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>>> Zur Sache !
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Brückenschlag wohin ?
Baupolitik in Dinkelsbühl vor der Wende ?
Wer in diesem Spätsommer den Weg nach Mönchsroth
eingeschlagen hat, dürfte sehr angetan gewesen
sein, ob des Zustandes, in dem sich diese wichtige
Verbindungsstraße nicht allein in die Nachbargemeinde
sondern auch ins angrenzende Nachbarbundesland nunmehr
befindet. Die Instandsetzung hat aus einer berüchtigten
Schlaglochpiste einen veritablen Fahrweg gemacht.
Der parallel verlaufende, neu geschaffene Radweg ist
ohne Zweifel ein Gewinn.
Wer dieser Straße aber aufmerksam folgt, wird
kurz hinter der Stadtgrenze Dinkelsbühls linker
Hand eines etwas gewöhnungsbedürftigen architektonischen
Konstruktes ansichtig, das nunmehr als Brücke
für den Radweg über einen hier quer verlaufenden
Bach dient. Das altertümliche Bauwerk aus grauem
Feldstein war jahrzehntelang von angeflogenem Gebüsch
und Gebäum überwuchert in einer Art von
Dornröschenschlaf vergessen worden und bot in
seinem ruinösen Zustand vor dem Panorama der
Wörnitzwiesen einen gar romantischen Anblick.
Im Zuge der Instandsetzung der Mönchsrother Straße,
in die die Stadt auch besagtes Brücklein einbezog,
wurde dieses "renoviert".
Es ist anerkannte Praxis bei der Erneuerung historischer
Gebäude, daß jene Partien, die nicht konserviert
werden können, also buchstäblich erneuert
werden müssen, deutlich vom alten Bestand unterscheidbar
bleiben, in Form und Stil aber dem alten Vorbild angenähert
werden. Als klassisches Beispiel dieser Art von Wiederherstellung
gilt gemeinhin die Renovierung der Alten Pinakothek
in München, die nach Kriegsschäden nicht
als historisierende Kopie wiedererstand, sondern im
Geiste des Originals modern ergänzt wurde, dabei
aber den Charakter des Hauses wahrt. Jenes Prinzip
kritischer Bewahrung hat in der Dinkelsbühler
Baupolitik, im übrigen im Gegensatz zu der z.B.
der Stadt Nördlingen, bislang auffallend wenig
Anhänger gefunden, gab man doch bisher im Regelfall
einer auf Alt gestylten Kopie den Vorzug. Erinnert
sei hier nur an die unsägliche Debatte um einen
Nikolaus-Eseler-Brunnen vor St. Georg, in der die
überwiegende Zahl der Meinungen eine Wiedererrichtung
des alten neugotischen Brunnens forderte und eine
vorsichtige Moderne an dieser Stelle, damit ist der
Schütte-Entwurf ausdrücklich nicht gemeint,
teilweise vehement ablehnte (vgl. Funkfeuer Nr. 32).
Quo vadis ?
In Anbetracht der Brückensanierung an der Straße
nach Mönchsroth stellt sich nun aber die Frage,
ob die städtische Baupolitik nunmehr eine radikale
Wende zu vollziehen im Begriff ist ? Damit ist nicht
die personelle Neugestaltung im Bauamt angesprochen,
die wahrlich nicht Gegenstand dieses Artikels ist,
da die Brücke noch unter klassischer Ägide
erneuert wurde. Nein, die Mönchsrother Brücke
ist das bisher einzige Bauwerk innerhalb der Dinkelsbühler
Stadtgrenzen, an dem eine kritische Erneuerung wirklich
offensichtlich versucht worden ist, was ja an sich
eine ausdrücklich zu begrüßende 180°-Wende
in der städtischen Baugestaltung wäre. Wäre,
denn die Art und Weise wie sie ins Werk gesetzt wurde,
ist in keiner Weise zu begrüßen, denn durch
die Verwendung grobschlächtiger Steinquader,
die offensichtlich maschinell gefertigt wurden, zur
Erneuerung eines Bauwerkes, das bisher allein aus
unbehauenem Feldstein bestand, wird die feingliedrige
Struktur des Baues nicht nur ge- sondern vollständig
zerstört.
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Detailansicht einer erneuerten
Partie der Mönchsrother Brücke
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Man hat zwar die Erneuerung überdeutlich sichtbar
werden lassen, gleichzeitig aber den baulichen Charakter
des alten Brückleins vollkommen ignoriert ! Die
Krone des ganzen ist dann schließlich das neu
errichtete Geländer, das in seiner rundum deplazierten
Wucht den kleinen Gewässerübergang optisch
nachgerade erdrückt und jeden Sinn für Proportion
vermissen läßt. Mit historischem Vorbild
hat das nicht mehr das geringste zu tun, diese Gestaltung
wird man allein instinktlos nennen können !
Um es deutlich auszusprechen: Wir begrüßen
eine Baupolitik, die versucht, das historisch Gewachsene
mit modernen Formen unserer Zeit zu verbinden, denn
jede Epoche sollte sich im Stadtbild eines lebendigen
Gemeinwesens architektonisch niederschlagen. Zu beachten
sind dabei aber zwei (und nicht nur eine) Voraussetzungen.
Zunächst muß die moderne Ergänzung
als solche erkennbar sein und bleiben. Gleichzeitig
aber muß der angestammte Charakter des Bauwerks
in die Gestaltung der Erneuerung mit eingestellt werden.
Nur so kann jene kreative Spannung entstehen, die
die Kombination zwischen Historischem und Zeitgemäßen
hervorbringen kann. Nur so erweist sich die Baukunst
unserer Tage derjenigen vergangener Zeiten als ebenbürtig.
Es ist eine schwierige Gratwanderung, die gemeistert
werden muß, aber auch gemeistert werden kann.
Trotz des Absturzes bei der Brücke nach Mönchsroth:
Wir haben Vertrauen in das Bauhandwerk unserer Tage,
sie könnten, wenn sie wollten !!!
Blühende Phantasterei
Als bescheidene Coda dieses kleinen Versuches über
zeitgemäßes Bauen in einer alten Stadt
seien noch einige Anmerkungen zu einer anderen heftig
diskutierten Innovation in unserem Stadtbild gemacht:
der Bepflanzung der Verkehrsinsel auf dem Ledermarkt.
Zum vergeblichen Versuch der Gestaltung dieses Bereiches
mittels eines Baumes, der feierlich zur "Säulenhainbuche"
geadelt worden war, haben wir in Funkfeuer Nr. 33
schon mit dezenter Ironie Stellung genommen. Was nun
das zwischenzeitlich blühende Leben an jenem
Fleck angeht, halten wir das durchaus für einen
Fortschritt gegenüber der grauen Ödnis,
die zuvor jenen Platz gänzlich beherrschte. Gleichwohl
kann die blütenreiche Zierde des Ledermarktes
eine gewisse Biederkeit nicht verbergen, auch wenn
man gottlob auf die Anpflanzung der in unseren Breiten
so überaus beliebten Geranien verzichtet hat.
Wir würden uns etwas mehr Mut an diesem städtebaulich
sensiblen Punkt wünschen. Warum diese Fläche
nicht nutzen, um moderner Kunst in unserer Stadt Raum
zu geben. Warum nicht - vielleicht wechselnd - moderne
Plastik an dieser Stelle zur Schau und zur Diskussion
stellen ? Uns erscheint dies überaus spannend.
Andere Städte wie beispielsweise Bamberg, dessen
Altstadt immerhin zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört,
haben dies mit großem Erfolg vorgemacht. Was
spricht eigentlich dagegen, außer der sprichwörtlichen
Dinkelsbühler Biederkeit, diesem Vorbild zu folgen
? Wir zeigen uns gespannt.
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Es war einmal in Dinkelsbühl
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|
von Patricia Lee Gauch
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Bilder von Tomie de Paola
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Erhältlich bei der Buchhandlung Bauer Dinkelsbühl
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