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"Dinkelsbühl in aller Munde" war einer
unserer Artikel in der letzten Funkfeuer-Nummer überschrieben.
Wir stellten darin Fundstellen aus literarischen und
nichtliterarischen Texten vor, eine Leidenschaft,
der wir auch in diesem Heft wieder nachgehen. In Heft
42 zitierten wir eine Glosse aus der "Freien
Presse Zwickau", einem durchaus witzigen Text,
in dem uns - auch nur spaßhalber - der Vergleich
Dinkelsbühls mit der sächsischen Stadt Döbeln
störte, zumal beide Städte von dem Verfasser
unter dem gemeinsamen Nenner "Kaff" zusammengefaßt
wurden, wohlgemerkt nicht von uns, wie man es in unserer
Leserschaft auch zu erkennen glaubte. Immerhin führte
dieses Mißverständnis - wohl leicht verspätet
- zu dem Entschluß, im Internet Döbeln
aufzusuchen. Dort wurde Beeindruckendes in Zahlen,
Wort und Bild vorgeführt, eine Web-Site, hinter
der sich die Dinkelsbühler Homepage tatsächlich
ein bißchen verstecken muß. Unter anderem
war festzustellen, daß Döbeln ebenfalls
ein eigenes Theater in einem eigenen, repräsentativen
Theatergebäude besitzt. Nur: Wenn man den Link
"Spielplan" anklickte, las man - kurz vor
Redaktionsschluß Anfang November, daß
für November noch keine Planungen vorliegen.
Das ist in Dinkelsbühl anders, und damit sind
wir endlich bei unserem Thema Theater. Daß Dinkelsbühl
zwar nicht "in aller Munde" ist, aber doch
Deutschland- und teilweise weltweit mit einigen seiner
Besonderheiten Beachtung findet, mit manchem für
eine Stadt dieser Größe eigentlich Notwendigen
sicher nicht, ist auch seinem Fränkisch-Schwäbischen
Städtetheater in alleiniger Trägerschaft
der Stadt Dinkelsbühl zu verdanken. Bedauerlich
ist nur, daß der schriftliche Niederschlag dieses
Interesses nicht immer oder nur verspätet bis
zum hiesigen Theater und dann zu uns gelangt. Ein
Abonnement für alle Mitteilungen zum entsprechenden
Stichwort wäre wünschenswert, aber sicher
zu teuer angesichts eines ohnehin strapazierten Etats.
"Furioser Auftakt"
So liegen uns zu den Inszenierungen und Auswärts-Gastspielen
von "Offene Zweierbeziehung" und "Misery"
(Die Uraufführung von "Rote Lippen soll
man küssen" fand erst nach Redaktionsschluß
statt) von auswärts nur Besprechungen aus Crailsheim,
Rothenburg und Forchheim vor. Die wollen wir aber
in Zusammenfassung des Wichtigsten und Interessantesten
unseren Lesern nicht vorenthalten. Einen "furiosen
Auftakt" der Winterspielzeit mit Dario Fos Stück
"Offene Zweierbeziehung" erwartete in einem
Vorbericht Michael Hanns Ebers in "Woche im Blick".
Das scheint sich in Forchheim bewahrheitet zu haben.
Der "Fränkische Tag" berichtet am 29.
September 2001: "Alles war anders an diesem ersten
VHS-Theaterabend der Saison 2001/2002. Der Klostersaal
war brechend voll. (...) Die überspitzte Handlung
des Drei-Personen-Stückes "Offene Zweierbeziehung"
von Franca Rame und Dario Fo spielte vor einem supermodernen
Bühnenbild mit roten Möbeln und deutlichen
Zeichen einer Boxkampfarena." Letzteres richtig
erkannt, nicht aber, daß Fo ein Zwei-Personenstück
geschrieben hat, zu dem durch Cahns Regie-Einfall
erst eine nicht nur pausenfüllende dritte Figur
hinzukam. Wichtiger als diese unsere Mäkelei
erscheint uns die Bilanz der Forchheimer Besprechung,
in der unter anderem die schauspielerische Leistung
und die Trennung der Szenen durch Songs gelobt wird,
und dann: "Das Fränkisch-Schwäbische
Städte-Theater hat mit dieser Vorstellung Aufsehen
erregt." Nicht so in Rothenburg: Dem "als
quietschendes Lachstück inszenierten" Boulevardstück,
der - auch dort - als Auftakt der neuen Spielsaison
präsentierten "Ehebruch-Gaudi", folgten
"knapp fünfzig Besucher, darunter alte und
junge Paare, (...) mit gemischten Gefühlen."
Gemischt sicher, wenn man einerseits ein Sich-Austoben
der beiden Partner "in ihrem designten Wohnzimmer"
als diszipliniert empfindet und dann doch den "Partner-Clinch
beim Gerangel um eine Pistole" registriert. Was
aber sollen wir zu "knapp fünfzig Besuchern"
in der zweitgrößten Stadt des Landkreises
sagen? Sie waren immerhin da, und für sie dürfte
auch überflüssig sein, was der/die Kritiker/in
über ein volles Drittel der Besprechung zu den
Gefährdungen einer Partnerschaft allgemein und
den Krisen in der Ehe Dario Fos im besonderen zu schreiben
weiß. Mit der zweiten vorliegenden Kritik aus
Forchheim, der des "Fränkischen "Anzeigers"
vom 29./30. September 2001, kommen wir auf Ebers'
oben zitierte Prophezeiung zurück: "Ein
fulminanter Start ins Theaterhalbjahr" heißt
es da, schon allein durch die "drei glänzend
disponierten Schauspieler". Abstriche, die der
Kritiker bei Shirin Lotze machen zu müssen meint,
können wir nicht nachvollziehen. Lieber lesen
wir, daß das Dinkelsbühler Theater "schon
für einige Theaterhöhepunkte in Forchheim
gesorgt hat", und weiter: "Das Stück
von Dario Fo fungiert insofern als programmatischer
Hinweis auf die Handschrift des neuen Chefs, als Cahn
durchaus unterhalten will, aber das mit Niveau. Volkstheater
im besten Sinne und ohne moralischen Zeigefinger ist
sein Ziel."
Was man aus einem "quietschigen Lachkabinett-Szenario"
macht
Wie muß man also mit einem "quietschigen
Lachkabinett-Szenario, das sich an einem (nicht nur
im Spaß-Genre) immergrünen Thema abarbeitet
und dabei unverschämt direkt sämtlichen
Komödien-Konventionen huldigt" umgegangen
werden?. So nämlich beurteilt Manfred Koch in
der FLZ vom 21. September 2001 das Stück des
Nobelpreisträgers Dario Fo, eines Autors, an
dem er kaum einen guten Faden läßt: "Der
Plot (...) ist reiner, biederer Schematismus, doch
das ist bei Fo, diesem theatralen italienischen Hanswurst,
sowieso eher die Regel als die Ausnahme." "Nein
vielmehr ist das Wie entscheidend", schreibt
Koch. "Also: Fröhliches Entertainment muß
der etwas fahlen Fabel Gewicht verleihen, und das
Ensemble macht sich dann auch frohgemut ans Werk.
Regisseur und Ausstatter Peter Cahn verpasst der Wohlstandsbürger-Bude
ein kräftig-farbiges Outfit samt albern-zeitgeistiger
Accessoires. (...) Die Typisierungen gehen hübsch
vonstatten, und auch die verbalen Kabbeleien kommen
gut. Die Regie beweist ein gutes Auge für adäquates
Timing, die Verknüpfungen der einzelnen Humor-Mittel
sind absolut flüssig. Die mit ironischem Augenzwinkern
absolvierten Live-Musik-Auftritte Frank Piotraschkes
(...) setzen in dieser Ehebruch-Gaudi ganz besondere
Akzente." Erstaunlich also, was die Regie aus
einem scheinbar so danebengegangenen Stück machen
kann. "Ein pfiffiger Einfall Cahns" ist
für Michael Hanns Ebes von der "WIB"
der Auftritt Frank Piotraschkes als singender Professor,
"der statt des Bikinigirls mit den Rundennummern
die Kampfpausen füllt, souverän und augenzwinkernd
zwischen Kleidungs- und Musikstilen flottierend, das
Ringgeschehen ironisch kommentiert." Für
den Kritiker des "Hohenloher Tagblatts"
(Ausgabe vom 11.10.2001), den Dinkelsbühler Reinhardt
Gruß (ein seltener Fall von kultureller Grenzüberschreitung!)
waren die Songs "ironische Kommentare des Bühnengeschehens,
Schlachtberichte vom Ehekrieg, während die Kombattanten
erschöpft in den Seilen hingen" "weit
mehr als Pausenfüller" ("Selten hat
man 'Light my Fire" so cool vorgetragen gehört."),
die daraus sich entwickelnde Rolle des Liebhabers
"ein gelungener Schlußgag". Die Inszenierung
beurteilt Gruß als spritzig und temporeich,
"aus einem Guss mit sehr ansprechenden schauspielerischen
Leistungen".
Fast wie im Kino
Intendant Peter Cahn war es durchaus bewusst, dass
'Horror' sich im Theater weitaus weniger umsetzen
lässt als im Film. Dennoch ist es ihm gelungen,
das Grauen in die Goldene Gans zu holen." Dort
fand Cahn eine neue Spielstätte für das
Kriminalstück "Misery" von Simon Moore
nach Stephen King, eine Spielstätte, wie er sie
für einzelne Theaterstücke auch weiterhin
zu suchen bemüht ist. Wir zitierten die "Wochenzeitung"
vom 2. November 2001. "Beeindruckenden Horror
auf der Bühne zu inszenieren ist laut Peter Cahn
'immer ein Problem' ". Es gelte, den Horror "quasi
unentrinnbar zu machen, sodass man sich ihm nicht
entziehen kann." Michael Hanns Ebers analysiert
so Cahns Idee in einer Vorbesprechung in der "WIB"
vom 18.10.2001. "Cahn unternimmt den Versuch,
indem er die Zuschauer 'praktisch mitten in diesen
Horror hinein auf die Bühne setzt'. Zumindest
sie so nahe ans Geschehen ranrückt, dass die
Zuschauer sehen, 'wie die Schauspieler spielen und
agieren, was in den Augen der Darsteller vor sich
geht.' Fast wie im Kino halt." Der Vergleich
mit dem Kinofilm interessiert auch den Kritiker des
"Hohenloher Tagblatts" vom 26. Oktober 2001,
vermutlich auch in diesem Fall unser freier Mitarbeiter
und Autor unserer Film-Rubrik Reinhardt Gruß.
"Während der zu Recht vielfach ausgezeichnete
Film 'Misery' mehr auf Grusel, Schock und Nervenkitzel
setzt, bietet die Bühnenfassung auch reichlich
Gelegenheit für Komik, was in Cahns Inszenierung
voll ausgeschöpft wird. Dabei wahrt Cahn geschickt
die Balance zwischen beiden Elementen. (...) Das kleine
Theater holt die Zuschauer ganz nahe an das Geschehen
heran. Der Zugewinn an atmosphärischer Dichte
entschädigt für eingeschränkte Sicht
auf den hinteren Plätzen. Fazit: Ein vergnüglicher,
spannender Abend, ansprechende schauspielerische Leistungen,
ein stimmiges Bühnenbild." Wann endlich
müssen wir nicht mehr über eingeschränkte
Sicht reden, selbst bei einem so kleinen, intimen
Zuschauerraum? Besserung wurde versprochen.
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