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Musical und Kinderstück -von außen betrachtet-

   
 

Wie immer wollen wir in unserer Theater-Rubrik mit der Rückschau auf vergangene Inszenierungen des Fränkisch-Schwäbischen Städtetheaters nicht wiederholen, was schon in der örtlichen Presse für jeden Interessierten zu lesen war, sondern sammeln, welches Echo das Dinkelsbühler Theater auswärts findet. Bei den Sommerfestspielen wird fast ausschließlich am Ort gespielt, sicher finden sich dazu eine Reihe von Journalisten ein, die für auswärtige Zeitungen schreiben. An ihre Berichte heranzukommen, scheint schwierig oder mit hohen Kosten verbunden zu sein. Uns liegen jedenfalls kaum solche Kritiken zu den Sommerstücken 2004 vor, so daß wir auch auf besonders auffällige Wertungen zurückkommen, die in den hiesigen Zeitungen zu lesen waren.
Besonders treffend erscheint uns Lara Hausleitners Schlußbemerkung (FLZ vom 18. Juni 2004):„ ... im unvermeidlichen großen Musical-Finale wird die Macht der Liebe über den Tod besungen. Hach, wie schön, im nächtlichen Kreuzgang (sic!). Schön kitschig, aber schön.“ Wer den hochromantischen Schluß auch so beurteilt, vor allem passend für einen Freilicht-Abend am Wehrgang(!), ist damit gerechtfertigt. Was den Wehrgang betrifft, so wurde im vorigen Jahr öfter Kritik laut, er komme hinter dem groß dimensionierten Bühnenbild zu wenig zur Geltung. Mit einer (berechtigterweise?) abwertenden Bemerkung zum diesjährigen Bühnenbild, wird in diesem Jahr von Birgit Ruf (FLZ -Kultur regional vom 18. Juni 2004) ein gewisser Ausgleich geschaffen: „Das simple Einheits-Bühnenbild (...) bringt das Ambiente des alten Wehrgangs (...) gut zur Geltung.“
In der Vorschau auf die Premiere von „Cyrano de Bergerac“ schreibt Thomas Hampus in der „Schwäbischen Post“ (14. Juni 2004): „Dinkelsbühl macht sich auf, theatralische Akzente der besonderen Art zu setzen. Dafür ist das Fränkisch-Schwäbische Städttheater seit der Intendanz Peter Cahns bekannt. Cahn setzt auf zwei zugkräftige Pferde: gute Unterhaltung und niveauvolles Theater.“
Für die „Cyrano“-Inszenierung findet Sonja Jaser in der „Schwäbischen Post“ (20. Juni 2004) viel lobende Worte: „Die Aufführung (...) besticht (...) durch ihre humorige Einkleidung eines zu Herzen gehenden Stoffes. (...) Mit viel Schwung geht Intendant Peter Cahn bei der Inszenierung des Musicals (...) zu Werke. Und es scheint, als ob seinen Schauspielern der Rhythmus so richtig ins Blut gegangen ist. (...). Aber auch die Gruppenszenen sind so herrlich, dass im Publikum mit Thomas Goppel sogar der Wissenschafts- und Kunstminister als Schirmherr der Sommerfestspiele oft herzlich lachen kann.“ „Die flotte Reihung der Gags“, kann Lara Hausleitner in der oben schon zitierten Besprechung ihrer Kollegin wenigstens teilweise beipflichten, „bringt - wie die spannungsreich choreographierten Fecht-Aktionen - Tempo in die Inszenierung, rückt sie jedoch in die Nähe einer Nummernrevue. Tänzer mit langnasigen Pantalone-Masken und Pierrot-Leibchen, mit denen der Regisseur oft auch in leisen Szenen die Bühne füllt, schaffen ebenfalls Tempo und Bewegung, nehmen aber manchen Momenten die Intensität.“ Bei den Möglichkeiten, konventionelles Musiktheater in Dinkelsbühl zu verwirklichen, die „freilich immer unerfüllt bleiben müssen“, weil dazu „die finanziellen und auch räumlichen Möglichkeiten (...) zu beschränkt“ sind, sieht Thomas Wirth (FLZ - Kultur in der Region vom 24. Juni 2004) folgendermaßen „das Problem, an dem das Dinkelsbühler Cyrano-Musical krankt. Allzu oft sieht und hört man ihm an, dass dessen Sinn Größerem gilt: großen Effekten, großen Emotionen. Dazu braucht man jedoch dementsprechende Sänger, Tänzer und ein ordentliches Live-Orchester. Ansonsten bleibt es bei der schönen Absicht. Mehr nicht. Andererseits gibt es hinreißend komische, schwebend leichte Momente, in denen das Musical sich selbst nicht ganz ernst nimmt. Das funktioniert prächtig. Dafür hat Peter Cahn ein Händchen - und die Mittel.“ Ähnlich Birgit Ruf (vgl. oben): „Das neunköpfige Ensemble geht die Spielszenen in historischen Kostümen manchmal etwas zu überprononciert an und ist gesanglich recht unterschiedlich.“

„Tolle Anerkennung der Arbeit“

So registriert die Wochenzeitung (15. Juli 2004) den Erfolg der Dinkelsbühler Bühne mit dem Kinderstück „Pettersson, Findus und der Hahn“ bei den 22. Bayerischen Theatertagen in Regenburg, wo die Inszenierung als beste Kindertheaterproduktion prämiert wurde. Die „Mittelbayerische Zeitung“ vom 2. Juli 2004 schreibt dazu: „Umwerfend komisch ist besonders Andreas Peteratzinger, der wirklich gockelhaft auf der Bühne herumscharwenzelt. Mit wenig Aufwand wurde hier zauberhaftes und bestes Kindertheater geboten.“ Auch Thomas Wirth ( FLZ vom 21. Juni 2004) resümiert: „Ab vier für jeden ein rundes Theatervergnügen.“
In der Laudatio zur Preisverleihung wird diese folgendermaßen begründet: „Es war eine kleine Theater-Revolution! Diese Inszenierung (...) bricht mit fragwür-digen Selbstverständlichkeiten und zu Klischees verkümmerten Standards des Kindertheaters. Auf einen Begriff gebracht: es bricht mit der Kindelei. (Ich hoffe, man hat mich verstanden. Wenn nicht: denken sie an Volkstümelei...). Konkreter: Hier zwängen sich nicht erwachsene Menschen in Ganzkörpertierkostüme, sondern sie erschaffen ihre Figuren mit sparsamen und umso deutlicheren Ausdrucksmitteln. Beispiel: Einen Hahn kann man auch mit Kopf, einer Schulter und einem Arm spielen. Der Rest des Körpers bleibt dem Darsteller. Und damit darf er zeigen, was er als erwachsener Schauspieler sonst noch alles empfindet: Spiel, Spaß, Musik, Lebensfreude, Ironie... Das fesselt die Kinder genauso stark wie die begleitenden Erwachsenen, wenn auch wahrscheinlich jeweils auf eine andere Weise. Beide Parteien, die Kleinen und die Großen nehmen an derselben Show teil - wie im wirklichen Leben ja auch.

Zustimmung und Widerspruch

Einer Absprache in der Redaktion entsprechend enthalten wir uns bei der Wiedergabe der Theaterkritiken einer Meinungsäußerung, meistens wenigstens, obwohl ein Protest oder zumindest eine Infragestellung angebracht wäre. Diese Zurückhaltung möge auch das Theater respektieren.
Wie extrem gegensätzlich Kritiken ausfallen können, soll an drei Beispielen gezeigt werden, in denen ein Fazit zur Aufführung der Heinz-Erhardt-Revue aus der vergangenen Winterspielzeit gezogen wird: „Nach knapp zwei Stunden (inklusive zweier ertrampelter Zugaben) fand ein hinreißender Abend im sehr gut gefüllten Pfarrheim ein begeisterndes Ende.“ („Füssener Blatt“ vom 28.Oktober 2003 zur Aufführung in Pfronten). Oder: „Am Ende war das Publikum einer Meinung: Diese witzige Zeitreise war überaus gelungen.“ („Siegener Zeitung“ vom 6. Oktober 2003). Und schließlich: „ ‘Wer will denn gleich in die Luft gehen?’ - vielleicht derjenige, der sich ein solches Stück ansehen muß.“ („Heidenheimer Zeitung“ vom 4. März 2004 zur Aufführung in Giengen)

   
   
   
   
 
 
 
 
   
 
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