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Ein ganzer Stapel von Presseberichten aus der Dinkelsbühler Lokalredaktion der „Fränkischen Landeszeitung“ und aus der Ansbacher Kulturredaktion liegt uns vor.
Über die reichhaltige und zuverlässige Berichterstattung der örtlichen Presse zeigten sich Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer und Intendant Peter Cahn mehrfach erfreut und dankbar. Auch wir sehen darin eine wichtige Förderung des Dinkelsbühler Theaters. Für unsere Rubrik „Theater“ freilich wollen wir traditionsgemäß die Berichte, die unsere Leser schon in der Heimatzeitung, zusätzlich in WZ und WIB lesen konnten, weitgehend unberücksichtigt lassen, stattdessen wollen wir weitergeben, was in den auswärtigen Medien zu finden ist, auch wenn hier die für uns greifbare Ausbeute sehr viel geringer ist. Ein Klein-Sponsor müsste sich finden, der die Sammlung solcher Berichte, die man durchaus abonnieren kann, finanziert.
„Rekordsommer für das Landestheater“ – das war die Überschrift zu einem der zahlreichen Artikel Thomas Wirths über die Sommersaison. Wir wissen inzwischen, dass mehr als 31.000 Zuschauer die Stücke im Freilicht-Theater besuchten.
Eine gefährliche Nähe zu den Zahlen vom Feuchtwanger Kreuzgang. So liest man auch, dass Bürgermeister Eckhardt betonte, man wolle bei den Kreuzgangspielen nicht ins Komödienhafte abgleiten, sicher eine versteckte Spitze gegen Dinkelsbühl, wo Intendant Cahn mit „Unterhaltung auf hohem Niveau“ Erfolge erzielen möchte.
Wenn man an Goldonis in Feuchtwangen in diesem Jahr gespieltes Stück „Der Diener zweier Herren“ denkt, bedarf es wohl einer Klärung des Begriffs; denn das Spektrum zwischen der klassischen Komödie und all dem, was sich mit ähnlichem Namen heutzutage schmückt, ist reich. Ganz nebenbei: Hans von Draminski schreibt in der WIB vom 28.06.2007 von „Goldonis Schenkelklopf-Humor“. Wirth hat aber auch einen Trost bereit, der das prestigegefährdende Zahlenspiel entschärft: „Es gehen nur mehr Leute dorthin, wo sie ein Dach über dem Kopf haben.“
Dinkelsbühl punktet
Weniger tröstlich für die Konkurrenz, was Thomas Hampus in der „Schwäbischen Post“ vom 26.05.2007 und im „Hohenloher Tagblatt“ vom 25.05.2007 zum Erfolg des Kinderstücks „Pippi in Taka-Tuka-Land“ schreibt: „Die Produktion für junge Theaterbesucher des Dinkelsbühler Landestheaters mit dem, was die Feuchtwanger Kreuzgangspiele bieten, zu vergleichen, liegt nahe. Der Vergleich drängt sich zumindest in einem Punkt auf: Die Feuchtwanger machen Ausstattungsoper, die Dinkelsbühler rasantes Theater. ‚Pippi in Taka-Tuka-Land’ ist nicht nur vom Stoff, sondern auch vom Spiel her dem ‚Urmel aus dem Eis’ weit überlegen.“ Um gleich beim Kinderstück zu bleiben, sei Hampus weiter zitiert: „Jürg Schlachter (…) hat den Nerv der Kinder getroffen und Ursula Blüml mit ihren Kostümen den dazu passenden Akzent gesetzt. Andreas Harwath hat mit Geschick die oft tonmalerische Musik in diese intelligent minimale Ausstattung (…) gesetzt. (…) Alles zusammen mit ein klein wenig Ironie, was ja mit Andreas Peteratzinger als Ephraim Langstrumpf auch wohl kaum anders zu machen gewesen wäre. . (…) Maike Frank ist nicht nur im Kostüm, sondern auch der Rolle bereits bestens bewährt und kommt mit den beiden Bühnenebenen (…) blendend zurecht. Sie spielt ihre ‚Pippi’ einfach rasant und mit einer beglückenden Mimik. Man möchte nicht ihr Vater sein, mit der Göre hätte man seine liebe Not.“ Im „Hohenloher Tagblatt“ durfte Hampus noch schreiben: „Maike Frank hat bei diesem Spiel genau das, was den Feuchtwanger Urmelisten fehlt, Pfeffer im Arsch.“ Wir kommen auf ihre sonstigen Bühneneigenschaften noch in anderem Zusammenhang zurück.
Einen weiteren Vergleich zieht Hampus bei der Besprechung von Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“: „Man darf, man muss vergleichen: Das Landestheater Dinkelsbühl hat, was fantasievolles Spiel mit pfiffigen Einfällen und Schwung ausmacht, die benachbarten Feuchtwanger Kreuzgangspiele 3:1 (eins ist für Feuchtwangens ‚Der Diener zweier Herren’) geschlagen. Jüngster Streich: ‚Der Hauptmann von Köpenick’. Gerade Lisa Brandsdörfers hochintelligent inszenierter, mit grotesken Pfiffigkeiten gespickter ‚Hauptmann von Köpenick’ ist ein Gegenentwurf zu der sich im Kreuzgang ausbreitenden, mit dekorativer Trägheit gepaarten Einfallslosigkeit. (…) Prima die musikalische Livedrapierung der einzelnen Passagen; die Dinkelsbühler können tatsächlich singen, was andere probieren. (…) Ursula Blüml stellt dazu die Kostüme; sparsam wie immer in Dinkelsbühl, da legt man Wert aufs Spiel. In dem erfüllt vor allem Andreas Harwath eine besondere Rolle; seine Bühnenmusik ist glänzend.“ Fazit: „Alle Rollen ausnahmslos bestens besetzt; zu loben nicht zuletzt Sylvia Sternbergs Maske. Die Dramaturgie besorgte zuverlässig Karen Schultze.“
Auch zu „Don Camillo und Peppone“ von Thomas Hampus nur Lobendes („Schwäbische Post“ vom 16.06.2007): „Die Gefahr, auf den Schienen der alten Verfilmung von ‚Don Camillo und Peppone’ mit Fernandel zu landen, ist Peter Cahn in seiner Regie nicht verfallen. Die Version des Dinkelsbühler Landestheaters bei den Sommerfestspielen dieses Jahres ist durchaus eigenständig und lebt nicht nur von den Protagonisten. Cahn hat sich um jede Rolle mit hoher Intensität bemüht und hat damit einen homogenen, runden Erfolg gelandet, der das Ensemble und ihn auszeichnet. (…) Mit dem Dinkelsbühler ‚Don Camillo’ wurden eine runde Einheit und ein tolles Theaterereignis geschaffen.“ Hampus lobt Piotraschke und Harwath („sind einfach umwerfend“), Astrid Polak, die die einstige Lehrerin Signora Christina „perfekt“ spielt, auch hier Ursula Blümls Kostüme, Sylvia Sternbergs Masken, Karen Schultzes Dramaturgie und Peter Cahns Bühnenentwurf. Aber „vor Maike Frank sollte man sich dann hüten, wenn sie tatsächlich im echten Leben auch etwas von der Affektiertheit der unangenehm zickigen Maria, Pasottis giftiger Gattin, haben sollte. Man wünscht es ihr nicht.“ Auch ein Lob für die gelungene Umsetzung einer Rolle.
Einschränkungen und Piotraschkes Camillo
In den „Fränkischen Nachrichten“ aus Tauberbischofsheim u.a. (27.06.2007) meldet sich wieder einmal Dieter Schnabel zu Wort und lobt „ein unterhaltsames Spiel“, während Ralf Snurawa im „Hohenloher Tagblatt“ vom 23.06.2007 kritische Töne anschlägt: „Wären da nicht einige Längen in den Auseinandersetzungen im ersten Akt und die nicht sehr überzeugende, weil stets ins Komische gezerrte Liebespaar-Beinahetragödie zwischen Gina und Mariolino im zweiten Akt zu verzeichnen gewesen, könnte man tatsächlich von einer, wenn auch etwas Fernandel-lastigen, gelungenen , sich auf das Nötigste beim Bühnenbild beschränkenden Interpretation durch Regisseur Peter Cahn sprechen.“ Ein von der Theaterkritik abweichender, allenfalls das Stück eigenwillig beleuchtender Seitenhieb Snurawas lautet: „Mit der Einigkeit der beiden Kontrahenten zeigte sich auch, dass die scheinbar verschiedenen Ideologien (sic!) – hier Christentum, dort Kommunismus – bisweilen überhaupt nicht so weit voneinander entfernt sind, was im vorwiegend von der CSU regierten Bayern aufmerksam registriert werden müsste.“ Der „Bayernkurier“ ist allerdings in unserer Sammlung nur mit einer Vorankündigung und einem Kurzbericht über den Gewinn der „Wette“ vertreten, hat also nichts registriert.
Tiefer geht Thomas Wirth in der FLZ vom 14.06.2007 mit „sieben Anmerkungen nach der Premiere“, wo er u.a. auf das Rollenverständnis in Piotraschkes Don Camillo eingeht: „Peter Cahns Inszenierung zeichnet andere Verhältnisse durch eine einzige Besetzungsentscheidung. Denn Cahns Don Camillo ist Frank Piotraschke. Nicht ohne Grund ist der in Dinkelsbühl seit Jahren auf sinistere Typen abonniert. Piotraschke hat eine Art des Sprechens kultiviert, bei der, je nach Mischung, Ironie, Zynismus oder Resignation mitschwingt. Piotraschke spricht in seinen Rollen gern und gut wie jemand, der Menschen auf Abstand halten will. Sein Camillo ist kein väterliches Schlitzohr, sondern ein einsamer, unfroher Intellektueller mit einem Faible für Faustkampf. Nur zweimal, bei der Taufe von Peppones Sohn und kurz beim Tod der alten Christina, lässt Piotraschke sein verbales Schutzschild sinken und zeigt, dass Don Camillo von etwas unmittelbar berührt wird. Die Theaterfassung des Stoffes von Gerold Theobalt hat Frank Piotraschke dem entsprechend überarbeitet. Sie ist pointierter, schärfer, härter geworden. Weil aber Cahns Inszenierung auch voller praller, handwerklich gut gemischter Szenen ist, weil sie Dramatik, Sozialkritik und viel gutherzige Komik miteinander verbindet, wird unterhaltsames Sommertheater daraus.“
Für beide Hauptinszenierungen der Sommerfestspiele bilanziert Hans von Draminski im überregionalen Teil der „Nürnberger Nachrichten“: „Weniger ist oft mehr. Und gutes Theater muss nicht mit aufwändigen Bühnenbildern oder opulenten Kostümen auf sich aufmerksam machen. Die diesjährigen Freilicht-Produktionen des Landestheaters Dinkelsbühl punkten mit gekonnter Reduktion.“
Und schließlich in eigener Sache: Wir wünschen Frau Karen Schultze, die das Dinkelsbühler Theater verlässt und im Reutlinger „Theater in der Tonne“ ihre dramaturgische Arbeit weiterführen will, dort alles Gute. Vielen Dank auch für die gute Zusammenarbeit mit Funkfeuer!
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