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Diese Frage kann mit einem eindeutigen Nein beantwortet werden, denn wie wir vor einigen Wochen lesen konnten, hat Margarit Ziellenbach den diesjährigen Theaterpreis der FLZ bekommen, was besonders bemerkenswert ist, da er seit längerer Zeit erstmalig wieder allein an eine Frau vergeben wurde.Natürlich wußten die fleißigen Theaterbesucher auch schon vorher, daß Margarit Ziellenbach „einiges auf dem Kasten hat“, denn sie hat ihr Können bereits in zahlreichen Rollen unter Beweis gestellt.
Wir haben Margarit Ziellenbach besucht und wollten von ihr wissen, wie sie all die „Rollen“, die sie derzeit innehat (Mutter, Schauspielerin, Intendantenfrau), unter einen Hut bekommt.
Margarit Ziellenbach, die Germanistik und Französisch studiert hat mit dem Ziel, Journalistin zu werden, ist eigentlich in den Schauspielerberuf „hineingerutscht“. Ausschlaggebend war wohl, sagt sie, daß die ältere Schwester bereits Schauspielerin war und ihr dadurch ein gewisser Einblick in die faszinierende Welt der Bühne und des Theaters ermöglicht wurde.
Einfach mal so, aufs Geratewohl bewarb sie sich dann an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und wurde angenommen. An staatlichen Schauspiel- schulen angenommen zu werden, kommt schon fast einem Lottogewinn gleich, die richtige Auswahl der vorzusprechenden Texte und eine gehörige Portion Talent gehören natürlich dazu, aber bei Hunder-ten von Bewerbern und gerade mal zwölf freien Plätzen darf auch das gewisse Quentchen Glück nicht fehlen.
Am Tourneetheater in der Nähe von Köln fing sie nach der Schauspielschule zu spielen an, lernte dort ihren Mann, den jetzigen Intendanten des hiesigen Fränkisch-Schwäbischen Städtetheaters kennen und zog mit ihm nach Augsburg, nachdem er dort eine Stelle als künstler-ischer Leiter am „Jungen Theater“ ange-nommen hatte.
Dann trat erst einmal die Familie an die erste Stelle (wo sie, nebenbei bemerkt, immer noch steht), denn Familie Cahn bekam Nachwuchs, zwei Söhne erblickten im Abstand von 17 Monaten das Licht der Welt.
Nach Dinkelsbühl kam Margarit Ziellen-bach schließlich, als ihr Mann hier am Theater die Position des Intendanten antrat. „Dinkelsbühl gefällt mir sehr gut, ich habe hier gute Freunde gefunden und fühle mich zum ersten Mal richtig zu Hause“, meint Margarit Ziellenbach auf die Frage, ob sie Augsburg oder die vorherigen Wohnorte vermisse.Erst langsam fing sie hier am Theater zu spielen an, ihre erste Rolle war „Jim Knopf“, und seitdem folgten zahlreiche andere Rollen, unter anderem z. B. Ronja Räubertochter, Lady Milford in „Kabale und Liebe“, Madame de Merteuille in „Gefährliche Liebschaften“ die Blanche in „Endstation Sehnsucht“ und Biondella in „Der Widerspenstigen Zähmung“.
Wunschrollen?
Ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Stücke hat sie allerdings nicht. „Das möchte ich, ehrlich gesagt, auch gar nicht, und bei den Rollen ist es genauso, mir ist jede Rolle recht, ob sie klein oder groß ist, das ist die Sache des Intendanten, und das ist in Ordnung so. Wenn man Zuständigkeitsbereiche mischt, kann es leicht zu Spannungen kommen. Wir trennen das genau, wenn mein Mann Regie führt und ich spiele. Da stehen nicht wir als Ehepaar Cahn im Vordergrund, sondern der Regisseur und die Schauspielerin. Und das hat bis jetzt immer gut funktioniert.“
Auf die Frage, welche Rolle sie denn gerne mal spielen würde, lacht Margarit Ziellenbach:
„Das ist wirklich schwer zu beantworten... Ja, z.B. Johanna von Orléans, die würde ich gerne spielen, das war eine Frau mit Visionen. Mich faszinieren einfach Menschen, die, stärker als man selber, von irgendetwas getrieben sind, extreme Figuren auf der Suche eben, die imstande sind, Großartiges zu schaffen, deren Leben aber auch mit sehr viel Leid verbunden ist, z. B. die Malerin Frida Kahlo, um nur eine zu nennen. Ich lese sehr gerne Biographien, vielleicht auch deshalb, weil ich mich für die Lebensgeschichte und auch die Psyche solcher Personen interessiere.“
Wenn Margarit Ziellenbach spielt, werden die Rollen im Hause Cahn vertauscht; wenn ihr Mann nicht Regie führt, schmeißt er den Haushalt und kümmert sich um die Kinder, so daß sie den Kopf frei hat für die Rolle und somit natürlich auch die Möglichkeit, Gastspielauftritte wahrzunehmen. Nur manchmal, wenn Regieführen und Schau-spielerei aufeinandertreffen und Not am Mann ist, dann hilft ihre Mutter aus, so geschehen bei „Endstation Sehnsucht“.
„Bei uns klappt es einfach prima, und wenn man sich andere Schauspielerfamilien anschaut, wo jeder an einer anderen Bühne engagiert ist, die Familie also zwangsläufig zerrissen ist, dann empfinde ich es als ganz besonders großes Glück, daß ich hier die Möglichkeit habe, Familie, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen.
Über den Theaterpreis der FLZ habe ich mich riesig gefreut, weil er mich als Schauspielerin bestätigt und eine Anerkennung meiner Leistung bedeutet.“
„Du warst doch die Ronja!“
Frau Ziellenbach schätzt den Kontakt zum Publikum sehr: „In einer kleinen Stadt mit einem kleinen Theater erfährt man einfach, was gefällt, und auch, was nicht gefällt. Die Begeisterung der Kinder z. B. bekommt man ganz unmittelbar zu spüren, nicht nur durch Applaus, sondern durch Zurufe; oder manche Kinder stehen einfach nur da und schauen einen mit großen Augen an. Es passiert schon mal, wenn ich in der Stadt unterwegs bin, daß der eine oder die andere ruft: ‚He, du warst doch die Ronja, die war echt klasse!’. Man spürt einfach sofort, ob man ankommt.“
Bei den erwachsenen Theaterbesuchern ist der Applaus ein Zeichen dafür, wie ein Stück aufgenommen wird, und da gibt es durchaus Unterschiede. „Das Wichtigste für mich ist es, bei den Menschen Gefühle auszulösen, in welcher Form auch immer. Ich bringe die Menschen sehr gerne zum Lachen, aber freue mich auch, wenn es jemanden sehr berührt hat, was ich gespielt habe, denn dann habe ich ja das erreicht, weswegen ich meinen Beruf ausübe – Gefühle rübergebracht.
Jede Person besteht aus vielen Facetten, und deswegen sollte man ja auch bei jeder Rolle, die man spielt, versuchen, den Teil der Person, den man mit der Rolle gemeinsam hat, zu suchen und herauszuheben, um so die Rolle überzeugend darstellen zu können. Natürlich gibt es nicht immer Übereinstimmungen mit der eigenen Person, nicht umsonst kann man auf der Bühne Charaktere darstellen, mit denen man im wirklichen Leben nicht einmal etwas zu tun haben möchte, so richtig unangenehme, fiese Gestalten oder eiskalte, berechnende Menschen.
Wichtig ist es, besonders bei historischen Figuren, deren Leben oder Lebensumstände genau unter die Lupe zu nehmen und natürlich auch die Zeit, in der sie gelebt haben.
Bei mir ist es manchmal schon so, daß ich Rollen mit in den Alltag hinübernehme, bei Blanche aus ‚Endstation Sehnsucht’ z.B. habe ich plötzlich ein richtiges Faible fürs Baden entwickelt, obwohl ich sonst eigentlich eher dusche. Und dann hatte ich zu der Zeit, als ich die Blanche spielte, auch ganz oft weiße Kleider an. Ulkig war es bei ‚Biondella’, die ja immer eine Mütze trug. Zu Hause habe ich auch eine Zeitlang fast immer eine rote Mütze getragen, bis mich eine sehr gute Freundin darauf angesprochen hat. Vorher ist es mir gar nicht so aufgefallen, daß ich einen Teil der Person, die ich spiele, auch im täglichen Leben mit mir herumschleppe.“
Hobbies neben Beruf und Familie
Natürlich wollten wir auch wissen, wie es derzeit um Ruhe bestellt sei, nachdem sich vor der Wohnung der Familie eine riesige Baustelle befindet. Dort wird im Moment die für die Sommerspielzeit benötigte Tribüne errichtet. Dazu muß der Garten umgegraben, Stützen müssen eingebaut und vielerlei mehr bedacht werden. „Manchmal ist es sogar richtig spannend“, erzählt Margarit Ziellenbach, „dann stehen wir alle am Fenster und gucken zu, wie der Kran von einer Seite zur anderen gefahren oder die Erde umgeschichtet wird. Tja, und an den Lärm gewöhnt man sich, irgendwann ist es ja fertig. Beim Rollenlernen stört es mich nicht; da ich leicht auswendig lerne, habe ich damit keine Probleme.“
Im Moment laufen die Proben für „Das kleine Gespenst“. Trotzdem nimmt sich Margarit Ziellenbach immer noch Zeit für ihre Hobbys, die einen Ausgleich zu ihrer schauspielerischen Tätigkeit darstellen. Sie nimmt schon seit längerem Klavierunterricht, was über lange Zeit ein Wunschtraum war, und es macht ihr riesigen Spaß. Außerdem geht sie mit dem Hund spazieren, hält sich durch Joggen fit (der Hund ist natürlich auch mit von der Partie), und dann ist Lesen noch sehr wichtig und nicht wegzudenken aus ihrem Leben. Nebenbei gibt sie Sprechunter-richt, der auch Atemtechniken und Artikulation beinhaltet, wichtig also für Menschen, die lernen wollen, wie man z.B. ein Gedicht richtig betont oder einen Text gekonnt vorträgt. Die ganze Familie steht bei allem hinter ihr, und ihre zwei Buben seien ihre allergrößten Fans, so Margarit Ziellenbach augenzwickernd.
Wir danken Margarit Ziellenbach für ihre Bereitschaft, uns ein bißchen von sich und ihrem Leben zu erzählen, und wünschen ihr weiterhin viel Erfolg bei allen zukünftigen Projekten.
Natürlich freuen wir uns schon auf „Das kleine Gespenst“ und auf das Stück „Arsen und Spitzenhäubchen“, in dem Margarit Ziellenbach die Martha Brewster verkörpern wird.
Und denken Sie daran, wenn heuer an der Kinderzeche einmal nicht die Kinderlore mit ihren Kindern den gestrengen Obristen Sperreuth mild stimmt, sondern „das kleine Gespenst“ umgeht, dann kann das ja nur ... – na, Sie wissen schon – sein???!!!
Andrea Mattausch
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