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Mit den bei den Zitaten in unserer Überschrift
sind, meinen wir, Intendant Cahns Vorstellungen vom
Theater in der Provinz, in Dinkelsbühl, ziemlich
genau umrissen. Daß es ihm bisher gelungen ist,
diese Intention zu verwirklichen, bestätigen
die Pressebesprechungen zu "Rote Lippen soll
man küssen" und "Romeo und Julia"
erneut. Ein Weiteres, das Dinkelsbühler Theaterbesucher
erfreut, wird auch in den Besprechungen heimischer
und auswärtiger Zeitungen stets hervorgehoben:
das beachtliche Engagement im Ensemble und die das
Publikum in den Bann ziehende Spielfreude. Im Shakespeare-
Stück hat Cahn, so das "Hohenloher Tagblatt",
"seinem fünfköpfigen Ensemble einen
ziemlichen Kraftakt zu- gemutet. (...) Das Ensemble
hat sich dieser Aufgabe mit Witz, Tempo und Spielfreude
gestellt." "Sichtbare Spiellust" bescheinigt
auch Thomas Wirth in der FLZ den Schauspielern. "Sichtlich
Spaß auf und vor der Bühne" war in
Pfronten bei der Aufführung von "Rote Lippen"
zu konstatieren, wozu Alfons Böck im "Füssener
Blatt" schreibt: "Der sichtliche Spaß
der Schauspieler am grellen Bilderbogen Deutschland
springt auf das Publikum über. Man fragt sich,
wer da mehr Spaß hatte: die oben auf der Bühne
oder die unten im Saal." Dazu schließlich
auch M.H. Ebers in "Woche im Blick": "Die
sichtbare Spielfreude des Ensembles sorgt auch im
Saal für gute Laune. Die Funken zwischen Bühne
und Parkett sprühen zwei kurzweilige Stunden
lang." "Beste Unterhaltung von Anfang bis
Ende" war für das "Weißenburger
Tagblatt" die Schlagerrevue.
Viel Beifall für eine ungewöhnliche
Uraufführung
Regieabsicht und Ensembleleistung verhelfen dem Dinkelsbühler
Theater zu Erfolgen zu Hause und bei Gast- spielen
in "Abstecherorten". Aus Pfronten wird berichtet:
"Schlagerrevue war in Pfronten ein Volltreffer.
Selten durften die Akteure auf der Bühne des
Pfarrsaales größeren Beifall ern- ten,
als bei der Schlagerrevue des Fränkisch-Schwäbischen
Städtetheaters Dinkelsbühl. Stehend wurden
sie verabschiedet. (...) Ein kleines Häuflein,
das ein Riesenprogramm ab- wickelte (.. .), eine Leistung
der Dinkelsbühler Bühne, die besondere Anerkennung
beim beifallsfreudigen Publikum fand." Ähnlich
in Rothenburg, wozu der "Fränkische Anzeiger"
schreibt: "Wer sich jüngst in der gut besetzten
Reichsstadthalle keinen Platz gesichert hatte, verpasste
ein vom Publikum bejubeltes Gastspiel des Fränkisch-Schwäbischen
Städtetheaters Dinkelsbühl. Die Bezeichnung
'Schlagerrevue' unter dem (...) Titel 'Rote Lippen
soll man küssen' kann getrost als Understatement
be- zeichnet werden. Denn was die fünf Schauspieler
unter der Regie von Peter Cahn auf die Bühne
stellten, war eine im besten Sinne wilde Mischung
aus Ohrwürmern der Fünfziger, Sechziger
und Siebziger Jahre, Kabarett mit hohem Niveau und
geschmeidig intelligenter Conference und alles in
schauspielerischer, aber auch sängerischer Klasse."
"Stimmung wie noch nie" und "offenen
Szenenapplaus" gab es bei der Premiere zur Uraufführung
von "Rote Lippen" laut M.H. Ebers ("Woche
im Blick") und: "An diesem Abend ist das
Theater da angekommen, wo Intendant Cahn es immer
hin haben wollte: Mitten in Dinkelsbühl."
"Rote Lippen sagen Wahres" über- schreibt
die "Augsburger Allgemeine Zeitung" ihren
Bericht über das dortige Gastspiel und trifft
damit Cahns Anliegen, witzige Unterhaltung und ernsthafte
Hintergündigkeit in Balance zu halten und damit
das Abdriften in billigen Klamauk auszuschließen.
In dieser Besprechung heißt es weiter: "Hinter
der deutschen Populärkultur zwischen Wiederbewaffnung
und Ölkrise entdeckte Peter Bommas manches Doppelbödige,
das bei seiner schmissigen Schlagerrevue, hervorragend
inszeniert vom Städtetheater Dinkelsbühl,
bei aller guten Stimmung im abraxas stets durchblitzt.
(...) Die Songs reiben sich aneinander, stellen sich
gegenseitig in Frage. Dieses subtile Bauprinzip führt
Bommas konsequent durch. So erfolgt die Aufklärung
quasi nebenbei, während auf der Bühne eine
schrille, freche, rasante und kunterbunte Show abgeht
(.. .), ein Kaleidoskop der Befindlichkeiten, die
ausgehend von Originaldokumenten mit einem Augenzwinkern
kommentiert bzw. in der Abfolge konterkariert werden."
Eine "witzige Geschichtsstunde" nennt das
Robert Maurer im "Weißenburger Tagblatt"
und bedauert: "Offenbar gab es aber Bedenken,
dass das Konzept einer Geschichtsstunde auf Schlagerbasis
nicht wirklich witzig ist, denn es waren nicht einmal
130 Besucher im Kulturzentrum Karmeliterkiche. Die
werden aber dafür sicher von einem äußerst
amüsanten Abend erzählen." Freilich
läßt sich das Programm aufs Lachen allein
"nicht reduzieren. Sowohl in der Moderation als
auch in der geschickten Idee, Fernsehmeldungen jener
Jahre - mal wahr, mal verulkt - zu bringen, wird die
Kehrseite der ungebrochenen Lustigkeit gezeigt."
("Fränkischer Anzeiger" Rothenburg)
Klassiker heute
Die Frage, wie Klassiker heute auf- geführt
werden können, stellt sich bei Shakespeares "Romeo
und Julia" in Cahns Inszenierung. "Cahn
hat das Stück gründlich entstaubt und ihm
einen recht modernen Schnitt verpasst. Die Rahmenhandlung
um die beiden Liebenden wurde auf das absolut Notwendige
be- schränkt." So liest man im "Hohenloher
Tagblatt". Das ergibt auch für M.H. Ebers
in "Woche im Blick" "gute Unterhaltung
statt Klassiker-Erhabenheit. (...) Dabei hat Cahn
keine 'moderne Version' geschaffen, sondern sich eher
dem shakespeareschen Ursprung genähert und eine
Bühnen- Atmosphäre analog zu dessen Globe-Theatre
in den Schrannen-Saal übertragen." "Cahn
räumt den Ballast zur Seite, den Tausende von
Interpre- tationen in Pyramidenhöhe auf Romeo
und Julia abgelagert haben. Er geht zurück zu
den Anfängen, die einfach, und wenn es angebracht
schien, auch derb waren." So lobt Thomas Wirth
in der FLZ die Intention der Regie. Wozu also die
Besorg- nis um das Ausbleiben klassikkonformer Rührung?
Dazu die "Wochenzeitung": "Das Drama
um Romeo und Julia (...) wirkt aufgrund der Minimalisierung
der Requisiten in der Dinkelsbühler Schranne
so nüchtern, dass beim Zuschauen die Rührung
ausblieb. Das war durchaus beabsichtigt. Jedoch manchen
Zuschauer irritierte die 'unromantische' Vorstellung."
"Dampfendes Liebespathos" ist dem Geschehen
in Cahns Inszenierung nach Thomas Wirth fremd, "und
am Ende sind trotzdem alle richtig gerührt."
Und Schauspieler, Technik und Musik?
Auch dazu überall volles Lob, so daß wir
dieses Mal gar nicht erst anfangen wollen zu zitieren.
Wir wissen in Dinkelsbühl diese Leistungen ohnehin
zu schätzen. Funkfeuer bittet um Verständnis,
daß wir einmal hauptsächlich andere Schwerpunkte
gesetzt haben.
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