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Traditionen haben ihr Gutes: man weiß, was einen erwartet und kann sich im besten Fall schon im Vorhinein freuen. Warum also nicht einmal eine bewährte und auch sicherlich bekannte gastronomische Adresse aufsuchen und darüber berichten? So kamen wir zum Landwehrbräu in Reichelshofen. Einen guten Ruf hat der Gasthof in der Nähe von Rothenburg schon lange, und die Anfahrt ist, wenn man die A7 bei der Ausfahrt Bad Windsheim verlässt, mit ca. 45 Minuten auch nicht allzu weit. Vielleicht kann man ja auch einen Tagesausflug mit Besuch der Therme oder des Rothenburger Weihnachtsmarktes daraus machen. Im Sommer lockt ein schöner Biergarten an der Eingangsseite.
Geschichtsträchtiges Haus
Der behäbige, große Gasthofbau mit schönem Fachwerkgiebel liegt direkt an der alten Poststrasse von Rothenburg nach Würzburg und wurde daher in seinen Ursprungszeiten, die bis in das Jahr 1387 zurückreichen, als Poststation und Ausspanne für die Pferde genutzt. 1755 wurde auf gleichem Grund noch eine Brauerei gegründet, die der Großvater des jetzigen Besitzers Wilhelm Wörner im Jahr 1913 kaufte. Sie wurde, wie auch das Haus, im Laufe vieler Jahre erweitert und vergrößert, heute ist man auf dem modernsten Stand der Brautechnik und liefert die Biere des Landwehrbräu hauptsächlich in den Nürnberger Raum. Die Verschiebung der Verkehrsströme durch den Autobahnbau brachte wieder mehr Ruhe für die Gäste und wirkte sich positiv aus.
Gediegenes Ambiente
Seit 45 Jahren kümmert sich Wilhelm Wörner um sein Haus, das mittlerweile zur Gruppe der „Flair Hotels“ gehört, und hat es nicht versäumt, mit der Zeit zu gehen, ohne jedoch die qualitätsvolle und gemütliche Landhausatmosphäre der Gasträume zu opfern. 3 abgeschlossene, elegante Räume für kleine oder größere Gesellschaften oder Tagungen hat das Haus, und 4 Restaurantbereiche bieten sich an, alle geschmackvoll mit innenarchitektonisch sicherer Hand eingerichtet. Ob im kleinen Biedermeierzimmer, im Fichtenstübchen oder in den beiden größeren, mit dunk-lem Holz getäfelten Speiseräumen mit gedämpfter Tischbeleuchtung – man wird sich sofort wohlfühlen. Warme und harmonisch aufeinander abgestimmte Farben bei Kissen, Polstern, Gardinen, und Lampenschirmen, passende Wanddekorationen und hübscher Tischschmuck aus echten (!) Blumen, das tut den Augen gut.
Qualität auf dem Teller
Die reiche Auswahl an bewährten Klassikern der Gastronomie wie auch an saisonalen Besonderheiten auf der Speisekarte lässt deren Studium etwas länger dauern; natürlich ist für jeden Geschmack etwas geboten. Auf einen kulinarischen Gruß des Hauses warteten wir (leider) vergebens, darum fingen wir mit einer Suppe zur Vorspeise an. Die Tagessuppe (3,50€), eine Erbsencremesuppe mit röschen Croûtons, war fein und dezent, von richtiger Konsistenz, ebenso die Meerrettich-Sahne-Suppe (4€). Die gehobelten Streifen von frischem Meerrettich darüber hätten ruhig noch etwas zahlreicher sein dürfen oder zur Selbstbedienung noch separat dazu gereicht werden können, dies vielleicht als Anregung für den Koch. Die klare Tafelspitzbrühe mit Grieß- und Backklößchen (3,90€) hatte einen guten, kräftigen Geschmack, die eingelegten Beigaben dagegen hätten noch Würze gebraucht. Von den Gerichten der Saison wählten wir den gebackenen Karpfen mit Salatteller (14€). Dazu braucht man nicht viel zu sagen, denn er war rundum gut, so wie er sein soll: heiß, knusprig und frisch in zarter Panade und in gutem Fett gebraten, allerdings sehr mild, dafür war die vielfältige Salatmischung sehr gut abgeschmeckt. Auch Kalbsleber bekommt man nicht immer und überall – die hier gewählte nach „Berliner Art“ mit gebratenen Apfelscheiben, Röstzwiebeln und Kartoffelpüree (16,60€) überzeugte den Esser: drei schöne Stücke Leber, zartrosa gebraten. Mit der nicht angekündigten Soße hätte man an der Grenze zu Baden-Württemberg wohl rechnen müssen, dennoch wäre sie in einer kleinen Sauciere besser aufgehoben gewesen; zum Glück hatte sie die sehr guten Röstzwiebeln beim Servieren noch nicht erreicht, so dass diese schön knusprig waren. Die zur Jahreszeit passenden Hirschrückenmedaillons auf Wacholderrahmsoße mit glasierten Maronen, Selleriepüree und Preiselbeerküchle (22,90€) sind ebenfalls zu empfehlen. Bei dem Gericht mit zwei zart medium gebratenen Medaillons waren besonders die Beilagen interessant, vor allem die angenehm dünnen Kartoffelpuffer mit der sehr fruchtigen Preiselbeerbeimischung. Die würzige Soße, fein abgestimmt mit den zart glasierten Maronen, hatte dazu genau die richtige Konsistenz. Von einem Filetsteak verspricht man sich in erster Linie ein ausgezeichnetes Stück Fleisch, und das bestellte vom Angus-Rind auf Pfeffersoße mit Kartoffel-Lauch-Gratin und Salat (22,50€) erfüllte diese Erwartungen bestens. Das Filet wunderbar zart und wunschgemäß medium gebraten, die Soße mit der passenden Schärfe und dazu das mit Käse überbackene milde Kartoffel-Lauchgemüse - perfekt! Auch Schweinelendchen in Rahmsoße mit Champignons, hausgemachten Spätzle und Salat (15,60€) sind beliebt: hier waren die Lendenscheiben schön rösch angebraten, aber leider nicht mehr rosa; die sehr dicke Soße mit gutem, aber dominantem Geschmack überlagerte etwas die übrigen Zutaten. Ein gutes Essen, aber auch nicht mehr. Für den großen Hunger sei der Bierkutscherteller (16,50€) angeraten. Er besteht aus je zwei Schweine- und Rinderlendenstückchen sowie drei kross gebratenen Scheiben Speck, einem halben Bratwürstchen und Grilltomaten, dazu eine Dunkelbiersoße und Bratkartoffeln. Das ausgezeichnete Fleisch schmeckte gut, die Röstkartoffeln auch, nur hätten sie etwas knuspriger sein dürfen. Die Soße mit dem angenehm sanften, aber trotzdem wahrnehmbaren Biergeschmack harmonierte sehr gut mit dem Rest – ein gelungenes Gericht, dem aber irgendwo der nötige „Pfiff“ fehlte. Die begleitenden Getränke waren allesamt tadellos: das bekannt süffige Landwehrpils, das alkoholfreie, etwas süß schmeckende Gutmann Weizenbier (2,90€), ein Gedicht der samtig-sanfte, aber dennoch trockene Rödelseer Küchenmeister Dornfelder (0,25l für 5,20€) und auch der Quittengeist (0,2cl 3,90€) mit seinem wunderbar milden Aroma. Auch die Nachtischliebhaber werden im Landwehrbräu etwas finden – da sei besonders die nette Idee der „Mini-Desserts“ erwähnt, wo man z.B. eine kleine Schale Crème Brûlée, garniert mit einigen Keksen für 3,10 € erhält, eine Portion, die eigentlich immer noch „hineinpasst“. Wer es üppiger mag, bekommt diese auch im Verbund mit anderen Köstlichkeiten wie Mousse au Chocolat und Himbeersoße (dann 6,90€). Sehr schön angerichtet, mit intensivem Schokoladengeschmack, eine schöne Karamelkruste auf der Creme mit echter Vanille und dazu die besonders schmackhafte, nicht zu süße Himbeersoße. Auch die fränkischen Apfelküchle in Bierteig mit Vanilleeis (6,20€) waren reichlich und gut, hätten allerdings (nach Wahl) noch etwas Zucker vertragen.
Bedient wurden wir…….
… von Fernando, der nicht nur eine eigene Überschrift sondern ein paar Zeilen mehr verdient. Als junger Mann, kaum der deutschen Sprache mächtig, kam er aus Nordspanien nach Rothenburg, um dort das Gastgewerbe zu erlernen. Er sprach 1974 bei Wörners vor, wurde genommen und ist seitdem zu einer Seele des Hauses geworden, so jedenfalls unser Eindruck. Seine Pläne, in seiner galizischen Heimatstadt Vigo einmal ein eigenes Restaurant zu gründen, steckte er zugunsten einer Familiengründung in Reichelshofen auf. Humorvoll (und auch der fränkischen Mundart mächtig), freundlich und umsichtig umsorgte er uns am Tisch. Ein weiterer „Wohlfühlfaktor“!
Empfehlung
„Man muss lange gut arbeiten“, sagte uns Herr Wörner auf unsere Frage nach seinem Erfolg, so simpel und doch oft so schwierig ist das (nicht nur) in der Gastronomie. 2 Köche, ein Chefkoch und mehrere Auszubildende tun das in der Küche, und wir hatten unsere Freude daran. Eine Reservierung, vor allem am Wochenende, ist angeraten.
Brauerei Gasthof Landwehrbräu
Familie Wörner/ Roland Hausmann
91628 Reichelshofen bei Rothenburg o.T.
Tel. 09865 9890, Fax 09865 989686, E-mail: hotel@landwehr-braeu.de, www.landwehr-braeu.de
Kein Ruhetag! Restaurant geöffnet von 11-14 Uhr und 17Uhr 30–21 Uhr
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