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Unser Titelfoto: ein Signal

   
 

Haben Sie, verehrte Funkfeuer-Leser, das Gebäude auf unserem Titelfoto wiedererkannt? Vielleicht hatten Sie ja, wenn Sie gelegentlich unseren Ausstellungsempfehlungen gefolgt sind, auch schon Gelegenheit, sich in seinem Inneren umzusehen. Es ist – in einer Teilansicht – die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall, fotografiert von Richard Schönherr in ungewohnter Perspektive, nämlich von der Dachterrasse des nahen ehemaligen Sudhauses, das – wiederum auf Initiative von Reinhold Würth – im vergangenen Jahr für einen repräsentativen Restaurantbetrieb umstrukturiert wurde.
Funkfeuer hat beide Häuser (in den Heften 41 und 56) bereits vorgestellt. Warum dann ein weiteres Foto des Museums? Noch dazu auf der Titelseite?
Wir wollten damit auf einen Themen-Schwerpunkt in diesem Heft vorbereiten, auf einige Beiträge, die sich mit dem Konzern Würth und ausgewählten Beispielen aus dem gewaltigen Komplex seiner kulturellen Aktivitäten befassen (Seiten 11-17). Wir kennen kein anderes Unternehmen, dem ein vergleichbar erfolgreiches Modell einer Verbindung von Kunst, Kommerz und Kompetenz auch im sozialen Bereich geglückt ist. Deshalb und auch weil sich ja der Stammsitz der Firma in der hohenloheschen Nachbarschaft unserer Stadt befindet, glaubten wir, mit diesem „Blick über die Mauer“ bei unseren Lesern Interesse zu finden.

Das Grundkonzept in Künzelsau-Gaisbach

„Als mein Vater 1954 überraschend an einem Herzinfarkt starb, war es mir als 19jährigem mit Bangen möglich, die kleine solide Schraubengroßhandlung mit zwei Mitarbeitern weiterzuführen und auszubauen.“ So Reinhold Würth, der heutige Konzernchef, im Rückblick. Rasch stellten sich dann unter seiner Ägide unternehmerische Erfolge ein. 1969 zog die Firma aus dem zu eng gewordenen Stadtgebiet von Künzelsau hinauf auf die freie Fläche bei dem Dorf Gaisbach. Als der dortige Neubau schon fünf Jahre später ebenfalls zu klein geworden war, erhielt den Auftrag für einen Erweiterungsbau ein Mann, der – neben und mit Egon Eiermann – zu den renommiertesten deutschen Architekten der Nachkriegszeit zählte: Sep Ruf. In München (Maxburg), Brüssel (Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung) und Bonn (Kanzlerbungalow) hat er international beachtete Bauten entworfen.
Für Reinhold Würth war die Wahl Rufs von programmatischer Bedeutung: Von nun an sollten alle größeren Bauvorhaben des bald weltweit agierenden Unternehmens in anspruchsvoller Architektur verwirklicht werden, im Inland wie im Ausland (s. Seite 15). Meist geschah das mit der Ausschreibung von Wettbewerben. So auch schon beim einstweilen letzten Erweiterungsbau in Gaisbach, der 1985 ausgelobt wurde. Gegen die Konkurrenz großer Namen (etwa vom Kaliber Günter Behnisch & Partner) erhielten die jungen, noch wenig bekannten Stuttgarter Architekten Maja Heuser-Djordjevic und Siegfried Müller den Zuschlag.
Viele unserer Leser dürften das Gebäude kennen, zumindest in Teilen. Denn es handelt sich bei diesem Architekturkomplex um mehr als nur die besagte Vergrößerung der Würthschen Verwaltungszentrale. Mit einbezogen darin ist ein öffentliches Museum, das sich inzwischen durch hochqualifizierte Ausstellungen moderner Kunst einen hervorragenden Ruf erworben hat. Funkfeuer hat regelmäßig darüber berichtet.
Über eine ausgedehnte Hoffläche, die auch als Bühne für etliche Großplastiken dient, gelangt der Besucher in den breit gelagerten Mittelteil des U-förmig gestalteten Baus. Dort erwartet ihn zuerst ein weiter Empfangsraum, danach öffnet sich ihm die querliegende, langgestreckte Ausstellungshalle, die sich über zwei Stockwerke erhebt und deren steiles Glassatteldach sich auf mächtigen roten Stahlträgern in die Höhe schiebt: ein überraschendes und etwas gewöhnungsbedürftiges Galeriegehäuse.
Eine weitere Überraschung stellt sich ein, wenn deutlich wird, daß sich hinter den Türen der dem Eingang gegenüberliegenden Südwand die Büroräume der Verwaltung befinden, unmittelbar angrenzend also an die Galerie. Auf diversen Laufgängen, Treppen und Brücken können sich die Mitarbeiter von ihren Arbeitsplätzen auch in die Halle begeben oder in die auf der Gegenseite eingerichtete Cafeteria, die auch für die Museumsgäste gedacht ist.
In diesem Baukomplex, der außerdem noch ein Museum für Schrauben und Gewinde sowie einen für Vorträge und Konzerte gedachten Saal beherbergt, ist also ein Neben- und Miteinander der Funktionen geschaffen, eine „Symbiose der Arbeitswelt mit den Künsten auf recht ungewöhnliche Weise“, wie der Architekturkritiker Gottfried Knapp schreibt. Würth war der erste Unternehmer, der dieses Konzept verwirklichte, und er verfolgte es fortan bei allen seinen großen Bauaufträgen. Schon nach wenigen Jahren konnte er feststellen, „daß die für Ästhetik und Schönheit investierten Gelder wahrscheinlich die beste Investition waren, die ich je getätigt habe. Der Bekanntheitsgrad des Unternehmens hat sich unglaublich erhöht, die Mitarbeiter empfinden ihren Arbeitsalltag positiv. Der Mut, ... in einem qualitätsvollen Bau mehr als eine Arbeitsstelle zum Geldverdienen zu bieten, führt zu einer Identifikation der Menschen mit ‚ihrem’ Betrieb.“

Die Halle in Hall

Zurück zu unserem Titelfoto. „So wie das Verwaltungsgebäude im benachbarten Künzelsau zum Stammhaus für ein ‚Milliardenunternehmen mit mehr als 36 000 Mitarbeitern’ (Würth) geworden ist, so wird die Kunsthalle Würth mit ihren reichen Sammlungen zum Mutterhaus für die Galerien in den Konzernfilialen werden, also mit künstlerischen Mitteln weit über die Region in die Welt hinaus wirken.“ Diese Prognose Gottfried Knapps aus dem Jahr 2001 hat sich inzwischen ohne Abstriche erfüllt.
Funkfeuer hat, wie oben angedeutet, in seiner 41. Ausgabe den 20-Millionen-Bau des dänischen Stararchitekten Henning Larsen ausführlich vorgestellt. Wir wiederholen daher abschließend nur das Resümee: „Kein auftrumpfender oder gar eitler Bau, eher ein zurückgenommener, trotz seines beträchtlichen Volumens. Andererseits auch keine Anpassungsarchitektur, die ihre Modernität mitten im historischen Ambiente verleugnete, sondern das Gelingen einer Einpassung, die behutsam Neues neben Altes setzt, wie dies in ganz Schwäbisch Hall schon Tradition ist.“

   
   
   
   
 
 
 
 
   
 
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