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Theater und mehr
Die Arbeit des Theater- und Kulturringes der Stadt Dinkelsbühl seit über 50 Jahren

   
 

Zu diesem Thema fertigte eine Abiturientin des Gymnasiums Dinkelsbühl eine Facharbeit an. Wir baten sie, als „Nebenprodukt“ ihrer Recherchen uns einen kurzen Abriß zur Verfügung zu stellen. Anlaß ist das 50jährige Jubiläum des Kulturringes im Jahre 2005, das im Frühjahr dieses Jahres zusammen mit dem dann fälligen 50jährigen Jubiläum des Fränkisch-Schwäbischen Städtetheaters abschließend gefeiert wird.

„Theater und mehr“ ist das Motto, das die Arbeit des Theater- und Kulturrings wohl am besten beschreibt. Seit nunmehr 51 Jahren versucht die Vorstandschaft diesen Gedanken in die Tat umzusetzen.
Die Geschichte des Rings begann im Dezember 1954, als in Dinkelsbühl ein Symphoniekonzert veranstaltet wurde. Im Anschluss an dieses kulturelle Ereignis entstand die Idee, einen Verein zu gründen, der das kulturelle Geschehen in der Kleinstadt beleben sollte.
Am 7. Januar 1955, der heute als Gründungsdatum gilt, fand die erste Besprechung der „Gründerväter“ statt. Das Ergebnis dieser Versammlung war, dass ein Aktionsausschuss, bestehend aus Oberstudiendirektor a. D. Doederlein, Professor Gebhard, Studienprofessor
a. D. Sträussler und Oberinspektor Christ, gebildet wurde.
Als am 7. März die zweite Sitzung des Ausschusses erfolgte, gehörten dem Theater- und Kulturring bereits 380 Mitglieder an, und damit war das Vorhaben geglückt.
In erster Linie sollte der Verein ein Abonnentenring sein, und der monatlich zu zahlende Beitrag war als Eintrittspreis für die gebotenen Vorstellungen gedacht.
Dass im ersten Jahr des Bestehens fast ausschließlich die Württembergische Landesbühne Esslingen für die Unter-
haltung der Abonnenten sorgte, wurde schon bald vom Zweiten Bürgermeister Hiltner, der dem Ausschuss angehörte, kritisiert, da der Name des Vereins Kultur ebenso mit einschließe wie Theater. Somit könne man den musikalischen Sektor nicht einfach unter den Tisch fallen lassen.
Wie sich während der Mitgliederversamm-lung Ende 1955 und im Rahmen einer Umfrageaktion Anfang 1956 herausstellte, waren die Abonnenten im Großen und Ganzen mit der Arbeit der Vorstandschaft zufrieden.
In das zweite Jahr des Bestehens des Rings fällt ein wichtiges Ereignis der Vereinsgeschichte: Die Umsiedlung des Kleinen Burgschauspiels nach Dinkels-bühl. Die Bühne, die sich im Frühsommer 1953 in Rothenburg, initiiert von Erich Krempin, zusammenfand, entschloss sich aufgrund fehlender Unterstützung und verschiedener Anfeindungen, Rothenburg zu verlassen und nach Dinkelsbühl umzusiedeln. Die Truppe hatte vor dieser Entscheidung schon Vorstellungen in Dinkelsbühl absolviert und war von der positiven Aufnahme durch die Bevölkerung sehr angetan. Ein wichtiges Argument für diesen Entschluss war natürlich das Vorhandensein des Theater- und Kulturrings. Am 8. September 1956 sprach sich der Stadtrat einstimmig für die Umsiedlung des Burgschauspiels aus. Der zu leistende Zuschuss von jährlich 3000 DM wurde als nicht allzu großes Risiko angesehen.
Die Entscheidung, das Burgschauspiel zu übernehmen, stellte sich als richtig heraus: Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase brachte die Truppe wieder gewohnt gute Leistungen.
14 Jahre später musste das Theater eine große Krise durchleben. Durch den Weggang des damaligen Intendanten Klaus Schlette, der nach dem Tod Erich Krempins Anfang 1959 den Intendantenposten der Bühne übernommen hatte, wurde kräftig am Fundament des Theaters gerüttelt. Im März 1970 bekam Schlette ein Angebot aus Landshut, an das dort ansässige Südostbayerische Städtetheater zu wechseln. Für ihn eine großartige Chance. Deshalb bat Schlette um die vorzeitige Entlassung aus seinem Vertrag. Außer Schlette wollten nach dieser Saison sechs weitere Mitglieder das Ensemble verlassen. Vom Theater war damit nicht mehr allzu viel übrig. Das Entscheidungsgremium spielte mit dem Gedanken, das Städtetheater aufzulösen, da es sich als schwierig erweisen würde, einen Nachfolger für Schlette zu finden, der zum einen bereit war, in die Provinz zu gehen, und der zum anderen dafür sorgte, dass das Niveau der Bühne nicht allzu stark sank.
Doch der Stadtrat hatte nicht mit dem Engagement der Schüler des Gymnasiums gerechnet. Mit einem Appell in der Fränkischen Landeszeitung und einer Demonstration machten sie auf ihr Anliegen, das Theater zu retten, aufmerksam. Und sie hatten Erfolg. Durch ihren Einsatz konnte die Mitgliederzahl des Rings, der seit Jahren an Mitgliederschwund litt, mehr als verdoppelt werden. Dadurch wurde den Räten vor Augen geführt, dass der Bevölkerung sehr viel an einem eigenen Theater liegt, und sie entschlossen sich dazu, das kleinste Ensemble Deutschlands zu erhalten. Unter dem neuen Intendanten Klaus Troemer konnte die umgestaltete Truppe das Publikum schon bald mit bemerkenswerten Leistungen erfreuen.
Oberstudienrat Walter Hauth, der in der Mitgliederversammlung vom 19. März 1971 aufgrund seines Engagements während der „Rettungsaktion“ der Schüler zum Nachfolger Heinrich Hiltners gewählt wurde, wollte in den folgenden Jahren aus dem Ring, der zu einer reinen Abonnementorganisation geworden war, eine Institution machen, die entsprechend der Satzung des Vereins das kulturelle Leben in Dinkelsbühl entscheidend mitbestimmen kann. Kammerkonzerte, Matineen, Lesungen und viele andere kulturelle Veranstaltungen wurden organisiert.
Leider wird der Einsatz der Vorstandschaft selten in dem Maße gewürdigt, wie er es verdient hätte, und so sind viele Veranstaltungen des Theater- und Kulturringes, die zusätzlich zu den Theateraufführungen angeboten werden, nicht allzu stark besucht.
Eine Geschichte, die außerdem für Verwirrungen sorgte, war die Gründung der Theatergemeinde Dinkelsbühl. Diese entstand nach Divergenzen zwischen Ring und dem damaligen Intendanten des Theaters Christian Alexander Schnell. Schnell kritisierte verschiedene Aspekte der Arbeit des Rings, unter anderem die Tatsache, dass nur ein bestimmter Prozentsatz der Mitgliedsbeiträge an das Theater abgeführt wird. Die restlichen Einnahmen dienen dem Ring zur Durchführung seiner sonstigen satzungsgemäßen Aufgaben.
Letztes Jahr konnte der Ring nun bereits sein 50-jähriges Jubiläum feiern und bot zu diesem Anlass über das ganze Jahr verteilt einen kulturellen Höhepunkt nach dem anderen. Der versprochene Festabend wurde in diesem Jahr zusammen mit dem Fränkisch-Schwäbischen Städtetheater, das 2006 sein 50-jähriges Bestehen in Dinkelsbühl feiern kann, begangen.
Bleibt zu hoffen, dass der Theater- und Kulturring noch viele Jahre Bestand hat.

Julia Früh

   
   
   
   
 
 
 
 
   
 
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