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Zwanzig Jahre währt und bewährt sich nunmehr
die Partnerschaft zwischen Wassertrüdingen und
dem französischen Bellac. Daß dieses im
Limousin gelegene freundliche Städtchen ausgesprochen
reizvolle urbane Qualitäten besitzt, hat sich
wohl mittlerweile im westlichen Mittelfranken herumgesprochen.
Erst wenigen Bürgern unserer Nachbarstadt dagegen
dürfte, wie eine belesene Wassertrüdingerin
meinte, bekannt sein, daß Bellac auch in jedem
Literaturlexikon eine ehrenvolle Erwähnung findet,
als Geburtsort nämlich des großen Dramatikers
Jean Giraudoux (1882-1944).
Dieser Dichter hat sich, das sei hier nur am Rande
erwähnt, längere Zeit in Deutschland aufgehalten
und - in seinem später auch dramatisierten Roman
"Siegfried et le Limousin" - eingehend mit
dem Verhältnis zwischen französischer und
deutscher Kultur befaßt.
Im folgenden wollen wir auf eines seiner Stücke
hinweisen, eine einaktige Komödie, in deren Titel
sich ebenfalls der Name der Wassertrüdinger Partnerstadt
findet: "Der Apoll von Bellac". Da sucht
ein schüchternes, mittelloses Mädchen eine
Stelle. Der häßliche Türsteher des
Amtsgebäudes, in dem sie sich bewerben will,
weist sie schroff ab. Nun kommt ihr, scheinbar zufällig,
ein namenloser Passant zu Hilfe, "der Herr aus
Bellac". Er verrät ihr ein elementares Geheimnis.
Sie brauche einem Mann nur den einen Satz zu sagen:
"Wie schön sind Sie!" Danach werde
er ihr jede Bitte gewähren.
Das Mädchen zweifelt und zaudert, doch der Herr
überredet sie, sich erst einmal mit diesem Satz
zu üben. Sie probiert ihn bei einem Schmetterling
aus, der sich daraufhin gar nicht mehr von ihrer Hand
lösen will, sie versucht seine Wirkung an einem
Kronleuchter, der nun plötzlich aufzuleuchten
beginnt, sie riskiert ihn gar bei dem häßlichen
Türsteher, der mit einemmal zugänglich wird.
Um ihre Überzeugungskraft zu steigern, so der
Passant weiter, solle sie das Aussehen ihres Gegenübers,
und mag es noch so abstoßend sein, gleichsetzen
mit der Schönheit des "Apoll von Bellac"
(den es freilich in Wirklichkeit gar nicht gibt).
Die Erfolge der nun nicht mehr so zaghaften Agnès
steigern sich bei immer höheren Chargen des Amtes,
beim Generalsekretär, schließlich beim
Präsidenten.
Dann stellt ihr der Passant eine letzte Übungsaufgabe:
sie solle sich, mit geschlossenen Augen, vorstellen,
nicht er, "der Herr aus Bellac", sondern
besagter Apoll stehe vor ihr. Mit großer Anstrengung
gelingt ihr die Aufgabe, und zwar so überzeugend,
daß sich die Übung an dem Passanten selbst
auszuwirken scheint. Zum Bedauern des Mädchens
verabschiedet der sich aber nun, nach einem flüchtigen
Kuß, sehr rasch. Eine Flucht? War er etwa selbst
Apoll? Oder verbirgt sich hinter dem vermeintlich
anonymen "Herrn aus Bellac" in Wahrheit
dessen Schöpfer, der in Bellac geborene Jean
Giraudoux?
Vielleicht lockt es einige Wassertrüdinger(innen),
sich mit ihm zu beschäftigen? Oder gar seine
geheime Botschaft einmal auszuprobieren?
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