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Seit 50 Jahren besitzt Dinkelsbühl ein eigenes Theater. Das Jubiläum wurde mit einem attraktiven Sonderprogramm gefeiert, und nicht nur dabei bewährte sich das im vorigen Jahr eingeweihte Freilichttheater im Künßberggarten. Vielmehr konnten in der Freilichtsaison Rekordbesucherzahlen erreicht werden.
Die ersten drei Inszenierungen der Winterspielzeit 2006/07 waren in 12 Aufführungen im Schrannenfestsaal mehr als ausverkauft. Das „mehr“ heißt, daß zusätzliche Stühle aufgestellt werden mußten. So konnte man im Herbst 2006 bereits rund 2600 Besucher zählen. Das Leitziel Peter Cahns, mit seinem Ensemble „Unterhaltung auf hohem Niveau“, zu bietenkonnte in den ersten beiden Inszenierungen in seiner Umsetzung beobachtet werden. Es findet Zustimmung auch in den Gastspielorten.
Der zweite Höhepunkt des Jubiläums-jahres nach der Festveranstaltung im Freilichttheater war die Vorpremiere zu „Hossa- oder Als Robert Lembke nicht kam“ am 15. Oktober im provisorisch zum Theatersaal umgestalteten Dachboden der Spitalscheune, die zur „Theaterscheune“, um diese Bezeichnung einstweilen zu verwenden, umgebaut werden wird. Das Projekt wurde in bewunderswert kurzer Zeit von Oberbürgermeister Dr. Hammer, Intendant Peter Cahn und Baurat Holger Göttler geboren und bis zu einer realistischen Perspektive gebracht. Nur konsequent, daß bei so überzeugenden Erfolgen das Dinkelsbühler Theater nun den Titel „Landestheater“ verliehen bekam. Die zur Verleihung des Titels in die Spital/Theaterscheune geladenen Gäste fanden die Atmosphäre dort bezaubernd. Aber Göttler hat natürlich mehr vor. Darüber befragten wir ihn und baten ihn um Fotos von dem inzwischen von Helfern des Historischen Vereins geräumten und weitgehend von Spinnweben und Staub befreiten Dachgeschoß der Spitalscheune. Göttlers Planskizzen ermöglichen einen Vergleich mit dem, was in nicht allzu weiter Ferne daraus werden soll.
Keine bloße Vision
Die zugesagten Zuschüsse und nicht zuletzt die großartigen Spenden als notwendige Ergänzung öffentlicher Mittel ermöglichten schon Ende November den Abschluß der Kostenaufstellung mit einem vernünftigen Volumen. Freilich: „Ich hätte kein Problem, das Doppelte oder Dreifache zu verbauen, z.B. für Lampen oder Theatertechnik, ohne daß man sagen könnte, das Geld wäre hinausgeschmissen“, erklärt Göttler, der aber mit dem Erreichten und Möglichen durchaus zufrieden ist.
Außer der Bausubstanz sind Einzelheiten des späteren Theaterbetriebes schon fertig. Das ist z. B. der für die „Gala“ erneuerte und vermutlich weiterhin verwendbare Fußboden im Theatersaal oder die frühere Sauna, die fast unverändert für die „Maske“ dienen kann, vor allem aber die Kronleuchter in ihrem „reduzierten Design“.
Für das Erdgeschoß mit Hauptzugang nach Süden zum Spitalhof scheint alles unproblematisch zu sein. Der Besucher findet hier in und um das untere Foyer Kasse, Garderoben, Toiletten und den Aufgang zum Theatersaal. Etwa zwei Drittel der Grundfläche nehmen Räume für Ensemble, Verwaltung und Technik ein.
Fragen zum Obergeschoß
Im Obergeschoß mit dem oberen (bewirtschafteten) Foyer, der Zuschauertribüne und der Bühnenkonstruktion stellen sich der Planung drei noch endgültig zu lösende Probleme. Die Ausrichtung würde man gern so sehen, wie sie bei der Vorpremiere, der „Gala“, zu erleben war (vgl. Plan 1), also von Giebel zu Giebel, wegen der Dachschräge für Bühne und Zuschauertribüne die geeignetere Lösung. Dafür müßte man aber vier Stützen beseitigen, was die „Steifigkeit“ der Dachkonstruktion schwächen würde. Ob kompensierende statische Maßnahmen möglich sind, ist die zu klärende Frage. Andernfalls muß alles um 90 Grad gedreht werden, was, wiederum durch die Dachschräge, sogar einen akustischen Vorteil bringt (abgeschrägte Fläche hinter der Bühne zum Zuschauerraum hin).
Wer die Atmosphäre bei der „Gala“ erlebt hat, möchte die Raumwirkung des bestens erhaltenen, wunderschönen Dachstuhls eigentlich nicht missen. Um diesen Eindruck zu erhalten, müßte das Dach vollständig abdeckt und von außen isoliert werden, viel zu teuer. Bleibt also aus Kostengründen die zweite Lösung: das Gebälk im Zuschauerraum glatt zu verkleiden, im Foyer aber die Konstruktion dadurch sichtbar zu machen, daß man zwischen den Dachsparren eine Festverglasung einbaut. Sie muß undurchsichtig sein, weil sich dahinter ansammelnder Schmutz nicht beseitigt werden kann. Die Kontrastwirkung zwischen den Mattglasflächen und den sichtbaren Balken, vor allem den schönen Andreaskreuzen, wird sicher für das entschädigen, was im Zuschauerraum nicht möglich ist.
Göttler ist sich darüber im klaren, daß die oben geschilderte glatte Dachverkleidung die Lösung der akustischen Probleme nicht erleichtert. Eine fachmännische Untersuchung durch einen Akustiker wird man sich nicht sparen können.
Sicht wie im Freilicht-Theater
Auf der ansteigenden Tribüne aus flexiblen Podestelementen wird der Zuschauer uneingeschränkte Sicht auf das Bühnengeschehen haben. 196 feste Plätze sind geplant, dazu 20 zusätzlich einsetzbare. Der Zuschauer wird vom Treppenaufgang aus auf ebenem Boden in den Raum geleitet und von da aus zu den ansteigenden Platzreihen. Da die ebenfalls flexibel konstruierte Bühne herausgenommen und auch statt der Seitenbühnen zusätzlicher Raum geschaffen werden kann, sind Veranstaltungen unterschiedlichster Art denkbar.
Wären also noch die Ideen für die weiteren Nutzungsmöglichkeiten durch Theater und evtl. andere Veranstalter zu erfragen. Hierzu werden wir Intendant Peter Cahn für unsere Frühjahrsnummer um ein Gespräch bitten. Sicher wird er uns dann schon mitteilen können, wann wir die erste Premiere im Theater in der Spitalscheune erleben können.
Holger Göttler danken wir vielmals dafür , daß er sich so viel Zeit für unsere Fragen genommen und für unseren Bericht bestes Material zur Verfügung gestellt hat.
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