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Daß die Museumslandschaft in einem Umkreis
bis zu rund 35 km um Dinkelsbühl ein reichhaltiges
Angebot bietet, ist im Funkfeuer in einer Reihe von
Berichten dargestellt worden, wobei privaten Einrichtungen
engagierter Idealisten ein besonderes Augenmerk gewidmet
wurde, so z. B. dem Heimatmuseum Zoller in Wittelshofen
(Nr. 37/2000) und der Sammlung Schlender "wiegen
- messen" in Königshofen a. d. Heide (Nr.
40/2001).
Ein weiteres "Glanzstück" in dieser
Reihe findet sich im Nachbarlandkreis Weißenburg-Gunzenhausen
in der Gemeinde Muhr am See in Form des "Museums
Ur- und Umwelt" (MUUM), das von Dinkelsbühl
aus nach einer Fahrt von rund 35 km über Wittelshofen,
Ehingen, Unterschwaningen, Wald und Streudorf leicht
zu erreichen ist. Die Gemeinde mit rund 2000 Einwohnern
zwischen Altmühlsee und Brombachsee gehört
zum Einzugsbereich des fränkischen Seenlandes
mit seiner wachsenden Bedeutung als Tourismus-Zentrum.
Ludwig Bindhammer, zusammen mit seiner Ehefrau Helene
Gründer und Betreiber des Museums, kann auf eine
Beziehung zu Dinkelsbühl zurückblicken,
denn er war 1972/73 am Gymnasium als Studienreferendar
für Chemie und Biologie tätig, wohnte damals
in Halsbach und gewann so einen ersten Eindruck von
der Region um den Hesselberg, die für ihn "ein
Paradies für jeden Erforscher der Erdgeschichte"
geworden ist. 1993 entschlossen sich der gebürtige
Niederbayer und seine Frau, die auch als Mutter von
fünf Kindern das Hobby ihres Mannes immer mit
Ausdauer und Eigeninitiative unterstützte, eine
Museumseinrichtung der besonderen Art als ihren Lebenstraum
zu verwirklichen, erwarben in Muhr am See ein ehemaliges
landwirtschaftliches Anwesen und konnten im Frühjahr
1999 die ersten Besucher willkommen heißen.
Nach Bindhammers Pensionierung 1996 wurde das Haus
in der Bahnhofstraße Nr. 4 zum bestimmenden
Lebensmittelpunkt bis zum heutigen Tag.
Alles in Eigenleistung
Der Um- und Ausbau des Bauernhauses mit einer Ausstellungsfläche
von rund 250 qm bewerkstelligte Ludwig Bindhammer
ohne öffentliche Gelder oder Zuschüsse in
Eigenarbeit und wurde so tätig als Planer, Mechaniker,
Elektriker, Schreiner, Graphiker und auch Gärtner,
denn eine Freifläche von rund 250 qm mit Nebengebäuden
wurde in die Ausstellung einbezogen.
Die Zielsetzung der gesamten Einrichtung sollte den
Besuchern auf ansprechende und abwechslungsreiche
Weise erdgeschichtliche Entwicklungen, naturkundliche
Besonderheiten und auch Probleme der Umwelt heute
in dem an Zeugnissen aller Art reichen Bereich der
Altmühlalb, der Frankenhöhe, des Rieskraters
und des Hesselbergraumes als besonderem Schwerpunkt
nahe bringen. Natur, Pflanzen, Tierwelt und Menschenwerk
sollten unter Einbeziehung vieler technischer Möglichkeiten
nicht nur sichtbar, sondern erlebbar und nachvollziehbar
werden unter dem Aspekt, alle Sinne anzusprechen und
den Besucher aktiv werden zu lassen durch den Einsatz
ausgefeilter optischer und akustischer Effekte, die
er selbst auslösen und erkennen kann. Auf diese
Weise werden Kinder und Jugendliche vom Grundschulalter
bis zum Abiturienten und Studenten angeregt, nicht
nur fertige Antworten auf vorformulierte Fragen passiv
aufzunehmen, sondern - zum Teil auch in Form von Rätseln
und Preisfragen - selber als Mitgestalter zu handeln.
Museums-ABC
Aus der überwältigenden Fülle des
Angebotes können hier nur stichwortartig einige
Besonderheiten aufgezählt werden, die der Besucher
nutzen kann: Dioramen, Diaschau, Düfte, Farbensehen,
Geigerzähler, Heilpflanzen, Hautmodell, Insektenmodelle,
Lichteffekte, Musikeinlagen, Mikroskope, Nervenmodelle,
Photosynthese, Spezialbrillen, Stereolupen, Tonbänder,
Versteinerungen, Vogelstimmen, Waldpflanzen, Wetterstation.
Rundgang mit Pfiff
Eine Beschreibung des Aufbaus der 12 Räume kann
hier nur in geraffter Form erfolgen und eher als Anreiz
für eine eigene Entdeckungstour dienen.
1: Vom Urknall zum Menschen; 2: Das Leben im Jurameer;
3: Urzeitliche Lebensformen der Frankenalb; 4: Lebensraum
Wasser; 5/6: Landschaftsentwicklung im Tertiär
und Quartär; 7: Lebensraum Kalkmagerrasen; 8:
Mehrzweckraum mit Mikroskopen und Stereolupen zur
Benutzung; 9: Lebensraum Boden; 10: Lebensraum Wald;
11: Sinne und Bewegung; 12: Sonderausstellung, gegenwärtig
"Tiere der Welt von den Polen bis zum Äquator
- gestrickt und gehäkelt, ergänzt durch
zahlreiche elektronische Effekte und Modelle".
Für Kinder wird dazu ein eigenes Museumsrätsel
und eine Spielecke geboten.
Weitere Räume beherbergen eine Bibliothek mit
1000 Bänden, einen Leseraum, ein Mikroskop- und
Wasseruntersuchungslabor, einen Präparierraum
für Versteinerungen und eine Wetterstation.
Da der Rundgang ein Haupt- und ein Nebengebäude
sowie die frühere Scheune umfaßt mit jeweils
eigenen Eingängen, kommt der Besucher automatisch
zweimal in den Gartenbereich an die frische Luft,
kann dort eine kleine Pause einlegen, die Kleinbiotope,
einen solarbetriebenen Bachlauf, Farne, Moose, Flechten,
Gift-, Heil- und Gewürzpflanzen betrachten, rund
250 verschiedene Arten. In einem eigenen Raum finden
sich zwei anschauliche Modelle, eines der steinernen
Rinne mit der Kalkablagerung und eines des Rieskraters
vor 15 Millionen Jahren. Gut zwei Stunden vergehen
bei dem Rundgang wie im Flug, eine Pause kann aber
auch in einem kleinen Museumscafé mit Erfrischungsgetränken
stattfinden. Ein kleiner Museumsladen bietet verschiedene
Versteinerungen und andere museumstypische Artikel
zum Kauf an.
Attraktive Angebote
Ludwig Bindhammer steht auch außerhalb seines
Museums gerne für besondere Themenbereiche als
Referent zur Verfügung z.B. bei der Organisation
geologischer und botanischer Exkursionen oder abendlicher
Diavorträge aus einem Bestand von 30000 Exemplaren.
Im Museum gibt es einen zehnminütigen Diavortrag
als Einführung, Experimentiernachmittage für
Eltern und Kinder oder mikroskopische und chemische
Gewässeruntersuchungen mit Gästen.
Aber auch schon bei einem "normalen" Rundgang
ergeben sich Überraschungen genug, wenn z. B.
ein Modell des am Hesselberg vorkommenden Bombardierkäfers
auf Knopfdruck einen Strahl Wasserdampf produziert
oder wenn der Flügelschlag von Insekten und Vögeln
akustisch umgesetzt wird, wie dies auch bei verschiedenen
Temperaturen einer offenen Flamme geschieht; auch
die Sehweise von Insekten kann mit Spezialbrillen
nach Form und Farbe nachempfunden werden.
Bescheidene Erfolge
Daß diese in jeder Hinsicht außergewöhnliche
Einrichtung nach rund vier Jahren immer noch fast
eine Art Schattendasein führt, ist erstaunlich.
Auch "in einem guten Jahr" sind gerade einmal
750 Besucher zu verzeichnen gewesen, obwohl es von
den dargestellten Themenbereichen - noch dazu in einer
Region mit starkem Tourismus - an Ansprechpartnern
und Interessenten nicht fehlen dürfte. Gerade
Schulen aller Art sollten die gebotene Chance von
Wissenserwerb und Erlebnis eigentlich mit Freude nutzen.
Für die Entwicklungsgesellschaft Region Hesselberg
mit der Lokalen Aktionsgruppe Altmühl-Wörnitz
e.V. ergeben sich mehrere Ansatzpunkte zur Zusammenarbeit:
Zum einen bietet Ludwig Bindhammer eine geobotanische
Wanderung auf den Hesselberg an, die rund dreieinhalb
Stunden dauert und eine Gesamtstrecke von ca. 10 km
umfaßt. Dafür steht eine gut gestaltete
Beschreibung in einem Geheft von 12 Seiten Umfang
mit Zeichnungen und Skizzen zur Verfügung. Weiterhin
sollte ein Manuskript mit dem Titel "Naturerlebnis
Hesselberg" beachtet werden; eine mögliche
Publikation im Rahmen einer bereits bestehenden Schriftenreihe
sollte überprüft werden. Als Fazit des "Ausflugs"
nach Muhr ergibt sich auf jeden Fall eine eindeutige
Erkenntnis: Ur- und Umwelt als Themenstellung werden
in faszinierender Art und Weise dargestellt. Ein Besuch
bietet ein Erlebnis besonderer Prägung für
Jung und Alt.
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