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Im Jahre 1945 war der zehnjährige Junge mit Mutter und Schwester nach Dinkelsbühl gekommen. Hier, im evangelischen Pfarrhaus, dem heutigen Hotel Eisenkrug, fand die Flüchtlingsfamilie eine Unterkunft. Im Herbst des Jahres wurde Dietrich Eckert in die Dinkelsbühler “Oberrealschule mit Gymnasium“ aufgenommen. Bald machte sich dort, und nicht nur dort, seine außergewöhnliche musische Begabung bemerkbar. Auf den Straßen und vor den Mauern der Stadt aquarellierend oder zeichnend, weckte er immer wieder die Neugier und das Erstaunen der Passanten, die ihn ein „Wunderkind“, einen „zweiten Dürer“ nannten. Neue Impulse erhielt er, als ihn einmal eine Familie für ein paar Tage mit nach München nahm, um ihm die Werke der alten Meister zu zeigen: Rembrandt und Rubens im zerbombten München. Da stand er vor ihren Gemälden und sagte sich damals: Das kann ich auch. Heute schätzt Dietrich Eckert diesen Satz als „eine folgenschwere Bestimmung“ ein: „Viele Jahre hat es gebraucht, um zu einer freien Annahme einer derart starken Reaktion zu gelangen.“
Hilfreich war dem Schüler auch der Dinkelsbühler Maler und Grafiker Rudolf Warnecke, der Vater seines Klassenkameraden Wieland. Mit beiden durfte er wiederholt auf eine Maltour fah-ren, per Eisenbahn nach Nördlingen etwa oder zur Harburg, wo er jedes Mal neuen Motiven begegnete.
Auf zwei Gebieten erfuhr der junge Künstler schon früh eine außerordentliche Anerkennung. Zum einen erhielt der erst 12jährige durch die Druckerei Alfred Krüger den Auftrag, 16 Federzeichnungen mit Dinkelsbühl-Motiven für eine Postkartenserie anzufertigen. Einige Beispiele daraus sehen Sie auf diesen Seiten. Die Reihe musste damals erst lizenziert werden, dann erhielt er das Honorar: 30 Mark pro Zeichnung. Ein schönes Taschengeld für den materiell nicht gerade gesegneten Jungen.
Eine zweite herausragende Anerkennung war es für den Schüler, als Porträtist auch zu einer Reihe von Honoratioren gebeten zu werden, zum Direktor seines Gymnasiums etwa und zu anderen Lehrern, zu einem Offiziersehepaar der amerikanischen Besatzung oder auch zum Bürgermeister der Stadt. Der hieß damals Karl Ries, Gastwirt des Restaurants und Hotels „Goldenes Lamm“. Die Porträtzeichnung hängt dort heute noch in der Wirtsstube. Vor ein paar Jahren ließ dann die Enkelin des Porträtierten, die heute die Geschicke des Hauses leitet, die ganze Postkartenserie des jungen Dietrich Eckert, vergrößert ungefähr auf das ursprüngliche Format der Originale, als Schmuck an den Wänden der Gasträume anbringen, dort, wo zuvor einige Graphik-Karten Rudolf Warneckes zu sehen waren.
Die Weite der musischen Begabung des Schülers zeigte sich darin, dass er auch ein exzellenter Musiker war. Mit der Geige, der Bratsche und dem Klavier wirkte er in Schul- und Kirchenkonzerten mit. Ein ehemaliger Klassenkamerad erinnert sich heute: „Während wir anderen Streicher im Schulorchester kaum mehr als ein Basiskönnen aufwiesen, spielte Dietrich, oft als Solist, auf einem Niveau, das um Stufen über dem unseren lag.“ Dabei machte der Junge nach außen nichts von sich her. Er schien, in sich ruhend, seiner Begabung sicher und war ein zurückhaltender, bescheidener Kamerad und Schüler. Ein rötliches Samtbarett, das er gerne trug, deutete vielleicht darauf hin, dass er sich als zukünftiger Künstler fühlte.
In den späten Gymnasialjahren suchte er eines Tages bei seinem musikalischen Mentor Max Gebhard um Rat nach: Welches seiner ausgeprägten musischen Talente sollte er nach dem Abitur zur Grundlage eines späteren Berufs wählen? Gebhard empfand die zeichnerische Begabung als die stärkere, und da Dietrich über keinen finanziellen Rückhalt verfügte, schlugen ihm befreundete Lehrer vor, Kunsterzieher zu werden, das würde er „mit der linken Hand machen“, hieß es. „So einfach“, sagt Eckert freilich heute, „war das Unterrichten denn doch auch für mich nicht, trotz großer Freude daran. Es hat mir aber die Möglichkeit verschafft, abseits des Marktes meine Arbeit und meine Ideen frei zu entwickeln.“
Nach dem Studium an der Akademie der Künste in Karlsruhe und an der Universität Freiburg wirkte er als Kunsterzieher zuerst im Südwesten Deutschlands, später in England. Heute lebt er in Colmar und ist als Künstler Mitglied der National Portrait Gallery in London und des Bezirksverbandes Bildender Künstler Südbaden. Sein Lebenskonzept ging auf: Nie von den materiellen Engpässen eines Freiberuflers bedroht, ist Dietrich Eckert zu einem international renommierten Künstler aufgestiegen, der in England, Frankreich, Deutschland und der Schweiz zu Ausstellungen eingeladen wurde. Und die Musik? Sie ist zeitlebens seine „Passion“ geblieben.
Funkfeuer hat Dietrich Eckert ermuntert, auch in Dinkelsbühl einmal eine Ausstellung einzurichten, in der Stadt, die einst seine Welt und seine „Bühne“ war und wo sich seine musischen Wurzeln entwickelten. Es wäre schön, wenn er unser Anliegen erfüllte.
Wer schon jetzt einen ersten Eindruck von seinen Arbeiten bekommen will, kann im Internet seine Homepage anklicken. Sie lautet: http://mapage.noos.fr/dietrich.eckert und http://maifan.canalblog.com
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