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Von Rotenburg an der Fulda nach Dinkelsbühl an der Wörnitz – Reinhold Löfflers Bildmontagen im Haus der Geschichte
Zur Erinnerung zitieren wir aus unserer Dezember-Nummer 2007: „Mit drei Seiten aus ‚Bild am Sonntag‘ vom 2. September 2007 wurden wir darauf aufmerksam gemacht: ‚Mona Merkel und Joschka Fischer im Hemdchen, Reinhold Löffler aus Dinkelsbühl ist Verfremder. Er montiert Köpfe von Prominenten der Gegenwart in alte Bilder. Jetzt werden seine ebenso witzigen wie frechen Manipulationen ausgestellt.‘“ Diese Meldung bezog sich auf eine Ausstellung in Rotenburg an der Fulda, betreut von Prof. Dr. Walther Keim, der in Deutschland als der „Karikaturpapst“ gilt.
Wir reagierten mit einem ausführlichen Bericht über die Entwicklung der Zeichnungen und Karikaturen Löfflers und sprachen darin die Hoffnung aus, dass die Ausstellung eines Tages auch in Dinkelsbühl zu sehen sein wird. Nun ist es so weit; Funkfeuer-Verlag und Historischer Verein Alt-Dinkelsbühl zeigen die Ausstellung mit über 50 großformatigen „Ins-Bild-geschlichen“-Arbeiten Reinhold Löfflers vom 11. März bis Mitte Juni im Haus der Geschichte täglich von 10 bis 17 Uhr. Bei der Vernissage am Mittwoch, den 11. März hält Professor Keim den Einführungsvortrag. Wir baten Professor Keim um einen Beitrag zur Ausstellung für Funkfeuer. Dafür, dass er dazu freundlicherweise sofort bereit war, bedanken wir uns vielmals.
Schon Reinhold Löfflers erste Collagen-Ausstellung während der Rotenburger Karikade im Herbst 2007 war ein Publikumsmagnet. Inzwischen besitzen sein Buch und seine Ausstellung mit dem Titel „Ins Bild geschlichen“ Bestseller-Qualitäten und Kuriositätenwert. Löfflers Porträtgalerie, die in Kürze auch die Dinkelsbühler erfreuen wird, kennt keine Flaute. Sie hat Konjunktur. Seine Bildgestaltungen in Richtung des humoristischen, des komischen Bildes haben den Markt erobert. Schon wenige Monate nach seinem Erscheinen im Münchner Sandmann Verlag lief die zweite Auflage des Bild- und Textbandes durch die Druckmaschinen. Im Gewand der Komik und des Humors, liebenswürdig-ironisch und mit psychologischem Blick, voller geistreicher Anspielungen und voller brillanter Formassoziationen kommen Löfflers Porträts als intelligenter Spaß daher. Lustgewinn und Kultcharakter sind angesagt.
Inszenierungen und Tableaus werden mit Feinsinn präsentiert. Berühmtheiten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden ins Visier genommen. Helden und Maulhelden finden gleichermaßen Zuspruch. Vielfach angeregt und gefesselt wird die Neugier des Betrachters durch innovative Visualisierungen und Variationen.
Die Wirkungsmöglichkeiten doppelter Optik
Reinhold Löfflers Collage-Bilder vermitteln mit vitaler künstlerischer Gestaltungskraft eine doppelte Optik von Originalgemälden „alter Meister“ und Bildmanipulationen aktueller „Promis“. Spitzenmodelle wie Angela (Angie) Merkel als Mona Lisa, Guido Westerwelle als Cupido , Wladimir Putin als Schmied mit Hammer und Amboss, Barack Obama als neuer Hoffnungsträger stehen mitten im Labyrinth des Lebens. Genauer als jeder Börsenbericht und pfiffiger als manches Feuilleton dokumentieren Löfflers „Zerrbilder“ seine künstlerische Potenz, seine Moral und seine narrative Phantasie. Er bietet Weltblicke und Weltbilder, von Prinz Charles bis Nicolas Sarkozy oder Arnold Schwarzenegger. Bei ihm schleichen sich Großkomiker Hape Kerkeling ebenso ins Bild wie Joachim Löw oder die Rolling Stones. Reinhold Löfflers komponierte Bild-Satiren, die die Motive und das Vokabular der Bildsprache früherer Zeiten als Reservoir einsetzen und gekonnt mit der Fotomontage verbinden, wirken auch deshalb so unmittelbar, überzeugend und nachdenklich, weil sie nichts erfinden und dadurch die Glaubwürdigkeit seiner Kunst erhöhen.
Es ist ein Genuss, wie in den computergesteuerten Foto- und Bildmontagen Reinhold Löfflers die „Helden“ als Zeitzeug-nisse und Zeitgenossen mit Humor und Witz, mit Schmunzeln, Entspannung und Vergnügen ihre drapierte Identifizierung behalten. Viele führen dabei die Behauptung, das Leben sei ein Irrtum, ad absurdum.
Was Humor und Witz vermögen
Humor und Witz als Träger von Situations- und Charakterkomik, als Höhenflug der Muse und als menschliche und künstlerische Disposition sind ja nicht nur eine Waffe gegen Dummheit und Dünkel, sondern auch ein erfolgreicher Weg zu transzendenter Erkenntnis (die sonst oft unentdeckt bleibt). Mitunter kann man mit Humor sogar umsetzen, was man mit Philosophie nicht mehr erreichen kann. Schließlich steht schon in der Bibel, dass ein fröhlich Herz das Leben lustig macht, ein betrübter Mut das Gebein vertrocknet.
Bei Reinhold Löfflers Kunst sind weder Banalitäten noch Imperative zu Hause. Die Arbeiten des seit 1971 mit Familie in Dinkelsbühl lebenden Künstlers, der in vielen deutschen und ausländischen Zeitungen, Fachzeitschriften, Illustrierten, Büchern und besonders auch Schulbüchern veröffentlicht , sind weder doktrinär noch pathetisch, weder verletzend noch aggressiv. Hammer-Klischees bleiben vor der Tür. Spitzbübisch ist er dagegen gern, auch voller moralischem Mut. Mit seinem Blick hinter die Oberflächen und Äußerlichkeiten von Menschen und Gesellschaft verbindet sich die Fähigkeit zur gekonnten, klaren grafischen Umsetzung seiner Ideen, was das Verständnis für seine Aussagen oder Distanzen erleichtert. Gezeigt wird der Mensch, wie er ist, der Mensch in seiner ganzen Menschlichkeit.
Reinhold Löffler vermeidet es, die Norm des Ideal-Schönen mit dem Ideal-Hässlichen zu konfrontieren Er liebt, wie ich meine, das Grotesk-Spielerische, auch als ebenfalls nonkonformistisches Ausdrucksmittel, mit dem er weniger die Welt verändern als sie zu erheitern weiß. Ich denke, dass dieser lustvolle und listige Umgang mit dem Humor, mit dem bei Löffler Menschen und Situationen blitzartig auf den Punkt gebracht werden, auch für den Erfolg des Buches und der Ausstellung „Ins Bild geschlichen“ mitverantwortlich ist. Hinzu kommt die Fähigkeit, in einer immer komplizierteren Welt eine gute Kenntlichkeit zu stilisieren.
Ob Claudia Roth als Blumenmädchen, Marcel Reich-Ranicki als Spitzwegs Bücherwurm oder Franz Beckenbauer als Kaiser Franz, sie alle werden zu unserer Freude von Reinhold Löffler pfiffig, phantasievoll und unterhaltsam manipuliert. Erstaunlich, wie dabei etwa Botticellis streng stilisierte Formensprache oder Leonardos phantastische Dimensionen erhalten bleiben, wie Rubens‘ Bewegung der menschlichen Körper in der Verknüpfung von rauschender Fülle und temperamentvoller Pinselführung auch in der Spannung zwischen historischer Vorlage und aktueller Porträtierung nicht verloren geht.
In seltener Übereinstimmung verbinden Löfflers Exponate Humor und Ernst, Vergnügen und Erkenntnis miteinander. Mit einem zielsicheren Augenzwinkern können wir dabei kritische Verpackungen aufdecken, die zu Fremd- und Selbsterkenntnissen führen. „Dabei können“, so betont Dietrich Grünewald, „diese Impulse offenbar unmittelbar, fast reflexartig emotional wirken, können aber auch unseren kombinierenden, interpretierenden Intellekt ansprechen, gewissermaßen erst auf den zweiten Blick komisch wirken. Jedes Bildangebot ist eine Einheit von Form und Inhalt, wobei die humorvollen Impulse mal stärker von der Form (der Gestaltung), mal stärker vom Inhalt oder gleichgewichtig von beiden getragen werden.“ Bei Löfflers „Ins Bild geschlichen“ reflektieren die visuell betonten Kontraste im Spiel mit den bildnerischen Möglichkeiten durchaus auch Geschichte in Geschichten. Sie erlauben Bewertungen von verlässlichen oder weniger verlässlichen Mitspielern, stellen die Frage nach der oder dem Schönsten im Land.
Florett statt des Säbels
Reinhold Löffler gewichtet auch die Metamorphosen und die Titel und Rollen seiner „Helden“. Er stellt fest und bloß. Er adelt und tadelt. Er kleidet und verkleidet. Aber das alles ohne jegliche Besserwisserei, ohne Beleidigungen oder rote Karten. Auch die Texte von Ulrich Kühne folgen der bildlichen Situationskomik als Zusatzinformation und gelungene Leser-Lockung. Auch hier gilt ein Mitlachen, kein Auslachen. Auch hier gilt Biss und Witz, durchaus nicht meinungsscheu. Aber gefochten wird mit dem Florett, nicht mit dem Säbel. Wenn, dann im Grunde mit lachendem Zorn. Aber das auf illustrativem, transparentem Niveau.
Dem Betrachter und Leser schenkt das Löfflersche Buch so viel seelische Befreiung, dass er zugleich nach Don Quichotte und Sancho Pansa rufen möchte. Schließlich ist ja der Humor, so hat uns schon Immanuel Kant wissen lassen, neben der Hoffnung und dem Schlaf eine labende Quelle im Sandsturm des Lebens und als Göttergabe ein Gegengewicht gegen die Mühseligkeiten des Lebens.
Reinhold Löffler hat es in seinem Buch und seiner Ausstellung vermieden, verbissen zu sein. Er ist kein Wolf im Schafspelz. Mit demokratischem Innenklima zeichnet er die Menschheit als beinahe natürliche Clownerie, mit zu großen Schuhen, ausgeprägter Knollennase und karierten Hosen. Im Kern aber bleibt er ein „Ungläubiger Thomas“, der die Finger in die Wunden legt, „denn“, wie Johannes im 8. Kapitel seines Evangeliums sagt, „die Wahrheit wird frei machen.“
Reinhold Löffler, so wie ich ihn kenne, ist ein Künstler und eine Persönlichkeit voller geistiger Unabhängigkeit und Frische, mit künstlerischer und praktischer Begabung und freundlicher Besonnenheit. Er ist ein kluger und makelloser Moralist. Er arbeitet und zeichnet zuverlässig und präzise, mit prägnantem Strich und prägnantem Credo, im Alltag ebenso wie als Karikaturist und Cartoonist. Sein Buch und seine Ausstellung „Ins Bild geschlichen“ sind eine Quelle sui generis mit einer Aussagekraft, die nach Fortsetzung ruft. |