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>>> Museum
 
 
Stadtmuseum im Spital bietet viele Attraktionen
Crailsheim bereichert die Museumslandschaft
Moderne Technik und viel Atmosphäre
   
 
von Hermann Maier
   
 

"In der reizvollen Natur- und Kulturlandschaft Hohenlohe im Nordosten Baden-Württembergs (...) liegt Crailsheim. Dort gibt es ein Museum in einem mittelalterlichen Gebäudekomplex zu entdecken mit einer vielfältigen Sammlung, einem archäologischen Baudenkmal, abwechslungsreichen und neuartigen Präsentationsformen, auch für Kinder: das Stadtmuseum im Spital." So lautet der Text auf der ersten Seite des Museumsprospektes, der in seiner Gestaltung von der üblichen Form deutlich abweicht und Neugierde weckt.
Wer von Dinkelsbühl mit dem Auto in Richtung Innenstadt fährt, wird rechter Hand einen Gebäudebereich mit renovierten Fassaden, einem Stück der alten Stadtmauer und einem kleinen Teich ins Blickfeld gerückt vorfinden, ergänzt durch einen Kapellenbau: man hat den Platz des ehemaligen Spitals zum Heiligen Geist vor sich, das die weitgehenden Zerstörungen der Altstadt kurz vor Kriegsende 1945 heil überstanden hat.
Ein Kirchenbau und drei freistehende Gebäude, von denen zwei zum Museum gehören, wurden seit 1989 stufenweise grundlegend renoviert und in drei Phasen 1994, 1996 und 1998 als Museumsräume ausgestattet. Diese Entwicklung ruft natürlich schon vergleichende Gedanken an die seit langem doch recht verfahrene Situation im Dinkelsbühler Spitalbereich hervor, wo ursprünglich eine ganz ähnliche Planung der Gebäudenutzung vorgesehen war. Im glücklicheren Crailsheim mit rund 32000 Einwohnern wurden 12 Millionen DM aufgebracht, um die heutige Form der Nutzung zu erreichen - man könnte fast neidisch werden.
Neben rund 900 qm Ausstellungsfläche bietet der Spitalbereich heute auch Möglichkeiten, Konzerte, Vorträge und Lesungen durchzuführen. Für Sonderausstellungen, von denen 5 bis 6 pro Jahr angeboten werden, ist genügend Raum vorhanden, sie werden bewußt als Ergänzung zu den Dauerausstellungen gestaltet, auch um alte und neue Kunst zusammenzuführen. Keramik, moderne Fotografie, Tierbilder, restaurierte Bücher waren heuer Themen, ab Mitte Dezember 2002 lautet das Thema "Engel zwischen Himmel und Erde".
Seit 11 Jahren ist Susanne Sackstetter, die an der Technischen Universität Tübingen ein Studium der Volkskunde absolvierte, als Museumsleiterin tätig. Mit viel Engagement sieht sie nach der Aufbauphase ihre Aufgabe darin, regionale und überregionale Bezüge herzustellen und eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit über den Grenzraum hinaus zu etablieren. Sie wird unterstützt von einer Teilzeitkraft für Verwaltungsaufgaben, Aufsichtskräften und einer Studentin als Praktikantin, die den museumspädagogischen Bereich mit betreut.

Badefreuden früher

Ein Rundgang, für den man sich viel Zeit lassen sollte, kann mit einem außergewöhnlichen Erlebnis in der "Unterwelt" begonnen werden. Bei Sanierungsarbeiten wurde 1989 eine um 1450 fertiggestellte Badestube des Spitals entdeckt, von Archäologen freigelegt und so gestaltet, daß der Besucher mit Hilfe von raffiniert wirkenden Licht- und Projektionseffekten und einem über Lautsprecher übertragenen erläuternden Text

   
 
Das Hauptgebäude des Museumskomplexes: das ehemalige Pfründnerhaus in Crailsheim
   
 

einen lebendigen Eindruck vom mittelalterlichen Badebetrieb und von den damaligen hygienischen, medizinischen und auch den gesellschaftlichen Alltagsverhältnissen in einer überzeugenden Weise gewinnt. Ergänzende Texte, Bilder und Einzelfunde aus der Grabung machen deutlich, wie der Bereich "Reinigung und Entspannung" in dieser Form bis ins 16. Jahrhundert hinein real ausgestaltet war.

Leben und Tod

Im zweiten Gebäude findet der Besucher zunächst eine kleine Sonderschau "Blick in das Magazin", die vorhandene Sammlungsbestände und ihren Weg ins Museum anschaulich nachzeichnet und mit Beispielen belebt.
Geschichte und Entwicklung eines städtischen Spitals, das in Crailsheim um 1400 im Bereich der Innenstadt gegründet wurde - ein Dinkelsbühler Bürger stiftete damals einen Bauernhof als Grundlage - und später verlegt wurde an den heutigen Standort, wird in seiner Funktion als soziale Einrichtung dargestellt, Alltag und Art der Betreuung der Pfründner werden lebendig.
Die Stadtgeschichte Crailsheims bis 1792, fast 400 Jahre in der Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth, danach preußisch, 1806 (unter Protest!) bayerisch und dann ab 1810 endgültig württembergisch, kann der Betrachter nachvollziehen. Herrschaft und Herrschaftswechsel, Verwaltung, kirchliche Entwicklung, Frömmigkeit und Lebens- und Arbeitsweisen werden veranschaulicht.
Eine Besonderheit erlebt der Besucher im 1. Stock: "Des Schlafes Bruder", eine Kulturgeschichte des Todes auf lokaler Ebene, zeigt Trauersitten und Totenbräuche im Wandel, Jenseitsvorsorge früher an Beispielen von Grabmälern, Gedenktafeln, Epitaphien, Andachtsbildern, Leichenpredigten und als besonderen Blickfang drei Totenkronen aus dem 18. Jahrhundert.

Geigen und Musik

Der in Crailsheim geborenen Geigenbauer Johann Stüber, der von 1921 bis 1974 in Den Haag eine Werkstatt betrieb, vermachte diese mit einer exzellenten Instrumentensammlung seiner Heimatstadt, so daß heute Instrumente berühmter Geigenbauer des 17. und 18. Jahrhunderts zu sehen sind. In einem eigenen Raum kann sich der Musikliebhaber bei einer Installation mit Hörbeispielen zum Thema Streichquartett der Entspannung hingeben.
Den Abschluß des Rundgangs kann die Besichtigung der spätgotischen Spitalkapelle von 1425 bilden, die im Chorraum Wandmalereifragmente aufweist, die Apostelgestalten und ihre Symbole sowie Kirchenväter zeigen. Ein Hinweis dazu wäre für die Besucher wünschenswert.
Im Mittelpunkt stehen aber die Fayencen, die in Crailsheim von ca. 1717 bis 1827 produziert wurden und als hochwertiges Kunsthandwerk gelten. Rund 300 Stücke des gesamten Spektrums werden auf drei Stockwerken im Kapellenanbau gezeigt und im kunst- und kulturgeschichtlichen sowie wirtschaftlichen Kontext ihrer Entstehungszeit präsentiert.
Der Gesamteindruck am Ende des Rundganges ist durchweg positiv. Bei der Renovierung wurden Teile der Holzkonstruktion im Innern bewahrt und ergeben mit der Ausgestaltung der Räume, den Fußböden, der ausgefeilten Form der Beleuchtung eine angenehme Atmosphäre, die weit weg ist von den früheren Darbietungsformen in "Heimatmuseen". Die Art der Beschriftung ist gut gelöst, Verrenkungen beim Lesen sind nicht gefragt, moderne Technik generell dient dem Besucher, ohne aufdringlich oder steril zu wirken.
Fazit: Ein Besuch im Crailsheimer Museum lohnt sich in jeder Hinsicht.

Stadtmuseum im Spital, Spitalstr. 2, 74564 Crailsheim, Tel. 07951/94640
Öffnungszeiten: Mittwoch 9.00 - 20.00 Uhr, Samstag 14.00 - 18.00 Uhr, Sonntag 11.00 - 18.00 Uhr
Öffnungszeiten und Führungen für Gruppen nach Vereinbarung
Eintritt frei (!)
Für Sonderausstellungen spezielle Regelungen
Suchspiel für Kinder

   
 
Wandmalerei aus dem "Badehaus", wohl 16. Jahrhundert
   
   
 
 
 
   
   
   
   
 
 
 
 
Es war einmal in Dinkelsbühl
 
von Patricia Lee Gauch
Bilder von Tomie de Paola
 
Das besondere Buch zur Kinderzeche !
 
Erhältlich bei der Buchhandlung Bauer Dinkelsbühl
 
€ 15,00
 
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