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Erleichterung einerseits, daß "keine dreistündige
Tragikomödie" (Thomas Wirth in der FLZ)
inszeniert wurde, daß das in Kleists "Amphitryon"
Thematisierte nicht "in bedeutungsschweren Jamben
drei Stunden über die Bühne stakste"
(Reinhardt Gruß im "Hohenloher Tagblatt"
vom 7. Mai 2002, merkwürdigerweise mit einmonatiger
Verspätung veröffentlicht, nachdem der nichtssagende
Bericht eines anderen Berichterstatters - pm - nur
zehn Tage bis zum Abdruck benötigt hatte). Leichtes
Bedauern andererseits ebenfalls bei Wirth, der s e
i n e n Kleist in der Inszenierung nicht zu finden
schien; für ihn wurde es "eine Boulevardkomödie,
die sich nach Kräften mühte, mit Kleists
Gedankenballast zu jonglieren". Eine gewisse
Enttäuschung verbindet er abschließend
mit dem Lob für Marion Shultheiß' Kostüme,
"die mit wenigen Mitteln aussagekräftig
sind. Ach, man könnte Kleists 'Amphitryon' in
ihnen spielen." Mit diesem "Ach" verweist
der Kritiker beziehungsreich auf den "finalen
Seufzer" Alkmenes am Schluß des Stückes,
einen Seufzer, der in seiner Modulation den Grundtenor
des ganzen Dramas zusammenfassen könnte: "Ihr
Ach, zum Och verdunkelt, kommt bei Maike Frank leicht
heraus, ein bisschen erstaunt, ein bisschen enttäuscht,
vor allem amüsiert: dann hält sie sich die
Hand vor den Mund und kichert verlegen wie ein Teenager.
Das passt gut zur Inszenierung, die den Text am liebsten
ironisch verkleinert." Die Ironisierung wird
auch sonst in den Kritiken überall herausgestellt
und akzeptiert in Anbetracht der Schwierigkeiten,
Kleists Sprache und seine idealistische Vorstellung
von der Untrüglichkeit und Unerschütterlichkeit
des Gefühls heute noch auf die Bühne zu
bringen. Einverständnis herrscht dann auch in
einigen Kritiken mit dem Trend zur Boulevardkomödie,
durchaus mit "Momenten des Innehaltens und der
Nachdenklichkeit" (Reinhardt Gruß): "
Lars Helmer (Anm.d.Red.: Helmer, der frühere
Dramaturg des Dinkelsbühler Theaters, führte
als Gast Regie) hat Kleists Lustspiel mit ironischem
Augenzwinkern inszeniert. Er blickt dabei weniger
in die möglichen Abgründe göttlicher
Eingriffe in irdische Abläufe und menschliche
Seelen und spitzt stattdessen die Charaktere boulevardesk
zu." (M.H. Ebers in der "WIB") Freilich
sind dabei Überzeichnungen nicht ganz vermieden.
Gott Jupiter, meint Ebers, werde "in seinem aufgesetzten
Bemühen um majestätische Gesten zum himmlischen
Clown". Als Fazit aber bleibt "ein kurzweiliger
Abend am Boulevard, unter dessen Pflaster der Strand
noch zu entdecken ist" (Ebers). Oder: "Eine
unangestrengt wirkende Inszenierung von hohem Unterhaltungswert
mit vielen pfiffigen Einfällen, die von einer
guten Ensembleleistung getragen wird. Der Kritikaster
darf das duchaus 'Kleist light' nennen. Muss dann
aber anmerken, dass Inszenierungen dieser Art immer
noch meilenweit entfernt sind von der drögen
Witzigkeit der Fernsehkomödien und dem platten
Klamauk des Boulevard." (Reinhardt Gruß)
Oder - aus einem Gastspielort für Dinkelsbühl
besondes wichtig -: "Das 'Besondere Theater'
der Stadt Weißenburg hatte dieses Prädikat
am Freitagabend zum Saisonabschluss vollauf verdient,
denn das Ensemble des Fränkisch-Schwäbischen
Städtetheaters Dinkelsbühl bot im Kulturzentrum
Karmeliterkirche mit dem Stück 'Amphitryon' eine
anspruchsvolle und zugleich sehr unterhaltsame Aufführung.
Die knapp 250 Besucher spendeten am Ende zu Recht
reichlich Beifall. (...) die Dinkelsbühler boten
eine spritzige Inszenierung des verdunkelten Lustspiels.
(...) Das tragikomische Spiel (...) wurde von dem
Ensemble quicklebendig und manchmal mit augenzwinkernder
Ironie auf die Bühne gebracht." (Uwe Mühling
im "Weißenburger Tagblatt")
Shakespeare macht Spaß...
vor allem wenn sämtliche Werke in 80 Minuten
- leicht gekürzt - auf der Bühne vorgestellt
werden. Das ist der fast einstimmige Tenor der Besprechungen
zu "Shakespeares sämtliche Werke (leicht
gekürzt)" von Adam Lony, Daniel Singer und
Jess Winfield in der Bearbeitung von Peter Cahn. Zunächst
die Einschränkung: Michael H. Ebers ("WIB")
bescheinigt den Darstellern zwar: " Sie ziehen
alle Register ihres komischen Potentials. Und das
besitzen die drei Mimen in reichlichem Maße."
Aber er spricht auch von einem gut angerichteten Menü,
"dessen Genuß jedoch ein leicht flaues
Gefühl im Magen hinterlässt. (...) Irgendwann
können da nur noch die jüngere Comedy-Kids
mitlachen." Der Kritiker des "Rothenburger
Anzeigers" dagegen hat einen "unvergesslichen
Abend" erlebt, "unterhaltsam und spannend
sowohl für eingefleischte Shakespeare-Kenner
als auch für die erste Begegnung mit dem großen
Klassiker, als ansprechende Hilfe, die Angstschwelle
zu überwinden". Aus Donauwörth werden
dem Theater eine "rekordverdächtige Leistung"
und "beste komödiantische Unterhaltung"
bescheinigt. "Starker Beifall mit begeisterten
Pfiffen jugendlicher Fans belohnte das engagierte
Dreierteam: Hohes Spieltempo, blitzschnelles Einstellen
auf die verschiedensten Bühnenrollen, flotte
Dialoge und Slapstick bis hin zum Klamauk verlangten
den Darstellern allerhand ab. Für die Zuschauer
wurde daraus noch ein Faschingsnachklang, nämlich
ein abwechslungsreicher Abend mit leichter Unterhaltung
auf literarischem Hintergrund." So Richard Hroß
in der "Donauwörther Zeitung", der
allerdings im zweiten, "Hamlet" gewidmeten
Teil "nach dem Feuerwerk der ersten Hälfte
fast schon einige Längen" feststellt. Der
"Kölner Stadt-Anzeiger" schreibt über
eine Vorführung beim Kulturkreis Erftstadt: "Wer
hat nicht schon einmal Tränen über eines
der Dramen Shakespeares vergossen? Eher selten sah
man jedoch das Publikum vor Lachen weinen, wie bei
der Darbietung des fränkisch-schwäbischen
Städtetheaters Dinkelsbühl." Dort allerdings
verließen "einige wenige Zuschauer"
in der Pause "entsetzt" den Saal, weil man
Shakespeares Werke nicht derart ins Lächerliche
ziehen könne. Dagegen verteidigt Reinhardt Gruß
im "Hohenloher Tagblatt" das Konzept: "Den
Klassikern täte etwas weniger Heldenverehrung
nur gut." Natürlich in Grenzen: "Dass
dabei das Niveau nicht auf die heute im Comedy-Bereich
übliche Niedrigst-Stufe sinkt, dafür sorgen
Shakespeares Werke. Und die drei Schauspieler, die
mit erstaunlicher Wandlungsfähigkeit und einem
Minimum an Requisiten (...) beeindrucken." (Martina
Kramer, FLZ) "Welch Glück! Die Besucher
der 16 Tragödien, der Sonette und was sei's denn
noch, erlebten einen glänzenden Theaterspaß
mit hoch motivierten Darstellern! Nicht weniger, geistreich
eher mehr." So schreibt Thomas Kampus in der
"Schwäbischen Post", Aalen, lenkt aber
auch auf einen ganz anderen Aspekt: " Warum eigentlich
spielen die vorzüglichen Schauspieler nur zwei
Mal in Dinkelsbühl und müssen dann zu Gastspielen
auswandern? Das Städtchen hätte mehr von
diesem vorzüglichen Spaß verdient gehabt,
sollten dort nicht nur touristenfrohe Gastwirte und
erinnerungsliebende Zinngießer ihr Handwerk
an die Weib- und Männlichkeit bringen."
Nett gedacht, wenn auch reichlich realitätsfern!
Keine leichte Kost
Mit "Der Klassenfeind" in der Inszenierung
der Dramaturgin Karen Schultze "hat sich ausgerechnet
der Dinkelsbühler Theater-Jugend-Club dem zeitkritischen
Theater zugewandt (...) keine leichte Kost, die da
von Nachwuchs-Hand serviert wurde". (Michael
Hanns Ebers in "WIB") Wir erlauben uns die
Bemerkung, daß das Verständnis der schwierigen
Thematik durchaus erleichtert wurde durch das leitmotivisch
fast in jeder Minute des Spielverlaufs entgegengeschleuderte
Wort "Scheiß ...". Kein Wunder, daß
sich alle Kritiker zur Qualität des Nigel-Williams-Stückes
so gut wie nicht äußern. Unsicherheit?
Oder Angst, als nicht "in" zu gelten, wenn
man an dem von engagierter Jugend Gebotenen kratzt?
Dabei sind doch das Spiel der Akteure und die Regie
das, was die Zeitungsleute allesamt lobend hervorheben.
Also: "Ein schwieriges Stück (...), das
manche mit seiner aggressiven Sprache verstört
haben mag" (Reinhardt Gruß im "Hohenloher
Tagblatt"). Aber: "Viele gute Regieeinfälle
von Karen Schultze". (dto.) "Für Karen
Schultze ist dies übrigens die erste Regie, die
sie führt, und es macht ihr viel Spaß,
mit den jungen Mimen an dem sozialkritischen Stück
vor einer dem Inhalt [entsprechenden: Ergänzung
d. Red.] tristen Kulisse zusammenzuarbeiten."
Thomas Hampus von der "Schwäbischen Post",
der diese Teamarbeit hervorhebt, bescheinigt der schaupielrnden
Jugend "ungewöhnliche Dynamik", "ein
enormes Tempo, eine fesselnde Spannung (...) Ein sehenswerter
Wurf!" Ebers spricht von einer "reifen,
profihaften Leistung". "Besonders hervor
tut sich 'Fetza', die Anführerin des desolaten
Haufens. Anna-Christin Ballheimer muss viel schreien
in dieser Rolle." (Martina Kramer in der FLZ)
Muß sie das wirklich? "Den verdienten Sonderapplaus",
so ebenfalls Kramer, "heimst Kathrin Schmidt
ein mit ihrer Darstellung als kaugummikauende, grell
geschminkte und einfach strukturierte Türkin
(...) Sie bringt die nötige Farbe in ein ansonsten
reichlich unverdauliches und mitunter verkrampftes
Stück." Ob eine Türkin diese "Farbe"
verdient hat?
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