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  >>> Theater, Funkfeuer Nr. 41, Sommer 2001
   
  "Der Mann von La Mancha" im Garten am Wehrgang
  "Don Quixote ist gefährlich"
  Eine Probenplauderei
   
  Ein Besuch im Künßberggarten. Einige junge Leute stehen in loser Gruppe diskutierend, man hat sich geeinigt, einer gibt den Beat vor, ein zweiter beginnt zu singen: "Dulcinea". Unterbrechung, erneute Diskussion. Zweites Ansingen. Probe für das diesjährige Sommerstück des Fränkisch-Schwäbischen Städtetheaters "Der Mann von La Mancha". Intendant Peter Cahn setzt Don Quixote in Szene. Es wird dabei kein detailliert ausgetüfteltes Regiekonzept umgesetzt. Cahn begibt sich bei seinen Schauspielern auf Kontaktsuche, nimmt deren Ideen auf, probiert aus. Ist unter mehreren Ideen die richtige gefunden, wird sie gemeinsam ausgefeilt. Regisseur Cahn wird so zum Mittelpunkt eines beständig tagenden "Kriegsrates", er selbst beschränkt sich auf Minimumvorgaben. Er nennt dies eine "moderne Art der Inszenierung". Es sei sein eigener Weg, seine eigene Art. Er habe einen anderen Ansatz von Theater als seine Vorgänger in Dinkelsbühl. Cahn entwickelt sein Stück zusammen mit seinem Ensemble, führt Ideen zusammen, packt sie schließlich zu einem Gesamtkonzept.
Die Stückauswahl habe er ganz bewußt getroffen, sagt Cahn. Er wollte ein Stück, das zur Stadt paßt. Und das glaubt er im "Don Quixote" gefunden zu haben: Einerseits komme der "Mann von La Mancha" der romantischen Atmosphäre der Stadt sehr entgegen, atme er doch eine ähnliche Stimmung. Andererseits sei es ein Stück, das in alter Zeit spiele, im 16. Jahrhundert, trotzdem aber "nicht so ernst". Gereizt habe ihn die Kernaussage des Stücks, daß "Phantasie über alle Schranken hinweggehen kann", zunächst über die des Kerkers der spanischen Inquisition, in dem Hauptfigur Miguel Cervantes seine Geschichte gegen die zweifelnden Mitgefangenen verteidigen muß und sie deshalb mit ihnen spielt. Gleichzeitig liest Peter Cahn aber aus seinem Stück eine politische Dimension heraus: Das Anstecken mit Phantasie, das Träumen, das Hoffen mache Cervantes / Don Quichote für die einflußreichen Inquisitoren gefährlich. Cahn spricht von "Angst vor Ideen" und zieht die Linie weiter bis zu Künstlern im Dritten Reich und unter der chilenischen Pinochet-Diktatur. Um diesen Gehalt deutlich werden zu lassen, haben Cahn und seine Dramaturgin Karen Schulze das Stück an einigen Stellen behutsam umgearbeitet. Die Kernszene ist für den Regisseur so auch nicht die "Spiegel-Szene", in der Don Quixote sich statt als glänzenden Ritter als gebrochenen Mann erkennt, sondern die Tatsache, daß es Don Quixote gelingt, das einfache Straßenmädel Aldonza, die er als Dulcinea verehrt, mit seinen Idealen aufzuladen, so daß am Schluß sie es ist, die seinen Traum weiterträumt. Aber von einem Happy-End möchte Cahn nicht sprechen. Niemand weiß, ob Quixotes Erfinder, Cervantes, von den Inquisitoren, die ihn zum Prozeß rufen, hingerichtet wird. Der Schluß ist offen, fest steht aber, "daß Cervantes im Knast etwas bewirkt hat und das wollen wir im Theater auch", so Peter Cahn.
Eine Gefahr, mit dem Stück und seiner extrem guten Botschaft ins Melodramatische oder Seichte abzudriften, sieht das Inszenierungsteam nicht. Cahn betont vielmehr, daß der "Mann von La Mancha" im Gefängnis spiele, heile Welt sei dort kaum möglich. Im Spiel mit Cervantes schüfen sich die Gefangenen durch erfinderischen Stegreif im Stil des alten Volkstheaters ein Stück davon.
Beim Darsteller der Hauptperson des Miguel de Cervantes, der im Spiel mit seinen Mitgefangenen den Part des Don Quixote selbst übernimmt, setzt Peter Cahn bewußt auf einen jüngeren, stark motivierten Schauspieler, er wolle jemanden, der brennt. Bei einem älteren Schauspieler breche sich nicht mehr so viel, wie er es sich für die Rolle wünsche, Verwandlung sei schwer, sagt Cahn, auf den unvergessenen Josef Meinrad angesprochen, der den Cervantes gerne gespielt hatte. Daher habe er bei der Planung der Inszenierung absichtlich nach einem bekannten Gastdarsteller für den Sancho Pansa gesucht und ihn mit Klaus Dahlen bereits im Sommer des vergangenen Jahres ideal besetzen können.

Allmählich geht unsere Probe zu Ende. In lockerer, fast schon lässiger Stimmung sind einige Szenen erarbeitet worden. Angesichts der Begeisterung und des offenen Spaßes, mit dem Peter Cahn, Karen Schulze und das Ensemble den "Mann von La Mancha" geprobt haben, sollte man sich den Besuch der Sommerfestspiele in diesem Jahr wirklich gönnen. Ein unterhaltsamer, anregender, an manchen Stellen auch nachdenklicher Abend scheint programmiert. Nach der Premiere am 19. Juni vor geschlossener Gesellschaft finden die Aufführungen bis 19. August jeweils Dienstag bis Sonntag statt (mit wenigen Ausnahmen). Der genaue Spielplan ist den überall ausliegenden Faltblättern zu entnehmen. Information und Karten unter Telefon und Fax: 09851 / 90276 oder eMail: theater@dinkelsbuehl.de.

   
   
   
 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 
 
 
 
Dinkelsbühler Gästebuch
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