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  Von Greiselbach nach Fernost
   
  Der Klavierbaumeister Rainer Wiedemann
   
 

„In Greiselbach, gleich nach der Wirtschaft links“, so lautete die Wegbeschreibung, doch wer am Haus Nr. 13B einen Hinweis auf die Wirkungsstätte eines Klavierbauers sucht, müht sich vergebens. Denn Rainer Wiedemann, 30 Jahre jung und seit dem Frühjahr 2004 Meister seines Faches, macht (noch) keine offizielle Werbung für seinen Betrieb, pendelt er doch momentan „zwischen den Welten“ und ist nur sporadisch daheim anzutreffen, aber davon später... Aufgewachsen in Greiselbach, fand er erste Kontakte zu Musik und Instrumenten durch Unterricht bei Adolf Däschler in der Dinkelsbühler Knabenkapelle. Verschiedene Berufsideen entstanden aus seinen technischen und musikalischen Neigungen heraus – vielleicht Lasertechnikingenieur, vielleicht Gitarrenbauer, bis Kontakte zum Klavierstimmer der Piano spielenden Schwester den Ausschlag gaben: er bekam die Gelegenheit, bei einem Klavierbauer in Sindelfingen „schnuppern“ zu dürfen mit der Aussicht, bei Gefallen auch eine der sehr raren Lehrstellen zu erhalten. „Das ist in dieser Branche wie ein 6er im Lotto“, erzählt Rainer Wiedemann. Er war von Anfang an mit Begeisterung dabei, bei einem sehr guten Lehrmeister, wie er betont. Die regulär 4½ jährige Ausbildungszeit verkürzte sich für ihn um ein Jahr, da er einen Abschluß an der FOS Ansbach in Metallbau einbringen und somit schon handwerkliche Grundkenntnisse vorweisen konnte. Denn ein echtes Handwerk ist dieser Beruf schon, zwar „künstlerisch angehaucht“, da Musikalität gefordert wird, aber wer nicht viel Geduld mitbringt oder vor kräftiger körperlicher Arbeit zurückschreckt, ist fehl am Platz, und wer keine Lust hat, z. B. beim Auseinanderbauen eines Restaurationsobjektes in der Staubwolke zu stehen, auch.

„Gesellenzeit“ in den USA

Mit dem schließlich erlangten Gesellenbrief zum Klavier- und Cembalobauer (so die offizielle Berufsbezeichnung) in der Hand suchte er sich nun eine Stelle und fand sie – in New York! Das war nicht allzu schwierig, denn deutsche Klavierbauer haben international einen sehr guten Ruf, nicht umsonst befindet sich die einzige Meisterschule weltweit in Ludwigsburg. Ein knappes Jahr blieb er in den USA, eine bewegte, stressige, aber auch sehr interessante Zeit, in der er gleich die Restaurationswerkstätte eines Musikhauses in Manhattan samt Außendienst übernehmen mußte. 15, 16 Stunden Arbeitszeit am Tag waren keine Seltenheit, Wochenendeinsätze kamen noch dazu, wenn große Konzerte, wie z. B in der Carnegie Hall, angesagt waren. Filmstudios brauchten Beratung, wenn Instrumente ausgeliehen werden sollten, Kontakte zu Prominenten wie David Copperfield und Yoko Ono hinterließen bleibende Eindrücke. Doch gemäß seinem Motto „nicht stehen bleiben, immer dazulernen, offen bleiben für Neues“, kehrte er der neuen Welt danach den Rücken und kam wieder nach Europa zurück, wo er in St. Gallen in der Schweiz für die nächsten 5 Jahre seinen Wirkungskreis fand. Als Angestellter im Musikhaus Hug (des größten in Europa) erhielt er die Betreuung der gesamten Ostschweiz für Verkauf, Reparatur und Außendienst, war weitgehend unabhängig und konnte Erfahrungen für die eigene Selbständigkeit sammeln. Denn die war einmal sein Ziel, doch davor galt es (damals noch, mittlerweile wurde der Meisterzwang abgeschafft) die Hürde der Meisterprüfung zu schaffen.

Noch einmal auf der Schulbank

Dazu hieß es noch einmal die Schulbank für ein komplettes Jahr drücken und ca. 50.000.- € aufbringen, die der nur alle drei Jahre stattfindende Meisterkurs die Bewerber kostet. An der, wie schon erwähnt, einzigen Schule weltweit in Ludwigsburg fanden sich Mitschüler aus aller Herren Länder ein, und die Abschlußprüfung (mit einer Durchfallquote von immerhin 20%) verlangte den Aspiranten einiges ab: innerhalb von 17 Stunden mußte eine Klanganlage, ein sogenanntes Rastenmodell, gefertigt und dann natürlich das Meisterstück, ein komplettes Klavier, für dessen Bau 70 Stunden erlaubt waren, abgeliefert werden. Dabei darf man sich der äußeren Bauteile eines schon gefertigten Instrumentes bedienen, doch das Aufziehen der Saiten, der Einbau der Tasten und der kompletten komplizierten Mechanik, sowie Stimmung und Intonation , also das gesamte Innenleben muß Eigenarbeit sein. Rainer Wiedemann wählte für sein Meisterstück ein Klavier der Fa. Pfeiffer aus Leonberg, ein Oberklasseinstrument, an dem er seine Fähigkeiten beweisen konnte und das sich im Preisbereich von ca. 10.000.- € bewegt. Als fertiger Meister übernahm er dann prompt eine neue Herausforderung: Messekontakte hatten ihn zur Klavierfirma Feurig in Gunzenhausen geführt, deren chinesischer Teilhaber in Shanghai den Aufbau einer Produktlinie nach deutschem Standard betreibt und dazu die entsprechende Unterweisung braucht. Für die Produktionsverbesserung und Vermittlung von Kenntnissen fliegt er daher nun seit ½ Jahr fast im monatlichen Rhythmus nach China und sammelt dort neue Erfahrungen, läßt dabei aber auch sein Fernziel, einmal nur in eigener Werkstatt zu arbeiten, nicht aus den Augen. Schon seit Jahren ist er nebenher in seinen Räumen in Greiselbach ( die auf Anfrage auch gerne besichtigt werden können) tätig, und Pläne zeichnen sich schon ab: Neben der geräumigen Werkstatt soll auch ein Verkaufsraum entstehen, der momentan noch als Lagerhalle für einen ansehnlichen „Grundstock“ an Klavieren dient, die einmal verkauft werden sollen, Instrumente, die zum Teil auch eine interessante Geschichte haben, nicht nur, weil sie vordem vielleicht beim Schweizer Fernsehmoderator Kurt Felix in der Wohnung oder im Schloß eines Fürsten standen.....

   
   
 
 
 
 
   
 
Von der Geschichte leben ?
 
Das Beispiel Dinkelsbühl
 
 
von Ernst-Otto Erhard
   
 
"Eine ebenso liebevolle wie kritische Diagnose" (Charivari)
   
 
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Erhältlich in allen Buchhandlungen Dinkelsbühls und beim Funkfeuer-Verlag, Am Anger 5, 91550 Dinkelsbühl, Tel.: 09851 / 5703112
   
 
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