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Es läuft noch nicht ganz rund ! Die
Dinkelsbühler Kreisverkehre und die Tücken
im System
Seit den frühen 90er Jahren erleben wir im Straßenbau
die Renaissance einer Bauform, die wir eigentlich
schon in die Architekturgeschichte verabschiedet glaubten:
Der Kreisverkehr ist auch auf deutschen Straßenverläufen
wieder anzutreffen. Nach zaghaften, fast tastenden
Erstversuchen erlebte diese Form der Gestaltung von
Straßenkreuzungen, die für viele im Vergleich
zum Abbiegespuren-Wirrwarr der "normalen"
Kreuzungsgestaltung die ästhetischere Lösung
ist, da sie sich in der Regel besser ins jeweilige
Stadtbild fügt, anstatt Straßenverläufe
in unzählige Spuren auszufasern, einen regelrechten
Boom. Wurden irgendwo in der Republik sich kreuzende
Straßen in Baumaßnahmen einbezogen, konnte
man sicher sein, dass am Ende ein Kreisverkehr das
Ergebnis sein würde.
In Dinkelsbühl freilich ließ die Reaktion
auf diese Entwicklung - wahrlich nicht das erst Mal
- etwas länger auf sich warten. Premiere feierte
die Kreuzungsform mit dem Einbau eines Verkehrskreisels
in die Wassertrüdinger Straße am Ortsende.
Damals wurde dies einhellig aus mehreren Gründen
begrüßt. Zum einen zog man in Sachen Status
mit der traditionell argwöhnisch beäugten
Nachbarstadt Feuchtwangen gleich, die seit längerem
über ein wesentlich repräsentativeres Exemplar
der Spezies verfügte. Zweitens erhoffte man sich
vom Kreisel eine Beruhigung dieser Einfallstraße
im Bereich des bis dato nachgerade heran- und hindurchbrausenden
Schwerlastverkehrs, dem bescheidene Holzinselchen
in der Straßenmitte bisher nicht gewehrt hatten.
Schließlich sollte der Kreisverkehr die Anfahrt
in den entstehenden Grillenbuck reibungslos gestalten.
Mittlerweile hat sich aber teilweise Ernüchterung
breit gemacht. Schließlich ließen sich
die "Herren der Landstraße" in ihren
PS-starken Transportmaschinen von unserem Kreisverkehr
nur wenig beeindrucken. Reifenspuren in der zentralen
Anpflanzung deuteten wiederholt darauf hin, daß
der Kreisel kein nennenswertes oder auch nur ernst
genommenes Hemmnis für den LkW-Verkehr darstellte.
Das Problem war somit auf andere Art und Weise zu
lösen. Nachdem eine probeweise aufgestellte Bedarfsampel
nicht zum beabsichtigten Erfolg geführt hatte,
sie wurde schlichtweg ignoriert, nicht jedoch vom
Autoverkehr, sondern - verkehrte Welt - von den Fußgängern,
verfielen unsere Stadtväter, einige Mütter
waren ebenfalls darunter, auf die Idee einer Südosttangente.
Diese wurde schließlich unter erheblichem finanziellen
Aufwand von der Kommune in vorbildlicher Art und Weise
errichtet und trägt seit ihrer Verkehrsfreigabe
tatsächlich und nachweislich erheblich zur Entlastung
des Wassertrüdinger Viertels vom Durchgangsverkehr
bei. Angeschlossen wurde die Tangente an die B25 -
man ist ja auf der Höhe der Zeit - mittels eines
Kreisverkehres, der, anders als sein älterer
und schmächtigerer Bruder, um ein vielfaches
opulenter ausgefallen ist. Nahezu eine vollkommene
Lösung der Probleme, die an besagter Stelle in
der Vergangenheit bestanden.
Nahezu, denn perfekt kann man die gebaute Lösung
nicht nennen, bisher jedenfalls nicht.
Wie schon beim ersten Dinkelsbühler Kreisverkehr
zeigten sich auch beim zweiten bald deutliche Reifenspuren
auf der Mittelinsel. Allerdings hatte die Straßenbaubehörde
dazugelernt. Nicht mehr ein recht flaches Beet hatte
man in die Mitte der Insel gebaut, sondern einen wahren
Erdtumulus aufgetürmt, ein regelrechtes "Dinkelsbühler
Hügelgrab", das für kein auf deutschen
Straßen zugelassenes Kraftfahrzeug ohne erhebliche
Schwierigkeiten zu überwinden sein dürfte.
So unüberwindlich diese Mittelinsel ausgestaltet
wurde, so unsichtbar oder schreiben wir besser schwer
wahrnehmbar ist sie bei problematischen Lichtverhältnissen,
also in der Dämmerung und besonders bei Nacht.
Denn zunächst war nichts vorhanden, was den Autofahrer
vor der abrupt sich auftürmenden Erdmasse gewarnt
hätte.
Dieses Defizit erkennend stellte man Signalbarken
an den vier Einfahrten in den Kreisel auf. Aber auch
dies erwies sich nur einen Tag oder besser eine Nacht
später als nicht zielführend, denn eine
der Barken lag am nächsten Morgen umgefahren
im Morast ! Aber außer das Verkehrszeichen wieder
an seinen Ort zu stellen, wurde nichts weiter unternommen
am Kreisverkehr bei Neustädtlein, um für
ausreichende Verkehrsicherheit zu sorgen. Verwaist
steht der Erdhügel inmitten der Ringstraße,
angeflogenes Gras trägt nicht sehr zur Steigerung
seiner Schönheit und Sicherheit bei. Im Gegenteil,
es verstärkt die "tarnende" Wirkung.
Manch´ einer unkt ja bereits, der freie Platz
auf dem Tumulus sei bereits reserviert. Ein Denkmal
würde sich ja auch ohne Zweifel dort reizvoll
ausnehmen. Eine Siegessäule vielleicht, wenn
auch noch ein Sieg zu finden sein würde, dem
das Monument zuzueignen wäre. Oder ein Friedensengel,
nach wiederhergestelltem städtischen Frieden
im Anschluß an die OB-Wahlen im kommenden Herbst.
Doch abseits humoriger Nutzungsvorschläge verbleibt
das Bedürfnis nach einer Lösung der Sicherheitsproblematik.
Es bleibt die Forderung, die Kreismitte so zu kennzeichnen,
daß sie von Autofahrern auch bei diffusem Licht
problemlos erkannt werden kann. Verschiedene Lösungen
wären hier denkbar: Es muß ja nicht gleich
eine festlich beleuchtete Springfontäne wie andernorts
sein. Die oft zu sehende Variante mit mehreren - nächtens
beleuchteten - Fahnenmasten wäre ja schon eine
nicht über alle Maßen kostenintensive Variante.
Wir hoffen weiter.
Konzentrieren wollen wir unsere Hoffnung auch auf
einen anderen Punkt bei der, wir sagten es schon,
im großen und ganzen sehr sinnvollen Tangentenlösung,
auf die Gestaltung der Einmündung der alten Wassertrüdinger
Straße in den neuen Verlauf der Umgehungsstraße
nämlich. Jener Punkt hat sich mittlerweile als
äußerst unfallträchtig erwiesen. Nicht
nur zahlreiche Autolenker, die ihr Gefährt mehr
der Gewohnheit als dem Straßenverlauf folgend
in den Acker steuerten, wurden gezählt, auch
die scharfe 90°-Grad Kurve unmittelbar vor der
Einmündung stellt sich als Ursache für nicht
immer glimpflich abgehende Unfälle dar. Hier
dürfen wir die häufig geäußerte
Bitte vortragen, jene Partie doch noch wesentlich
deutlicher als bisher geschehen zu kennzeichnen, verbunden
mit dem Appell gerade an die einheimischen Autofahrer,
doch die wenigen hundert Meter Umweg in Kauf zu nehmen
und die neue, abgesehen vom Kreisverkehr, wirklich
sichere Südosttangente zu benutzen !
Zum Abschluß einige Empfehlungen der Polizei
für das Verhalten im Kreisverkehr, so z.B. zitiert
in der "Allgäuer Zeitung" vom 03.12.2002,
was beweist, das wir mit dem Problem nicht allein
sind: "Der Verkehr im Kreisel, der immer rechtsherum
läuft, hat Vorfahrt. Wer in den Kreisel einfährt,
muß also warten. Auf Fußgänger ist
zu achten, am besten Blickkontakt suchen. Der Fußgänger
hat laut Straßenverkehrsordnung (StVO) grundsätzlich
Vorrang vor dem Kraftfahrer, sollte aber als Schwächerer
nicht auf seinem Recht bestehen. Nur bei der Ausfahrt
aus dem Kreisel blinken. Im Kreisel ist Halten verboten.
Nicht über die Mittelinsel fahren !" Nun
kann ja fast nichts mehr schief gehen, damit alles
rund läuft.
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