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"Übrigens finde ich hier viele Menschen,
die sich das ganze Jahr in einem so bestimmten Kreise
herumdrehen, wie ein Mühlrad um die Achse. Ihr
Ideenvorrat ist dürftiger als ein Opferstock
auf´m Sonntagsberg bei Wien. Ihre witzigen Einfälle
lassen sich zählen... ein eigener Gedanke ist
da eine äußerst seltene Geburt... - Aufklärung
! Davon ist nicht zu reden. Wenn es nur dämmerte.
So aber kämpft siebenfache ägyptische Finsternis
gegen alles Licht. Nicht das geringste Fünckchen
flimmert durch."
Ob der Dinkelsbühler Kinder- und Jugendschriftsteller
Chrisoph von Schmid in diesem Zitat von 1800 seine
Heimatstadt aufs Korn genommen hat, wissen wir nicht
sicher. Sicher ist aber, daß manche boshaften
Geister von außerhalb Dinkelsbühl und seine
kulturelle Potenz mit ganz ähnlichen Beschreibungen
versehen haben. Bis zum Jahre 1991, als die gelernte
Buchhändlerin Beate Gellhorn gegen solche Vorurteile
die Initiative ergriff und die Idee zu einem Dinkelsbühler
Kulturmagazin verbreitete, das sich, wie sie es nannte,
"der Kultur in der Provinz" widmen sollte.
Es gelang ihr, Persönlichkeiten,
die sich im Bereich Kultur schon damals engagierten,
für ihr Projekt zu begeistern: die
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Stadtbibliothekarin Isolde Lang, den Kulturreferenten
der Stadt Dinkelsbühl Thomas Sandfuchs, den Vorsitzenden
des Theater- und Kulturrings der Stadt Dinkelsbühl
e.V. Walter Hauth und Ernst-Otto Erhard. Verstärkt
durch weitere Kulturbeflissene war die erste Mannschaft
damit bald komplett. Der Fotograf Peter Rupprecht
konnte für die Titelbildgestaltung gewonnen werden.
Ein Name für das neu geborene Kind war schnell
gefunden: nach der Navigationshilfe für Verkehrsflugzeuge,
das auf städtischem Boden steht, wurde der Kultur-Navigator
"Funkfeuer" genannt.
Funkfeuer-Aktion
Seit Juni 1991 berichtet das "Magazin für
Kunst, Kultur und Meinung", wie sein Untertitel
lautet, vierteljährlich über das kulturelle
Leben in Dinkelsbühl und seiner weiteren Umgebung.
Doch nicht allein begleitendes Berichten prägte
"Funkfeuer" in den folgenden Jahren, immer
wieder wurde das Redaktionsteam im Kulturleben aktiv.
So war es bereits 1992 einer "Funkfeuer"-Initiative
zu verdanken, daß ein außergewöhnliches
Aquarell von Karl Schmidt-Rottluff,
das den Bäuerlinsturm zeigt, für Dinkelsbühl
ersteigert werden konnte, nachdem durch eine konzertierte
Spendenaktion DM 92 000,-- mit Hilfe des Historischen
Vereins aufgebracht werden konnten.
Buchpublikationen im Funkfeuer-Verlag
1994 folgte die erste Buchveröffentlichung des
zwei Jahre vorher offiziell begründeten "Funkfeuer-Verlages",
dessen Gesellschafter die Funkfeuer-Gründer selbst
sind. Unter dem Titel "Von
der Geschichte leben ? Das Beispiel Dinkelsbühl"
legte Ernst-Otto Erhard eine scharfsinnige und kritische
Betrachtung über historische Städte am Beispiel
seiner Wahlheimat Dinkelsbühl auf der ständigen
Gratwanderung zwischen Historie und Moderne vor, was
ihm sogar die Drohung eintrug, geteert und gefedert
aus der Stadt gejagt zu werden. Das überregional
beachtete Buch ist mittlerweile in zweiter Auflage
erschienen.
Im Jahr darauf wurde eine Mappe mit 12 Federzeichnungen
zu Homers Odyssee von Helmut Faltermaier, einem langjährigen
Kunsterzieher am Dinkelsbühler Gymnasium, vom
Verlag in limitierter Auflage herausgegeben. Diese
liebenswerten ironischen Zeichnungen hatte Faltermaier
1965 für eine Produktion des Fränkisch-Schwäbischen-Städtetheater
angefertigt, Funkfeuer wollte sie ihrer subtilen Qualität
wegen nicht der Vergessenheit überlassen. Die
Auflage war innerhalb kurzer Zeit vollständig
vergriffen.
1997 folgte die zweite Buchproduktion des Funkfeuer-Verlages:
"Es war einmal
in Dinkelsbühl" von Patricia Lee Gauch
und Tomie de Paola, das die Legende der Dinkelsbühler
Kinderzeche als Bilderbuch nacherzählt. Das Kinderbuch
der hochkarätigen Autorin und des mehrfach ausgezeichneten
Illustrators erschien 1977 bei G.P. Putnam´s
in New York, aber niemals in deutscher Sprache. Dem
Funkfeuer-Verlag gelang es nach jahrelanger Spurensuche
und langwierigen Verhandlungen, die Rechte zu erwerben
und dieses Buch auf Deutsch zu veröffentlichen.
Im Jahre 2001 schließlich folgte zum zehnjährigen
Bestehen des Magazins die dritte Buchproduktion von
Funkfeuer, das "Dinkelsbühler
Gästebuch", in dem Ernst-Otto Erhard
Texte aus vier Jahrhunderten über Dinkelsbühl
zusammengetragen hat. Er versammelt in diesem Buch
Reiseberichte, amtliche Dokumente, private Notizen,
Zeitungsbericht u.v.a.m. und ergänzt diese durch
teilweise unveröffentlichte Bilder.
Das Magazin
Über all diese Jahre erschien das "Funkfeuer
Dinkelsbühl - Magazin für Kunst, Kultur
und Meinung" viermal jährlich. Es hat in
unzähligen Artikeln über Theater, Ausstellungen,
Bücher, Manuskripte, Filme und und und berichtet.
Über dreißig Gasthäuser wurden einem
kritischen aber meist wohlwollenden Test unterzogen.
Seit 1998 besteht das Funkfeuer
Team neben Beate Gellhorn, Isolde Lang, Ernst-Otto
Erhard, Walter Hauth, Thomas Sandfuchs und Angelika
Cichon (die bereits seit 1995 zu Funkfeuer gehört)
auch aus Dagmar König, Werner Trost, Michael
von Karpowitz und Peter Kreutz. Seit 2000 sorgt Richard
Schönherr für die Titelbilder. In diesem
Jahr gab Beate Gellhorn auch die Redaktionsleitung
an Walter Hauth und Peter Kreutz weiter. In dieser
Konstellation sind Magazin und Verlag bereit für
das nächste Jahrzehnt ihres Bestehens.
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