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„Kleines Hotel – großer Genuss“, mit diesem Slogan bewerben Jutta und Matthias Mack ihr Haus, und treffender können auch wir den dort gewonnenen Eindruck kaum formulieren. Die Suche nach einer neuen gastronomischen Empfehlung führte uns mal wieder ins Hohenloher Land. Nur eine Viertelstunde von Crailsheim in Richtung Bad Mergentheim muss man fahren um nach Rot am See (den man allerdings vergeblich suchen wird, da er nur noch im Ortsnamen aber nicht mehr in natura vorhanden ist) zu gelangen. Dort folgt man den großen Schildern und wird – unerwartet - mitten in ein Wohngebiet geleitet. Die etwas versteckte Lage erklärt sich durch die Entstehungsgeschichte des Hauses, denn die Eltern des jetzigen Eigentümers führten dort schon lange das ortsbekannte Café Mack. 1972 kam dann ein Gäste-haus dazu, 1994 übernahm der Sohn den Betrieb, baute um und nannte das Hotel „Landhaus Hohenlohe“. Der neue Name sollte vor allem auch die Verwechslung mit dem ebenfalls ortsansässigen „Landgasthof Mack“ ausschließen, also bitte aufpassen! Die Idee, in den neuen Räumen eine gemütliche Wirtschaft mit gut bürgerlicher Küche und ein etwas gehobeneres Restaurant namens Casalinga mit einer Gourmetkarte anzubieten, wurde allerdings mittlerweile aufgegeben, man fand heraus, dass sich der zweigleisige Ablauf als zu kompliziert erwies. Das Restaurant wurde in die Wirtsstube verlegt, bei der Auswahl der Speisen setzt man nun im Bereich der warmen Gerichte auf die anspruchsvolle Küche, denn die hat Matthias Mack nach einer Ausbildung in Plochingen und Lehr- und Wanderjahren, die ihn u.a. nach Bern und ins Tessin führten, gelernt, und dieses Können möchte er auch zeigen. Von vielen lobenden Erwähnungen in der Fachpresse sei hier nur stellvertretend eine besonders wichtige genannt: 14 von 20 Hauben im renommierten Gastroführer „Gault Millau“ hat er sich schon erworben und zählt damit zur „Oberliga“ der deutschen Küchenkunst. Unterstützt wird er im Service von seiner Frau Jutta, die u.a. im Hotel Traube in Tonbach ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau absolvierte und uns zusammen mit anderen sehr freundlichen jungen Damen nett bediente.
Ansprechendes Ambiente
Betritt man das Hotel, so gelangt man in wenigen Schritten – geradeaus an der Rezeption vorbei – zu den sehr einladend gestalteten Gasträumen. Alles, was zu einer traditionellen Wirtsstube gehört, wird man dort finden: den Tresen, den Stammtisch, sogar ein Klavier und einen offenen Kamin, aber alles ein wenig schlichter, edler und einfallsreicher gestaltet, als so allgemein üblich. Eine dunkelgrüne Wandvertäfelung, dazu Tische und Hochlehnstühle kontrastreich in hellem Holz, weiße Hängelampen, die dezent ausleuchten, der Eckkamin platzsparend aber nicht minder wirkungsvoll, keine überflüssige Dekoration – das alles wirkt wohltuend ruhig und gepflegt. In der warmen Jahreszeit gibt es auch einige Terrassenplätze draußen.
Kleine, aber feine Karte
Die alle 3 – 4 Wochen wechselnde Speisekarte bietet für jede Geschmacksrichtung etwas, die Auswahl fällt bei all den verlockend klingenden Gerichten dennoch nicht leicht. Traditionell-modern-hohenlohisch-mediterran: mit diesen Schlagworten beschreibt der Küchenchef seine Kreationen, und wir konnten uns davon überzeugen, dass diese Mischung stimmt. Wer sich so gar nicht für ein bestimmtes Gericht entscheiden mag, hat übrigens auch die Möglichkeit, ein 3-5gängiges Überraschungsmenü (38-55 €) zu bestellen. Dabei gibt der Gast nur an, was er nicht mag, vielleicht auch, was er besonders schätzt, und überlässt den Rest der Küche. Das Ganze muss auch nicht vorbestellt werden, nur sollte es tischweise einheitlich geordert werden, damit Service und Küche auch wirklich den perfekten Ablauf garantieren können.
Wir wollten allerdings möglichst viele verschiedene Speisen versuchen und wählten à la carte zunächst eine Vorspeise. Der noch zuvor gereichte Gruß des Hauses, eine hauchdünne Schweinefleischscheibe mit Thunfischsauce, knusprig-warmem Baguette und einem Trio aus gesalzener Butter, gestoßenem Pfeffer und schwarzem, grobkörnigem Salz als Beilage schmeckte bereits köstlich, der danach servierte Rucola in altem Balsamico mit knusprigem Gouda und gebratenen Steinpilzen (9,50 €) tat es nicht minder. Sehr feines Öl nahm dem Salat gerade so viel von der Bitterkeit, dass er das feine Pilzaroma auch noch zur Geltung kommen ließ, der sirupähnliche Balsamico war dekorativ in Tupfen auf dem Tellerrand verteilt und konnte so nach Belieben vermischt werden, ein krosses Käsegitter passte nicht nur fürs Auge gut dazu. Auch das Süppchen von Butternusskürbis mit Kernöl und süß-salzigen Kernen (6 €) war ein sehr feiner Auftakt: die cremige Suppe wurde mit extra gereichten, knusprig süß-salzig karamellisierten Sonnenblumenkernen serviert, sehr gut, denn so weichten sie nicht schon vorher auf. Ebenfalls ein Gedicht waren die Mascarponeravioli mit Steinpilzen und Salbei (11 €), die auch als Hauptgericht für den kleinen Hunger geeignet sind: im tiefen Teller und in sahniger Pilzmischung liegend, war jedes Stück der gefüllten Teigwaren ein Genuss für sich. Von den Hauptgerichten, die übrigens weitgehend auch in kleineren Portionen als Zwischengericht angeboten werden, versuchten wir die Kalbsleber in altem Balsamico mit Quittensugo und Püree von Süßkartoffeln (18 €). Das Gericht, das auf die an sich traditionelle Kombination von Leber und Kartoffelbrei zurückgeht, wird durch ein paar Zutaten bzw. Varianten zu einer Feinschmeckerköstlichkeit. Der edle Balsamico und der mit kleinen Fruchtstückchen angereicherte Quittensugo sind die auffälligsten und geschmacklich entscheidenden Veränderungen gegenüber der konventionellen Zubereitung. Aber auch die Wahl der Süßkartoffel trägt zum Raffinement dieses Gaumenschmauses bei, der aber selbstverständlich in erster Linie vom vorzüglichen, weichen Fleisch der dezent gewürzten Leber bestimmt wird. Die regionale Alltagsküche wird auch nicht vergessen, wofür in unserem Fall die in Schwaben heißgeliebten Linsen mit Spätzle und Saitenwürstchen mit geröstetem Speck (9,50 €) stehen. Die schmackhaft-knackigen „Wienerle“ (wie sie bei uns hier heißen würden) mit kross gebratenen, dünnen Speckscheiben belegt und auf fein-säuerliches Linsengemüse gebettet, werden von goldgelben, hausgemachten Spatzen begleitet – eine Kombination, die bestimmt auch jeden kritischen Landsmann zufrieden stellt. Ein sehr gutes Stück Fleisch bekam auch der serviert, der Rostbraten in Rotweinschalotten mit Thymianbohnen und Bratkartoffeln (18 €) bestellt hatte. Medium gebraten, wie gewünscht, zerging es wirklich fast auf der Zunge, und die sehr gut harmonierenden Rotweinschalotten ließen den Esser die üblicherweise dazu angebotenen Röstzwiebeln völlig vergessen. Wer nicht unbedingt Fleisch möchte, findet auch bei Geflügel das Passende: Entenkeule mit Orangenpfeffer aus dem Ofen an karamellisiertem Weißkraut und Maronengnocchi (20 €): zwei zartgebratene, aber trotzdem knusprige Entenunterkeulen mit feiner Soße; das süßliche Weißkraut harmonierte sehr gut mit den nur dezent nach Maronen schmeckenden Gnocchi. Alles wurde natürlich auch optisch sehr schön präsentiert.
Desserts für Genießer
Auch die abschließenden süßen Versuchungen waren ausgezeichnet. Vanilleeis mit warmen Himbeeren in Grand Marnier und gebackenes Mandelblatt (6,50 €), das hört sich nicht nur gut an, sondern schmeckte auch so, genauso wie die karamellisierten Apfelküchle in Zimtzucker mit Vanilleeis (6 oder 8 €, je nach Portionsgröße). Erwähnenswert ist, dass sogar Sahne, wenn sie auf etwas andere Art geschlagen und in Klößchenform serviert wird, einen besonderen Geschmack erhält. Wer es nicht süß mag, der bestelle sich als Nachtisch Rohmilchkäse mit Olivenöl und hausgemachtem Chutney (9 €), eine große Portion, die bei mäßigem Appetit eine vollständige Mahlzeit bildet. 6 verschiedene Käsesorten: drei sehr milde bis kräftige Hohenlohische Rohmilchweichkäse, eine feste, sehr würzige Käseecke ebenfalls aus der Region sowie ein ganz alter Gouda, der vorzüglich zum Tomatenchutney passte, und noch ein guter Parmesan am Stück, dazu verschiedene Brotsorten, Butter und feines Olivenöl. Ein milder Apfelbrand (4 €) , den wir aus dem großen Angebot edler Geiste aussuchten, rundete gelungen ab.
Umfangreiches Weinlager
Wir konnten nur wenig davon probieren, doch soll der besondere Wert, der im Haus auf den gut sortierten Weinkeller gelegt wird, nicht unerwähnt bleiben. Württemberger (wir tranken eine Flasche einer hervorragenden Württemberger Spätburgunder Spätlese für allerdings stattliche 39 €) und Frankenweine ausgewählter Weingüter, dazu europäische Weine italienischer und französischer Anbieter, genaue Herkunftsadressen finden sich für den Interessierten auf der Internetseite. Dort sind auch Informationen zu finden über Kochkurse, die Herr Mack leitet, und das Cateringangebot. Fazit: besonders gut und für den besonderen Anlass, und falls Sie demnächst einen Besuch dort planen, bitte vorher anfragen: Anfang Januar sind Betriebsferien.
Öffnungszeiten:
Hotelrezeption besetzt von Di – So 8 – 14 Uhr und 16Uhr 30 – 22 Uhr
Restaurant Mi – So 11 Uhr 45 –13 Uhr 30 und 18 – 21 Uhr 30
Landhaus Hohenlohe, Erlenweg 24, 74585 Rot am See, Tel.07955/93100,
Fax 07955/931093
info@landhaus-hohenlohe.de,
www.landhaus-hohenlohe.de
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