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Ein betriebsames Tagungshotel mit 90 Zimmern im Hohenloher Land als Tipp für einen lauschigen Abend mit gepflegter Gastronomie? Hätten wir nicht schon vorab viel Positives davon gehört, wären uns vielleicht Zweifel gekommen. Der gut gefüllte Parkplatz vor dem umfangreichen Gebäudekomplex in Rechenberg (über Fichtenau-Matzenbach in knapp 20 Autominuten zu erreichen) ließ uns schon vermuten, dass wir nicht allein sein würden. Kennzeichen aus den Ballungsräumen der Umgebung oder weit entfernt, nur kaum Mittelfränkisches sahen wir da. „Das Bäumle muss noch wachsen“, sagte man uns später im Gespräch, als wir nach Gästen aus Dinkelsbühl fragten, auch selber besuche man die Stadt eigentlich nur, „ wenn man nicht erkannt werden wolle“. Grund genug für uns, hier einmal wieder „grenzüberschreitend“ tätig zu werden, um dem einen oder anderen Leser vielleicht etwas Neues empfehlen zu können.
Nach Betreten des Hauses zerstreuten sich etwaige Bedenken bezüglich der Gästeschar sofort, denn die verteilte sich wohltuend in den weitläufigen und verschieden angelegten Räumlichkeiten, sowie im großen, baumbestandenen und geschützten Innenhof des Hotelbereichs, der ideal als Biergarten zu nutzen ist. Nur noch ein Türstein mit Inschrift und ein erhaltener Gewölbekeller erinnern an das Gründungsjahr 1841 des damaligen Gasthauses Rössle. Eine lange Geschichte, die eine Wende nahm, als 1978 die Metzgerfamilie Sperr das Anwesen übernahm, umbaute und mit Metzgerei und 4 Gästezimmern einen neuen Weg beschritt. Ab 1982 wurde dann kontinuierlich erweitert, um- und angebaut, die Zahl der Gästezimmer stieg, die der Seminarräume (mit modernster technischer Ausstattung) ebenfalls, ein Wellnessbereich kam dazu, sogar ein Hochseilgarten für besondere Stressbewältigungserfahrungen ist vorhanden, und heute präsentiert sich das Haus als eines der führenden Tagungszentren im süddeutschen Raum, frequentiert von renommierten Großkunden. Trotzdem ist die Leitung familiär geblieben, neben dem Senior Gottlieb Sperr zeichnen die Tochter im Service, der Sohn als Küchenchef und dessen Frau im Hotelbereich verantwortlich. Schon früh wurde Lutz Sperr auf die Nachfolge vorbereitet, er erlernte das Kochen, wanderte, wie in diesem Beruf üblich, über verschiedene Stationen, sammelte Erfahrungen im Feinschmeckerbereich (u.a. in Salach bei Göppingen in der Burg Stauffeneck), aber auch in großen Tagungshotels in Wuppertal oder Stuttgart, denn es war schon früh klar, dass man den Schwerpunkt auf dieses Geschäft setzen wollte. Um mit gehobenem Anspruch im gastronomischen Bereich in der etwas abseitigen geografischen Lage wirtschaftlich überleben zu können, war dies nötig, das erklärte uns Lutz Sperr in seiner lebhaften Art. Mit Leib und Seele ist er engagiert, und ein Rezept für das gute Betriebsklima und den ausgesprochen freundlichen und aufmerksamen Service hat er auch: „Man muss es vorleben“. Die Expansionsgrenze ist nun wohl erreicht, die noch familiäre Atmosphäre des Hauses soll erhalten bleiben.
Auch wir, die wir einfach nur gut essen wollten, waren von dem trotz der Größe noch intimen Rahmen und der persönlichen Betreuung am Tisch sehr angetan. Man hatte uns in der Kaminstube reserviert, eine gute Idee für eine kleinere Gruppe, denn das völlig mit altem Fichtenholz nach alpenländischem Vorbild getäfelte, stilvolle Zimmer strahlt Behaglichkeit aus. Eckbank, Holztisch, Herrgottswinkel, Wanduhr, Kachelofen machen den Raum zur gemütlichen Stube, geschmackvoll dekoriert mit passenden Gardinen, vielen Kissen, hochwertigen Stuhlpolstern, beschirmte Leuchterkränze geben angenehmes Licht. Auch die anderen Räumlichkeiten im Gastronomiebereich wie Gaststube, Restaurant, Hotelbar und nicht zuletzt der prächtige Festsaal mit umlaufender Empore, beidseitiger Freitreppe nach oben und einem kunstgeschmiedeten riesigen Kronleuchter zeigen gehobenen Landhausstil, manche Anregung kam dazu aus eigenen Urlausimpressionen in Tirol.
Ein Blick in die übersichtlich gestaltete Speisekarte mit herausnehmbaren Blättern zeigte uns gleich -und das wurde auf Nachfrage auch bestätigt-, dass hier nicht nur ein saisonaler Wechsel stattfindet. Klassiker von Fisch, Wild, Fleisch, Nudeln, ein paar Suppen und besondere Desserts, da wird jeder etwas finden. Nach einem fruchtig-frischen Aperitif, nämlich Prosecco mit selbstgemachtem Erdbeer- Rhabarber- oder auch Holundersirup (3,50 €), beides spritzig, belebend und mit angenehmer Säure und auch in einer (ebenfalls zu lobenden) alkoholfreien Variante mit Orangen- und Grenadinesaft zu haben, wählten wir zu Beginn eine Festtagssuppe (4,20 €). Mengenmäßig schon mehr als eine Vorspeise: schöne Brühe mit reichlich Gemüseeinlage, fein gewürfelt, zarte kleine Leber- und Grießklößchen, Flädle und Backerbsen, eine gut gefüllte kleine Maultasche, fein abgeschmeckt, und so fand sie Anklang. Das Salatbuffet, bei den meisten unserer gewählten Gerichte als Beilage offeriert und daher nicht jedes Mal extra erwähnt, wurde ebenfalls als Auftakt bevorzugt. Die Auswahl war sehr reichhaltig, die Bestandteile weitgehend frisch und auch interessant: die Karotten mit Ananas, Reissalat mit Curry, Verschiedenes mit Nudeln, nicht nur das Übliche eben. Das Zanderfilet vom Grill mit weißem Tomatenschaum, Blattspinat und Petersilienkartoffeln (16,80 €) eröffnete sodann den Reigen der Hauptgerichte. Drei zart angebratene Fischstücke auf dem sehr fein schmeckenden Spinatgemüse dekorativ angerichtet, dazu noch frische Pfifferlinge, geschmorte Kirschtomaten, das Ganze vom Spiegel der weißen, zart gewürzten, schaumigen Sauce umgeben, von der noch eine Portion dazugereicht wurde, wie dies übrigens bei allen Gerichten mit Sauce der Fall war. Für Auge und Gaumen ein Genuss! Auch der Rehrücken ( 20,80 €) bestach durch erste Qualität; da aus eigener Jagd stammend, war das fast zu vermuten. Das Fleisch zart rosa gebraten, die Scheiben fächerartig auf Apfelscheiben „gebettet“, dazu Pfiffer, selbstgemachte Schupfnudeln und Spätzle in großer Menge und eine delikate Wacholderrahmsauce, alles sehr gut im Geschmack. Das Rumpsteak vom Angusrind an Cognac-Pfeffersauce, dazu Kartoffelgratin (16,80 €) überzeugte ebenfalls: ein ordentlich großes Stück Fleisch, sehr zart auf den Punkt gebraten, das Gratin in einer Extraform noch brodelnd mit ansprechender Kruste an den Tisch gebracht. Genauso zufrieden war, wer das Filetsteak vom Boeuf de Hohenlohe in der Kräuterkruste mit frischen Pfifferlingen, Frischgemüse und Kartoffelgratin (20,80 €) bestellt hatte. Das Fleisch war medium, wie gewünscht, und wunderbar zart. Die würzige Kräuterkruste ergänzte den Geschmack sehr gut, und das knackige Beilagengemüse ( Bohnen, Karotten und Brokkoli) sowie die gebratenen Pilze passten ideal dazu. Auch der Lammliebhaber kam auf seine Kosten: das geschmorte Lammhäxle in Thymiansauce, Bohnencassoulet und Kartoffelrösti (14,80 €) wird in seiner Art nicht eben häufig angeboten, und die Küche tat einiges, um dieses Stück des von nicht jedermann kulinarisch geliebten Tieres zu guter Geltung zu bringen. Zum einen wurde, vom Knochen abgelöst, ein qualitativ vorzügliches, weiches Fleisch geboten, und zwar von beträchtlicher Größe, zum anderen eine feine Thymiansauce beigegeben, die sich sehr harmonisch mit dem Geschmack des Fleisches verband; das Gemüse breiter Bohnen und etwas Tomate mundete bestens dazu. Aber auch fleischlos versteht man zu kochen; die selbstgemachten Nudeln mit frischen Pfifferlingen in Kräuterrahm (12,80 €) begeisterten schon optisch. Mit geschmälzten kleinen Tomaten und Petersilie garniert, wurde die üppige Portion im tiefen Teller angerichtet. Der Geschmack hielt, was der verführerische Duft versprach: Die punktgenau al dente gekochten Bandnudeln waren von einer feinen Rahmsauce umhüllt, die die zahlreich darin enthaltenen Pfifferlinge zu einem würzigen Genuss machten. Und noch ein Extrakompliment an die leistungsfähige Küche, denn die 6 verschiedenen Speisen wurden nahezu zeitgleich serviert!
Zu den Getränken: Pils vom Stuttgarter Hofbräu, sehr gepflegt, 0,4l für 2,60 €, Haberschlachter Heuchelberg Trollinger trocken 0,25 l für 4 €, sehr gut zum Wild passend, der trockene Riesling kernig und süffig. Das Kirschwasser (2,30 €) sehr intensiv im Geruch, etwas zurückhaltender im Geschmack, der Schlehengeist (3 €) mit mildem Fruchtgeschmack, die Williamsbirne (2,50 €) aromatisch und mild. Von den verlockenden Desserts versuchten wir dann noch das Erdbeersorbet auf Vollmilchjoghurt (2,80 €), etwas für den Kalorienbewussten, den Früchtbecher mit wirklich frischem Obst der Saison (4,20 €) und eine ausgezeichnete crème brûlée mit frischen Beeren und Erdbeersorbet, die ihre 6,80 € wirklich wert war. Fazit: rundum alles bestens. Und falls ein größeres Fest anstehen sollte, ist man für dessen Organisation inklusive Rahmenprogramm im Rössle bestens gerüstet, auf Wunsch sogar in einer stimmungsvollen Jagdhütte am Waldrand.
Landhotel Rössle, Familie Sperr, Ortsstraße 22, 74597 Stimpfach-Rechenberg
Tel.07967 9004-0, Fax 07967 1387,
info@roessle-rechenberg.de,
www.roessle-rechenberg.de
Öffnungszeiten: Mo - Sa 11 Uhr 30 – 14 und 18-24 Uhr, So 11-16 Uhr, jeden 2.und 4. Sonntag im Monat Ruhetag
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