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Lange war es geschlossen, das stattliche dunkelrote Fachwerkhaus gleich vor dem Tor zur Altstadt Wassertrüdingens, in dem sich früher das renommierte Gasthaus Ente befand. Doch nun hat das verwaiste Anwesen seit April dieses Jahres einen neuen Eigentümer und wir waren gespannt, was sich dort seitdem getan hat. Harald Seebauer hat es nach der „Krone von Oettingen“ und dem „Gut Wildbad“ in Wemding als 3. Haus in seine Gruppe der Seebauer-Hotels eingegliedert. Er stammt aus einer Hoteliersfamilie mit über 120-jähriger Tradition und wird in mehreren Schritten das Haus renovieren und umgestalten. Zuerst wurden die 28 Zimmer des langgezogenen Hoteltraktes, der an die Rückseite des fränkischen Gasthauses angebaut ist, modernisiert und aufgefrischt. Nach einigen Überlegungen entschloss man sich auch, gleich ein kleines, öffentliches Restaurant einzurichten, das sich nun im Untergeschoss des Hotelanbaus befindet. Ein davor liegender, teilweise überdachter Hof wurde, freilich etwas provisorisch wirkend, zum Biergarten umfunktioniert. Es ist beabsichtigt, den ursprünglichen Gasthausbau, der nach wie vor geschlossen ist, wieder zu neuem Leben zu erwecken und auch den Biergarten auf den sehr schönen Platz vor diesem Haus zu verlegen, sicher wird dann das Ambiente weitaus stimmiger sein.
Das „Küchenwunder“
Aber wir waren ja vor allem auf die Küche neugierig, die erst einige Wochen zuvor in Betrieb genommen worden war, auch sie hat momentan noch nicht ihren endgültigen Platz, präsentierte sich aber bereits jetzt in guter Form, denn der junge Koch aus Dillingen, der uns verköstigte, zauberte auf kleinstem Raum Beachtliches auf unsere Teller! Nach seiner 3-jährigen Ausbildung ist er seit Juni zusammen mit seinem Chef, Herrn Seebauer, für das leibliche Wohl der Gäste verantwortlich, bei unserem Besuch arbeitete er ganz allein, (sein Chef betreute andernorts eine Hochzeitsgesellschaft), und das machte er wirklich sorgfältig und gut; hatten wir ihn doch mit 7 unterschiedlichen Gerichten, die zwar nicht gleichzeitig, aber doch alle in schneller Folge kamen, ziemlich gefordert. Von der (wechselnden) Tageskarte, die der Speise-kartenmappe beigelegt war, versuchten wir zur Einstimmung auf einen lauen Sommerabend den Aperitif des Tages: „Bellini“ für moderate 2,99 €, Sekt mit Pfirsichsaft und –stückchen, harmonisch abgestimmt und sehr erfrischend. Dann überraschte man uns mit einem großzügigen Gruß des Hauses: eine normale Portion sommerlicher Tomatencremesuppe mit feinen Lauchstreifen und eingerührtem Sahneklecks, wohlschmeckend fruchtig, nur grob passiert und leicht scharf, da mit Pfeffer und Chili kräftig, aber durchaus verträglich gewürzt. Auch wer diese Suppe nicht essen wollte oder konnte, wurde mit einem Alternativangebot bedacht, einem kleinen Salat, eine nette Geste. Wir wurden bei der Bestellung auf die kommende Aufmerksamkeit zwar hingewiesen, trotzdem ließen sich nicht alle abschrecken, noch eine weitere Suppe zu probieren. Und so testeten wir auch die „Creme-suppe von frischen Champignons, verfeinert mit etwas Riesling und einem Sahnehäubchen, mit Kräutercroutons“ (3,20 €). Auch sie war sehr gut gewürzt, die Pilze allerdings etwas zu lange gekocht, so dass sie von nicht mehr wirklich frischer Konsistenz waren. Sehr gut machte sich allerdings hier der rote Pfeffer, der zum Abschluss in ganzen Körnern über die Suppe gestreut worden war. Der frische Marktsalat (die kleine Portion, aber durchaus als Vorspeise genug, für 3,20 €) bot die ganze Farben- und Geschmackspalette des Hochsommers: bunte Salatblätter, Gurkenscheibchen, Tomatenspalten, gestifteter Sellerie, gehobelter Rettich und Blumenkohlröschen. Dazu eine sehr gute, leicht süße Essig-Ölsauce, die man uns – aber erst auf Nachfrage – statt des wohl üblicherweise servierten Joghurtdressings offerierte.
Gut gewürzt und fein im Geschmack
Auf diesen Nenner waren eigentlich alle von uns gewählten Gerichte zu bringen. Putenmedaillons auf Currysauce mit Kartoffelplätzchen (12,50 €) zum Beispiel, die aber doch vielleicht zu dem eigentlich vorgesehenen Mandelreis noch besser gepasst hätten. Auch das gegrillte Putensteak auf einer Ananas-Sahnesauce mit gegrillter Flugananas und Pfeffergemüse (12,90 €) – auf Wunsch mit Kräuterkartoffeln statt der ausgewiesenen Kartoffelkrapfen serviert – entsprach in jeder Hinsicht der Erwartung des Gastes auf ein leichtes Sommergericht, wobei die noch warme, saftige Ananasspalte das erhoffte fruchtig-süße Pendant zu den feurigen roten Pfefferkörnern des Bohnen-Maisgemüses bildete. Zum gleichen Preis gab es das gegrillte Wildlachsfilet auf Calvados-Butterschaum mit feinem Buttergemüse, Krusteln, Kräuterkartoffeln. Der Fisch schmeckte angenehm und herzhaft mit harmonisch abgestimmter Sauce, die ideale Abrundung dazu ein trockener Franken-Silvaner, doch zu den Getränken später. Rigatoni „Räucherlachs“ (9,50 €), das waren dünne Streifen vom skandinavischen Räucherlachs auf italienischen Rigatoni in feiner Zwiebel-Kräutercreme: die geschmackliche Feinabstimmung der Würzzutaten ließ tatsächlich keine Wünsche übrig. Ein paar obenauf gelegte Johannisbeertrauben ergaben zusätzlich einen geschmacklich und farblich gelungenen Kontrast. Das Rumpsteak auf Cognac-Pfefferchen mit Kartoffelkrusteln und kleinem Gemüse (13,90 €) war medium gebraten, wie gewünscht, dazu eine gute und passende Sauce mit erwähntem Cognac und Pfeffer. Die Krusteln ähnelten Kroketten ohne Panade, waren ebenso im Fett ausgebacken, etwas üppig, aber zum mageren Steak in Ordnung. Als „Schweine-Glück“ für 12,50 € entpuppten sich Schweinemedaillons in reicher Ausstattung mit einer Auflage von Tomaten- und Camembertwürfeln, überbacken mit Sauce Hollandaise. Das zarte Fleisch schmeckte in dieser Form ausgesprochen apart, dazu gab es diverse Gemüsebeilagen, wobei die fein geschnittenen, unaufdringlich schmeckenden Sel-leriestreifen zunächst Rätsel aufgaben; den – wie zu erwarten – hausgemachten Kartoffelrösti mit Kräuterschmand hätte aber etwas weniger „Röstung“ gut getan. Und noch eine kleine Kritik: Ein wenig dünn waren die „Rindermedaillons vom Rost“, die auch der beste Koch darum kaum hätte „medium“ braten können, wie es gewünscht war. Sie garten auf dem Teller nach und waren dann halt „durch“. Auch hierzu gab es gepfefferten Cognac-Champignonrahm, fein geschnittenes Ge-müse, etwas fettige Kartoffelkrusten und noch Speckbratkartoffeln (14,99 €!). Alles sehr stimmig.
Danach und dazu…
gab es natürlich ein Dessert und die Getränke. Auf der Tageskarte wurden Crêpes mit Vanilleeis und einer fruchtigen Sauce angeboten, erfrischend und leicht. Auf Wunsch wurde auch noch Eis in den drei Standardsorten, nett dekoriert mit Sahnetupfen, Beeren und Walnüssen, gereicht, ein weiteres Angebot auf der Karte fehlt. Der oben schon erwähnte Frankenwein „Castell-Castell“, Silvaner trocken vom fürstlichen Weingut Castell wird eigentlich nur in Flaschen (19,50 € für 0,75 l) angeboten, uns wurde er aber auch im Glas serviert und schmeckte fruchtig-spritzig, harmonisch abgerundet. Auch der Merlot 2005 für 4,20 € 0,25 l überzeugte, weich und rund, nicht nur, wie empfohlen, zu Fleischgerichten und Hartkäse, sondern auch zum Nudel-Lachsgericht ein Genuss. Im übrigen ist das Weinangebot ausgesprochen reichhaltig. Die Bezugsquelle für Schnäpse ist noch im Aufbau, deshalb wurden nur Obstler und Williams Christbirne angeboten, letztere rassig fruchtig. Das Bier wird von der Brauerei Oettinger bezogen, im Ausschank das Pils, das es aus der Flasche auch alkoholfrei gibt (0,5 l 2,70€).
Unterm Strich
Die „Ente“ ist noch nicht perfekt, aber das Essen schmeckt. Bedient wurden wir sehr freundlich und locker vom neuen Restaurantleiter, auch spezielle Wünsche waren kein Problem. Sonderaktionen gibt es auch, z.B. donnerstags ab 18 Uhr Schnitzelbuffet oder sonntags ab 11 Uhr Familienbuffet mit attraktiven Preisnachlässen für Kinder. Hoffen wir, dass alle angedachten Ideen verwirklicht werden, das täte vor allem Wassertrüdingen gut.
Seebauer-Hotel „ Die Ente von Wassertrüdingen“, Dinkelsbühler Str. 1, 91717 Wassertrüdingen, Tel. 09832-708070, e-mail: ente@seebauer-hotels.de,
www.seebauer-hotels.de
Öffnungszeiten Restaurant: Mo.-Fr. ab 17 Uhr, Sa. u. So. ab 8 Uhr
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