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  >>> Theater, Funkfeuer Nr. 42, Herbst 2001
   
  Gelungene Sommerspielzeit
  Rückblick auf "Der Mann von La Mancha"
   
  Wir nehmen den in früheren Jahren geübten Brauch wieder auf, unseren Lesern das Echo von auswärts auf die Inszenierungen des Fränkisch-Schwäbischen Städtetheaters weiterzuvermitteln. Was wir zum Sommerstück 2001 an auswärtigen Besprechungen bekommen konnten, war zwar nicht viel, aber für Dinkelsbühler Theaterfreunde, die sonst von dieser Art Rückkopplung ausgeschlossen sind, doch sicher interessant. Sollte jemand in Zukunft irgendwo auf eine Pressemitteilung über das Dinkelsbühler Theater stoßen, würden wir gern davon erfahren. Die örtlichen Zeitungen lassen wir bei unserem zusammenfassenden Rückblick weitgehend beiseite, weil ihre Meinung in Dinkelsbühl ohnehin bekannt ist.Trotzdem zitieren wir gleich zu Beginn den FLZ-Feuilletonisten Thomas Wirth zur Auswahl des Stückes "Der Mann von La Mancha" für die Sommerfestspiele 2001: "Das Dinkelsbühler Sommermusiktheater geht in die vierte Runde. Peter Cahn, der neue Intendant des Fränkisch-Schwäbischen Städtethaters, führt mit seiner ersten Inszenierung die Minitradition weiter, die sein Vorgänger vor drei Jahren begonnen hat, und justiert sie mit dem 'Mann von La Mancha' neu. Statt Operetten-Blödelei nun also ein Musical, das sich nach dem Willen des Intendanten als 'Schauspiel mit Musik' bewähren soll. Das tut es dann auch." Auch wir begrüßen die von Wirth skizzierte Entwicklung. Die Verwirklichung der von Wirth erwähnten Absicht Cahns wird durch die Einschätzung Dieter Schnabels in den "Fränkischen Nachrichten" aus Tauberbischofsheim, wenn dort auch sicher kritisch gemeint, bestätigt: "Trotz der literarisch anerkannten Vorlage wurde das Werk (...) aber kein besonders gutes Musical. Man kann sich sogar darüber streiten, ob es sich überhaupt um ein Musical handelt. Und das nicht nur, weil die Tanznummern fehlen, sondern weil das Ganze nicht gerade witzig und spritzig ist und vor allem, weil die Musik und die Songs nicht organischer Bestandteil des Werks, sondern lediglich eingestreut sind und aufgesetzt wirken." Unsere Meinung dazu: Statt nur "witzig und spritzig" war uns wichtiger, was zum Nachdenken anregte. Von den Songs, meint Schnabel, bleibe "nur das immer wiederkehrende Thema 'Ich bin ich, Don Quixote von La Mancha' im Gedächtnis." Vielleicht doch ein bißchen mehr aus der ohnehin unaufdringlichen Anzahl der Song-Einlagen. So fährt auch Schnabel fort: " ... folkloristische, romantische, parodistische und moderne Beat-Musik bunt gemischt, das ist die musikalische Seite der Angelegenheit."Daß die begleitende Musik aus der Konserve kam, wird mehrfach kritisiert. Aber wir wissen, daß es ursprünglich anders gedacht war, aber an technischen, organisatorischen und wohl auch finanziellen Gegebenheiten scheiterte. Irgendwo muß gespart werden, damit die Stadt sich das Theater "leisten" kann. Sonja Jasers Kritik des musikalischen Teils geht über das Manko der Konserve hinaus. Sie spricht von den Möglichkeiten der Verdeutlichung in einer Inszenierung und kann diese bei der musik im heurigen Sommerstück "nicht unbedingt" finden, in dem "viel auf Wiederholung basierte und gesanglich erst allmählich Glanz entwickelte." Wieder ist der Funkfeuer-Berichterstatter anderer Meinung, wohl auch, weil er das Stück im fortgeschrittenen Stadium der Sommerspielzeit ein zweites Mal sah, und möchte die Musik eher in das einordnen, was Jaser auch feststellt: "Ansonsten war in vielen Szenen viel Schönes zu sehen. Gefühle waren gelegentlich mit Händen zu greifen, so anschaulich gelang ihre Darstellung." Auch in den Songs, meinen wir.Schnabel stört offensichtlich die Aufführungsdauer von "mehr als zwei Stunden" für den "langen Einakter in 23 Szenen". Wir haben Ähnliches nicht gehört und auch die Szenen nicht gezählt. Wir fanden auch gut den "Effekt, nach der Pause eine unterbrochene Szene teilweise wiederholend aufzunehmen", für Jaser "nicht überzeugend".Dieter Schnabel, der auch in anderen süddeutschen Zeitungen veröffentlicht, so über das Dinkelsbühler Sommerstück in der "Augsburger Allgemeinen", lobt in den "Fränkischen Nachrichten" die pantomimischen Einlagen: "Scheinbare Improvisation und vor allem Pantomimisches und auch Artistik spielen (...) wesentliche Rollen. Dazu gehört nicht nur, dass sich die einzelnen Schauspieler in immer wieder neuen Verkleidungen zeigen, sondern dass sie auch die Windmühlenflügel bedienen oder selbst als vermeintliche Pferde auftreten. So oder ähnlich kann man sich eine Aufführung vorstellen, wenn einst Wandertruppen in die Stadt gekommen sind und die Bretter, die damals wie heute ihre Welt bedeuten, auf dem Marktplatz aufgeschlagen haben."Peter Cahn wird eine "einfalls- und abwechslungsreiche Inszenierung" bescheinigt, die "einfach Spaß" macht, "pralles, komödiantisches Theater, zur Freude der Besucher, an dem auch die Darsteller ihren Spaß haben" (Schnabel). Auch Wirth konstatiert "eine sehenswerte Produktion": Cahn "rückt das Geschehen nah an die Zuschauer heran und holt sie mit einem Trick mitten hinein. Denn man kann dieses Stück nicht nur sehen und hören, sondern ein paar Mal auch riechen, die brennenden Holzscheite in den Lagerfeuern, den Knoblauch in der Pfannen, die Asche." Wirth konnte Klaus Schlettes Sommerinszenierungen noch nicht sehen, hören und riechen, wir freuen uns über die Wiederaufnahme solcher multisensueller Details im Theater.Es gelang Cahn eine "schwungvolle Darbietung einer vielschichtigen und wie eh und je nachdenklich machenden Geschichte". So Sonja Jaser, und sie fährt fort: "Die vielschichtigen Verschränkungen" der Handlung "verständlich und reibungslos zu realisieren, erfordert einen klaren, prononcierten dramaturgischen Aufbau und eine ebensolche schauspielerische Umsetzung. Ersteres kann Intendant Peter Cahn ohne Einschränkungen bescheinigt werden, Letzteres gelang den Mimen ebenfalls weitgehend. Gelegentliche Unschärfen waren womöglich der Premierensituation zuzuschreiben, und die Bewertung eines Zuviels an Klamauk ist sowieso überwiegend Geschmackssache. Grobheit und Holzschnittartigkeit, wie sie Cervantes' Zellengenossen an den Tag legten, erscheinen vielmehr als sinnige Charakterzüge, die der Verdeutlichung letztlich nur dienen." Daß wieder vom "Ensemblespiel" (Jaser), dem Cahn mehrfach formulierten ausdrücklichen Anliegen, die Rede sein kann, erscheint für Dinkelsbühl besonders erfreulich.Dieser Artikel wurde vor der ersten Premiere der Winterspielzeit geschrieben. Über das Echo auf die Inszenierungen der kommenden Saison werden wir ebenfalls berichten. Wir hoffen, das dieses Echo für Peter Cahn ebenso erfreulich klingt wie das auf die Sommer-Inszenierung, und wünschen ihm und seinem Ensemble viel Erfolg und Spaß an der Theaterarbeit in und für Dinkelsbühl.
   
   
   
 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 
 
 
 
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