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  >>> Theater, Funkfeuer Nr. 44, Frühjahr 2002
   
  Beste Unterhaltung und kritische Zwischentöne
  "Gute Unterhaltung statt Klassiker-Erhabenheit"
  Ein Blick auf die Pressekritik zu den Produktionen des Fränkisch-Schwäbischen Städtetheaters
   
 

Mit den bei den Zitaten in unserer Überschrift sind, meinen wir, Intendant Cahns Vorstellungen vom Theater in der Provinz, in Dinkelsbühl, ziemlich genau umrissen. Daß es ihm bisher gelungen ist, diese Intention zu verwirklichen, bestätigen die Pressebesprechungen zu "Rote Lippen soll man küssen" und "Romeo und Julia" erneut. Ein Weiteres, das Dinkelsbühler Theaterbesucher erfreut, wird auch in den Besprechungen heimischer und auswärtiger Zeitungen stets hervorgehoben: das beachtliche Engagement im Ensemble und die das Publikum in den Bann ziehende Spielfreude. Im Shakespeare- Stück hat Cahn, so das "Hohenloher Tagblatt", "seinem fünfköpfigen Ensemble einen ziemlichen Kraftakt zu- gemutet. (...) Das Ensemble hat sich dieser Aufgabe mit Witz, Tempo und Spielfreude gestellt." "Sichtbare Spiellust" bescheinigt auch Thomas Wirth in der FLZ den Schauspielern. "Sichtlich Spaß auf und vor der Bühne" war in Pfronten bei der Aufführung von "Rote Lippen" zu konstatieren, wozu Alfons Böck im "Füssener Blatt" schreibt: "Der sichtliche Spaß der Schauspieler am grellen Bilderbogen Deutschland springt auf das Publikum über. Man fragt sich, wer da mehr Spaß hatte: die oben auf der Bühne oder die unten im Saal." Dazu schließlich auch M.H. Ebers in "Woche im Blick": "Die sichtbare Spielfreude des Ensembles sorgt auch im Saal für gute Laune. Die Funken zwischen Bühne und Parkett sprühen zwei kurzweilige Stunden lang." "Beste Unterhaltung von Anfang bis Ende" war für das "Weißenburger Tagblatt" die Schlagerrevue.

Viel Beifall für eine ungewöhnliche Uraufführung

Regieabsicht und Ensembleleistung verhelfen dem Dinkelsbühler Theater zu Erfolgen zu Hause und bei Gast- spielen in "Abstecherorten". Aus Pfronten wird berichtet: "Schlagerrevue war in Pfronten ein Volltreffer. Selten durften die Akteure auf der Bühne des Pfarrsaales größeren Beifall ern- ten, als bei der Schlagerrevue des Fränkisch-Schwäbischen Städtetheaters Dinkelsbühl. Stehend wurden sie verabschiedet. (...) Ein kleines Häuflein, das ein Riesenprogramm ab- wickelte (.. .), eine Leistung der Dinkelsbühler Bühne, die besondere Anerkennung beim beifallsfreudigen Publikum fand." Ähnlich in Rothenburg, wozu der "Fränkische Anzeiger" schreibt: "Wer sich jüngst in der gut besetzten Reichsstadthalle keinen Platz gesichert hatte, verpasste ein vom Publikum bejubeltes Gastspiel des Fränkisch-Schwäbischen Städtetheaters Dinkelsbühl. Die Bezeichnung 'Schlagerrevue' unter dem (...) Titel 'Rote Lippen soll man küssen' kann getrost als Understatement be- zeichnet werden. Denn was die fünf Schauspieler unter der Regie von Peter Cahn auf die Bühne stellten, war eine im besten Sinne wilde Mischung aus Ohrwürmern der Fünfziger, Sechziger und Siebziger Jahre, Kabarett mit hohem Niveau und geschmeidig intelligenter Conference und alles in schauspielerischer, aber auch sängerischer Klasse." "Stimmung wie noch nie" und "offenen Szenenapplaus" gab es bei der Premiere zur Uraufführung von "Rote Lippen" laut M.H. Ebers ("Woche im Blick") und: "An diesem Abend ist das Theater da angekommen, wo Intendant Cahn es immer hin haben wollte: Mitten in Dinkelsbühl." "Rote Lippen sagen Wahres" über- schreibt die "Augsburger Allgemeine Zeitung" ihren Bericht über das dortige Gastspiel und trifft damit Cahns Anliegen, witzige Unterhaltung und ernsthafte Hintergündigkeit in Balance zu halten und damit das Abdriften in billigen Klamauk auszuschließen. In dieser Besprechung heißt es weiter: "Hinter der deutschen Populärkultur zwischen Wiederbewaffnung und Ölkrise entdeckte Peter Bommas manches Doppelbödige, das bei seiner schmissigen Schlagerrevue, hervorragend inszeniert vom Städtetheater Dinkelsbühl, bei aller guten Stimmung im abraxas stets durchblitzt. (...) Die Songs reiben sich aneinander, stellen sich gegenseitig in Frage. Dieses subtile Bauprinzip führt Bommas konsequent durch. So erfolgt die Aufklärung quasi nebenbei, während auf der Bühne eine schrille, freche, rasante und kunterbunte Show abgeht (.. .), ein Kaleidoskop der Befindlichkeiten, die ausgehend von Originaldokumenten mit einem Augenzwinkern kommentiert bzw. in der Abfolge konterkariert werden." Eine "witzige Geschichtsstunde" nennt das Robert Maurer im "Weißenburger Tagblatt" und bedauert: "Offenbar gab es aber Bedenken, dass das Konzept einer Geschichtsstunde auf Schlagerbasis nicht wirklich witzig ist, denn es waren nicht einmal 130 Besucher im Kulturzentrum Karmeliterkiche. Die werden aber dafür sicher von einem äußerst amüsanten Abend erzählen." Freilich läßt sich das Programm aufs Lachen allein "nicht reduzieren. Sowohl in der Moderation als auch in der geschickten Idee, Fernsehmeldungen jener Jahre - mal wahr, mal verulkt - zu bringen, wird die Kehrseite der ungebrochenen Lustigkeit gezeigt." ("Fränkischer Anzeiger" Rothenburg)

Klassiker heute

Die Frage, wie Klassiker heute auf- geführt werden können, stellt sich bei Shakespeares "Romeo und Julia" in Cahns Inszenierung. "Cahn hat das Stück gründlich entstaubt und ihm einen recht modernen Schnitt verpasst. Die Rahmenhandlung um die beiden Liebenden wurde auf das absolut Notwendige be- schränkt." So liest man im "Hohenloher Tagblatt". Das ergibt auch für M.H. Ebers in "Woche im Blick" "gute Unterhaltung statt Klassiker-Erhabenheit. (...) Dabei hat Cahn keine 'moderne Version' geschaffen, sondern sich eher dem shakespeareschen Ursprung genähert und eine Bühnen- Atmosphäre analog zu dessen Globe-Theatre in den Schrannen-Saal übertragen." "Cahn räumt den Ballast zur Seite, den Tausende von Interpre- tationen in Pyramidenhöhe auf Romeo und Julia abgelagert haben. Er geht zurück zu den Anfängen, die einfach, und wenn es angebracht schien, auch derb waren." So lobt Thomas Wirth in der FLZ die Intention der Regie. Wozu also die Besorg- nis um das Ausbleiben klassikkonformer Rührung? Dazu die "Wochenzeitung": "Das Drama um Romeo und Julia (...) wirkt aufgrund der Minimalisierung der Requisiten in der Dinkelsbühler Schranne so nüchtern, dass beim Zuschauen die Rührung ausblieb. Das war durchaus beabsichtigt. Jedoch manchen Zuschauer irritierte die 'unromantische' Vorstellung." "Dampfendes Liebespathos" ist dem Geschehen in Cahns Inszenierung nach Thomas Wirth fremd, "und am Ende sind trotzdem alle richtig gerührt."

Und Schauspieler, Technik und Musik?

Auch dazu überall volles Lob, so daß wir dieses Mal gar nicht erst anfangen wollen zu zitieren. Wir wissen in Dinkelsbühl diese Leistungen ohnehin zu schätzen. Funkfeuer bittet um Verständnis, daß wir einmal hauptsächlich andere Schwerpunkte gesetzt haben.

   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 
 
 
 
Dinkelsbühler Gästebuch
Texte aus vier Jahrhunderten
 
Herausgegeben von Ernst-Otto Erhard
 
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mit besonderem Blick auf Dinkelsbühl und seine Geschichte
 
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