, daneben gibt es noch – diesmal nicht zweisprachig – eine kleinere Karte mit deftigen fränkischen Schmankerln. Diesen Bereich möchte man noch ausbauen und verstärkt regionale fränkische Küche anbieten, wobei vor allem frische Produkte lokaler Erzeuger und nicht etwa Tiefkühlkost oder Conveniencefood verwendet werden sollen. Zwei Fischbecken wurden bereits wieder in Betrieb genommen, so daß der Gast auf Wunsch auch wirklich frischen Fisch erhalten kann. Die mediterrane, leichte Zubereitungsart soll bevorzugt verwendet werden.

Wie schmeckt’s dort?

Doch nun zur Sache: Wie hat es uns geschmeckt? Um es vorwegzunehmen – ausnehmend gut! Von den Vorspeisen wählten wir Tortellini in Brodo (3,10 €), kleine Tortellini mit wohlschmeckender Füllung in guter Brühe, appetitanregend, wie es sich für eine Vorsuppe gehört. Zuppa di Pomodori (3,40 €), Tomatencremesuppe mit Basilikum und Sahnehaube, sämig und mit fruchtigen Tomatenstücken, fein im Geschmack, eine üppige Portion und fast schon zum Sattessen. Lumache al Forno (5,40 €), 6 Weinbergschnecken im Näpfle mit Kräuterbutter überbacken. Die Schnecken schwammen erfreulicherweise nicht – wie oft – in reiner Kräuterbutter, sondern in einer Mischung aus dieser und einem guten Schuß Tomatensoße, was sie im Geschmack fruchtiger werden ließ als üblich. Durchaus gelungen! Als Hauptgericht versuchten wir dann einfach mal eine Pizza, von den 22 angebotenen Varianten sollte es die alla Rucola (7,20 €) sein. Gehörig groß, heiß, mit dünnem knusprigem Boden und leckerem Belag von frischen Tomaten, Mozzarella, Rucolablättern und gehobelten Parmesanstreifen kam sie daher – wirklich gut. Auch Nudelgerichte sollten probiert werden. Ravioli „Burro e Salvia“(7,70 €), frische Spinat/Ricotta-Ravioli mit Butter, Salbei und frisch geriebenem Parmesankäse. Die Penne al Arrabbiata (6,90 €) waren sehr reichlich und wiesen genau die Schärfe auf, die für den Normalgeschmack angenehm ist. Wer seinem Gaumen echten Schmerz zufügen will, wäre hier nicht auf seine Kosten gekommen. Aber wer will das schon? Von den Salaten, die durchaus Hauptgerichtsvolumen und –preise haben, nahmen wir Insalata Fattore (11.- €), d.h. eine große Salatkomposition, knusprig gebratene Entenbrust und geröstete Mandelsplitter. Alles wunderbar, die Geflügelstreifen warm und wirklich rösch, die grünen Salatsorten waren mit einer Balsamicoessig/Olivenölsauce sehr zart angemacht, wer es würziger mag, für den war die „Nachbehandlung“ am Tisch aber auch kein Problem. Einziges Manko: ein bißchen Brot dazu hat gefehlt, aber vielleicht haben wir nur vergessen, danach zu fragen. Als Gruß des Hauses reichte man uns übrigens vorneweg luftige Ministückchen von Pizzabrot – solches hätte auch gut zum Salat gepaßt! Der Fischliebhaber suchte sich die Filetti di Salmone ai Pepi (15 €) aus, das war filetierter Wildlachs, grätenfrei mit verschiedenen Pfeffersorten auf Spinat – eine ausgezeichnete und noch nicht so übliche Kombination. Die Filetstreifen waren optisch schön angerichtet mit den verschiedenfarbigen Pfeffersorten schwarz, grün und rot (wobei dies ja eigentlich nur dem Pfeffer ähnliche rote Beeren sind), dazu gab‘s, wie bei allen Fischgerichten gebackene Kartoffelwürfel und Salat, alles geschmacklich sehr gut. Und auch das Fleisch überzeugte: Filetti di Maiale ai Porcini (13,60 €), zu deutsch: Schweinelendchen mit Steinpilzen und Bandnudeln. Das waren zarte Filets in gut abgeschmeckter Sauce mit echten Steinpilzeinlagen, Nudeln al dente, auch für das Auge ein Genuß und dank der beigefügten Besteckkombination von Messer, Gabel und Löffel auch nach Belieben in mundgerechte Portionen teilbar. Bemerkenswert noch und ein Extra-Lob an die Küche: alle Gerichte kamen fast zeitgleich an den Tisch!
Zu den Getränken: Das Pilsener vom Faß vom Landwehrbräu in Reichelshofen ist als neue Variante im Dinkelsbühler Bierangebot sehr zu begrüßen. Ein Pinot Grigio del Grave D.O.C (0,25 l für 3,40 €) war von sehr guter Qualität und auch als Achtel zu haben, auch der Montepulciano tollo D.O.C (0,25 l für 3,60 €) fand Anklang. Im übrigen ist die Auswahl an Weinen zur Zeit noch recht beschränkt, doch soll auch dies sich bald ändern, vor allem ist ein verstärktes Angebot von Flaschenweinen geplant. Statt eines Desserts ließen wir uns ein gutes fruchtig-mildes Zwetschgenwasser aus dem Schwarzwald servieren – von einer sehr freundlichen Bedienung, die geduldig unsere Nachfragen beantwortete. Anzufügen wäre noch, daß für größere Veranstaltungen wie Familienfeiern oder Konferenzen Räumlichkeiten für bis zu 80 Personen bereitstehen (auch ein Video-Beamer wurde angeschafft). Das Restaurant selbst hat 50 Plätze, und es gibt keinen Ruhetag. Da wir rundum zufrieden waren und der Meinung sind, daß die hier geleistete „Aufbauarbeit“ unterstützt werden sollte, möchten wir Sie, liebe Leser mit einem Satz aus der hauseigenen Werbeannonce ermuntern: „Schaun Sie doch einfach mal zu uns rein in die Kanne“.

Hotel Restaurant Goldene Kanne,
Segringer Str. 8, 91550 Dinkelsbühl,
Fon 09851/5729-0, Fax 09851/5729-29,
info@hotelgoldenekanne.de
www.hotelgoldenekanne.de
Kein Ruhetag.

   
 

 

   
 
 
 
 
   
 
Von der Geschichte leben ?
 
Das Beispiel Dinkelsbühl
 
 
von Ernst-Otto Erhard
   
 
"Eine ebenso liebevolle wie kritische Diagnose" (Charivari)
   
 
€ 11,80
   
 
Erhältlich in allen Buchhandlungen Dinkelsbühls und beim Funkfeuer-Verlag, Am Anger 5, 91550 Dinkelsbühl, Tel.: 09851 / 5703112
   
 
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